Montag, 1. September 2008

Der Sidecar-Cocktail

Es wurde schon über reichlich Cocktails im Internet und den Flüssig-Blogs berichtet. Über Klassiker wie den Daiquiri, Martini oder den Manhattan finden sich in den Weiten des www mehr Artikel als Sandkörner in der Wüste. Auch wurden Drinks wie der Ramos Gin Fizz und der Sazerac in den letzen Jahren (zu recht) stark gepuscht. Um so erstaunlicher ist es das es ein simpler Drei-Zutaten-Drink geschafft hat, sich weitgehend aus dem Rampenlicht zu schleichen. Die Rede ist vom klassischen und unterrepräsentierten Sidecar Cocktail.

Zur genauen Entstehungsgeschichte und dem Jahr ist nicht viel bekannt. Man schätzt den Drink um das Jahr 1920. Dieses Datum scheint mir durchaus plausibel. In dem Buch „Cocktails - how to mix them“ von Robert Vermiere (Embassy Club, London) findet sich der Sidecar auf Seite 44. Das 1922 erschiene Buch beschreibt die Popularität des Cocktails in Paris. Als Erfinder wird weiterhin ein gewisser „MacGarry, the celebrated bar-tender of Buck´s Club London“ genannt. Dieselben Informationen finden sich auch in Harry McElhone´s „Harry's ABC of Mixing Cocktails“ aus demselben Jahr. David Embury hingegen nennt einen amerikanischen Hauptmann in Paris als Erfinder. Dies könnte den Namen der Mixtur erklären da ein Sidecar nichts anderes ist als der Beiwagen eins Motorrades, welcher bei der damaligen Arme ein Standart war. Eine kurze Geschichte dazu ist bei Jay im Ogosh-Blog und seinem SC-Artikel zu finden
Der Sidecar besteht in seiner Standartrezeptur zu je gleichen Teilen aus Cognac, Cointreau und Zitronensaft. Für meinen Geschmack ist das Mischverhältnis nicht ausgewogen genug und viel zu süß. Bereits wenige Jahre später findet sich im Savoy-Buch die Variante aus 50% Cognac und je einem viertel Likör und Saft.
Der Sidecar erfüllt die gleichen Bedingungen wie ein guter Daiquiri. Je besser die Basisspirtuose desto höher kann ihr Anteil sein. Cointreau und Zitronensaft werden an diese Spirituose angepasst. Muss es süßer sein gibt man mehr Orangenlikör hinzu – muss es sauerer werden gießt man mit Zitronensaft auf bis eine geschmacklich runde Mischung entsteht. So mixte Embury auch bereits das hochprozentige Verhältnis 6-1.5-1.5!
Wer diesen Drink in einer ganz besonderen Form genießen möchte sollte dem Ritz in Paris einen Besuch abstatten. Dort besaß der Cocktail laut Guiness-Buch sehr lange den Titel des teuersten Drinks dank der Verwendung von pre-phylloxera Cognac! (Phyloxera – Den Abschnitt „Geschichte“ lesen) Ob es die Investition von knapp 400€ wert ist wag ich nicht zu beurteilen. Angeblich gehören die Prä-Phylloxera-Weine zu einer der Besten. Nichts desto trotz wird der Sidecar dort in einer Mischung geshaked welcher mir ebenfalls sehr zusagt.

Sidecar
5 cl Cognac
3 cl Cointreau
2 cl frischer Zitronensaft

Auf Eis shaken und in ein gekühltes Glas abseihen. Mit einer Zitronenspirale garnieren. Teils ist auch ein Zuckerrand am Glas üblich. Ich kann diesem krümeligen Zeug jedoch nichts ausstehen!
Ich hoffe ich habe euch etwas Appetit auf diesen zu Unrecht, fast ignorierten, Cocktail gemacht. Immerhin gibt es noch unzählige Variationen die auf den Sidecar basieren. Wie währe es zum Beispiel einen Teil des Cointreau mit St. Germain zu ersetzen?

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