Sonntag, 16. November 2008

The Bitter Truth: Repeal Bitters


Wer sich im Newsletter der Bitter-Truth-Manufaktur befindet wird auch vor einigen Wochen eine Email erhalten haben in der von drei neuen Produkten die Rede ist. Als erstes zeigte sich, wie schon zu erwarten, der Blue Sloeberry Gin 2008 in den Katalogen. Kurz danach war die Rede von einem alten Rye-Whiskey was sich auch kurz nach den Gerüchten bestätigen sollte. Diese beiden Flüssigkeiten werden in Kürze an den bekannten Stellen erhältlich sein. Ein Rätsel blieb das „Dritte Produkt“ – bis jetzt! Man beachte nun bitte den Repeal Bitters!
Dieses Extrakt wird es nur in einer limitierten Auflage und für kurze Zeit geben. Die kleine Flasche gedenkt an das 75-jährige Ende der amerikanischen Prohibition am 5. Dezember 1933. Dieser Tag wird von den Mixologen weltweit auch als Repeal Day gefeiert. Dank den Verbot-Gesetzten von 1919 wurde der Alkohol großflächig verbannt und nur noch in Form von Medikamenten und Bitters, welche auch in diese Kategorie gefallen, erlaubt. Dementsprechend hoch war plötzlich der Absatz dieser „Medizin“. Als der Alkoholausschank nach 14 Jahren wieder legal wurde gerieten die kleinen Flaschen mit den Bitters in Vergessenheit, bis Sie vor wenigen Jahren ihrerseits ein Comeback feierten.
Das Etikett des neuen Berg&Hauk-Medikaments ist einer klassischen Zeitung nachempfunden und gedenkt mit seinem Text an die von mir oben erwähnten Ereignisse. Wie immer mit 150 ml abgefüllt hat das Produkt einen Alkoholanteil von stolzen 42%. Auffallend ist die relativ helle Farbe des Tonikums. Bernstein und leicht goldfarben präsentiert sich der Aromatic im Gegensatz zum gewohnten Dunkelbraun, wie man es meist erwartet. In der Nase dominieren vor allem Aromen von Zimt, Bitterorangen und Weihrauch. Sehr harmonisch im Geruch, welcher allerdings nicht viel mit dem Geschmack am Hut hat. Hier fällt einem zuerst die sehr starke Bitterkeit auf. Diese ist geprägt mit viel Kardamom und Curacao-Schalen. Im Nachklang finden sich wiederum der Zimt sowie Spuren von Karamell. Es entsteht ein schwer zu beschreibendes Geschmacks-Feuerwerk auf der Zunge hinter dem sich noch eine gewisse Fruchtigkeit verbirgt. Die Botanicals sind leider nicht auf der Flasche vermerkt aber wenn ich raten darf: Kardamom, Pomeranzen, Quassia, Catechu, Kalmus, Zimt.
Der Repeal Bitters wird sich, dank seiner Würzigkeit, ganz hervorragend für klassische Cocktails wie den Brandy Crusta eignen aber muss mit bedacht eingesetzt werden. Er ist sehr dominant und kann andere Aromen sehr schnell überlagern. In dem von mir getesteten Vermouth-Cocktail macht sich das Produkt außerordentlich hervorragend! Der Bitter ist eine tolle Sache um das bestehenden Sortiment mit einem neuen Aroma aufzupeppen und erhält von mir eine klare Empfehlung. Erhältlich ist das ganze ab Repeal-Day 2008.
Anmerkung: Soeben schreib mit Stephan das sich der Bitters aus 20 Botanicals zusammensetzt. Jede Zutat wurde seperat extrahiert und hinterher gemischt was die Herstellung sehr aufwendig gestalltet. Die betont bittere Note ist eine kleine Anspielung an die bitteren Resultate der Prohibition. Kriminalität, verschwinden unzähliger Marken und eine brachliegende Trinkkultur in den Staaten. Ein wichtiger Aromageber waren Hibiscusblüten, die sich aber erst in Nachklang ins Bewusstsein schleichen. Ich persönlich schmecke die Blüten nicht heraus aber das erklärt unter anderem die leichte Fruchtigkeit. Die Ursprungsidee zu den Repeal Bitters war eigentlich eine Abfüllung von Abbotts ähnlichem Elixier was aber verworfen wurde aufgrund von Tonka-Bohnen, welche nicht in allen Ländern erlaubt sind. (In Deutschlands übrigends auch nur unter Einschränkungen) Der Repeal Bitters ist auf wenige Flaschen limitiert, wovon ein Großteilin die USA gehen werden. Eine zweite Edition wie beim Decanter-Bitter wird es laut Herr Berg definitiv nicht geben.

Kommentare:

  1. Das schreit ja förmlich nach Boker's Bitters.

    Keine Blüten zum Färben, daher so hell und eben noch Zimt und Kalmus dabei.

    hannibal-007

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  2. Ich wollte es eigentlich nicht schreiben das ich eine Bokers-Variante vermute, aber im Geschmack gibt es eine gewisse Ähnlichkeit (dennoch scheint mir die Farbe zu hell zu sein)

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  3. Kommt die rote Farbe nicht durch die Malvablüten?
    Wenn keine dabei sind...

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