Sonntag, 22. Juni 2014

The Last Word für Anfänger

Der Last Word Cocktail einmal anders. Viel Spaß beim betrachten diese sehr humoristischen Videos.



Ich empfehle auch die anderen Videos von "The Last Word". Hoffentlich kommt davon noch mehr.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Cocktaildreams Forumtreffen 2014


Mittlerweile traditionell, fand auch in diesem Jahr das Forumtreffen von Cocktails & Dreams statt. Die Stadt der Wahl viel dabei auf Berlin und so kam es das sich ca. 30 Connaisseure, Cocktailnerds und weitere Genussmenschen  aus dem deutschsprachigen Raum in die Hauptstadt pilgerten.
 
 
Der erste Tag startete gemütlich im Innenhof  unserer Unterkunft bei einigen erfrischenden. Highballs. Nachdem ein Großteil der Teilnehmer angereist war musste erstmals das Wichtigste erledigt werden: Die Bars wurde aufgebaut (Eine Cocktailbar und eine eigene Gin & Tonic Bar), drei Kühlschränke randvoll  mit Filler, Champagner und weiteren Flüssigkeiten gefüllt und die Hoshisaki-Eismaschine im Bad aufgebaut. (ja, wir haben eine Eismaschine durch das halbe Land  transportiert) Und was macht man in der Zeit bis genug Eis vorhanden ist? Man Besucht natürlich die ersten Bars in Berlin - hier gab es genug Eis und zufälligerweise auch jede Menge gemischte Getränke. Davor wurde noch die nötige Grundlage geschaffen mittels eines grandiosen BBQ durch das Berliner Kult-Grillteam des Chicago Williams.
Am nächsten Vormittag ging es, nach einem gemeinsamen Frühstück, zum ersten offiziellen Programmpunkt des Treffens, ein Cognac-Tasting. Zwölf Sorten des französischen Weinbrands, von den Qualitäten VS bis XO, wurden unter Fachkundiger Leitung verkostet und brachten und diese, in Deutschland etwas vernachlässigte Spirituose, näher. Aufgrund der großen Unterschiede der einzelnen Produkte konnte man sich nicht auf einen Favoriten einigen. Cognac ist mit Sicherheit ein sehr spannendes Produkt hinter der Bar. Die Zeit verstrich in Windeseile und führte den gemeinsamen Weg weiter in ein nahe gelegenes türkisches Restaurant zum gemütlichen Abendessen dessen Finale in einem kleinen Raki-Tasting endete - Cocktailnerds eben! Dieser Tag sollte schlussendlich in einer geplanten Bartour kreuz und quer durch die Stadt ausklingen die neben absoluten Highlights leider auch einen Tiefpunkt hatte. Nun blieb, nach der Rückkehr in unsere Unterkunft, nur noch die Frage im Raum stehen warum die Sonne so hell und die Vögel so laut sein müssen am Ende einer "kleinen" Tour.
Der kommende Programmpunkt, ein Champagner-Tasting, lies uns jedoch schnell darüber hinwegsehen immerhin ist dieser nur noch wenige Stunden entfernt. Neun Sorten des französischen Schaumweines galt es in gewohnt zwangloser Runde zu verkosten. Als Favoriten stellten sich relativ schnell der charaktervolle Dosnon & Lepage Recolte Noir heraus sowie der zugängliche Gosset Excellence. Und wie es sich in unserer Gruppe eingebürgert hat gab es direkt im Anschluss an den Champagner ein großartiges Sushi-Buffett welches von den Mitgliedern des Forums überfallen wurde wie ein Kornfeld von einem Heuschreckenschwarm. Bei der Qualität der Fisch-Häppchen auch kein Wunder! Jetzt stand nur noch ein Programmpunkt auf der Liste: Der Cocktailwettbewerb unter dem Motto "Cognac" um das Thema des Vortages wieder aufzugreifen. Diesen konnte sich die Mitglieder Tim und Benjamin für sich entscheiden mit ihrer Mischung. Sämliche Rezepte sind im Forum nachzulesen. Die Nacht klang schließlich in den frühen Morgenstunden aus nach einem letzten exzessiven Misch-, Schüttel- und Rührmarathon an unserer Cocktailbar bis auch die letzen Tropfen Schaumwein und der letzte Eiswürfel verbraucht waren.
Nach dem Forumtreffen ist vor dem Forumtreffen und deshalb freue ich mich schon jetzt auf Cocktails & Dreams 2015 in Hamburg! Dann auch gerne bei milderen Temperaturen.
 
Das Cocktaildreams Forum bedankt sich herzlichst an allen die dieses fantastische Programm ermöglich haben durch ihre Unterstützung. Ohne diese wäre diese Veranstaltung nicht möglich! Wir danken

-Alexander Tropman,  Forumadministrator und Sponsor durch Barfish
-Oliver Steffens (The Ginthusiast) und Mike Meinke für die Organisation
-Julia Nourney für das Cognactasting
-Borko Markenimport und Diageo Deutschland für die Bereitstellung diverser Spirituosen und Weine
-Torben Bornhöft (Trinklaune), Boris Maskow, Nicola Neumann (Noble Wine), Champagner Bruno Paillard und Gosset  für die Unterstützung des Champagnertastings
 -Die Bars der offiziellen Bartour (Hotelam Steinplatz, Schwarze Traube, Hefner, Limonadier, Bar Franzotti)
-alle anderen Berliner Bars unseres Vertrauens
-dem Vermieter unser Berliner Unterkunft
dem Besitzer der Eismaschine für die freundliche Leihgabe
-dem Wettergott welcher für Temperaturen über 30 Grad gesorgt hat ;-)

Montag, 3. März 2014

Ginvolle Entwicklungen - Eine Prognose?


