Mittwoch, 30. Dezember 2009

Rum Company


Rum ist eine der am weitesten verbreiteten Spirituosen der Welt und trotzdem noch weitgehend unentdeckt, wenn es um seine Besonderheiten und den Variantenreichtum geht. Vergleicht man diese Spirituose mit anderen gereiften Bränden wie den Cognac oder Whisky führt Rum geradeso ein Schattendasein in der breiten Bevölkerung. Um das zu ändern gibt es zum Beispiel die Rum Company. Noch nie gehört? Das ist weiterhin nicht schlimm da dieses Unternehmen erst seit einigen Monaten existiert. Dennoch verwundert es mich das diese gut durchdachte Idee bis jetzt noch nicht auf größeres Interesse in den Weiten des WWW getroffen ist.
Die Rum Company machte aus dem eigenen Hobby eine Geschäftsidee und bietet nun eine breite Produktpalette vom klassischen Rum-Blend, über inseltypische Rums aus kleinen Destillerien, bis hin zu den noch relativ selten anzutreffenden Single-Cask Rums an. Mittlerweile sind sogar erste Eigenabfüllungen unter den 500 gelisteten Sorten erhältlich. Doch hinter der Rum Company steckt weitaus mehr als nur ein gewöhnlicher Onlineshop für Zuckerbrände. Die Degustations-Lounge der drei Geschäftsführer der Rum Company in Miltenberg am Main bietet beispielsweise eine Auswahl von ca. 300 offenen Flaschen zum Tasting an. Weil der Rum eine einmalige Spirituose ist und sich als perfekte Genussergänzung zu einer Zigarre anbietet, gibt es jeden Freitagabend ein "Rum After Work" Treffen. In der ganzen Lounge gilt das Motto "Cigar and Pipe - Smokers Welcome". Darüber hinaus werden auch diverse Rum-Seminare angeboten um sich mit der Spirituose vertraut zu machen.
Für besonders erwähnenswert halte ich die Möglichkeit sich Rumproben zu bestellen. Im Shop der Rum Company kann bei einer Vielzahl der Brände ein 4cl-Fläschchen bestellt werden um den Rum kennen zu lernen. Somit ist es nicht mehr nötig gleich eine ganze Flasche zu ordern um einen Rum kennen zu lernen. Welcher Bartender oder Connaisseur kann behaupten er hat keinen Fehlkauf in seinem Besitz, den er durch eine kleine Kostprobe verhindern hätte können. Vielleicht werden auch bald die wirklichen Raritäten und teure Produkte als Muster angeboten. Hier ist die Verlockung natürlich groß nur eine geringe Menge zu bestellen, sei es aus Kostengründen oder nur um den Genusshorizont zu erweitern.
Um das ganze Projekt abzurunden gehen die Geschäftsführer des Shops noch einen Schritt weiter: Im so genannten „Rum Genießer-Club“ kann man in die Welt exotischer Aromen eintauchen. Pro Quartal werden sechs Degustationsfläschchen mit den dazu passenden Verkostungsnotizen zu je 4cl versendet. Die Lieferung kommt frei Haus und kostet jeweils 35 Euro, ist aber kein bindendes Abonnement! Vor jeder Lieferung wird die aktuelle Selektion per E-Mail vorgestellt. Wenn kein Interesse besteht, setzt man die Verkostung einfach aus, wofür eine kurze Mitteilung ausreicht. Kosten entstehen in diesem Falle nicht. Für eine Mitgliedschaft im Club meldet man sich einfach über die Homepage an und erhält für die erste Zahlung über 35 Euro die ersten Probeflaschen sowie einen Sammelordner für Verkostungsnotizen und ein passendes Tastingglas von Spiegelau. Darüber hinaus erhält man als mitglid einen Rabatt über 5% auf alle angebotenen Artikel. Bezahlt werden die Proben jeweils via Bankeinzug aufgrund des geringeren organisatorischen Aufwandes für die Betreiber.
Ich bin echt begeistert von dem was die Rum Company auf die Beine gestellt hat. Ein gut durchdachtes Genussportal ist in wenigen Wochen entstanden mit neuen und gelungenen Ideen, welche in dieser Form, zumindest im deutschsprachigen Raum, noch nicht zu finden waren. Es ist fantastisch das es immer mehr Menschen gibt welche Freude am Genuss finden und dies auch ausleben. Die Rum Company ist ein gutes Beispiel dafür wie man sein Hobby zum Beruf machen kann. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die nächste Quartalslieferung um wieder einmal in die Welt des Rums eintauchen zu können.

Montag, 28. Dezember 2009

Eine Frage des Geschmacks


Ich denke ich melde mich auch wieder einmal zu Worte nach einer etwas längeren Pause. Eigentlich hatte ich vor nur für eine Woche nichts zu schreiben aber ich konnte mich dann nicht mehr dazu bewegen wieder anzufangen. Nachdem ich diese Woche nun zusätzlich Urlaub habe steht genügend Zeit zur Verfügung um das Eine oder Andere niederzuschreiben. Zum Beispiel eine typische Situation wie sie mir in regelmäßigen Abständen begegnet: Vor kurzem begab es sich zur Weihnachtsfeier meines Betriebes das sich eine kleinere Gruppe abseilte um die Bars der Stadt ein wenig unsicher zu machen, wenn man diese Läden überhaupt als eine solche bezeichnen kann. Da unser Chef die Spendierhosen anhatte und uns alles bezahlte schaute er in die Cocktailkarte und fragte mich als „Whiskymixer“ was ich empfehlen könne. Wie ich diese Frage hasse! Jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack und einen Drink für acht Personen zu finden den jeder mag ist nicht ganz so leicht. Wenn ich dann nach einer ungefähren Geschmacksrichtung frage wie zum Beispiel süß, sauer, cremig, ect. stößt man sehr schnell auf verwunderte Blicke. Es ist eigentlich erstaunlich das viele Leute selbst nicht wissen was sie überhaupt zu trinken wollen. Meine Lieblingsantwort auf die Geschmacksrichtung ist im Übrigen die Aussage „Irgendwas das halt gut schmeckt“…
Nichts desto trotzt wird eine Antwort erwartet und meine Blicke gehen in Richtung der Cocktailkarte und dessen Inhalt der sich in meiner Region meist zischen „Long Island Iced Tea“ und „Sex On The Beach“ bewegt, zubereitet mit dem guten Spirituosen vom Discounter. Dies führt natürlich zu einem weitern Konflikt meinerseits. Eine Empfehlung aus einer solchen Karte kann ich einfach nicht machen und so verweise ich meist auf ein normales Bier. Meine Arbeitskollegen blickten mich daraufhin wieder verwundert an mit der Frage „Ich dachte du kennst dich mit dem Zeug aus?“
Was soll ich also in einer solchen Situation machen? Ich würde gerne Drinks empfehlen aber die Karte entspricht nicht meinem gewohnten Niveau. Ich würde gerne einen guten Drink bestellen der nicht auf der Karte steht aber es mangelt entweder an der Qualität der Spirituosen oder an den Spirituosen selbst. Dazu kommt meine Leidenschaft für einfache und klassische Rezepturen. Wenn sich ab und zu doch die Gelegenheit bietet jemanden etwas Interessantes zu empfehlen was sollte das dann sein? Einem Cocktailneuling der nur Pina Colada und Caipi kennt kann ich unmöglich sofort an einen Old Fashioned heranführen. Meist sind Sours ein gelungener Einstieg und so weise ich meist auf den Daiquiri hin. Interessant ist der Fall eines Arbeitskollegen welcher dank mir fast jedes Wochenende einen Pisco Sour trinkt aber den Daiquiri nicht ausstehen kann, was wiederum zum erstgenannten Punkt des persönlichen Geschmackes führt.
Nach kurzer Überlegung kam ich doch noch auf die Antwort nach einem zu empfehlenden Cocktail: Trink was dir schmeckt oder probier einfach etwas Neues aus, dann ist man zumindest eine Erfahrung reicher! Nichts ist besser als sich auf den eigenen Geschmack zu verlassen im Sinne von „Learning by doing!“ Geschmack ist ein Prozess der mit jeder Speise und mit jedem Getränk wächst und gedeiht. Nur weil ich keine Pina Colada trinke oder empfehle heißt es nicht das dieser Drink nicht gut ist oder keine Daseinsberechtigung besitzt. Daraus lässt sich wiederum schlussfolgern das eine Empfehlung zu einem bestimmten Drink keine große Aussage besitzt, ergo „Über Geschmack lässt sich nicht streiten.“

Montag, 14. Dezember 2009

Mixology Monday: Money Drinks


Kurz bevor sich das Jahr dem Ende zuneigt steht noch ein letzter Mixology Monday 2009 auf dem Programm. Auch wenn der Name Beers in the Shower etwas anderes vermuten lässt, handelt es sich tatsächlich um einen Blog der sich im Bereich des hochwertigen und gemischten Getränkes ansiedelt. Der Autor Kevin Langmack präsentiert diesen MxMo unter dem Banner der „Money Drinks“. Darunter ist ein Drink zu verstehen der aufgrund seiner Zutaten „aufgepimpt“ wurde. Hauptsache das Geschmackserlebnis rechtfertigt den Einsatz von teuren Zutaten. Ich denke hier dürften so einige interessante Rezepte in Frage kommen.
Spontan fällt mir hierzu der Padovani Cocktail ein. Eine simple Mischung aus Whisky und St. Germain Likör. Dieser, nach Xavier Padovani benannter, Drink von 2006 wird ursprünglich im Verhältnis 1:1 zubereitet was aber kein rundes Geschmacksbild ergibt. Verringert man die Menge des Likörs bettet sich dieser geradezu perfekt in den Whisky ein. Ich bevorzuge einen leichten, schottischen Malzbrand wie den Ancnoc 12 im Mischverhältnis 4:1. Da heute aber das Besondere gesucht ist wird dieser einfach durch den hervorragenden, aber kostenintensiven, Glenmorangie Signet ersetzt. Dieser Traum von einem Cocktail stammt meines Wissens nach aus dem Hamburger Le Lion und ist jeden Cent wert. Selten erlebt man eine solch wunderschöne Symbiose von Spirituosen. Da hier die Priorität unbedingt auf dem fantastischen Scotch liegen sollte wird das Mischungsverhältnis auf mindestens 5:1 gesetzt.
Ein weiter Cocktail welcher Seinesgleichen sucht ist der Tommys Margarita. Ein Tequila-Sour in dem die süße aus Agavendicksaft erzeugt wird. Dieser Drink ist zu recht allerorts beliebt doch durch die Zugabe eines Premiumtequilas kann dieses Rezept in den Olymp getragen werden. In Frage kommt hier in meinen Augen nur der Jose Cuervo Reserva de la Familia Platino. Dieses Destillat bekommt von mir die Note „sehr gut“ im Preis- /Leistungsverhältnis trotz eines Flaschenpreises von ca. 55 €. Dieses fantastische Produkt kann ohne weiteres in der Wahnsinnsmischung aus 6 cl Tequila, 1cl Limettensaft und 0,5 cl Agavensirup serviert werden!
Wenn wir schon bei den Sours sind bleiben wir doch gleich hier. Für mich ist diese Drinkskategorie über allen anderen erhaben. Sours bestehen aus wenigen Zutaten, die Grundspirituose kommt zum Vorschein, sie sind geschmacklich ausgewogen und je besser die Basis desto höher kann diese dosiert werden wie das Beispiel der Margarita zuvor aufgezeigt hat. Als Rum-Trinker kommt auch dieser Sour bei mir nicht zu knapp – meist in Form eines Daiquiris. Doch es spricht auch nichts gegen einen sauren Rum mit einem gereiften Produkt wie einem Mount Gay XO. Zu meinen Favoriten zählt hier aber eindeutig die Variante mit dem köstlichen Appleton Estate 21. 8 cl Rum mit 3cl Limettensaft und 2 cl Zuckersirup vermischt und der Abend ist gerettet. Bei diesem Money Drink gilt es allerdings auf das Money zu achten. Ich kenne keinen Rum dessen Preisgefüge so stark schwankt. Momentan ist eine Flasche ab ca. 90 € zu bekommen. Es gab aber auch Zeiten dort war der Rum nie unter 100 € zu finden. Letzte Woche habe ich in meinem Schreibtisch in meiner „Schublade des Grauens“ eine uralte Rechnung gefunden auf dem ein Appleton Estate 21 für grandiose 55 € aufgeführt ist – irre!
Wenn die „Money Drinks“ etwas beweisen ist es die Tatsache das ein Cocktail immer nur so gut ist wie seine schlechteste Zutat. Natürlich müssen es nicht die super-hyper-mega-premium Spirituosen sein um einen guten Drink zu erhalten aber sie machen ihn dann zu etwas Besonderem. Vielleicht ist es auch nur eine Täuschung da wir uns beim Genuss eines solchen Produktes schon von vornherein auf etwas Großartiges einstellen. Und wen schon – es funktioniert! Ab wenigen Euro ist es möglich erstklassik zu mixen, rühren und zu shaken. Ab einem Preis jenseits der 100 € sei es auch dahingestellt ob die erwartete Verbesserung den Wareneinsatz wert ist. Aber auch das ist eine Glaubensfrage und wer bereit ist einen solche Preis zu zahlen wird das auch gern machen – man wird ja nicht gezwungen ;-)

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Au Backe!

