Sonntag, 6. Juli 2008

Slyrs - Bavarian Single Malt Whisky

Die anderen Blogs haben es bereits erwähnt und auch mich hat das Sommerloch voll erwischt. Das Wetter ist einfach zu schön um länger am Computer zu sitzen. Da lieg ich lieber auf der Terrasse herum, trinke etwas viel zu kaltes und wärme mich hinterher wieder am Grill auf. Dennoch hab ich es geschafft mich letzten Sonntag von der Liege aufzuraffen und den weg ins Oberbayrische zu schaffen. Nördlich am Tegernsee vorbei zum Schliersee und immer gerade aus zu einer kleinen Ortschaft namens Neuhaus. Hier befindet sich die bayrische Single Malt Destillerien Slyrs.

Durch den seitlich gelegenen kleinen Eingang geht es direkt in den Laden. Hier werden neben dem 3-jährigen Slyrs und dem Slyrs-Likör auch diverse Brände von Lantenhammer, Gläser, Karaffen und Slyrs-Fanartikel verkauft. Nach dem entrichten des 5€-Eintrittgeldes wird man zunächst in den kleinen Videoraum im Ladenbereich geführt. Hier wird man in 10 Minuten kurz über die Idee und Geschichte der Brennerei eingeführt sowie über die Herstellung des Malts. Danach geht es weiter zu den Produktionsanlagen, welche sich im selben Gebäude befinden. Auf der linken Hallenseite befinden sich die Gärbehälter und alles was zum einmaischen des Gerstenmalzes notwendig ist. Die Gerste, ebenfalls aus Bayern stammend, wird bereits fertig gemälzt angeliefert. Dies ist der einzige Schritt den Slyrs in der Produktion nicht selbst unternimmt. Aus einem 30t-Silo wird das Getreide in die Halle befördert und zunächst geschrotet. Pro Vorgang werden hierzu 350kg Gerste benötigt. Mit Wasser aufgefüllt und kontrolliert erhitzt (im Maischegefäß) wird durch natürliche Enzyme der Zucker der Gerste freigesetzt. In den folgenden 5300-Liter-Gärtanks wird aus dem „Zuckerwasser“ in den nächsten sieben Tagen die fertige Maische mit ca. 6% Alkoholanteil gewonnen – beim Whisky bis hierhin eine Art „Bier“.
Mittels einer Rohrleitung wird der Grundstoff in die beiden gegenüberliegenden Rohbrandblasen im Pott-Still-Verfahren gepumpt. Die je 1500 Liter fassenden Destillen werden mittels Dampf beheizt. Diese sehr schonende Art und Weise den Alkohol zu destillieren sorgt für einen sehr hochwertigen Brand da die Maische relativ langsam erhitzt wird. Pro Brennblase werden in einem Durchgang (Dauer ca. 6 Stunden) ca. 350 Liter 30%iger Rohbrand erzeugt. Gesammelt im selben Behälter führt eine weitere Rohrleitung zur dritten Anlage. Diese ist identisch mit den anderen Beiden mit Ausnahme eines Plexiglaskastens und jede Menge Steuersiegeln an den Zählern – Papa Staat überwacht sehr genau! Hier entsteht der fertige Brand des späteren Whiskys. In einem 8 Stunden andauernden Brennvorgang werden ca. 500 Liter 70%iges Destillat erzeugt, nachdem der Vor- und Nachlauf abgetrennt wurden.

Sehr interessant ist auch die hierzu eingerichtete Ecke mit den Geruchsproben. Wann bekommt man schon einmal die Chance verschieden Stadien des Whiskys zu erschnuppern? Der Vorbrand ist noch sehr aromatisch und erinnert an ein frisch gebackenes Brot. Das Getreide kommt hier noch sehr stark zum Vorschein. Der Vorlauf hingegen riecht nach einer Mischung aus Lösungsmitteln und Farben. Der kurz darauf folgende Mittellauf ist wie zu erwarten fast neutral und unauffällig. Umso wichtiger ist es den Nachlauf rechtzeitig abzutrennen – eine übel riechende Flüssigkeit, welche man mit alten Turnschuhen und Räucherfleisch beschreiben könnte! Sehr angenehm in der Nase ist der fertige Whiskey auf Fassstärke bereits vor der Fassreifung.
Weiter geht es über einen Holzsteg in die zweite Halle der kleinen Brennerei. Hier werden die Fässer gelagert für den 3-järigen Slyrs mit einer Stärke von 55%. Ganz nach Vorbild des amerikanischen Bourbons werden neue 225l-Fässer aus amerikanischer Weiseiche verwendet. Für den kommenden 12-järigen Slyrs werden gebrauchte Fässer des Dreiers verwendet. Abgefüllt wird nach der Fassreife in bei Lantenhammer auf 43% Trinkstärke eher das Produkt in den Verkauf geht. In der Lagerhalle konnte ich vor allem ein Fass nicht übersehen. Unter einer Rampe befand sich ein größeres, schon sehr altes Fass, welches nicht zu den andern passte. Was verbirgt sich wohl in Fass-Nr. 45? Über besagte Rampe gelangt man auch in den Verkostungsbereich. Hier bekommt jeder Besucher eine Probe des Whiskys sowie des Likörs. Der Slyrs ist für sein noch sehr junges schon ungewöhnlich weit. Zwar noch etwas scharf aber dennoch schon viele verschiedene Aromen nach leichter Eiche, Karamell und Frucht im Abgang. Der Likör hingegen schmeckt sehr stark nach Karamell und Honig. Für meinen Geschmack ist er auch viel zu süß geraten. Der Whisky geht hier fast unter. Eine Mischung aus beiden Produkten könnte allerdings eine gute Lösung sein um den Likör aufzubessern.

Wer die Chance hat die Brennerei zu besichten sollte sie auf jeden Fall nutzen. Alleine die Geruchsproben sind ein Besuch allesamt wert. Geschweige denn eine Singel-Malt-Produktion im eignen Land zu besichtigen. Da die Produktion nur sehr begrenzt ist und die Nachfrage nicht mehr gedeckt kann werden pro Besucher nur jeweils eine Flasche Slyrs (39€) und Slyrs-Likör (29€) verkauft. Es ist also von Vorteil wenn man wie ich ein paar Nicht-Whisky-Trinker mitnimmt.

1 Kommentar:

  1. sehr viele Informationen. Übrigens veranstaltet das Maritim München ein Whisky-Tasting direkt bei SLYRS am 8. November und am 20. Dezember - noch lange hin, aber ich habe mir den einen Termin mal vorgemerkt.

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