Seit geraumer Zeit ist der aromatische Gin die Spirituose mit der größten Entwicklung. Der Klassiker Gin & Tonic ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde, vom Gelegenheitstrinker bis hin zum absoluten Cocktailnerd. Gab es noch vor zehn Jahren nur eine Sorte Tonic und wenige Sorten Gin ist der Markt aktuell geradezu explodiert. Die Frage ob diese schnelle Expansion überhaupt Sinn macht muss mittlerweile stark kritisiert werden.
Auf Seiten der Destillerien und der Importeure scheint der Fall klar: Es besteht eine große Nachfrage der Wacholderspirituose die es zu bedienen gilt - schneller Umsatz scheint sicher zu sein. Flaschenpreise von mittlerweile 30-50€ sind keine Seltenheit mehr. Im Gegensatz dazu steht ein relativ einfacher Herstellungsprozess. Neutralalkohol wird mittels Kräutern, Pflanzen, ect. versetzt, abdestilliert, auf Trinkstärke herabgesetzt und schließlich abgefüllt. Hohe Lagerkosten durch einen langjährigen Reifungsprozess, wie bei anderen Spirituosen üblich, entfällt. Die Rohstoffe sind verhältnismäßig billig und fast jede bestehende Destillationsanlage kann zur Herstellung von Gin genutzt werden.
Diese Faktoren scheinen dazu zu führen das mittlerweile ein Jeder meint er müsse einen Gin in sein Sortiment aufnehmen. Es vergeht nicht eine Woche in der man nicht mindestens einen neuen Gin präsentiert findet. Selbst ich als Cocktailbesessener habe den Überblick verloren. Bei meinem diesjährigen Besuch der Finest Spirits in München war ich total über die Anzahl überrascht über die Anzahl mir völlig unbekannter Gins. Aber wer trinkt das alles? Ich behaupte das nicht so viel mehr Menschen Gin trinken als noch vor ein paar Jahren, bzw. steht dieses Wachstum in keinem Verhältnis zu dem der Flüssigwacholders. Der Markt wächst enorm schnell in die Breite aber nur langsam in die Höhe. Das dürfte dazu führen das die meisten Neuerscheinungen genau so schnell wieder verschwinden wie sie gekommen sind da die Nachfrage nicht mehr in dieser menge vorhanden sein wird. Mit wenigen Ausnahmen werden meiner Meinung nach nur die "Klassiker" (z.B.Tanqueray, Beefeater) und die "Alten Neuen" (z.B. Hendricks, The Duke) bestand haben da sie sich schon ausreichend etabliert haben in der Welt der Spirituosen.
Das bringt mich zu einem weiteren Punkt:  Was ist Gin und was macht sein Profil aus? Ursprünglich besteht das typische Aroma aus Wacholder und anderen Kräutern um die wohlbekannte Würzigkeit zu erzeugen. Nebst diesen Standart-Ginaromen existieren noch die floralen und weichen Gins welche mit Blüten, Obst und Früchten arbeiten. Dazu gesellen sich noch die Außenseiter "Old Tom Gins" die wiederum würzig oder floral sein können. Gin ist kein Brand, der im Gegensatz zu Rum oder Whisky, in größeren Rahmen pur getrunken wird - das grenzt die Vielfalt ein. Zwar ist jeder Gin individuell im Geschmack jedoch ist das Bild immer wieder ähnlich. Das führt regelrecht zu einer Belanglosigkeit vieler Brände obwohl sie handwerklich, wie auch qualitativ, keinerlei Makel aufweisen. Das sollte in naher Zukunft zu einer weiteren Regulierung des Gin-Marktes führen.
Gin ist im Trend und das könnte noch eine ganze Zeit so bleiben. Die Wirtschaft welche dahinter steckt wird sich aber bald deutlich verändern da sie in meinen Augen schon auf sehr wackligen Füssen steht. Wirklich Innovatives wird hier nicht mehr passieren und weitere Produkte werden ebenfalls nicht mehr benötigt. Ach ja... Falls jemand fragen sollte: In meiner kleinen privaten Heimbar stehen 15 Flaschen Gin und drei Sorten Tonic. Ich bin versorgt...