Ja, ja, ich schreib momentan nicht viel aber dafür hab ich auch zwei passende Ausreden parat. Zum einen bin ich mit anderen Arbeiten beschäftigt und es ist noch kein einziges Weihnachtsgeschenk organisiert und zum anderen aus gesundheitlichen Gründen mit denen ich mich nicht lange an den PC setzen will. Nachdem mein Zahnarzt der Meinung wahr ich sollte mich von einigen Weisheitszähnen trennen lauf ich nun schon seit einigen Tagen mit einer schmerzenden Backe durch die Gegend in der Größe und Form einer 0,7er Mozart-Likörflasche. Kopfschmerzen gibs im Paket gratis dazu… Hier erweist sich der Eisvorrat im Keller als sehr praktisch, auch wenn dieses kristalline H2O lediglich aus Leitungswasser besteht. Für die Cocktails (die ich jetzt eh nicht trinken darf) kann es dafür in Zukunft auch Luxuxeis sein wie es in diesem Bericht erwähnt wird.
Was mich an der ganzen Situation nervt ist die Tatsache das ich nochmals zwei Zähne zuviel besitze und ich dies ganze Prozedur nochmals durchleben muss. Das ist genau so nervig wie einige Gäste in Bars und deren Verhalten. Wie man mit solchen Situationen umgeht konnte man letztes Jahr schon in der YouTube-Serie „The Bartender Hates You“ sehen deren zweite Staffel seit kurzer Zeit online zur Begutachtung steht. Und seid ehrlich: Wer würde nicht auch das eine oder andere Mal so handeln wollen wie dieser Bartender ;-)

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Süß, Süßer, Stevia


Einer der wichtigsten Zutaten in der Bar stellt ganz klar der Zucker dar. Diesen kennen wir entweder in Form von dutzenden von Sirupsorten, seien es fruchtige Varianten oder nur einfache Zucker-Wassermischungen oder pure Zucker. Rübenzucker, Rohrzucker weiß, Rohrzucker braun. Muscovado, Kandis, u.s.w. Daneben versüßen wir unseren Gästen das leben auch gerne mit Agavendicksaft oder Honig. Weniger bekannt ist eine aus Asien stammende Pflanze die hierzulande kurzum als Stevia bekannt ist.
Wer das allerdings noch nie gehört hat wird es aber mit Sicherheit in der nahen Zukunft den hinter Stevia verbirgt sich eine Pflanze auf dem Erfolgskurs. Sie süßt mit einer enormen Stärke, hat keinen nennenswerten Eigengeschmack, ist kalorienfrei, leicht anzubauen und sogar für Diabetiker geeignet! Der Haken an der ganze Sache: In der EU ist der Wunderzucker (erhältlich als Pulver, Flüssigkeit oder in Tablettenform) nicht als Lebensmittelzusatz freigegeben. Einige Forscher sind noch nicht von der gesundheitlichen Unbedenklichkeit überzeugt, obwohl Stevia in den Anbauländern schon seit Jahrhunderten als Süßungsmittel eingesetzt wird. Bei einigen Versuchsreihen an Ratten wurde festgestellt das sich Stevia negativ auf deren Fruchtbarkeit auswirkte – beim Menschen konnte dies bis jetzt nicht nachgewiesen werden. Im kommenden Jahr wird erneut entschieden ob Stevia bei uns unter den Nahrungsmittel stehen wird. Wer jetzt auf der Suche nach dem Produkt ist wird in der kosmetischen Abteilung fündig. Hier ist das, auch Süßkraut genannte Stevia, als Badezusatz erhältlich. Bei einer großen deutschen Handelskette konnte ich entsprechende Produkte auch schon neben dem normalen Süßstoff finden. Ein Nachteil ist der relativ hohe preis so musste ich für ein 50ml Fläschchen beim örtlichen Händler stolze sieben Euro auf den Tisch legen. Im Internet gibt es das ganze deutlich billiger und in größeren Mengen.
Aber kommen wir zur Geschmacksprobe. In meinem Fläschchen befinden sich neben den Steviosiden (die Wirkstoffe des Süßkrautes) noch Glycerin und Wasser. Das Gemisch ist farb- und geruchlos und ist somit äußerlich nicht zu erkennen. Im Aroma entfaltet sich sofort eine brachiale Süße die schon bei kleinsten Mengen den ganzen Mundraum ausfüllt. Daneben findet sich ganz minimal der Geschmack von Glycerin (kennt man ja von den Fee Brothers Bitter) und ein leicht herber Abgang wie man es auch von einem normalem Süßstoff kennt. Stevia ist auf keinen Fall mit normalen Zucker(-sirup) zu vergleichen. Es ist eine andere Art von Süße wie auch ein Honig anders süßt wie Melasse. Das muss jeder selbst testen um einen Eindruck davon zu bekommen. In den weiten des www fand ich heraus das Stevia auf keinen Fall der Süßstoff schlechthin ist. Aufgrund ihres eigenen Süßverhaltens sind Stevioside somit nicht überall einsetzbar.
In wiefern Stevia in der bar zum Einsatz kommen wird, oder kann, wird auch hier die Zukunft zeigen. Persönlich bin ich davon noch kein bisschen überzeugt. Da man aber nichts unversucht lassen darf musste natürlich ein Cocktailversuch her und was würde sich hier besser eignen als ein Sour? Als nichts wie her mit dem Shaker und ran ans Werk an den ersten Stevia-Daiquiri. Normalerweise mixe ich diesen Drink im Verhältnis 6:3:2 ; Da Stevia deutlich stärker süßt als mein Zuckersirup reduzierte ich die Menge um mehr als die Hälfte auf 6:3:0,75. Optisch nicht vom Original zu unterscheiden ging es sofort an die Verkostung des Drinks. Um das Ergebnis mit einem Wort zu beschreiben: schrecklich! Es scheint als hätte sich die Süße nicht mit den anderen Zutaten verbunden. Im ersten Augenblick scheint alles wie gewohnt zu sein. Der Rum kombiniert mit der frische der Limette und einer leichten Süße doch bereits eine Sekunde später kommt die böse Überraschung. Eine alles überdeckende Süße vernichtet den kompletten Cocktail in seinen Geschmack. Hier heißt es also deutlich weniger Stevia anzuwenden aber ob der Drink dann noch funktioniert?

Samstag, 28. November 2009

The Bitter Truth Elixier


Eigentlich sollte meine geplante Bergtour für dieses Wochenende noch bis morgen andauern aber aufgrund von Schneefall wurde der Rückweg schon früher angetreten als geplant. Erfreulicher und vielversprechender ist dafür eine Email in meinem Postfach, welche das neueste Produkt aus dem mittlerweile namhaften Hause „The Bitter Truth“ ankündigt. In dieser Mail wird das Produkt folgendermaßen beschrieben:
„Bei der Kreation ihrer modernen Klassiker orientieren sich Stephan Berg und Alexander Hauck von der Deutschen Spirituosenmanufaktur »The Bitter Truth« stets am verloren geglaubten Wissen ihrer Vorväter. Den Spuren alter Alchemisten folgend, erscheint nun Ihr »Elixier«, ein Digestif-Likör, der zwar fest in der Tradition alpiner Kräuterliköre verwurzelt ist, jedoch noch viel mehr zu bieten vermag. Genießen Sie Elixier gleich einem süßen Wermut in Aperitif-Cocktails wie dem Manhattan und Negroni oder erleben Sie seine angenehm verdauungsfördernden Eigenschaften nach einem opulenten Mahl. Handverlesene Kräuter und Gewürze verleihen ihm seinen exzellenten Geschmack. Pur, auf Eis oder in Cocktails – die Vielfältigkeit dieses Tonikums ist einfach erstaunlich.“
Damit erweitert TBT sein bisher bestehendes Likörsortiment um eine echte Überraschung. Wer hätte schon gedacht das es ein Kräuterlikör werden wird? Die Vermutung hätte wohl eher auf einen Vermouth gelegen als auf einen Amaro. Typisch edel präsentiert sich Elixier in einer 0,5L-Flasche zu einem Preis von 15 €. Für einen Kräuterlikör befindet sich diese Spirituose in der gehobeneren Preisklasse, was sich aber aufgrund der relativ kleinen Auflage erklären lässt. Ein zu vergleichender Likör dürfte Borkmann sein, welcher noch einen Tick teurer ist. Da von einer hohen Qualität auszugehen ist und es aus kleiner, einheimischen Herstellung stammt spielt der Preis auch nicht die entscheidende Rolle.
Interessant find ich allerdings die Anwendung in einem Manhattan – das Ergebnis müsste ein sehr schmackhafter Digestif sein. Dieser Cocktail kommt auf jeden Fall auf die persönliche „Auf-Jeden-Fall-Probieren-Liste“ In der Email zu Elixier wird dessen Aroma weiterhin mit „…eine wundervoll samtig weiche Textur. Sein Charakter ist sehr komplex mit Kräuternoten von Minze, Myrrhe, und Enzian, aber auch Fruchtaromen wie Zitrone und Rhabarber. Er vereint die karamellige Süße eines Port mit den bitteren Aromen eines klassischen Amaro.“ beschrieben.
Während des Barconvent in Berlin war es mir möglich eine kleine Probe des TBT Elixiers zu probieren. Da dies schon eine Weile her ist wage ich es nicht eine genaue Geschmacksbeschreibung abzugeben aber die erwähnte Samtigkeit und Karamellsüße blieb mir in Erinnerung. Wie andere Amaros bildet eine große Vielzahl von Kräuter ein komplexes Gesamtbild, welches ich nach meinem Geschmacksempfinden in Richtung Averna in Gedanken eingeordnet habe. Aber wie erwähnt sind diese Angaben ohne Gewähr. Ob man das Elixier braucht sein dahingestellt bei den Massen an anderen Kräuterlikören. …aber andererseits haben wir in unseren Bars auch Zuckerrohrbrände ohne Ende stehen und würden auch mit zwei Sorten Rum auskommen…

Freitag, 20. November 2009

Slovak Bar Awards 09 & Europa

Da ich gerade nicht die Zeit finde etwas zu bloggen hier zumindest das aktuellste von unseren Nachbarn aus dem Osten. Gestern wurden in Bratislava die „Slovak Bar Awards 2009“ verliehen mit folgenden Kategorien und Gewinnern.

