Dienstag, 15. Juli 2008

Von Oasen und Wüsten


Vergangenes Wochenende saß ich in meiner Stammbar, blätterte durch die Cocktailkarte und machte mir Gedanken dazu. Eine Standartkarte mit vielen Tropicals a la Pina Colada und den anderen Standards einer jeden Karte. Meine geschätzten Klassiker wie einen Sazerac oder Juleps vermiss ich hier sehnsüchtig. Ich wünschte hier würde man etwas mehr auf die Barkultur eingehen. Aber was beschwer ich mich denn? Es werden möglichst frische Zutaten verwendet und die Qualität der verwendeten Spirituosen ist auch akzeptabel.
Immerhin wohnen wir in einen der Gebiete in denen eine Barkultur vorhanden ist. So ist eine Barentwicklung in großen Teilen der Erde aus religiösen Gründen nie entstanden. In den Islamischen Büchern heißt es das Wein und Glücksspiel Werke von Satan sind um die Gläubigen vom Gebet abzuhalten – Grundlage für die am längsten anhaltende Alkohol-Prohibition So gibt es beispielsweise keine Bars in islamisch geprägten Ländern. Einzige Ausnahmen bieten hier Clubs und Touristenbunker an den Stränden und Städten dieser Länder um den Durst der Besucher auf eine gewohnte Art und Weise zu bedienen. Ob hier die Barkultur gepflegt ist sei auch dahingestellt aber zumindest gibt es Ansätze.
Vielleicht wäre auch alles ein wenig anders verlaufen, hätte es in der Vergangenheit nicht zwei Mordversuche auf die Bar gegeben. Die amerikanische Prohibition die eine Entwicklung fast zum stillstand gebracht hat und die rebellische Jugend der 60er und 70er welche die Cocktails natürlich boykottieren musste, da sie von den spießigen Eltern getrunken werden.
Auch in Afrika konnte sich bisher keine Barkultur entwickeln, sieht man von einigen Gebieten der ehemaligen Kolonien und Touristenhochburgen ab. Grundsätzlicher Wassermangel, viele Kriege und Armut lassen für Cocktails definitiv keinen Platz in der Gesellschaft. In asiatischen Gefilden konnte sich bis vor all zu langer Zeit auch noch keine Bar richtig etablieren. Hier wird aber stark (und erfolgreich) an einem flüssigen Lifestyle gearbeitet. In Japan entsteht sogar eine ganz neue Art von Barwesen durch neue Techniken und Anschauungen der Bartender.
Es wird hierzulande zwar oft kritisiert das man noch stark an der Entwicklung der Bar arbeiten müsse (und ich stimme dem zu), aber dennoch darf nicht vergessen werden das wir in einer der Oasen sitzen in einer weiten, trostlosen Wüste. Vielleicht sollte man nicht ganz so pingelig sein wenn die Früchte in der Oase nicht so groß sind wie man es gerne möchte. Aber sieht man was in den vergangen 50 Jahren passiert ist und was in Zukunft noch passieren wird sind wir wohl auf den richtigen Weg.

Kommentare:

  1. Sieht nach einem LE LION Martini aus ... oder?

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  2. Definitiv... die Oliven haben es verraten ;-)

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