Freitag, 5. Dezember 2008

Genever / Jenever


Lange führte dieses Produkt ein Nischendasein doch in letzter Zeit rückt der Verwandte des Gins, nicht zuletzt durch dessen Popularität, in den Vordergrund. Angefangen hat es, wie bei einem Großteil der heutigen Spirituosen, einst in einer Apotheke auf der Suche nach einem Heilmittel. In diesem Fall sollte ein Mittel gegen diverse Nierenleiden gefunden werden aber es kam anders.
Die Geschichte geht fast 500 Jahre zurück in die heutigen Niederlande. Dort wurde vermutlich im Jahr. 1550 einst Alkohol mit Wacholderbeeren versetzt. Das genaue Datum ist im Laufe der vergangenen Jahrhunderte nicht mehr genau auszumachen. Genever war einer der ersten Produkte der Destillerie Bols (1575), welche nach eigener Aussage ihr Produkt aus schon vorhandenen Rezepturen erstellte. Hier wird ein Alchemist namens Sylvius de Bouve mit der Wacholdermazeration in Verbindung gebracht was allerdings nicht eindeutig bewiesen ist.
Versetzt mit weiteren Kräutern und Wurzeln begann der internationale Siegeszug des Brandes durch seine nachgesagte medizinische Wirkung. Einen weiteren Zuwachs erfuhr das „Heilmittel“ nach kurzem Einbruch durch ein kriegsbedingtes Destillierverbot in Belgien, im Jahre 1714. Um die Landwirtschaft anzukurbeln durfte ab sofort ein jeder Landwirt sein Getreide zu Alkohol brennen und mit diversen Aromaten versetzen. Als 1830 das belgische Königreich gegründet wurde und es zu einem Wirtschaftswachstum kam fand der Genever in der Bevölkerung ungeahnten Absatz. Um den ansteigenden Alkoholsverbrauch und dessen negative Folgen einzuschränken wurden alsbald Gesetzte verabschiedet, welche die Kleinbrennereien in die Knie zwangen. Gleichzeitig verteuerte der ersten Weltkrieg und ein Ausschankverbot von Alkohol im Jahre 1919 den Genever so sehr das der Markt fast vollständig zusammenbrach. Erst seit den letzten 30 Jahren erholt sich der Genever von diesen Rückschlägen.
Den Grundstoff des Genevers ist ein Kornbrand aus Roggen und/oder Weizen (seltener Mais) sowie gemälzter Gerste. Diese Zutaten werden zusammen mit Wasser und Hefe vergoren um eine Maische zu erhalten. Diese wird in drei Destillationen schrittweise auf einen Alkoholgehalt con ca. 45% gebrannt. Dieser so genannte Moutwijn ist stark malzig was im späteren Verlauf dem Genever seine typischen Getreidearomen gibt. Das ist der wohl größte unterschied zum Gin. Der Moutwijn wird nun zusammen mit dem Wacholder und weiteren Zutaten erneut gebrannt auf ca. 70% Vol. Herabgesetzt auf Trinkstärke kann das Produkt noch mit Zucker angereichert und Fassgelagert werden.
Der bekannteste deutsche Genever ist wohl der Steinhäger welcher bei den Nachbarn im GSA-Blog in zwei Berichten ausgiebig in Drinks getestet und blindverkostet wurde. Als Genever der jüngsten Stunde sei noch die hervorragende Neuauflage aus dem Hause Bols erwähnt. Dieses Produkt überzeugt mich auf der ganzen Linie und sollte in keiner gut sortierten Heimbar fehlen. Ich bin mir sicher das wir in den nächsten Jahren noch einiges über diese Korn-Wacholder-Spirituose hören werden.

Kommentare:

  1. Schade nur das es diesen Genever von Bols zunächst nur in ausgewählten Städten zu erwerben gibt. Selbst in den Niederladen wissen die Fachhändler oft noch nichts von diesem Produkt. Ich musste bis Enschede fahren um mein Exemplar zu ergattern...

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  2. Ich hab mir den Sprit gespart :
    http://www.drinkology.de/webshop/gin/genever/bols-genever-amsterdam.html

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