Best Bartender: Franky Benian, Shake The World, Rambla
Best Bar: Paparazzi, Bratislava
Best Pub: Prazdroj Mostová ul, Bratislava
Best Café: Choco Arden, Bratislava
Best Bar Team: Steps, Trenčín
Best Bar Design: Paladium Nitra
Best Achievement: facebook
Best Night Bar: Fashion Club, Bratislava
Best Bar Manager: Viliam Masný, Jerry's Žilina
Best Bar Menu: Upside down, Bratislava

Immer wieder finden sich solche Nachrichten den Weg in unsere Gefilde doch ansonsten hört man von der dortigen Barszene nicht viel. Es ist fast immer nur die Rede von GSA (Germany, Switzerland, Austria) und England. Doch wo ist der Rest von Europa? Was mixt man in Kroatien oder was füllt man in portugiesische Gläser? Die Barszene wächst und wächst und jeder kann sehen was in den letzten Jahren passiert ist doch geht der Blick nicht all zu weit über den Tellerrand wie mir scheint. Bars und Cocktails sind zumindest überall in Europa anzutreffen doch über die Mixkultur in den meisten Ländern ist so gut wie gar nichts bekannt. Erstklassike Bars in den USA oder Rührtechniken aus Japan hingegen haben ihren Platz in der „alten Welt“ gefunden. Ist es an einer Form von Ignoranz von unserer Seite aus oder geben die anderen nur nichts von sich Preis? Mit Sicherheit gibt es so einiges Interessantes bei unseren Kontinentalpartnern was die Barkultur angeht. Dank dem Medium Internet müsste eine großflächigere Vernetzung ohne größere Probleme machbar sein. Nicht umsonst wurde in den Slovak Bar Awards das Sozialnetzwerk Facebook für seine Leistungen ausgezeichnet, gilt es doch als das Sprachrohr der Bartender international. Vielleicht sollte man unsere Miteuropäer einfach einmal ansprechen und dabei ein gut gekühltes Getränk zu sich nehmen. Hier sind zumindest die passenden Floskeln in den verschiedenen Sprachen…

Sonntag, 15. November 2009

Kleiner Blick in die Zukunft


Geht es euch genau so wie mir? Gerade noch war es der 31.12.1999 und ihr habt ins Millennium hinein gefeiert und nur ein Augenzwinkern später stehen wir nun hier am 15.11.2009. Die Zeit vergeht wie im Fluge und so einiges ist in den letzten Jahren dieses neuen Jahrtausends geschehen – und das nicht nur im Bereich der Bar. Was sich in diesem Kleinod des Genusses in den letzten Jahren getan hat dürfte jedem bekannt sein und muss nicht mehr erwähnt werden. Nun wagt es allerdings ein Mixologe aus Hamburg…, pardon!... ich meinte natürlich ein Bartender aus Hamburg einen Blick in die Zukunft zu werfen bzw. jeder sollte sich seine privaten Gedanken zu diesem spannenden Thema machen. Warum eigentlich nicht?! In Zeiten der Krise ist es nicht immer leicht nach vorne zu schauen (Stichwort: Die Zukunft ist auch nicht das was sie mal wahr) aber ich bin nach wie vor optimistisch eingestellt.
Ein Phänomen, welches sich hoffentlich noch eine Weile halten wird, ist der Drag der Menschen hin zur Qualität und Weg vom Junck Food und miesen Produkten. Frische Zutaten sind gefragter denn je und selbst der höhere Preis von beispielsweise Bioware schreckt kaum noch jemanden ab. Anstelle von zwei Chessburgern für 2 € darf es auch gerne einmal ein gutes Steak für 20€ sein. So auch in der Bar. Anstelle des traurigen 5€-1Liter-Saftcocktails rücken die 12€-Top-Drinks. Diese zwar nicht so oft aber mit mehr Genuss. Es wird Bars geben die sich vermehrt darauf spezialisieren und einen gepflegten Gästekreis haben werden. Im Idealfall dient das alles natürlich auch dem Berufsbild des Bartenders. Und wer weiß ob es nicht doch noch irgendwann ein eigenständiger und unabhängiger Lehrberuf wird wie schon seit so vielen Jahren gefordert. Material gibt es genug um eine Lehre von drei Jahren durchzuführen angefangen bei den diversen Obstsorten bis hin zum richtigen Umgang mit dem Gast. Immerhin wird nächstes Jahr auch der „Buchhändler“ ein Lehrberuf! Wichtiger ist allerdings das man nicht wie in vielen Berufsbereichen durch eine Maschine ersetzt wird. Hier muss man sich meiner Meinung nach aber keine Sorgen machen. Cocktailautomaten wird es zwar geben aber bestimmt nicht in den Bars die sich nur etwas um den Namen „Bar“ kümmern.
Was die Arbeit an sich angeht wird wohl niemand einen Blick in die Zukunft wagen können. Es gibt schon so vieles und dennoch erscheit aus dem nichts heraus immer wieder neues Werkzeug und Techniken. Ich denke hier nur einmal an den Finestrainer oder an den Hard Shake. Vor nur wenigen Jahren hätte unter diesen Begriffen niemand gewusst um was es geht – heute (fast) eine Selbstverständlichkeit. Genau nach demselben Schema dürften neue Zutaten in der Bar zu behandeln sein. Es scheint als gäbe es bereits alles doch dann wird man wieder eines Bessren belehrt. Beispiele hierfür seien St. Germain, Mozart Dry, oder Carpano Antica Formula. Letzterer bildet wiederum eine Sonderform: Das Wiederentdeckte. Dies wird in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch eine nicht unbedeutende Rolle spielen, gerade in der Wiederentdeckung klassischer Rezepturen. Spontan fallen mir Spirituosen ein wie Herkules, Forbidden Fruit Liquer oder Bokers Bitters. Ich wette das Eine oder Andere ist gerade in den Versuchslaboren der Hersteller im Gange.
Aber was hilft schon all die Weissagerei. Machen wir das Beste aus den Zeiten die kommen mögen und lasst uns das Leben einfach genießen wie wir es mit einem anständigen Cocktail machen würden. Das Vergangene ist geschehen aber das was noch vor uns liegt gilt es bewusst zu erleben. In diesem Sinne: "Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen." - Antoine de Saint-Exupéry

Mittwoch, 11. November 2009

Cocktailwelten - Das Original


Wenn ihr diesen Beitrag lest gehe ich davon aus das ihr auf dem Cocktailwelten-Blog seid um das Eine oder Andere aus der Bar zu erfahren. Der Name des Blogs war am Anfang des Projektes sehr schnell gefunden und er schien mir einleuchtend und es kam noch niemand auf diese Idee. Doch nun, über 2,5 Jahre später, kamen tatsächlich irgendwelche Saftpanscher auf die Idee einer Seite ins Netz zu stellen deren Name „ganz zufällig“ fast identisch ist. Bevor ich jetzt fortfahre mit dem Thema und dem Link: Keiner klickt mir irgendetwas auf der dubiosen Seite an um sich jeglichen Ärger zu ersparen!
Helmut Adam machte mich heute auf einen Link aufmerksam unter dem Namen www .cocktails-welten.de. Dahinter steckt nichts anderes als eine Fangseite deren Benutzung bares Geld kosten soll. Klickt man auf diesem Portal etwas an wird man zur Anmeldung gebeten was entsprechende Kosten nach sich zieht. Diverse Fälle dieser Seite sind mittlerweile im Netz bekannt. Umso ärgerlicher ist es das in dem gutefrage.net-Eintrag von den Cocktail-Welten die Rede ist, was wieder auf mich zurückführbar ist aufgrund einer noch stärkeren Ähnlichkeit im Namen. Um eines klarzustellen: Mit den cocktails-welten habe ich absolut nichts am Hut! Zum einen klingt alleine der Name schrecklich und wer mich kennt weis auch das deren „Cocktails Top 10“ nicht von mir sein kann. Wenn es einmal soweit kommt das ich den Long Island Ice Tea zu meinen Favoriten zähle muss mir jemand die Lizenz zum Shaken entziehen. Viel schöner ist zudem die Tatsache das diese Typen nicht zum ersten Mal auffallen! Bereits vor über einem Jahr gab es die gleiche Masche wie einst Mixology berichtete! Sollte irgendjemand Post von den cocktails-welten bekomme mit der frechen Aufforderung deren Nutzungsendgeld zu bezahlen: Auf keinen Fall! Den Brief einfach ignorieren. Es ist unglaublich wie lange es diese betrügerische Art der Geldmacherei in den Weiten des Internets schon gibt. Es scheint sich ja zu rentieren sonst würde es diese Seiten nicht geben.
Auch in Zukunft heißt es also aufpassen worauf man klickt. Dennoch viel Spaß im Netz wünschen euch die Cocktailwelten.- Das Original, ohne „s“ und Bindestrich im Namen und wie immer kostenlos.

Freitag, 6. November 2009

Markenrivalität

Welch freche Werbung gegenüber einem Konkurenzprodukt ;-)



Dienstag, 3. November 2009

Die Geschichte vom Glas


Viele Dinge wurden in den letzten Jahren besprochen was das Bartending angeht. Von alten Spirituosen über noch ältere Cocktailrezepturen bis hin zur Eisherstellung im Laufe der Zeit wurde schon vieles Erwähnt und Besprochen. Dennoch gibt es ein Thema, welches noch nie im Bereich der Bar wirklich erwähnt wurde, obwohl jeder tagtäglich damit hantiert. Die Rede ist von den transparenten Material in dem sich unsere flüssigen Schätze befinden und später das fertige Mischgetränk. Seit mehreren Jahrtausenden kennen wir Glas und nicht nur in der Bar ist die Menschheit heutzutage absolut Abhängig von dieser mysteriösen Keramik.
Wenn man so will entstand das erste Glas des Planeten bereits vor geschätzten 30 Millionen Jahren. Ein Meteorit schlug in eine Wüste ein und schmolz den dortigen Quarzsand zu Glas. Weitere natürlich vorkommende Gläser sind Fulgurit (wenn ein Blitz in Sand einschlägt) sowie Obsidian, das Glas aus den Vulkanen. Eine weitere Rarität ist Trinitit, Glas das beim zünden von Atombomben entstehen kann.
Doch zurück zur Geschichte des Glases: Vor geschätzten 4000 Jahren geschah es im damaligen Mesopotamien einige Männer ein Feuer auf Sand entfachten und dieses mit salzhaltigen Pflanzen am brennen hielten. Diese verbrannten zu natriumkarbonathaltiger (sodahaltiger) Asche und verbanden sich mit dem heißen Siliziumdioxid des Quarzsandes. Werden diese Stoffe erwähnt bricht zunächst die Kristallstruktur des Quarzes auf und das Soda verhindert eine erneute kristalline Ausrichtung nach der Abkühlung. Es entsteht Glas! Dies ist aber noch nicht mit dem heutigen Material zu vergleichen. So ist dieses antike Glas beispielsweise nicht transparent. Die Menschen von damals erkannten den Einsatz diese merkwürdigen Material und verfeinerten die Technik zur Herstellung. Diese verbreitet sich in den nächsten Jahrhunderten über Ägypten nach Griechenland bis hin nach Italien wo es zu einer enormen Weiterentwicklung kam. Römische Glasmacher schufen nicht nur zum ersten Mal durchsichtiges Glas sondern entwickeln auch die Technik der Glasbläserei. Plötzlich konnte man das Material in allen möglichen Formen bearbeiten. Fensterscheiben, Vasen und Trinkgefäße sind es schlussendlich die den Siegeszug des neuen Materials vorantreiben. Farben entstehen durch die Beigabe diverser Metalle, so sorgt Kupfer zum Beispiel für ein grünes Glas. Dieser Glasboom sorgte im mittelalterlichen Europa auch für die Abholzung riesiger Wälder, da mit dem Holz zum einen Soda produziert, zum andern die Brennöfen beheizt wurden.
Doch das Herz dieser Industrie blieb immer in Italien auch wenn dies von Rom nach Venedig wanderte. Noch heute ist die Insel Murano bekannt für seine Glaswaren. Während der Renaissance um das Jahr 1450 entstand hier das beste Glas weltweit. Dort lebten die besten Glasbläser, es entstand ein Glas so rein wie wir es heute kennen, große Scheiben waren nun möglich indem ein geblasenes Rohr einfach aufgeschnitten und aufgeklappt wurde und die ersten Spiegel wurden hergestellt mittels einer feinen Metallschicht. Fast 150 Jahre später wurde Glas auch für die Wissenschaft interessant durch das gezielte schleifen von Linsen. Optische Werkzeuge entstanden, sei es für den Blick in die Ferne mit Teleskopen oder der Blick in das kleine mit Mikroskopen. Wo währe die Menschheit heute nur ohne dieses großartige Material? Und ich denke selbst jetzt lesen viele diesen Bericht von der Scheibe eines Monitors ab, welcher zuvor über eine Glasfaserleitung von mir zu euch gelangt ist, welches vielleicht durch ein gläsernes Solarpanel mit Energie versorgt wird… Im Idealfall habt ihr dabei natürlich einen kalten Drink in einem Trinkglas vor euch stehen, dessen Grundidee noch aus der Römerzeit stammt. Als das Glas transparent wurde kamen Weingläser in Mode das es nun möglich war die Farbe des Getränkes zu sehen. Der älteste Becher aus Glas ist jedoch bedeutend älter und stammt aus der Zeit von Pharao Thutmosis III aus Ägypten welcher vor knapp 3500 Jahren sein Land regierte. Ihm haben wir auch die erste Verbreitung des Glases zu verdanken da er das Wissen um die kunstvolle Herstellung im Krieg erbeuten konnte.
In Bar ist Glas natürlich ebenfalls unentbehrbar und sei es nur in Form von Flaschen und Trinkgefäßen. Immer wieder taucht die Frage auf nach den richtigen Gläsern hinter der Bar. Welche Formen braucht man und welche nicht und vor allem wie viele? Das soll aber das Thema in einem zukünftigern Beitrag werden. Bis dahin heißt es Gläser füllen, putzen und polieren.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Deja-Vu²

