Mittwoch, 12. März 2008

Das Maß aller Dinge


„Die Redaktion hatte gerade eine lebhafte Diskussion über die verschiedenen Masseinheiten für Cocktails, ohne zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen.“, ist momentan im Mixology Drinksblog zu lesen. Genau diese Diskussion gab es im Cocktailforum zu beginn des Jahres und immer wieder tauchen im Netz Fragen auf wie „Wieviel ist ein Dash?“ oder „Was ist ein Gill?“ Daher kommt man doch zu der Überlegung für die Bar ein festes Maß zu erstellen. Ich hab mir darüber ein paar Gedanken gemacht:

In Europa gilt das metrische System. Ein logischer Aufbau in 10er Schritten egal ob bei Längen, Gewichten oder Volumen. In der Bar gilt zumeist der cl als Maß aller Dinge. Die Frage ob cl oder ml sollte sich Aufgrund der Logik der Metrik nicht ergeben. Egal ob 15ml oder 1,5cl im Rezept steht, hier ist immer dieselbe Menge definiert.
Eine Vereinheitlichung der Maßangabe ist pure Bequemlichkeit. Es spricht nichts dagegen aber was passiert wenn weitere und fremde Größen mit ins Spiel kommen? Jeder, der mit Einheiten im Allgemeinen zu tun hat und sich mit Kombinationen von Einheitensystemen rumgeplagt hat, kennt das Problem. Solange alle Angaben innerhalb einer Rezeptur gleich sind gibt es kein Problem. Das Mischverhältnis ist immer das Gleiche. Aber sobald in Rezepten unterschiedliche Mengenangaben auftauchen, fangen die Probleme an. Sobald Shot, Ounce, Dash usw. durcheinander notiert sind, lässt sich das mit den Verhältnissen nicht mehr realisieren. Ich kenne niemanden der einen Jigger für alle Einheiten besitzt und einige Angaben sind auch sehr Speziell. Ein Shot sind für den einen 2cl und für den anderen 3cl.
Das Problem was man teilweise bei historischen Rezepten hat ist, dass man kaum verstehen kann, was der Autor mit einem Weinglas oder anderen uniquen Barmassen meint. Somit gerät ein Cocktail aus den Fugen und spiegelt nicht das wieder, was sein Schöpfer repräsentieren wollte. Die Verwendung von fest definierten Werten sollte daher ein absolutes Muss sein!
Leider ist es nicht ganz so einfach! Es gibt zu viele Dinge die nicht gemessen werden können. Ein Dash, Saft einer Limette oder ein Tropfen fallen jedes Mal anderst aus. Ein Spritzer aus einer TBT-Flasche ist beispielsweise deutlich weniger als ein Spritzer aus der Peychauds-Flasche. Diese kleinen Abweichungen verändern einen Drink zwar aber geben ihm auch Charakter. Man kann sich also darauf einigen möglichst das gleiche Maß innerhalb eines Rezeptes zu nutzen, aber mit kleinen erlaubten Einschränkungen.Daneben gibt es noch das Problem der Umrechnung. Eine flüssige Ounce wird normal als 3cl gehandelt, entspricht aber in Wirklichkeit 2,84cl. Ist jetzt im Rezept noch ein Dash Angostura angegeben verändert sich das Verhältnis vom Bitter zur restlichen Flüssigkeit noch mehr, als es der nicht näher bestimmte Dash ohnehin schon macht. Eine internationale Einheit könnte hier deutlich weiter helfen. Ein weiterer Schritt in Richtung Monotonisierung der Welt. Das dürfte aber nicht durchführbar sein. Ganz zu schweigen von einem Verlust der Barkultur, welcher damit verbunden wäre. Viele flüssige Einheiten sind schon verloren gegangen und wurden durch andere ersetzt. Eine einzige Größe für alles in der Bar ist somit nur eine Frage der Zeit. Wir müssen im Barbereich also nicht von vornherein die gleiche Sprache sprechen, wir brauchen keine Welteinheitssprache, auch keine Welteinheitsmaße, aber wir brauchen gute Übersetzungen für die Barmaße anderer oder früherer Kulturen.

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. 1 brit oz. sind 28,41 ml,
    1 us oz. sind 29,57 ml.

    Das sind dann 0,43ml weniger als 3cl...
    Geschmacklich relevant? Eher nicht.
    Zumindest nicht bei üblichen Zutaten, Bitters einmal ausgenommen, die werden aber ohnehin nicht in cl angegeben, oder?

    Cheers
    Robin

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