Donnerstag, 20. Februar 2014

Die Finest Spirits 2014 in München


Vergangenes Wochenende fand in München die alljährliche Finest Spirits statt. Unter dem Motto "Home Bar Essentials“ gab es eine fast unüberschaubare Menge an Produkten auf knapp 5000m² zu erkunden. Zwischen alten Straßenbahnen und anderen Schienenfahrzeugen im MVG-Museum positionierten sich große Spirituosenimporteure, Bars und Brennereien um ihr Warenangebot dem interessierte Publikum näher zu bringen.
Und die Vergrößerung der Fläche machte sich sofort bemerkbar! Trotz einer hohen Besucheranzahl war es möglich überall sehr schnell an die einzelnen Stände zu kommen und bei Interesse mit dem Ausstellern zu reden - es sei den die Liveband hat wieder auf der Bühne ,in der Mitte der Halle, losgelegt und alles übertönt. Eine schöne Idee aber in meinen Augen nicht sinnvoll auf einer Messe. Angenehmer waren hier schon die lokalen Produkte aus dem GSA-Bereich welche mit einer überraschenden Vielzahl vorhanden waren. Hier konnte man alles vom Obstbrand, über den Gin bis hin zum Rum finden - was dabei sinnvoll ist und nicht möchte ich demnächst separat behandeln. Angefangen als Whisky-Messe ist die Finest Spirits immer noch auf diesen Schwerpunkt ausgelegt auch wenn man mittlerweile sämtliche Spirituosen in großer Anzahl vorfindet. Eine fantastische Entwicklung für Nicht-Cocktailnerds um den genussvollen Horizont zu erweitern - für die Nerds ist diese Evolution natürlich nicht minder interessant. Bedenkt man das vor zwei Jahren (mein letzter Besuch auf der Finest Spirits) neben Whisky nur wenige Obstbrände und vereinzelte Rumflaschen vorzufinden waren ist dies ein enormer Fortschritt! Wenn die Messe weiterhin mit einem solchen Tempo wächst steht sie dem Barconvent Berlin in nichts Nahe, von den Vorträgen, Seminaren, ect. einmal abgesehen. Natürlich muss an dieser Stelle erwähnt werden das der BCB eine Fachmesse ist und die FS eine Endverbraucherausstellung.
Ich komme nicht umher meine persönlichen Neuentdeckungen kurz aufzuführen den davon gab es einige: Zunächst einmal das Whiskeysortiment aus dem Hause Koval welches aus fünf Produkten besteht. Ein ungereifter Roggenbrand macht dabei den Anfang. Etwas bissig und kantig aber ganz klar ein Whiskey. Solche "White Dogs" finde ich äußerst spannend für die Bar und hoffe das in Zukunft mehr Hersteller diese markanten Tropfen  zum Verkauf anbieten. Geradezu sanft und weich präsentiert sich dagegen der Koval Millet mit einer dezenten Süße. Dieser Tropfen wurde aus Hirse gewonnen und ist somit einzigartig. Ein netter und leichter Sipping-Whisky der sich dadurch sehr von andern unterscheidet. Komplexer und damit anspruchsvoller ist dagegen der Koval "Four Grain" bestehent aus Gerste, Roggen, Hafer und Weizen. In meinen Augen das beste Produkt aus der Reihe. Die anderen beiden Produkte aus dem Hause Koval erschienen mir zu  belanglos unter der großen Konkurrenz.
Aus der selben Destillerie stammt im Übrigen auch der Sylvan Gin welcher mich wirklich beeindruckt hat. Ein trockener Gin mit grasiger Note der am Gaumen wunderbar pfeffrig und kräutrig daherkommt ohne scharf zu sein. Weiterhin konnte mich unter der großen Ginauswahl auf der Messer der Sipsmith V.J.O.P. in seinen Bann ziehen. Ein wuchtiges Wacholderprodukt welches durch seine  57,7% mächtig gegen die ganzen leichten Artverwandten antritt. Beide Gins sollten sich Liebhaber dieser Spirituose einmal genauer ansehen - es lohnt sich!
Auf dem Rumsektor konnte ich beim Berliner Rum Depot meine Highlights der Messe ausfindig machen. Den Anfang machte der 18-jährige Origenes aus Panama. Dieser Brand gefällt durch Aromen von würzigen Früchten und Karamell besitzt aber trotz seines hohen Alters noch keine alles überlagernde Holztöne welche das Geschmacksprofil zu eintönig wirken lassen. Das ist bei dem 30-jährigen Origenes bedauerlicherweise eingetreten. Leider sind beide Rums relativ teuer. Als eine Fruchtbombe entpuppte sich ein Rum Depot Eigenimport in Form eines zwölfjährigen Singel-Caskstrengh Rums aus der Dominikanischen Republik. Mit massiven 65% zwar kein Leichtgewicht aber ein äußerst spannendes Produkt das ein jeder Rumliebhaber probieren sollte. Zu einem sehr attraktiven Preis hat es auch gleich eine Flasche in meine Heimbar geschafft.
Ich freue mich bereits auf meinen Besuch auf der Finest Spirits 2015 und hoffe das ich es dann schaffe zwei statt nur einen Tag dort verbringen zu können. Die Ausstellung ist mittlerweile groß genug geworden das man sie auf einmal nicht mehr mit ausreichender Zeit genießen kann.

Dienstag, 18. Februar 2014

Made in GSA 2014 - Die Gewinner


 
Das Finale des Cocktailwettbewerbs Made in GSA wurde am 17. Februar 2014 in der Münchner Cortiina Bar unter den kritischen wie fachkundigen Augen und Gaumen der Jury ausgetragen. Es wurde geschüttelt, gerührt, gemixt, dekoriert und degustiert. Am Ende konnte André Pintz die Branchengrößen Yared Hagos (G), Markus Blattner (S), Erich Wassicek (A) und den Münchner Sternekoch Tohru Nakamura mit seinen Drinks überzeugen. André Pintz wird im Juli als Botschafter von Made in GSA zum Cocktail Festival „Tales of the Cocktail“ nach New Orleans reisen.
Angetreten waren insgesamt 13 Finalisten die sich zuvor mit zwei Rezepten zu einem Long- und einem Short-Drink und den dazu passenden Geschichten aus insgesamt 166 Rezepturen hervorgetan hatten. Für alle galt die Voraussetzung, hauptsächlich auf regionale Zutaten zurückzugreifen; also Zutaten, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz hergestellt werden.
Das beste Händchen beim Kreieren und Präsentieren seiner Cocktails vor der Jury hatte schließlich André Pintz. Er ist Bartender im Steigenberger Grandhotel Handelshof in Leipzig. Zweiter wurde der Österreicher Hubert Peter mit seinen Drinks. Er ist Bartender in der Wiener Bar „Die Au“. Den dritten Platz belegen die Kreationen von Marian Krause aus der Spirits Bar in Köln.
Neu in diesem Jahr ist die Einführung einer wechselnden Sonderkategorie, die bei der Competition am 17. Februar ganz im Zeichen von „Vodka & Korn“ stand. Im Vorfeld konnten sich vier Finalisten mit ihren Rezeptideen rund um diese beiden Spirituosen qualifizieren. Besonders Christian Kern, Bartender in der Berliner Saphire Martini Lounge, konnte mit seinem Drink „Peat Bog Punch“ zeigen, wie vielseitig Vodka und Korn sein können.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Arnaud´s Special Cocktail