Zitat Wikipedia: „Als Déjà-vu-Erlebnis bezeichnet man ein psychologisches Phänomen, das sich in dem Gefühl äußert, eine neue Situation schon einmal erlebt, gesehen oder geträumt zu haben.“ So erging es mir zumindest bei den beiden neuen Produkten aus dem Hause Adelholzener. Erinnert sich noch jemand an das Frucht-Kaffee-Wasser vor einem guten halben Jahr? Die Weiterentwicklung dieses Produktes ist nun erhältlich nur ohne die Kaffeearomen – das Koffein hingegen bleibt. Die nun unter dem Namen „Coffee Kick“ vermarkteten Produkte sind eine Entwicklung aus der momentanen Kundenreaktion. Der Geschmack rufte doch geteilte Meinungen hervor.
Das neue Wasser mit Himbeeraroma ist angenehm im Geschmack wirkt jedoch etwas künstlich. Die leichte Süße ist hingegen gut abgestimmt. Eine Überraschung hingegen ist der „Coffee Kick Mango“ im Vergleich zum „Mango-Kaffee“. Das Wasser ist für meinen Geschmack immer noch deutlich zu Süß aber die Frucht wird durch die fehlenden Kaffeenoten nun identifizierbar. Nach einer anfänglichen sehr floralen und fruchtigen Note ist die Mango nun im Abgang deutlich vorhanden wenn auch nur leicht. Die Idee hinter diesen Wässerchen find ich nach wie vor toll jedoch ist der Koffeingehalt unverändert bei 50 mg/l in einer 75 cl Flasche – 200 mg/l könnte das Ganze problemlos vertragen! Genau so kritisch stehe ich der „15-fachen Menge Sauerstoff“ gegenüber. Fazit: Für zwischendurch ganz ok aber das war’s dann auch.
Und weil es gerade so viel Spaß macht nochmals ein Deja-Vu. Dieses Mal geht es um die Kooperation von Makers Mark und Dulce. Sagt euch nichts mehr? Das waren die mit dem Eis, welches im Übrigen sehr lecker ist, wie ich in einem aufopfernden Selbstversuch feststellen musste ;-) Doch nun geht es an die süße Verführung in Pralinenform. Bourbon Dark Ecuador, Bourbon White Vanilla und Mint Julep heißen die Schokohäppchen, die mit dunkler und weißer Schokolade umhüllt sind und 10% Maker’s Mark enthalten. Der Geschmack des Bourbon integriert sich wunderbar in die Schokolade, so dass beide Komponenten ideal harmonieren. Die Mint Julep Praline ist eine besondere Kreation: angelegt an den Whisky-Cocktail ist sie im Kern mit einem erfrischend sauren Paté de Fruit aus Limette gefüllt. Limetten im Mint Julep? Ich denke ich bleibe dann doch lieber beim richtigen Cocktail und genieße die Schokolade ein anderes Mal in ihrer reinen Form…

Montag, 26. Oktober 2009

Mixology Monday: Vermouth

Der letzte Montag des Oktobers ist nahezu zu 2/3 abgelaufen und somit auch die letzte Chance auf den Mixology Monday 10.2009. Präsentiert wird dieser heute von den Cocktailians unter dem fabulösen Zeichen des Wermuts! Was wäre die Bar nur ohne diese magische Essenz aus Wein und diversen Kräutern und Gewürzen? Schon seit Anbeginn der Cocktailgeschichte sind diese versetzte Weißweine unentbehrlich für eine unendliche Anzahl an Drinks. Man denke dabei nur einmal an Kreation welche selbst Nicht-Cocktail-Trinkern (ja so was soll es tatsächlich geben) ein Begriff sind: Dry Martini, Manhattan oder Negroni. Doch die Geschichte der Wermutweine geht noch deutlich weiter zurück.
Wie auch bei einigen anderen Zutaten ist die Geschichte des Vermouth von medizinischer Abstammung. Seit Jahrtausend wissen die Menschen um die heilenden Wirkungen des namensgebenden Wermutkrautes Artemisia. Um an die Wirkstoffe des herben und bitteren Krautes zu gelangen wurde es unter anderem in Wein eingelegt. Laut einem Artikel des zuletzt erschienen Mixology Magazins ist diese Zubereitung schon seit 400-500 Jahren vor unserer Zeitrechnung bekannt! Wissen das sich über die Jahrtausende zu dem Entwickeln sollte was wir nun in jeden Supermarkt in irgendeiner Form kennen. Um diese „Medizin“ effektiver zu gestallten wurden bald darauf weitere Zutaten mit dem Wein angesetzt. So besteht ein moderner Wermut aus einer Vielzahl von Zutaten deren Umfang keine Grenzen gesetzt sind von A wie Angelikawurzel bis Z wie Zimt. Heute ist darüber hinaus vor allem von zwei Stielrichtungen die Rede: Vermuth süß und trocken bzw. französisch und italienisch. Dies ist einfach durch die regionalen Geschmäcker bestimmt, welche sich bis in die Gegenwart erhalten haben. Dabei gibt es einige gesetzliche Auflagen die es bei der Herstellung zu beachten gibt. So muss ein Vermouth beispielsweise aus mindestens 75% Weißwein bestehen selbst wenn es später als ein rotes Produkt auf dem Markt kommt. Hierzu wird meist mit Zuckercouleur und andern farbgebenden Stoffen nachgeholfen.
Um diesen Wermutstropfen im Sinne des Mixology Mondays gebührend zu zelebrieren muss wie immer ein passender Drink ausgesucht werden. Im Prinzip ist das ganz einfach: Man nehme ein altes Cocktailbuch, schlage dies auf einer beliebiger Seite auf und nutze eines der vielen Vermut-Rezepte dieser Doppelseite… Nichts desto trotzt blickte ich in mein oberstes Regal des Barschrankes vorbei an den ganzen Kräuterlikören zu den dort stehenden sieben Wermutweinen und entschied mich für einen Cocktail mit einem der selteneren goldenen Sorten, dem Noilly Prat Ambre. Ein sehr naher Verwandter des Manhattan Cocktails ist der Brooklyn. Dieser besteht ebenfalls aus Whisky und Wermut aber anstelle der Cocktailbitters kommen Amer Picon und Maraschino zum Einsatz. Dieser Drink wird in seiner Zusammensetzung der Hauptzutaten invertiert um einen „Nylkoorb Cocktail“ zu erhalten und das Ganze weinlastiger und leichter zu gestallten. Danke an den bekannten Hamburger Lehrkörper für diese Rezeptur ;-)

Nylkoorb Cocktail
5 cl Nolly Prat Ambre
2 cl Rye Whisky
1 BL Amer Picon
1 BL Maraschino

Alle Zutaten werden auf Eis gerührt und anschließend in eine gekühlte Cocktailschale abgeseiht. Garniert wird der Drink mit einer Orangenspirale, welche sich geschmacklich sehr gut an den Vermouth schmiegt. Der Nylkoorb ist ein komplexer Aperitif für viele verschiedene Gelegenheiten. Für alle die sich Fragen was der Name des Cocktails bedeutet: Nunja es ist ein verdrehter Brooklyn - Alles klar? ;-)

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Green Door, Berlin

Schon seit langer Zeit stand die Berliner Green Door Bar auf meiner Liste der „Zu-Besuchende-Bars“ und schlussendlich hab ich es doch geschafft. Nur wenige Gehminuten vom Nolendorfplatz entfernt befindet sich die kleine Bar für Trinkkultur. Vorbei an einigen vergitterten Fenstern weist ein Neonschild auf den unscheinbaren Eingang hin. Nach einem kurzen klingeln wurde unserer Gruppe die grüne schwere Tür geöffnet und es wurde uns ein Platz zugewiesen.

Auf einer Seite des langen, schmalen Raumes befindet sich über die gesamte Länge der Tresen. Die Wand des Backboards ist einer Holzmaserung nachempfunden angemalt. Die gegenüberliegende Wand ist schlicht weiß und geschwungen gestaltet, was die Bar enorm auflockert. Die verbleibenden Seiten der Bar sind in einem blauen Karomuster gestrichen was an Oma´s altes Wohnzimmer erinnert aber sehr gemütlich wirkt. Unterstrichen wird diese Wohnzimmer-Atmosphäre durch die warme, indirekte Beleuchtung und den alten Bildern an den Stirnseiten der Bar sowie diversen anderen Accessoires.
Die Spirituosenauswahl bietet alles was das Herz begehrt und ist über die ganze Raumlänge verteilt auf einer mehrstufigen Flaschentreppe. Das großzügige Getränkemenü reicht von den klassischen Cocktails, über Eigenkreationen bis hin zu neuen Mixturen. Hier sollte für jeden Bargänger das Richtige zu finden sein und wenn nicht wird natürlich auch auf Wunsch geshaked und gerührt. Der Service war schnell, nett und zuvorkommend. Vor der eigentlichen Bestellung wird auch in dieser Bar den Gästen ein Glas Wasser serviert, was ich nach wie vor sehr zu schätzen weis. Eine kleine Geste die viel bewirkt und pure Gastfreundlichkeit beweist. Auch bei den Drinks gabt es an diesem Abend nichts zu beanstanden. Ein Brandy Alexander, Gin Tonic und ein Raffles Singapure Sling waren genau so wie sie sein sollten. Lediglich zwei bestellte Daiquiris waren einen Tick zu süß was aber kein Problem darstellt. Die Preise für die Drinks liegen, berlintypisch, im Bereich von 7-10 € und sind fair bemessen.
Das Green Door ist eine Bar deren Besuch sich mit Sicherheit rentieren wird. Ich kann mir jedoch vorstellen dass das etwas ungewöhnliche Ambiente nicht jedermanns Geschmack trifft. Die Qualität der Cocktails wird es jedoch mit Sicherheit. In Kombination mit dem guten Service und Jazzmusik sollte zudem nichts gegen einen Besuch dieser kleinen Bar sprechen. Spätestens beim nächsten Barconvent werde ich es mir wieder auf der Couch in der hinteren Ecke gemütlich machen…

