Montag, 23. Juli 2007

Dominik Schachtsiek´s Barkultur


Hier nun, wie schon erwähnt, der zweite Teil zur Vorstellung von Dominik MJ. Dieses mal zum Thema Barkultur und Entwicklung in der Bar- und Cocktailwelt. Das werde ich nicht wie gewohnt zu einem Text zusammenfassen sondern das ganze in Interviewform belassen. Aufgrund der Ausführlichkeit wurde das Ganze ein wenig gekürzt. Viel Spaß!


Was ist für dich Barkultur?

Es ist eine Lernkurve, die man folgen sollte. Wie Wein, haben auch (gute) Mixed Drinks Charakter, den man zu schätzen lernen muss! Also muss man den Mut haben, etwas zu versuchen, was einem nicht auf anhieb schmeckt und sich auf eine Reise begeben! Außerdem hat Barkultur für mich immer in erster Linie mit Integrität zu tun. Der Barbetreiber sollte sich weigern, Produkte zu verkaufen, hinter die er nicht stehen kann; Bartender sollten stolz auf ihre Bar sein und alles dafür tun, um Gästen unvergleichliche Augenblicke zu bescheren! Gäste sollten sich die Bar aussuchen, die Ihrer entspricht. Explizit sollte eine Bar eine Philosophie vertreten und danach handeln und mixen! Ich kann damit leben, dass eine Bar nach Schumann mixt - sie sollte jedoch dazu stehen. Jedoch räume auch ich einer sehr guten Bar Fehler ein - und es versprüht Charme, wenn das Barpersonal dazu steht - wir sind alleMenschen! Einerseits ist die Barkultur in Gefahr, da immer mehr wunderschön gestylte Bars, Lounges und Clubs aufmachen, die Barkultur auf ihren Fahnen geschrieben haben, aber nichts davon verstehen und die Kultur mit Füssen treten! Die Gäste werden dort auf die falsche Fährte gebracht - was es den Barkeepern in ordentlichen Bars das Leben schwerer macht! Andererseits machen immer mehr Bars auf, die von Cocktailians geleitet werden. Barkultur hat jedenfalls nichts mit Vodka-Bull zu tun!

In welchen Spirituosenbereich und Barbereich siehst du die Zukunft und warum?
Es gibt ein zweigeteiltes Bild. Das eine zeigt den Massenmarkt und teils die Szenegastronomie! Dort bekommt zur Zeit Cachaça, Sake,Shochu immer mehr Bedeutung. Tequila, Cachaça, vielleicht auch Pisco sind auch in Zukunft dort nicht wegzudenken! Und Vodka, flavoured Vodkas, sparkling Vodka, Vodka mit Gold Flakes etc. Gins erleben auch gerade ein Revival - mal sehen wie lange es anhält... (ich schätze nicht so lange)
Das andere Bild zeigt regionale Spirituosen und Liqueure, individualistische, sehr eigene Produkte aus aller Herren Länder. Arrack (aus Indonesien oder noch besser aus Sri Lanka - nicht dielibanesischen Anisschnaepse; Anejo Rum, Genever und Korenwijn, White Grainspirits aus China, und solche Sachen wie Cashew Fanny, vielleicht hat auch deutsche Doppelkorns und Steinhäger dort eine Zukunft... Diese Dinge werden in individuellen Bars, wie zum Beispiel der Rum Trader in Berlin angeboten und vermixt! Die Zukunft im Spirituosenmarkt verheisst Gutes und Vielfältigkeit! Viele Hersteller von traditionellenProdukten haben die Qualitätsstandards und die Kreativität von den Scotch Malt Herstellern aufgegriffen und stellen nun interessante und hervorragende Regionalspirituosen her. Leider glaube ich, dass der Single Malt Markt weniger Zuwachs bekommt und in einigen Jahren orakle ich einen Rückgang des Scotch Markts! Vielleicht ändern die Hersteller jedoch ihre Strategie und promoten ihre Malts als Mixbasis. Grotesk ist, dass es immer schwieriger wird, Trends vorauszuahnen, da es immer stärkere Wechselwirkungen zwischen Bars und Bartendern international gibt.

Was kannst du mir sonst noch zum Thema Bar, Drinks, Spirituosen u.s.w. sagen was die Leser des Blogs wissen sollten?
Ich vertrete die Meinung, weniger ist mehr! Ich liebe "einfache" Drinks mit wenigen aber guten Zutaten! Geiz ist geil ist schwachsinnig und führt zu nichts! Lieber einen XO Cognac geniessen als sich mit 5 VS Cognacs betrinken! Sich lieber einen Cocktail fuer 15 Euro leisten als in einer Bar 5 Cocktails für den gleichen Preis in der Happy Hour kippen...
Das Leben ist zu kurz um schlecht zu trinken!

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