Es ist noch nicht lange her als ich über den Rob Roy geschrieben habe. Das Witzige daran ist das ich das nicht vor hatte. Der Artikel sollte sich von Beginn an um den Arnaud´s Special Cocktail drehen. Es war aber nicht möglich etwas über dieses relativ unbekannte Mischgetränk zu schreiben ohne die Vorgeschichte des Rob Roy zu kennen. Dem entsprechend ist auch der Arnaud´s nicht weit davon entfernt wenn man das Rezept betrachtet. Wenn der Rob Roy der Bruder des Manhattan ist könnte man den Arnaulds als Vetter ersten Grades bezeichnen. Ich bitte jeden als erstes die Geschichte des Rob Roys zu lesen um später die Zusammenhänge zu erkennen. Im Prinzip ist es ganz einfach: Der Wermut wird lediglich durch die gleiche Menge Dubonnet ersetzt. Dieser Weinaperitif ist im Vergleich zu einem Wermut weniger kräuterbetont, erscheint etwas süßer mit mehr Gewicht auf dem Basiswein. Deshalb kann in diesem Rezept auch auf die geringe Zugabe von Tripel Sec (siehe den Rob Roy Beitrag) verzichtet werden. Anstelle des Wermutkrauts findet vor allem Chinarinde Verwendung in dem 1846 von Joseph Dubonnet erfundenen Aperitivwein. Es handelt sich demnach um einen roten Quinquina.
 
Arnauld´s Special Cocktail
6 cl Scotch
3 cl Dubonnet
3 dash Orange Bitters
 
Alle Zutaten auf Eis rühren und in ein gekühltes Cocktailglas abseihen. Je nach vorliebe noch zusätzlich mit einer Zitronen- oder Orangenzeste abspritzen. Geht man nach dem Originalrezept soll der Cocktail nicht gerührt sondern geschüttelt werden. In meinen Augen gibts es aber keinen Grund dazu das zusätzlich entstehende Schmelzwasser des Shakens in kauf zu nehmen.
Benannt ist das Getränk nach Arnaud Cazenave, ein Weinhändler welcher 1918 ein Restaurant in New Orleans eröffnete das ebenfalls seinen Name trug. Beflügelt von der Cocktailwelle welche sich langsam im ganzen Land ausbreitete wurde der Arnaud´s Special in den 1940ern und den 1950ern der Signature Drink des Hauses. Nichts desto trotz ging dieses Getränk im Laufe der Zeit verloren. Erstaunlich das diese wohl recht populäre Mixtur nicht einmal in dem Buch "Famous New Orleans Drinks & How To Mix´em" von Stanley Clisby Arthur zu finden ist, welches von 1937 bis zur heutigen Zeit immer wieder neu aufgelegt wird (aktuell in der 21. Auflage). Neu entdeckt wurde dieser Cocktail in den vergangenen Jahren erst wieder in dem Buch "Bottoms Up" aus dem Jahr 1951. Der Autor, Ted Saucier, und hier schließt sich der Kreis, war seinerseits im New Yorker Waldorf-Astoria Hotel für sämtliche Publikationen verantwortlich!
Es ist bekannt das "Bottoms Up" eine freie Rezeptsammlung ist ohne an eine bestimme Lokalität oder einen bestimmten Ort gebunden zu sein. Man kann also davon ausgehen das es sich bei der Rezeptur für den Arnaud´s Spezial um das Original aus New Orleans handelt das über Umwege wieder nach New York in das Grand Hotel gekommen ist. Zurück an den Ort wo der Ursprungs-Cocktail, der Rob Roy, erfunden wurde.
Eine Cocktail-Historie mit Happy End. Wenn doch nur alles immer so rund laufen würde. Darauf erstmals einen Manhattan... oder einen Rob Roy... oder einen Arnaud´s Special...