Montag, 19. Oktober 2009

Connaisseure in München


Wenn ich in meiner Region vorhabe gute oder klassische Cocktails zu Drinken sollte die Bestellung ein kühles Bier sein denn das funktioniert immer. Drinks finde ich nur selten Gute und klassische Mischgetränke gehen gar nicht. (Biermischungen ausgeschlossen) Dafür hab ich die Wahl aus einer unendlichen Liste von Saftgepansche, Premixcocktails aus der Plastikflasche oder aus dem Cocktailautomaten dessen Werbung in einem angeblichen Bartender-Magazin zu finden ist. Aus diesem Grund führt mich mein Weg des Öfteren nach München da hier die Barqualität zu finden ist, die ich suche. Auf meinen Touren treffe ich immer wieder Gleichgesinnte denen es genau so geht: Keine oder maximal nur eine halbwegs brauchbare Bar in der Nähe und nur die Möglichkeit in die nächste Oase zu pilgern um in der Drinkswüste zu überleben…
Im Gespräch mit einigen anderen Connaisseuren kam ich auf die Idee eine kleine Gruppe zu bilden, der jeder beiwohnen kann wenn er Lust und Zeit hat. Es geht lediglich darum sich in regelmäßigen Abständen in München zu einer kleinen Bartour zu treffen, um unser Hobby ausleben zu können. In der größeren Gruppe macht so etwas bekanntlich mehr Spaß als alleine oder mit nur zwei Personen. Deshalb möchte ich einmal in die Runde fragen ob überhaupt Interesse daran bestände. Ein erster Termin könnte beispielsweise ca. Mitte November sein, da hier eine kleine Shochu-Nacht im Barroom geplant ist in Zusammenarbeit mit dem Barfish Alex. Das genaue Datum wird noch bekannt gegeben. Die offizielle Diskussion und Terminplanung zur Münchner Runde geschieht über das Cocktailforum in diesem Thread.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Jerry Thomas Bourbon Workshop

Heute vor genau einer Woche konnte ich die Gelegenheit ergreifen am einem von Jim Beam organisierten Bourbon Workshop teilzunehmen unter der Führung des Barlab-Bloggers Klaus Rainer und Fred Noe, dem Urenkel von Jim Beam persönlich. Somit ging es, die Koffer vom BCB noch nicht einmal ausgeräumt, direkt weiter nach München in die Dingolfinger Straße. Immerhin muss ich jede Chance ergreifen solchen Veranstaltungen beizuwohnen. Da diese Events „bartendergerecht“ unter der Woche stattfinden ist selbstverständlich aber bei mir als Connaisseur ist dies zeitlich nur selten zu meistern. Nachdem es schien das keine weiteren Teilnehmer auftauchen würden ging es auch sofort los. Das muss ich nochmals kurz erwähnen da mir anhand der ausliegenden Namensschilder aufgefallen ist das gerade einmal die Hälfte der angemeldeten Personen auch wirklich gekommen sind. Meine Gedanken gingen sofort an einem vor kurzen verfassten Bericht von Das Gastronom
Zu Beginn stellte sich Fred Noe vor und erzählte so einiges aus der interessanten Geschichte seines Familienbetriebes von den ersten Anfängen bis zur Neuzeit. Der Brennmeister leitet die Firma nun in der siebten Generation und man merkte dem sympathischen Amerikaner an das er mit Leib und Seele für seinen Beruf einsteht. Immerhin existiert die Destillerie bereits seit den ersten Cocktails vor über 200 Jahren. Um das auch in dem Workshop zu verdeutlichen wurden in den nächsten Stunden nur klassische Whiskydrinks aus Jerry Thomas´ Bartenders Guide vorgestellt. Dieses, das erste Cocktailbuch der Geschichte, liegt nun in Zusammenarbeit zwischen Klaus Rainer und Jim Beam erstmalig in einer deutschen Übersetzung vor. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Verantwortlichen für dieses fantastische Buch bedanken. Auch erwähnenswert sei die kostenlose Verteilung dieses Werkes während des BCB´s und den Whiskyworkshops! Man hat die Zeichen der Zeit erkannt und in meinen Augen somit die beste Promo-Aktion der letzten Jahre ins Leben berufen – Super! Wer noch kein Exemplar besitzt, kann es sich demnächst über die Homepage von Jim Beam bestellen.

Vorgestellt wurden Drinks wie beispielsweise der Manhattan oder der Mint Julep. Dabei wurden aber nicht die gängigen Rezepte verwendet wie sie jeder kennt sondern haargenau die aus dem Bartenders Guide. Eine Erfahrung die ihres gleichen sucht, oder wer würde schon auf die Idee kommen den Vorgänger des „Old Fashioned“ zu shaken? …und das auf Crushed Ice! Es war faszinierend einmal zu erleben wie sich Cocktails im laufe der Zeit ändern und anpassen. Schon einmal einen Manhattan mit 2 Teilen Wermut und einem Teil Whisky versucht? Ihr verpasst so einiges! Da ich momentan eine alkohlfreie Zeit verbringe bleibt der Shaker in der Bar noch ein paar Wochen trocken aber ich möchte in der Zeit danach verstärkt einige dieser alten Rezepturen testen.
In einer kleinen Halbzeitpause inmitten des Kurses wurde etwas Fingerfood gereicht und es bestand die Gelegenheit etwas zu fachsimpeln und sich die verteilten Bücher signieren zu lassen. Ins Auge gefallen sind uns dabei natürlich die drei wunderschönen Shaker aus der JR Shakermanufaktur. Wer wie ich die Chance hat diese massiven Becher in seinen Händen zu halten wird sie lieben. Ein Traum aus Silber und Gold der wohl ein Traum bleiben wird. Da man bekanntlich nicht über Geld redet, werde ich mich auch daran halten, denn diese Shüttelbecher haben auch ihren Preis. (und das zu Recht)
Nach dieser kurzen Unterbrechung ging es auch gleich weiter im Programm, welches mit der Präsentation des „Blue Blazer“ Cocktails endete. Neben dem Showeffekt dieses Drinks bestand im Nachhinein die Möglichkeit des Verkostung: Eine Sensation! Seit langem hab ich keinen solch grandiosen Drink mehr verköstigen können! Zitat Klaus: „Man kann damit Gäste verblüffen wen einem nun wirklich gar nichts mehr einfällt… und es schmeckt auch noch richtig geil!“ Der Blazer wird mir in diesem Winter bestimmt gute Dienste leiten auch wenn ich auf das umgießen der brennenden Flüssigkeit aus Sicherheitsgründen verzichten werden. Oder wie soll ich im Ernstfall meinem Chef erklären das ich krankgeschrieben bin, weil ich mir die Hände mit brennendem Whisky übergossen habe?
Im Abschluss bleibt mir nur noch eine Danksagung an Klaus für die Einladung. Ich hatte enorm viel Spaß und bin geradezu inspiriert in der nächsten Zeit vermehrt mit Whisky zu arbeiten …sobald meine trockene Phase beendet ist… Cheers!

Montag, 12. Oktober 2009

Barconvent 2009: Tag 2

Es ist gerade einmal 9:00 Uhr in der Früh… Wer ist nur auf die Idee gekommen auf ein gemeinsames Frühstück um 10:00 Uhr im „Vis a Vis“ zusammen mit den ganzen Cocktailfreaks aus dem Cocktailforum? Schnell alles fertig machen und dann ab in die besagte Bar.
So oder so ähnlich müssen meine ersten Gedanke des zweiten Tages des BCB´s gewesen sein. Pünktlich zum Treffpunkt am Vis a Vis angekommen musste ich jedoch feststellen das ich der einzige war der es pünktlich geschafft hat. Aber wer kann es einem auch übel nehmen inmitten des Berliner Nachtlebens. Für die meisten beteiligten Endete die letzte Nacht auch zu dem Zeitpunkt wo normale Menschen wieder fit werden. Nachdem alle Connaisseure mehr oder weniger ausgeschlafen eingetroffen sind, und sich mit Kaffe und einem reichhaltigen Frühstücksangebot stärkten, ging es gegen 1:00 Uhr Nachmittags gemeinsam zurück zum Postbahnhof. Schön zu sehen das es den anderen Besuchern auch nicht gelang pünktlich vor Ort zu sein. Die Entscheidung die Messe erst Mittags zu öffnen, um sich für den zweiten Tag genügen ausruhen zu können, war zwar gut gemeint aber nutzlos. Die Besucher nutzen die gewonnen Zeit lieber für eine ausgedehntere Bartour durch Berlin. Dies machte sich auch in der andächtigen Stille in den Ausstellungsräumen bemerkbar. Ich nutze die Zeit um noch dem Ende des „Chocktails“-Vortrages von Stefan Stevancsecz an der Demonstration Bar zu lauschen. Vorgestellt wurden Drinks mit dem neuesten Produkt aus dem Hause Mozart dem Chocolate Spirit Dry, über welchen es hier im Blog später auch noch einen Eintrag geben wird. Die nächsten Stunden wurden damit verbracht Spirituosen zu verkosten oder sich mit bekannten Gesichtern zu unterhalten bis es zum am meisten Erwarteten Vortrag des BCs ging: Und in der Tat wurde Hidetsugu Uenos´s „Einblick in die Kunst des Japanischen Bartendings“ der bestbesuchteste Event dieser Tage. Es wurde den staunenden Zuschauern gezeigt wie Eiskugeln bzw. Eisdiamanten aus einem Eisblock entstehen sowie die Funktionsweise des berüchtigten Hardshakes. Daneben mixte Hidetsugu in seiner sehr charmanten Art und Weise diverse Drinks wie beispielsweise eine Bloody Mary mit frischen Tomaten oder einen Grasshopper der durch die Zugabe eines Barlöffels Zitronensaft eine fantastische Textur erhielt. Es ist wirklich erstaunlich wie sich Kleinigkeiten auf die Zubereitung eines Cocktails auswirken können. Nach weiteren Rundgängen über das Gelände verabschiedeten sich die meisten Besucher des Barconvents und machten sich auf den Weg zum nahe gelegenen „Umspannwerk“ zu den Mixology Barawards, bevor es nach einer weiteren Bartour wieder nach Hause gehen sollte.
So endete der Event des Jahres aus den Augen eines Cocktailnerds. Der halbleere Koffer wurde mit jede Menge Büchern, Prospekten, Visitenkarten und Mustern randvoll gefüllt um wieder genügen neue Informationen im Haus zu haben bis es in 365 Tagen wieder Richtung Kreuzberg geht. Nicht vergessen: Der Bar Convent Berlin 2010 findet am 4. und 5. Oktober statt! Ich für meinen Teil werde nun zunächst die Erkältung auskurieren die ich als Andenken mitgebracht habe und einige alkoholfreie Wochen vorlegen…

Samstag, 10. Oktober 2009

Barconvent 2009: Tag 1

Wie schon erwähnt hier eine kleine Zusammenfassung des BCB 2009 aus der Sicht eines Cocktailfreaks. Aufgrund des kurzzeitig geplanten „Meet the Bloggers“ , einem Programmpunkt bei denen sich die anwesenden Blogger kurz vor der Messe trafen, war es diesen möglich schon eine halbe Stunde vor Eröffnung in den Postbahnhof zu gelangen. Ein Glück wie sich herausstellen sollte, nachdem es einige schwerwiegende Probleme mit dem Ticketsystem am Einlass gab. Es wunderte uns schon warum erst so wenige Leute im Vorraum anwesend waren. Nichts desto trotz ging es gleich zu Begin zum ersten Vortrag des Jahres: Ian Burell präsentierte auf der Main Stage „Rum Cocktails aus Tom Bullock´s Ideal Bartender“. Nach einer halben Stunde Verzögerung begann Ian in gewohnt unterhaltsamer und lustiger Manier die Drinks vorzustellen. Eine tolle Show für die bisher wenigen Anwesenden. Es ist zu schade das nicht einmal die Hälfte aller Plätze belegt war. Ein Bild auf Facebook verdeutlichte die Probleme am Eingang da sich hier mittlerweile eine 150m lange Schlange gebildet hatte!

