Sonntag, 9. November 2008

Qualitätsbewusstsein


Vor nicht all zu langer Zeit saß ich in einer Bar, unterhielt mich mit dem Bartender und orderte Gin & Tonic. Allerdings wollte ich nicht den Gin der standardmäßig ausgeschenkt wurde sondern ein höherwertigeres Produkt aus dem Backboard. Nachdem mich der Herr hinter dem Tresen aufgeklärt hat dass dieser Drink aber teurer wird, ich mit dessen aber bewusst war, sagte ich nur das ich dafür auch einen höherwertigeren Drink bekomme. Die schlichte Antwort auf meine Aussage: „Ist doch egal – zum mixen und mischen geht der normale doch auch..“ Diese Aussage dürfte wohl einer der größten Fehler in einer jeder Bar sein. Eine kurz darauf folgende Diskussion gab noch den einen oder anderen Gedanken frei. Was ist denn eine hochwertige Spirituose? Wann sollte man ein Produkt kaufen oder nicht kaufen? Bis zu welchem Betrag macht eine Anschaffung Sinn? Fragen über Fragen.
Fakt ist: You get what you pay for! Wer eine billige Spirituose kauft braucht keine hohe Qualität erwarten. Hochprozentiges unter 10 € ist sein Geld im Normalfall nicht wert. Die Zutaten in der Produktion sowie die gesamte Herstellung dieser Wässerchen müssen dem entsprechend natürlich so niedrig wie möglich sein. Am Anfang der Preisskala bringen kleine Erhöhungen eine große Zunahme an Qualität. Ein Beispiel von dem ich einmal gelesen habe macht dies deutlich: Für einen 5€-Wodka stehen z.B. 50 Cent zur Destillation zur Verfügung. Bei einem 10€-Wodka können das schon 2€ sein. Ergo steht für den doppelten Preis das vierfache Geld zum Brennen bereit was der Qualität zu gute kommt.
Je höher der Preis wird desto kleiner wird der Anstieg allerdings – Das Preis-/Leistungsverhältnis gerät aus den Fugen. Wann diese unsichtbare grenze durchschritten wird muss jeder für sich selbst entscheiden. Meiner Meinung nach nimmt die Qualität bis zu 50 € stetig zu und mehr würde ich für Mix-Zutaten nicht ausgeben. Für Premiumprodukte zum puren Genuss bin ich auch bereit bis zu 120 € für eine Flasche zu zahlen. Darüber hinaus ist der stark ansteigende Preis nicht mehr mit der hohen Qualität zu rechtfertigen. (Falls sich jetzt jemand in den Kommentaren beschweren will das ich auch teurerer Zutaten in meiner Bar stehen habe: Das zählt zur Kategorie Sammlerleidenschaft und die muss nicht rational erklärt werden)
Es gibt natürlich auch Ausnahmen und teuer muss nicht gut sein. Anstelle eines Bacardi Superior (1L ca. 17 €) den man fast überall findet ist man deutlich besser Beraten einen Appleton white (1L ca. 15 €) zu kaufen. Es ist also sogar möglich mit erhöhter Qualität Geld zu sparen. In einer Bar ist das selbstverständlich nicht ganz so einfach. Eine teurere Spirituose mindert den Gewinn oder hebt die Endpreise für den Gast. Dies kann nun zu Einbusen führen durch verminderten Umsatz oder auch zu einem Anstieg wenn sich der Gast der Qualität bewusst ist. Die Aufgabe des Bartenders ist es dieses Bewusstsein seinen Gästen zu erläutern. Wenn das Verständnis dafür vorhanden ist wird der Gast auch bereit sein 50 Cent mehr in ein gefülltes Glas zu investieren. Ich bin davon überzeugt, dass man in jeder Bar, durch kleine Änderungen, in der Spirituosenauswahl einiges bewirken kann wenn man sich nur an andere Produkte herantraut. Die Modifikation des Galliano-Likörs dürfte das beste Beispiel sein – Veränderungen fanden statt, Qualität wurde erhöht, das Produkt akzeptiert. Der Absatz des Kräuterlikörs wird mit Sicherheit ansteigen
Gute Cocktails müssen nicht unbedingt viel teurer sein aber können deutlich besser werden. Die Gäste werde es zu schätzen wissen.

Kommentare:

  1. Das sind sehr interessante Gedanken zum Thema. Danke!

    Was ich mich frage, ist ob das Ganze auch für No Name Produkte von Discountern gilt. Auf den Gin Flaschen von Penny steht immerhin auch London Dry Gin. Optisch ähnelt die Flasche stark denen von Gordon's oder Finsbury. Als Laie würde ich die Qualität auch ähnlich einstufen. Die Flaschen kosten recht wenig, auf jeden Fall unter 10,- Euro.

    Kann es sein, dass es sich bei diesen Produkten um z. B. Gordon's Dry Gin mit anderem Etikett handelt? Immerhin sollen viele Produkte bei den Discountern von Markenherstellen sein.

    In den USA habe ich bei Trader Joe's Patron Tequila als No Name Produkt gesehen. Erkennen konnte man es an der identischen Flaschenform. Das Produkt kostet ungefähr 15$ weniger als das Original.

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  2. @Christian

    Die grundsätzliche Frage die gestellt werden sollte ist: Was ist den die viel gepriesene Qualität? Wie definiert man sie. Qualität wird von jedem einzelnen anderes definiert und ist keine feste Größe, sondern vielmehr ein Begriff aus dem Marketing. Qualität gibt dem Konsumierenden das Gefühl eine entsprechende Gegenleistung zu dem gezahlten Kaufpreis zu erhalten. Somit ist Qualität nicht zwingend preisgebunden. Wie in unzähligen Tests bewiesen, muss ein höherpreisiges Produkt nicht zwingend von höherer Qualität sein. Gerade in der heutigen Zeit rückt der Markeneuftritt und das Packaging mehr in den Vordergrund und ein Produkt mit durchschnittlicher "Qualität" wird dadurch aufgewertet und somit erzeugt dieser Effekt beim Kunden ein gesteigertes Qualitätsgefühl.
    Zum Thema Vodka: Die Herstellung einer Flasche Vodka (auf den Inhalt bezogen) kostet erstaunlich wenig. Die Verpackung kostet ein Vielfaches und zielt einzig auf das Vorgenannte ab.
    Man nehme eine Reihe Premiumvodkas und Neutralalkohol aus der Apotheke(reduziert auf 40% Vol.) und mache eine Blindverkostung. Das EWrgebniss dürfte einige Überraschung bringen.

    @Anonym

    Nachahmerprodukte gab es immer und diese Mühen zielen genau auf Käufer wie dich ab, die glauben es handelt sich um das bekannte Produkt. Fakt ist, es gibt verschiedene Methoden Gin herzustellen. Aufwendige und weniger Aufwendige. Man kann Botanicals mit destillieren oder man gibt Aromen dem Neutralalkohol bei. Wichtiger als der Zusatz London Dry, der fast nichts besagt, ist der Hinweis distilled Gin.
    Die Erfahrung hat gelehrt, dass man von Discounter Gins die Finger lassen sollte. Es muss nicht zwangsläufig ein Gin für 30-40 Euro sein, es gibt auch "Qualität" für unter 20.

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