Freitag, 31. Januar 2014

Im Rampenlicht


Bei der Zubereitung von Cocktails achtet man in der Regel nicht nur auf die Zutaten und auf eine gelungene Mixtur. Auch die Zubereitung an sich ist ein wichtiges Element. Gerade wenn man von Gästen und Freunden beobachtet wird sollte das Mixen eines edlen Getränkes auch entsprechend stillvoll sein. Nicht umsonst werden silberne oder sogar goldene Barwerkzeuge genutzt nebst aufwendig geschliffenen Gläsern und polierten Metallbechern jeglicher Art. Denn seien wir ehrlich: Ein Cocktail in Oma´s Tupper-Schüssel geschüttelt sollte ein identisches Ergebnis im Gästeglas entstehen lassen, aber will da schon?
Aber das Shaken ist gar nicht das Problem. Der Bewegungsablauf und die Geräusche der berstenden Eiswürfel ziehen sofort die Blicke auf den Bartender. Dabei geht das ruhige, gleichmäßige rühren eines Cocktails auf dem Tresen meist unter. Diverse Bars besitzen dafür große, beleuchtete Eiswannen was definitiv ein Blickfang ist. Für den Hausgebrauch ist diese Methode allerdings recht unpraktikabel. Daher habe ich mir etwas einfallen lassen um zumindest das Rührglas ins rechte Licht zu rücken wie man auf dem Bild hier im Beitrag sehen kann.
Dazu benötigt man lediglich eine leere Verpackung von CD-Rohlingen, Klebefolie und ein batteriebetriebenes LED-Licht. Die Spindel in der Mitte der Verpackung wurde zunächst herausgeschnitten um Platz für das Licht zu schaffen. Ich habe hierfür ein Osram Dot-It verwendet welches man für ca. 5€ in jeden Baumarkt bekommen sollte. Der obere Teil der Verpackung wurde komplett mit einer selbstklebenden Velours-Folie verkleidet um eine edle Optik zu erhalten. In der Mitte muss ein Stück frei bleiben damit das Licht auch nach oben auf das Rührglas leuchten kann. Da die LEDs so stark sind und  durch die Folie leuchten konnten habe ich das innere des Deckels noch zusätzlich mit Karton ausgekleidet. So sieht das Ganze schlussendlich aus.
Die Plattform für Rührgläser kostete mich in diesem Fall nichts da alle benötigten Bestandteile irgendwo im Haus auffindbar waren. Selbst wenn man die Teile extra kaufen muss schafft man es für unter zehn Euro seine gerührten Mixturen mit einem gewissen Effekt zu präsentieren. Die Show gehört einfach dazu...

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Wenn Cocktailnerds backen...


Cocktails sind ein Mittel zum gehobenen Genuss. Viele die sich diesem Thema verschrieben haben wissen eine gelungene Komposition aus verschiedenen Zutaten zu schätzen und beschränken sich dabei nicht nur auf den flüssigen Sektor. Gerade die Weihnachtszeit bietet eine unüberschaubare Vielzahl an kleinen Sünden an welche zumeist in den Regalen der Süßware zu finden sind. Ein fester Bestandteil nimmt dabei der Lebkuchen in sämtlichen Variationen ein. Dieses Gebäck besteht vorwiegend aus Nüssen, Zucker und diversen Gewürzen um sein unverwechselbares Aroma zu entfalten. Ein richtiger Cocktailnerd gibt sich natürlich nicht mit der einfachen Supermarktware zufrieden und macht sich seine Lebkuchen selbst und findet dabei seine Zutaten in der Bar.

Angostura-Bitters-Lebkuchen mit Punt-E-Mes-Glasur

500g Haselnüsse
400g Rohrzucker
5 Eier
50g Orangeat
50g Citronat
50 ml Angostura Bitters
1 Teelöffel Zimt
Gerieben Schale einer Zitrone
Oblaten 70mm
Punt-E-Mes
Puderzucker

 Das Orangeat und das Citronat zunächst grob hacken. Anschließend sämtliche Zutaten in eine große Schüssel geben und zu einer homogenen Masse verrühren. Diese mit Hilfe eines Esslöffels gleichmäßig auf die Oblaten verteilen. Den Löffel dabei immer wieder mit Wasser befeuchten um den klebrigen Teig zu glätten. Das Ganze wird anschließend bei 150°C ca. 30-35 im Ofen gebacken  bis die einzelnen Kuchen leicht gebräunt sind. Aus dem Wermut, ich benutze Punt-E-Mes, und dem Puderzucker wird zwischenzeitlich eine dickflüssige Glasur gerührt. Diese wird zum Schluss auf die ausgekühlten Lebkuchen gestrichen um sie vor dem Austrocknen zu schützen. Die Glasur benötigt zum trocken einige Stunden. In einer dichten Box halten sich die Lebkuchen wochenlang. Das Rezept reicht für ca 35 Stück!
Die Lebkuchen haben ein feines Aroma nach weihnachtlichen Gewürzen und eine leicht herbe Note durch den Wermut die super dazu passt. Zu diesen "Cocktailküchlein" empfiehlt es sich einen gefälligen Rum oder Bourbon zu genießen. Gerne auch vermixt als Manhattan-Cocktail, welcher Pate für die Grundidee des Gebäcks stand. Wie sich weiterhin gezeigt hat stellen sich diese Lebkuchen auch als wunderbarer Begleiter zum Portwein oder Sherry dar. Die Cocktailwelten wünschen viel Spaß beim nachbacken und frohe Weihnachten an alle Leser!