Man nutze die Zeit um sich die ersten Eindrücke der Aussteller einzuholen. Diese waren Übersichtlich in dem offenen Raum positioniert bei einem überaus großzügigen Platzangebot. So konnte man sich selbst bei den größten Besucheranströmen am späten Nachmittag alles in Ruhe ansehen ohne das einem ständig jemand auf die Füße tritt – bravo! Alle Namhaften großen Importeure und Spirituosen von A-Z waren präsent und warben um ihre Produkte und Neuerungen. Letztere standen wie auch im Vorjahr verstärkt im Fokus des mixenden Folkes. Als Beispiel seihen Galliano Ristretto, Mozart Dry oder Geranium Gin zu nennen. Dieses Mal hieß es auch bei den Ständen glotzen nicht kleckern. Einige Vertreter kamen auf einfallsreiche Ideen. Sagatiba lies ein Bild auf seinen Stand von einigen Künstlern zeichnen während sich Havana Club ganz im kubanischen Charme in einer „Wellblechhütte“ präsentierte, um nur einige zu nennen. Inmitten der der Aussteller befand sich die neue „Distillers Area“, eine kleine Bühne auf welcher über eine spezielle Spirituose mit dem Herstellern diskutiert wurde wie zum Beispiel die „Gesprächsrunde Tequila“. Schade nur das es teils schwer war den Gesprächen zu folgen inmitten des Trubels der Stände. Hier bedarf es einer kleinen Änderung aber ansonsten kann man den Event als vollen Erfolg betrachten! Direkt neben den Ausstellern befand sich das altbekannte „Taste Forum“. Bekannte Experten leiteten gezielt durch eine spezielle Spirituosengattung. Ich lies es mir nicht entgehen das Rum-Tasting von Dave Broom zu sehen. Noch nie konnte ich bei einem solchen perfekten Tasting teilnehmen. Nach einer Einleitung über die Geschichte und die Herstellung des Rums wurden sage und schreibe 18 Sorten des Zuckerbrandes verkostet! Jede Probe wurde dabei bis ins kleinste Detail durch Mr. Broom beschrieben und bewertet. Da dieses Tasting knapp über zwei Stunden ging, verpasste ich den Vortrag „Cool Tools!“ von Angus Winchester. Ich lies mir aber sagen das mir eine tolle Show entging, wie nicht anders zu erwarten bei diesem Referenten. Nach weiteren Rundgängen durch das Gelände und einem kurzen Abstecher zum Mc Donalds endete der erste Teil des BCBs in der zuvor erwähnten Distillers Area mit der „Gesprächsrunde Rund um das Zuckerrohr“ mit einigen Namhaften Vertretern aus der Rum- und Cachacawelt.
Der Convent schloss für diesen Tag die Tore doch sollte die Nacht noch mindestens acht weitere Stunden anhalten. Und am nächsten Tage geht es schließlich munter weiter im Programm. Wie sagt Stefan Raab immer so schön: Wir haben doch keine Zeit…

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Traveling Mixologists @ Admirals Bar


Wie auch schon im letzten Jahr gab es am Tag vor der eigentlichen Barmesse die „ inoffizielle Eröffnung“ durch die Traveling Mixologists. Der Ort des Geschehens war Goncalos Monteiro (TM 002) zukünftige Admiralsbar im Admiralspalast. Diese ist zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch mehr Baustelle als eine Bar aber mit etwas Improvisationstalent wurde diese Tatsache souverän überspielt. Es wurde zumindest möglich die größte Cocktailparty auf die Beine zu stellen, welche es in Berlin wohl je gegeben hat.
Vor dem Einlass in die Bar wurde „ganz zufällig“ im selben Gebäude das Finale des Bols Master Battles ausgetragen. Auf diese Art und Weise wurde zumindest sichergestellt das sich wirklich jeder Bartender und Connaisseur an diesem Abend in der Friedrichsstraße 101 befand. Um die Maßen an Gästen zu bewältigen waren die Räumlichkeiten perfekt geeignet. Um auch die flüssige Versorgung sicherzustellen bedurfte es allerdings ein wenig mehr: 40 Bartender an vier Bars mixten, schüttelten und rührten was die Arme hergaben. Dabei war jeder Barmann (und natürlich auch jede Barfrau) nur auf 2-3 Cocktails spezialisiert. Hervorheben möchte ich unter den ganzen Mischgetränken vor allem den Celery Daiquiri. Frischer Stangensellerie wird zunächst in Stücke geschnitten, gemuddelt und zusammen mit Rum, Zucker und Limettensaft geshaked und durch einen Finestrainer geseiht – ein fantastischer Trinktipp! Wenn man die Frage beantworten müsste wer den alles im Admiralspalast vor Ort war, könnte man diese mit nur einem Wort beantworten: Jeder! Somit gestallte sich auch der Ablauf der Nacht von ganz alleine: Zunächst vier Stunden alle Anwesenden begrüßen um dann sofort im Anschluss damit beginnen sich wieder vier Stunden lang zu verabschieden ;-)
Ein grandioser und gelungener Auftakt für das was in den kommenden 48 Stunden noch alles geschehen sollte. Aber mehr dazu gibt es in den nächsten Beiträgen - es gibt noch viel zu berichten. Doch bevor es soweit ist führt mich der Weg, im Auftrag des gepflegten Drunkes, zunächst wieder einmal nach München. Gut das sich mein Urlaub auch wieder dem Ende zuneigt, denn nun kann ich mich bei der Arbeit wieder von den drei Wochen Extreme-Barflying erholen…

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Mixology Bar Awards 2009


Der Bar Convent Berlin ist überstanden! Zwei Tage lang drehte sich im historischen Postbahnhof Berlin alles Rund um die Themen Spirituosen, Drinks, und dem professionellen Bartending. Nach diesen ereignisreichen Tagen gibt es eine Fülle an Neuigkeiten und Informationen über die ich in den kommenden Tagen natürlich berichten möchte (auch wenn jetzt zunächst eine 7-tägige Erholunhsphase mehr als angesagt wäre…) Starten möchte ich dabei mit dem offiziellen Ende des Convents: Den Mixology Bar Awards des Jahres 2009.
Die begehrten Preise der Barindustrie wurden dieses Jahr im Kreuzberger Umspannwerk überreicht und gebührend zelebriert. Man lernte aus den Fehlern des letzten Jahres und so liefen die Awards deutlich geordneter ab als im Wintergarten 08. Links und rechts der Bühne befanden sich diverse Tresen an denen sich die Teilnehmer des neuen „City-Awards“ die Gunst des Publikums ermixten. Jede größere deutsche Stadt stellte dabei ein Bartender-Team auf, welches mit einem originellen Auftritt und raffinierten Drinks auftrumpfen musste. So gab es im Team München beispielsweise einen Cocktail mit Weißbiersirup und Rettich. So witzig ich die Idee des Cityawards auch finde, man kann ihn nicht ernst nehmen. Vergeben wird die Trophäe an das Team, das den größten Beifall der Besucher erntet. Es ist natürlich nicht aussagekräftig wenn der Lokalpatriotismus und die Anzahl der entsprechenden Gäste aus den Städten ausschlaggebend sind.
Moderiert wurde die Veranstaltung multilingual, mit viel Charme und Humor in deutsch und englisch von den bekannten Bargrößen Gregor Scholl und Phil Duff. Besonders erwähnenswert ist für mich natürlich der Gewinner der Spirituose des Jahres: Damit ging zum ersten Mal ein Baraward in die Reihen der Connaisseure! Forgotten Flavours Swedish Punch sicherte sich den Titel in dieser Kategorie und konnte sich gegen weitere große Spirituosen behaupten. Herzlichen Glückwunsch an euch beiden und natürlich auch an alle anderen Nominierten und Gewinner des Abends! Hier nochmals alle Awards in der Reihenfolge ihrer Verkündung:

Barteam des Jahres:
Trinkhalle, München

Newcomer des Jahres:
Ferdinand Lammerer, Comida-Red Room, Wien

Mixologe des Jahres:
Ricardo Albrecht, Lebensstern, Berlin

Bar des Jahres:
Le Lion, Hamburg

Spirituose des Jahres:
Forgotten Flavours Swedish Punch

Lebenswerk:
Charles Schumann

City Award:
Hamburg

Sonntag, 4. Oktober 2009

Berlin wir kommen!



Nun ist es soweit: Der Barconvent Berlin öffnet morgen Mittag zum dritten Mal seine Pforten. Sämtliche Bargrößen aus dem In- und Ausland treffen sich in der deutschen Metropole für Vorträge, Veranstaltungen, Partys, Wettbewerben und vielem mehr aus der Welt der Drinks und Tresen. Es gibt wesentlich mehr Aussteller als die letzten Jahre, mehr Vorträge und ein deutlich breiteres Rahmenprogramm. Es ist deshalb nicht verwunderlich das sich auch die Anzahl der Besucher in neue Höhen bewegen wird. Den BCB könnte man auch als das zweite Forentreffen der Connaisseur aus dem Cocktailforum nennen. Ca. 20 Stammmitglieder werden sich in die Mixology-Messe und die Berliner Barszene stürzen. Ich möchte die Chance ergreifen mich bei Mike „Das Gastronom“ zu bedanken, welcher den Cocktailnerds bei der Teilnahme des BCBs in diversen Programmpunkten kräftig unter die Arme gegriffen hat! Danke Mike, du bist der beste!
Da es in den nächsten Tage auf den Blogs und Webseiten zum Thema Bar wohl sehr still werden wird (es ist ja Jeder in Berlin) möchte ich noch auf das Portal Facebook verweisen als quasi „Live-Berichtserstattung“. Berlin wir kommen! …und das nicht zu knapp!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Die Bar im Zeitalter des Web 2.0

Diese Email von publicis-consultants, welche mich vor wenigen Stunden erreichte, will ich niemanden vorenthalten. Sie beschreibt die Lage des aktuellen Bar-Netzwerkes in den Weiten des Internets. Sehr informativ!