Dienstag, 10. Dezember 2013

Made in GSA 2014


Nach dem großen Erfolg im Vorjahr findet 2014 zum zweiten Mal der Made in Wettbewerb statt. Im Mittelpunkt stehen wieder regionale Produkte, die mit kreativen Rezepturen in Szene gesetzt werden. Am Ende ist das Ziel, die Jury mit einem Gesamtwerk aus Geschmackserlebnis und passender Geschichte zum Drink zu überzeugen. Bis zum 20. Januar 2014 können Bartender und Connaisseurs ihre Rezepturen beim Wettbewerb einreichen. Wer zum Finale nach München fährt und seine Kreation den Experten der Jury vorstellen darf, entscheidet sich eine Woche nach Bewerbungsschluss.
Grundidee der Made in GSA-Competition ist es, nicht eine Marke in den Fokus zu stellen, sondern eine Region und ihre erstklassigen Produkte, die meistens nicht die große Aufmerksamkeit genießen. Wie im letzten Jahr reichen die Teilnehmer jeweils ein Short- und ein Longdrink ein. Es gilt das Motto: „Wohlschmeckend allein reicht nicht!“. Jedes eingesendete Rezept soll mit einer Geschichte verbunden werden, die im Gedächtnis bleibt und die Idee des Erfinders erlebbar macht. Das Ziel: Der Drink soll das Potenzial in sich tragen, zu einer eigenen Marke zu werden und in den nächsten Jahren die Tresen des GSA-Raums erobern. Über 100 Teilnehmer haben beim vergangenen Wettbewerb ihre Rezepte ins Rennen geschickt, 50 Produkte von 21 verschiedenen Sponsoren waren dabei. Für die kommende Competition stehen bereits 62 Produkte fest. Nun ist es an den Bartendern und Connaisseurs, ebenfalls die Vorjahresmarke zu überbieten und die Juroren mit ihren Kreationen zu überzeugen. Es wird im zweiten Jahr Angleichungen im Reglement geben, die das Profil und die Ausrichtung der Competition schärfen und den Wettbewerb auch über die Grenzen von GSA-Land hinaus bekannt machen sollen. Zudem wird es eine wechselnde Sonderkategorie eingeführt, für die sich Bartender und Connaisseurs zusätzlich bewerben können. In diesem Jahr ist die Sonderkategorie „Vodka & Korn“.
In 2014 ist die Jury wieder hochkarätig besetzt: Aus der „Halbestadt“ Bar in Wien wird Erich Wassicek die Cocktails bewerten. An seiner Seite stehen Yared Hagos, der mit seiner Bar „The Parlour“ in Frankfurt seit Eröffnung vor zwei Jahren für Furore sorgt und der mehrfach ausgezeichnete Schweizer Markus Blattner, derzeit mit der Eröffnung seiner Zürcher Bar “Old Crow“ in aller Munde. Die Jury wird aus den eingesendeten Rezepten 35 (davon zehn aus der Sonderkategorie „Vodka & Korn“) auswählen, ausmixen und insgesamt zwölf Finalisten (davon vier aus der Sonderkategorie) nach München einladen. Im Finale werden schließlich die vorgestellten Cocktails, die Auftritte der Teilnehmer sowie die Geschichten bewertet. Extrapunkte kann sich erarbeiten, wer im passenden Outfit kommt.
Für die Sieger, die am 17. Februar in München gekürt werde, geht es unter anderm um eine Reise nach New Orleans zu den "Tales of the Cocktail", zum nächsten Barconvent Berlin und den Mixology Bar Awards Dinner oder um einen  Einkaufsgutschein für den Cocktailian-Shop. In der Sonderkategorie ist ein Jim Meehan Bar Bag zu gewinnen. Alle nötigen Informationen zur Teilnahme finden sich auf der Webseite der Competition.

Samstag, 30. November 2013

Ungava Gin aus Kanada im Test


Seit Jahren ist Gin die Spirituose deren Entwicklung kein Ende zu nehmen scheint. Selbst als Cocktailnerd verliert man hier schnell den Überblick und findet immer wieder Produkte die man noch nie verkostet, geschweige den jemals gesehen hat. Ein neuer Gin auf dem deutschen Markt, der allerdings schon aus optischen Gründen kaum zu übersehen ist, kommt aus dem hohen Norden und nennt sich Ungava Canadian Premium Gin.
Wie der Name unschwer erkennen lässt stammt dieses Destillat aus Kanada und hier ist auch der Namensursprung des Produktes zu finden. Die Ungava-Halbinsel besteht aus einem weiträumigen Gebiet an der nördlichen Spitze von Quebec, östlich der rauen Hudson Bay. Der Gin präsentiert sich in einer modernen, kantigen Flasche deren Etikett mit Schriftzeichen der kanadischen Inuit Ureinwohnern verziert ist. Der Gin weist einen Alkoholgehalt von angenehmen 43,1% auf und sticht durch seine leuchtend gelbe Farbe hervor - und wir reden hier wirklich von leuchtend Gelb! Diese ungewöhnliche Aufmachung schreckt zunächst ab und Skepsis  ist zunächst angebracht, unterscheidet sich das ganze doch schon deutlich von einem normalen Wacholderbrand.
Das Produkt basiert zunächst, wie jeder Gin, auf einem Neutralalkohol welcher mittels diversen Kräutern und Früchten mazeriert wird. Beim Ungava Gin kommen lediglich sechs solcher Botanicals zum Einsatz. Diese stammen ebenfalls allesamt aus der arktischen Tundra Nordkanadas. Neben dem klassischen Wacholder finden noch Hagebutte, Moltebeere, Krähenbeere, Arctic Blend und Grönländischer Porst Verwendung. Die letzten drei stammen alle aus der Familie der Heidekrautgewächse. Viel mehr wächst in dieser kargen Landschaft wahrscheinlich auch nicht. Nachdem nun dieser Kräuterauszug destilliert wurde wird das Ergebnis nochmals mazeriert um die außergewöhnliche Farbe zu erhalten. Wenn ich es richtig verstehen handelt es sich dabei nochmals um die selben Zutaten wie zuvor.
Immer noch skeptisch geht es weiter mit der Verkostung: In der Nase ist ein deutliches Wacholderaroma zu vernehmen. Weiterhin eine leicht süßliche Note, etwas floral, etwas citrus. Diese Eindrücke setzten sich am Gaumen fort nur in umgekehrter Reihenfolge. Zunächst schmeckt man eine markante blumige Note welche sobald vom Wacholder überdeckt wird. An dieser Stelle könnte der Ungava für mich schon einen Tick würziger sein. Diese Würzigkeit, welche ich bei einem Gin schätze, ist erst beim langen Abgang zu vernehmen ohne dabei scharf zu sein. Des Weiteren bilden sich noch Aromen aus die mich etwas an Fichtennadeln erinnern. Insgesamt ein sanfter Gin der sich dennoch nicht versteckt. Der Gin kann durchaus überzeugen.
Stellt sich nur noch die Frage was diese Spirituose hinter der Bar kann. Getestet wurde sie zunächst im Gin & Juice. Der Gin bildet hier eine schöne Kombination mit einem verwendeten Merlot-Traubensaft. Ein sanftes Mischgetränk dem lediglich ein wenig Kraft fehlt. Andere Gins können das besser. Hier sollte die verwendete Saftmenge nicht zu hoch sein um den Gin nicht zu sehr zu unterdrücken. Im Klassiker "Gin & Tonic" macht sich der Kanadier ganz gut zusammen mit Thomas Henry Tonic Water. Das Getränk erscheint rau und kantig in seiner Bitterkeit. Wacholder gibt hier den Ton an umspült von wenigen floralen Eindrücken. Bestimmt kein Gin & Tonic für jeden Tag aber Spaß macht das Ganze ohne Zweifel! Das Destillat stößt beim vermixen aber eindeutig auf Grenzen. Ich denke das der Ugava in allen Drinks gut funktionieren wird in denen der Gin eine tragende Rolle spielt. Gin & Tonic, Martini, Gin Fizz, Gimlet, ect. Zusammen mit anderen aromatischen Partnern geht der Nordländer relativ schnell unter aufgrund dessen das er einen Großteil seiner  Kraft wie in der Purverkostung erst im Abgang preisgibt.
Als ich das erste Mal die Flasche mit diesem, man verzeihe den Ausdruck, uringelben Inhalt sah war ich mehr als skeptisch was das eigentlich sein sollte. Doch der Gin entpuppte sich als ein schönes Produkt das sowohl pur als auch mit Einschränkungen in der Mixology zu gebrauchen ist. Ungava Gin kann durchaus überzeugen und ist für Liebhaber der Spirituosenwelt allemal einen Blick wert. Er ist ab sofort in Deutschland erhältlich. Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt allerdings noch zu nennen: Der Preis. Für ca. 30€ die Flasche ist das Produkt für einen Gin schon in den höheren Regionen angesiedelt. Eventuell schon etwas zu hoch wenn man das ganze mit der riesigen Konkurrenz aus aller Welt vergleicht.
 
Anmerkung: Den Cocktailwelten wurde für diesen Artikel eine Flasche Ungava Gin als Muster zur Verfügung gestellt.

Montag, 11. November 2013

Rob Roy - Der Bruder des Manhattan


Fragt man nach alten und klassischen Cocktailrezepten wird man immer wieder den Manhattan als Antwort bekommen. Dieses simple, dennoch komplexe, Mischgetränk ist so bekannt das selbst Laien mit diesem Namen etwas Anfangen können ohne jemals die Kombination aus Rye-Whisky, roten Wermut und Bitters gekostet zu haben. Kein Wunder bedenkt man das die Rezeptur für einen Manhattan schon im "Jerry Thomas Bartender´s Guide" von 1862 zu finden ist - dem ältesten Cocktailbuch. In diesem Beitrag soll es jedoch um den nächsten Verwandten des Manhattans gehen: Der Rob Roy.
Der Rob Roy entspricht der selben Rezeptur wie der Manhattan jedoch findet anstelle eines amerikanischen Rye´s ein Scotch Whisky Verwendung. Entstanden ist dieses Getränk vermutlich 1894 im berühmten New Yorker Waldorf-Astoria Hotel. Laut Internet verdankt der Rob Roy Cocktail seine Entstehung einerseits der Einführung von Dewar's Scotch Whisky in den Staaten, andererseits der im selben Jahr stattfindenden Premiere der gleichnamigen Operette von Reginald De Koven und Harry B. Smith. Benannt ist das Getränk nach einem schottischen Volkshelden, Robert Roy MacGregor, ein Rinderdieb welcher seinen Nachbarn wiederum Schutz vor Rinderdieben verkaufte - die Mafia lässt grüßen...
Natürlich stellt sich bei der Zubereitung die Frage welcher Scotch zu verwenden ist. Alleine die Aromenvielfalt dieser Spirituose ist so groß wie der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Da der Manhattan ein komplexer und dominanter Drink ist empfehle ich diese Eigenschaften auch im Rob Roy einzubringen. In diesem Fall bietet es sich an den charaktervollen Roggenwhisky durch einen ebenso eigensinnigen Singel Malt aus Islay zu ersetzen. Welcher Islay-Tropfen es schließlich genau wird muss jeder für sich selber entscheiden. Alleine durch diese Auswahl entsteht jedes Mal  ein komplett anderes Trinkvergnügen. Die typischen Rauch- und Torf-Aromen geben dem Cocktail sein besonderes Etwas. Gehen wir davon aus das im Waldorf-Astoria Bar Book von A. S. Crockett aus dem Jahre 1935 das Originalrezept stammt, immerhin scheint hier der Cocktail erfunden zu sein, benötigt es Whisky und italienischen Wermut zu gleichen Teilen, mit einem Dash Orangen Bitters verrührt. Das Deckt sich bestens mit dem Manhattan-Rezept dieser Zeit. Allerdings werden darin noch einige Spritzer Triple Sec Curacao hinzugegeben (laut Jerry Thomas).
Interessant ist eine Mischung die ich in dem Buch "Cocktails - How to mix them" von Robert Jenkins gefunden habe. Das Buch weist zwar keine Jahreszahl auf aber in meinem Exemplar befindet sich ein Stempel eines Pariser Buchhändlers mit dem Datum 03. Jan 1928. Obwohl dieses Cocktailbuch also deutlich jünger ist als das des Hotels ist eine andere Rezeptur niedergeschrieben. Hier finden sich neben Whisky und Wermut auch die 2-3 Dashes Curacao des Manhattans wieder - ein interessanter Zusammenhang ergibt sich. Dafür wird hier anstelle des italienischen Wermutweines ein Französischer verwendet - quasi ein "Dry Rob Roy". Getestet habe ich diese Kombination nicht aber ich vermute das hier der starke Islay-Whisky sehr dominieren wird. Ein Scotch aus den Highlands dürfte eine bessere Entscheidung sein sollte es jemand probieren wollen.
Was die Dekoration bzw. die Zugabe einer Zitruszeste angeht findet man in diversen Quellen verschiedenste Angaben. Mit und ohne Cocktailkirsche, mit Zitronenzeste oder mit einer Orangenzeste. Hier entscheidet der persönliche Geschmack. Zitrone verleiht dem Ganzen eine leichte frische Note hingegen die Orange das Getränk fein abzurunden vermag. Ich habe für mich entschlossen das eine Kombination aus den hier erwähnten Rezepturen einen wunderbaren Cocktail für die Herbst- und Wintermonate ergeben. Die Zugabe des Tripel Sec Curacao ist für mich ein absolutes Muss. Der Likör sorgt für eine milde Süße und Fruchtigkeit welche fantastisch im Rob Roy harmoniert. Auch ändere ich das klassische Verhältnis der beiden Hauptzutaten von 1:1 in das heutzutage gebräuchlichere 2:1 um. Das ist hauptsächlich der hohen Qualität der neuen Whiskys zu verdanken wie auch die Tatsache das dieser als Hauptzutat des Cocktails schließlich auch die Hauptrolle übernehmen darf.
 