Am 5. und 6. Oktober findet der Bar Convent Berlin statt, der wichtigste Netzwerk- und Ausstellertermin der deutschen Barindustrie. An zwei Tagen trifft sich hier jährlich das Who-Is-Who der deutschen Bar- und Beveragebranche, um neue Kontakte zu knüpfen, sich über Produkt-Innovationen zu informieren und in Seminaren weiterzubilden. Wir haben vor Beginn der Messe eine Umfrage unter Top Bartendern in Deutschland durchgeführt zum Thema "Bartending im Zeitalter von Web 2.0". Die Ergebnisse überraschen und zeigen, dass die Barbranche im Hinblick moderner Kommunikation zu den fortschrittlichsten überhaupt gehört.
Sie gehören zu den besten Bartendern in Deutschland und mixen ihren Gästen Abend für Abend perfekte Drinks. Doch was nur wenige außerhalb der Barszene wissen: Auch im Web 2.0 gehören sie zu den „Movers and Shakers“. Wie eine Umfrage unter Top Barkeepern ergeben hat, ist die Branche über soziale Netzwerke weltweit vernetzt und nutzt Social Media im Alltag zum Austausch von Neuigkeiten und Trends. Durch den permanenten Dialog im Internet und speziell im Web 2.0 hat sich die Qualität der Arbeit der hiesigen Bartender gesteigert, so der Tenor. Die zahlreichen Bartender-Blogs, die in den letzten Jahren in Deutschland wie Pilze aus dem Boden schossen, stoßen allerdings auf ein geteiltes Echo.
Als dominierendes Kommunikationsmedium hat sich Facebook durchgesetzt. In dem sozialen Netzwerk sind alle befragten Bartender aktiv. Der Grund: Hier trifft sich die komplette nationale und internationale Branche zum Netzwerken, Austauschen von Trends und Events, Chatten und Posten von Branchenneuigkeiten. Thomas Bley, Geschäftsführer von Barmotion und 2. Vorsitzender der Deutschen Barkeeper Union (DBU) Hessen, hat zuletzt für die Organisation von Veranstaltungen der DBU ausschließlich über Facebook kommuniziert. „Dafür habe ich nicht einmal mehr zum Telefon gegriffen.“ Mehr als 500 Kontakte zählt sein – bereits bereinigtes – Netzwerk. Getoppt wird das von Jörg Meyer, Barchef der Le Lion Bar in Hamburg, die als eine der besten Bars weltweit gilt. Meyer hat 1300 Facebook-Kontakte primär aus der Barwelt und ist in Deutschland einer der Protagonisten im Web 2.0. Sein Barbaublog, in dem er alle Aspekte behandelte, die für den Aufbau und Betrieb einer guten Bar wichtig sind, und der Bitters Blog, den er zusammen mit Stephan Berg führte, zählten zu den meistgelesenen und einflussreichsten Branchenblogs in Deutschland. Zurzeit bloggt er sporadischer unter seinem Kürzel Jrgmyr, was daran liegt, dass sich seine Präferenzen geändert haben: „Inzwischen beziehe ich meine Informationen vor allem über Verlinkungen auf Portalen wie Facebook und Twitter von Personen, denen ich vertraue, und kommuniziere über mein iPhone, was das Verfassen von längeren Texten kaum nötig macht. Eine Tageszeitung als Informationsquelle habe ich seit drei Jahren nicht mehr gebraucht.“
Ist Facebook mit Abstand die wichtigste Informations- und Vernetzungsplattform der Branche, so landet Xing auf dem zweiten Platz. Immerhin 72 Prozent der befragten Bartender haben dort einen Account. Allerdings verwalten sie auf Xing eher ihre Geschäftskontakte, die aktive Kommunikation findet auf Facebook statt oder bereits auf Twitter. 45 Prozent haben schon einen Account beim Microbloggingdienst, der teilweise aktiv, teilweise auch nur passiv (Lesen von Tweets) genutzt wird. Die Bartender, die Twitter nicht nutzen, geben am häufigsten „fehlende Zeit“ als Grund an.
Branchenblogs von Bartendern für Bartender gibt es in Deutschland zahlreiche, über die Qualität herrscht jedoch bei den Top Bartendern Zweifel. Viele der Befragten kritisieren die Kleinkriege, Geschwätzigkeit und vor allem die mangelnde Fundiertheit, die in vielen Blogs vorherrschen. Bastian Heuser, Drinks Director des Branchenmagazins Mixology: „Nur ein kleiner Teil der Blogs, die sich mit barrelevanten Themen beschäftigen, ist meiner Meinung nach wirklich informativ und unterhaltsam. Manche unterschätzen die regelmäßige Pflege, die ein Blog bedarf und nach anfänglichem "Eintrags-Feuerwerk" werden diese immer spärlicher und vor allem dünner im Inhalt. Da muss man sich dann fragen, ob man für das Lesen dieser Blogs tatsächlich seine kostbare Zeit aufwenden soll.“ Stefan Gabanyi, Barchef im Münchner Schumanns, sieht das ähnlich: „In den Blogs wird mir oft zuviel geschwafelt, da wirkt sich die fehlende Platzbeschränkung negativ aus.“ Das sei aber keine Kritik am Medium selbst, im Gegenteil, Gabanyi spielt mit dem Gedanken, demnächst selbst einen Blog zu eröffnen.
Trotz der Kritik: Branchenblogs sind weiterhin wichtig: 72 Prozent der befragten Bartender lesen Blogs, um sich zu informieren. Die drei am häufigsten genannten sind der Mixology Blog, Das Bartender Labor und Jörg Meyers Blog.
Die befragten Bartender sind sich fast einhellig einig: Die Vernetzung der Bartenderszene, der globale Austausch und das stetig steigende Niveau ist dem Internet zu verdanken und durch soziale Netzwerke wie Facebook ist der Austausch noch einfacher geworden. Die Bartender loben die schnellen Kommunikationswege - den Gewinner eines Mix-Wettbewerbs erfahren sie jetzt noch am gleichen Abend und nicht mehr zwei Wochen später aus dem Branchenmagazin. Auch kann der geschickte Einsatz von Web 2.0 zum Aufbau eines Images und Steigerung der Bekanntheit genutzt werden – national wie international. Genau das wird aber auch kritisiert: Einige der befragten Barkeeper betonen die negativen Aspekte der neuen Kommunikationsformen - wenn Schnelligkeit zu Schnelllebigkeit wird, verbreitete Falschinformationen zu Reputationsverlusten führen und soziale Netzwerke zu Werbeplattformen (ob Eigenwerbung von Bartendern oder Unternehmen) verkommen, dann laufe es in die falsche Richtung. Jörg Meyer: „Die Kommunikation in einem sozialen Netzwerk ist ein Balanceakt. Natürlich kann das ein oder andere auch nerven. Mit sozialen Netzwerken ist es wie mit Alkohol: Man muss wissen, wie man damit umgeht.“

Mittwoch, 30. September 2009

Von Jägern und Sammlern

Soeben kehre ich zurück aus den Wäldern und Wiesen der Umgebung. Leise führte der Weg immer entlang an Waldrändern, vorbei an Viehweiden und über diverse Stacheldrahtzäune hinweg. Das Jagdglück sollte sich sehr in Grenzen halten – ein Opfer war nirgendwo in Sicht. Plötzlich erscheint hinter einer Kuppe eine alte verfallene Hütte, eingewachsen von dem was ich suche. Ich nähre mich und sehe sie auch gleich: Kräftige Schlehdornbüsche über und über gefüllt mit Früchten!
Hiermit kann ich verkünden das es dieses Jahr wieder meinen selbstangesetzten Sloegin geben wird (voraussichtlich Anfang Januar). Vor zwei Jahren hab ich den ersten Versuch dieser Spirituose gestartet mit großem Erfolg. Die Ernte stellte sich als reaktiv einfach heraus da sämtliche Schlehenpflanzen üppigst Früchte trugen. Nachdem ich keinen Sloegin mehr hatte musste natürlich für Nachschub gesorgt werden doch 2008 wurde eine Katastrophe! Die Schlehe ist eine Pflanze welche sehr früh im Jahr zu blühen beginnt und dann sehr kälteempfindlich ist. Letztes Jahr gab es keine einzige Frucht in der Region. Ein starker Frostschaden dürfte für diesen Ausfall verantwortlich gewesen sein. Dieses Jahr sieht es immerhin ein wenig besser aus. Zwar sind die meisten Schlehen nach wie vor ohne Früchte (wieder Frost), doch einige Büsche hatten Erfolg. Jene welche inmitten anderer Pflanzen geschützt stehen oder an einer Wand einer Hütte sind gut bestückt mit den kleinen blauen Beeren. Da diese Konstellation nicht all zu häufig ist, gibt es sie zwar nicht in Unmengen wie 2007 aber immerhin! Jetzt heißt es nur noch den ersten Frost abzuwarten. So schädlich er im Frühjahr ist umso nützlicher ist der nächtliche Kälteeinbruch im Herbst. Die Pflanzen wollen sich bei Frost schützen und ziehen ihre Säfte aus den Blättern und Früchten in ihr Inneres zurück, inklusive einiger Bitterstoffe. Das hat zu folge das die Früchte süßer und milder werden – der Sloegin muss hinterher weniger nachgezuckert werden. Beim ersten Versuch lag der Zuckeranteil bei gerade einmal 80g/L!
Somit heißt es jetzt nur noch warten bis die Temperaturen weit genug gesunken sind und das mir kein anderer Sammler zuvor kommt. 10 Liter Gin sind zumindest auf den Weg zu mir. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit mit einem Royal Sloe Gin Fizz. Moment mal! Ich hab ja gar keinen Sloegin mehr…

Montag, 28. September 2009

Mixology Monday: Dizzy Dairy

Fast wurde der Termin vergessen aber kurz vor Monatsende gibt es doch noch den regelmäßigen Mixology Monday. Doch kein Blog ist dieses Mal für ein Thema verantwortlich sonder ein ganzes Forum. Genauer gesagt die fleißigen Schreiber des „Spirits & Cocktails“-Unterforum des egullet. Gesucht wird ein Drink mit einem Miclprodukt (Dairy). Ob es sich dabei um die Milch selber handelt oder um Joghurt, Quark, Sahne, Butter ist jedem selbst überlassen. Als Allgäuer sollte ich keine großen Probleme haben einen solchen Drink zu finden, nachdem mein Dorf umrandet ist mit grünen Feldern und Milchvieh. An erster Stelle fällt mir hierzu natürlich der Ramos Gin Fizz ein, aber dieser Cocktail dürfte bekannt genug sein um nicht noch mehr Worte über ihn zu verlieren. Meine weiteren Gedanken führten mich dann zur (meiner Meinung nach) einzigen Daseinsberechtigung für die kalte Jahreszeit: Der Hot Buttered Rum. Da es für diesen winterlichen Drink aber noch zu früh ist und ich mir die Vorfreude darauf auf keinen Fall nehmen will, ist auch dieses Getränk für den MxMo hinfällig. Da ich nicht der größte Freund von Milch- bzw. Sahnedrinks bin wird es langsam eng mit den Rezepten die auch meinen Geschmack treffen. An erster Stelle ist der Alexander-Cocktail zu nennen, welcher gerade auf Herz und Nieren im Bartender Labor verköstigt wurde. An dieser Stelle auch einmal einen herzlichen Dank an Thorsten Pannek und seinen Laboranten für all die Mühen dieser umfangreichen Testreihen!
Der Alexander ist ein äußert vielseitiger und wandelbarer Drink. Er besteht aus drei Zutaten, welche je zu einem drittel geshaked werden. Immer dabei sind Sahne und Creme de Cacao. Das letzte Drittel, die Spirituose, kann je nach Wunsch variiert werden. Am besten eignet sich dazu eine gereifte Spirtuose. Häufig anzutreffen sind Varianten mit Weinbrandbasis d.h. Brandy, Weinbrand, Cognac. Nicht zu verachten sind Rum- und Whisky-Alexander. Der letztere funktioniert normalerweise problemlos mit Bourbon. Da ich momentan sehr experementierfreudig bin entschloss ich mich diese Mixtur mit einem leichten Scotch zu testen. Meine Wahl viel dabei auf den zwölfjährigen von Ancnonc. Der milde Highland Single Malt bringt eine leichte Süße mit sich die sich problemlos einbinden lassen sollte. Seine leicht torfigen Töne sollten dabei dem Cocktail das gewisse Extra verleihen.
Das Ergebnis war ein ungewöhnlich leichter Drink mit sanften Schokoladentönen und nur wenig Charakter des Whiskys. Der Drink besaß mehr frische als gewollt was aber der Sahne zufälligerweise sehr zu Gute kam. Den Drink könnte an auch als ein kaltes Glas Milch mit leichten Kakaotönen bezeichnen. Da der Digestif-Cocktail aber ruhig eine kräftigere Note vertragen kann wird ich mich das nächste Mal wieder für den Klassiker entscheiden mit Brandy oder Cognac und einem Hauch geriebener Muskatnuss auf der leichten Schaumhaube. Cheers!

Freitag, 25. September 2009

Bols Around the World 2009

Bols ruft zum internationalen Cocktail-Wettbewerb auf. Gesucht wird der Mixologer mit dem besten und außergewöhnlichsten Cocktailrezept im Stil der 20er. Bartender haben nun die Chance, sich beim „Around The World 2009/10“ Wettbewerb im internationalen Vergleich zu messen. Der Likör- und Spirituosenhersteller wählte dafür in diesem Jahr ein ganz besonderes Motto – Bols Shaking Twenties. Es ist eine Reminiszenz an die 20er Jahre, die Zeit der Veränderung, des Bruchs mit Traditionen, des Auslotens neuer Grenzen – aber auch des ausgelassenen, schillernden Feierns. Dieses Jahrzehnt steht für ein ganz neues Lebensgefühl und ein Flair, das Bols in die Welt der Cocktails übertragen möchte. Aufgabe der Bartender, die beim „Around The World“ teilnehmen wollen, ist es, genau diese Stimmung in einem selbstkreierten Cocktail widerzuspiegeln. Er muss glamourös, innovativ, stylisch und provokativ sein. Der Likörhersteller sucht einen außergewöhnlichen und überraschenden Drink. Für die Teilnahme reichen Bartender ihr Cocktailrezept ein und erklären, warum es die 20er Jahre symbolisiert. Weitere Informationen zum Prozedere finden sich unter www.bolsaroundtheworld.com.
Die international besetzte Expertenjury besteht aus sechs Mitgliedern, jeweils von einem der sechs Kontinente. Jedes Jurymitglied wählt zunächst auf seinem Kontinent einen Gewinner. Die besten sechs Bartender der Welt treten dann in Amsterdam gegeneinander an. Der Sieger darf seinen eigenen Likör kreieren und erhält ein Jahr lang jeden Monat sechs Flaschen dieses Likörs. Bis zum 31. Oktober 2009 haben Bartender die Chance sich anzumelden. Im Dezember gibt die Jury die jeweiligen Gewinner bekannt, die im Februar 2010 im Finale antreten. Ein Cocktailrezept zu kreieren, das den Flair der 20er Jahre widerspiegelt, ist eine tolle Herausforderung,“ so Brand Managerin Sabrina Stern.