Rob Roy
6 cl Islay Scotch
3 cl roter Wermut
3 dash Triple Sec
2 dash Orangenbitters

Alle Zutaten auf Eis verrühren und in ein gekühltes Cocktailglas abseihen. Den Drink wahlweise mit einer Zitronen- oder Orangenzeste abspritzen.

Freitag, 11. Oktober 2013

Feuer und Flamme


Fast ein Jahr Pause auf den Cocktailwelten... Wie die Zeit vergeht... Aber ich habe nie gesagt das hier Schluss ist! Nun soll an gewohnter Stelle munter weitergehen. Die Barszene steht nicht still und ich kann es nun auch nicht mehr. Ein Grund für die lange Pause ist ein anderes Projekt dem ich mich in den letzen Monaten intensiv verschrieben habe. Ein weiterer Grund war eine gezielte Distanzierung von der Barwelt. Außer einer Bartour durch Köln und das Lesen anderer Blogs und der Mixology ist nicht viel passiert. Warum möchte ich hier in wenigen Worten erklären.
Die Barkultur aktiv zu erleben ist ein fantastisches Hobby. Man trifft vielerorts Gleichgesinnte vor und hinter der Theke, findet ständig etwas Neues und Aufregendes und dennoch gibt es auch die Momente in denen der Alltag komplett ausgeschaltet wird. Doch was passiert wenn alle diese Dinge selbst zum Alltag werden? Nach der Arbeit ging es meist direkt an den PC um das Internet nach allen möglichen neuen Informationen aus der Barwelt zu durchforstet. Vielversprechende neue Produkte wurden schnellstmöglich getestet und eine anstehende Bartour wurde viel zu penibel geplant. Einiges davon artete dabei teilweise in "Arbeit" aus - viel zu stressig und muss nicht sein!
Durch die Pause habe ich mich wieder mehr auf die Wurzeln besinnt. Weniger unternehmen aber das dafür intensiver! Ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickeln was man eigentlich so alles treibt! Einfach mal wieder in einer Bar sitzen, der Musik lauschen und einen tollen Drink genießen. Ist doch egal welche Spirituosen benutzt werden und ob der Bartender das Getränk links- oder rechtsherum gerührt hat. Genau diese Momente waren immer die Besten der vergangenen Jahre und genau diese Momente gilt es aktiv zu erleben - und das habe ich in den letzten Monaten versucht! Kann ich jeden anderen langjährig aktiven Bar-Connaisseur empfehlen! Um so mehr wissen auch wieder andere Themen rund um die Barkultur mit Leidenschaft zu gefallen. Ein neues Rezept aus alten Büchern auszugraben und die passenden Zutaten dazu aufzutreiben und zu kombinieren ist spannend und sorgt bei jedem kleinen Erfolgserlebnis für gute Laune. Das Verkosten eines Whiskys oder eines Rums kann eine Ewigkeit dauern um den Genuss voll auszukosten. Wann habt ihr das letzte Mal aktiv ein oder zwei Gläschen einer Spirituose über zwei Stunden getrunken aus purer Freude daran?
Nicht falsch verstehen: Es hat zu keinen Moment aufgehört Spaß zu machen aber der Spaß wurde mir zunehmend zu "normal". Durch eine gewisse Reduzierung kann man das volle Potenzial erneut ausschöpfen - Weniger ist Mehr! Um so mehr bin ich nun wieder Feuer und Flamme für weitere genussreiche Jahre. Ich freue mich schon sehr auf alles was noch kommen wird.  Die Renaissance der Bar schreitet weiterhin schnell voran und jeder ist dazu eingeladen teilzunehmen. Ich möchte das nicht verpassen. Es freut mich sehr hier auf diesem Blog erneut einen kleinen Teil davon präsentieren zu können! Wie heißt es schon so schön in der Werbung eines Whiskyherstellers: Keep walking!