Donnerstag, 24. September 2009

Hamburg 2009 - Ein Videobericht

Ab dem jetzigen Zeitpunkt würde ich mich selbst als ausgeschlafen Bezeichnen nach den letzten Tagen in Hamburg. Der Startschuss sollte die Zugfahrt in Richtung Norden sein, welcher dank der obligatorischen Verspätung eines Zuges fast in die Hose gegangen wäre. Der Zufall wollte es immerhin das ich in Nürnberg umsteigen musste. Da ein zweiter Teilnehmer dieses Wochenendes nicht weit entfernt wohnt, konnte eine gemeinsame Zugfahrt anrangiert werden. Wir wären keine echten Cocktailnerds wenn wir die Gelegenheit nicht sofort zu unseren Gunsten ausgenutzt hätten.



Am Zielort angekommen ging es sofort weiter in Richtung „Hotel Bornhöft“ um gleich nach der Ankunft den nächsten Drink genießen zu können und die Zeit zu überbrücken bis die restlichen Teilnehmer nach und nach eintrafen. Der Tag endete wie er begonnen hatte mit weitern köstlichen Cocktails und Champagner in der privaten Kellerbar, nach einem Besuch einer Hotelbar und einem exzellenten Essen im Restaurant Le Plat du Jour.
Am nächsten Tag stand alles im Zeichen des Krug-Tastings und dem Sushi, welches am Abend serviert werden sollte. Hier zeigte sich auch warum wir unseren Platz hinter und vor dem Tresen gefunden haben und nicht in der Küche… Nach der teils, geradezu stümperhaften Vorbereitung, wurden die Fischröllchen auf die Minute fertig um endlich die Momente einzuleiten auf welche sich die Teilnehmer schon seit dem Frühjahr mit ganzem Herzen gefreut haben.



Was in den kommenden Stunden folgen sollte hat alle Erwartungen bei weitem Übertroffen. Alle Weine konnten auf ganzer Linie überzeugen ohne Fehl und Tadel. In gemütlicher Runde unter Gleichgesinnten und schöner Musik konnte mit allen Sinnen Glas für Glas genossen werden. Abgerundet wurden diese Momente mit einer philosophischen Diskussion mit dem Thema „Was ist Glück?“, welche mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die Verkostung endete um 4 Uhr nachts nach einem weiteren gemütlichen Cocktail so perfekt wie sie begonnen hatte. Verkostungsnotitzen der Krüge wird es in den nächsten Tagen auf dem Trinklaune-Blog geben.



Ein Teil der Teilnehmer musste uns leider schon am nächsten Morgen verlassen, sodass der verbleibende Rest den Tag dazu nutzte dem Barausstatter APS sowie der Weinquelle einen Besuch abzustatten. Nach diesen Pflichtbesuchen wurde der Übergang zischen dem Nachmittag und dem Abend mit Kaffee und Rum eingeleitet – daran könnte man sich gewöhnen! Überraschenderweise konnten wir uns auf dem Besuch zweier weiterer Connaisseure freuen, welche gerade durch Deutschland reisten und sich zufälligerweise zu diesem Zeitpunkt in Hamburg aufhielten. So geschah es das fünf Personen bis spät in der Nacht ihrem Hobby nachgingen. Der Trip nach Hamburg endete am nächsten Tage und die Heimreise in den Süden der Republik konnte angetreten werden. Es ist schade das diese Besuche immer viel zu schnell vergehen aber der nächste ist ja keine zwei Wochen entfernt: Berlin wir kommen!

Dienstag, 22. September 2009

Whisky-Chat

Whisky-Begeisterte und Branchenkenner haben das kommende Wochenende die Gelegenheit, die Master Distiller der Whiskybrennereien Maker’s Mark und Laphroaig im Live Chat zu treffen. "Distillery Live" nennt sich das Event der beiden bekannten Whiskyhäuser. Vertreten durch ihre Master Distiller findet am Samstag, dem 26. September um 13.00 Uhr auf http://www.distillerylive.us.com eine Diskussion zu der interessanten und freundschaftlichen Beziehung zwischen der Maker's Mark und der Laphroig Destillerie statt. Whisky-Fans und Branchenkenner haben die Möglichkeit während des Webcasts Fragen an die Experten zu stellen und interaktiv an der Diskussion teilzunehmen. Seit drei Jahren in Folge treffen sich einmal im Jahr die Experten der Brennereien Maker’s Mark und Laphroaig zur Diskussion mit Whiskyliebhabern aus aller Welt im Live Chat.

Samstag, 19. September 2009

Neisson L´Esprit aus Martinique


Wer mich kennt weis dss mein Schwerpunkt, seit Anbeginn meiner alkoholischen Interessensvertretungen, auf den Zuckerbränden liegt. Angefangen mit Drinks wie den Cuba Libre oder den Mai Tai hat mich die Faszination des karibischen Goldes nicht mehr losgelassen wie so viele Andere auch. Immer wieder fallen Landesnamen wie Jamaika, Cuba und die Dominikanische Republik, doch was ist mit den vielen kleine Inseln wie Martinique? Von dort stammt immerhin einer meiner favorisierten weißen Rums: Der Neisson L´Esprit. Doch zunächst einmal zurück zur Insel:
Wie für einen Rum aus den französischen Antillen üblich wird hier die Spirituose meist aus frischem Zuckerrohrsaft zubereitet. Martinique ist seit Jahrhunderten eine der bedeutensten Herstellerinseln. Im Jahre 1880 beheimatete das vom Dschungel überwachsene Land 500 Destillerien – und dies waren nur die genehmigten Brennereien! Das Geschäft boomte im laufe der Zeit immer mehr. Das ferne Heimatland Frankreich verschaffte sich ihren Zucker im Laufe der Zeit mittels Zuckerrüben und nicht mit dem aufwendig exportierten Rohrzucker. Folglich standen mehr Rohstoffe für die Rumproduzenten zur Verfügung. Dennoch ging ihre Zahl stetig zurück. Noch heute ist Rum das wichtigste Exportgut des kleinen Eilandes. In den folgende Jahrzehnten verhalf ein kleines und verhasstes Tier dem Rum zu einem weiteren Hoch: Die Reblaus. Die Weinberge in Frankreich waren in früheren Zeiten schwer betroffen und die Weine Mangelware. Um diesen Engpass zu überwinden kam nur Rhum Agricole aus der eigenen Kolonie in Frage. Dies änderte sich jedoch schnell nach den beiden Weltkriegen: Die bis dahin verbliebenen (ca.) 120 Destillerien mussten mit argen Problemen beschäftigen wie einer Einfuhrquote ins Heimatland um dort die zerstörte Wirtschaft besser ankurbeln zu können. Überlebt haben bis in die Gegenwart nur neun Brennereinen (Neisson, Depaz, JM, Saint James, Dillon, La Favorite, Simon, Trois Riviérs und La Mauny) welche 17 Marken herstellen.
Wie schon zu beginn erwähnt möchte ich noch etwas näher auf den Neisson L´Esprit eingehen da über diesen erstklassigen Rum kaum ein Wort verloren wird. Dieser Rhum Agricole ist mit seinen 70% Alkoholgehalt ein echtes Schwergewicht und spart nicht mit seinen Aromen. Bevor an die Verkostung geht muss die Flasche erstmals geöffnet werden was sich dank des wachsüberzogenen Schraubverschlusses leichter anhört als es ist… Kurze Zeit im Eichenfass gereift ist dieser Tropfen unwahrscheinlich kraftvoll und intensiv.
In der Nase entfaltet sich ein enormes Bouquet von floralen und zitruslastigen Aromen. Untermauert werden diese durch einen sanften Kakao- und Tabakgeruch. Nicht kaschieren lässt sich der hohe Anteil an Alkohol, welcher auch am Gaumen sehr prägnant ist. Daneben entfalten sich Aromen von Limette, Blumen und etwas Banane auf der Zunge. Der mittellange Abgang verbleibt mit einem an Bitterschokolade erinnerten Geschmack. Um den starken Charakter des Rums ein wenig zu zügeln empfiehlt es sich diesen mit der Zugabe von etwas Wasser zu bändigen.
Dieser Rum ist ausgezeichnet geeignet für einen Ti Punch nach klassischem Rezept oder für den Jasper´s Rum Punch wie schon an anderer Stelle erwähnt. Eine handelsübliche Flasche mit 70cl Inhalt schlägt mit einem Preis von ca. 50 € zu buche, was mit Sicherheit kein Schnäppchen mehr ist. Dennoch scheint mir der Preis für diesen weißen Ausnahme-Rum durchaus fair und gerechtfertigt. Rumliebhaber sollten ein Auge auf die unscheinbare Flasche aus Milchglas werfen…

Freitag, 18. September 2009

Modebewusst

Die passenden Manschettenknöpfe für das bevorstehende Krugtasting und den BCB sind vorbereitet (Ebay sei Dank ;-)


Montag, 14. September 2009

Unbefriedigter Cocktaildrang

Zugegeben hab ich in den letzten Wochen das Mixen ein wenig vernachlässigt. Das Sommerloch galt es zu überstehen, der Beruf verlangte einiges an Überstunden, anderer Dinge mussten erledigt werden ect. Zum Glück bin ich nicht der Einzige der mit solchen oder ähnlichen Dingen abgelenkt wird ;-) Doch ich denke so langsam kann die nächste Saison beginnen. Termine stehen immerhin genug zur Verfügung.
Weniger als eine Woche trennt mich von meinem Urlaub und von der Hansestadt Hamburg. Nebst den üblichen Besuchen diverser Bars steht der kommende Sonntag im Vordergrund und ganz im Zeichen des Champagners. Bei den bisherigen „Perlweintreffen“ stachen Produkte aus dem Hause Krug stets ungewöhnlich positiv hervor. Das ist einigen Connaisseuren Grund genug ein Krug-Tasting abzuhalten. Sieben Personen werden sich intensiv mit fünf verschiedenen Cuvées des Hauses beschäftigen! Großes wird zu erwarte sein! Eine Zusammenfassung des Abends dürfte alsbald bei den Blogern der Trinklaune zu finden sein. Mein nächstes Ziel sollte eigentlich München sein da ich, trotzt der relativen Nähe, immer noch nicht alle Bars auf meiner Liste abgehackt habe. Da sich die Stadt aber in einer absoluten Oktoberfest-Ausnahmesituation befinden wird muss ich wohl oder übel warten bis diese Aufgehoben wird. So steht immerhin genügend Zeit zur Verfügung um neue Drinks hinter dem privaten Tresen zu testen.
Hoch erwartet ist natürlich auch der Berliner Barconvent, welcher wieder einmal mit einem exzellenten Programm auf sich aufmerksam macht. Die Vorfreude auf diese Veranstaltung ist groß und bereits jetzt kaum noch zu zügeln. Neben der Messe selbst ist für ein großzügiges Rahmenprogramm gesorgt. Am Abend vor dem BCB findet in der Stadt verteilt das Bols Master Battle statt während (in einer noch nicht genannten Bar) sich die Traveling Mixologists die Finger kalt shaken. Aber es ist auch egal wo man sich in diesen Tagen in Berlin aufhält. In irgendeiner Bar wird immer ein bekanntest Gesicht zu finden sein. Den Abschluss bilden, mittlerweile traditionell, die Mixology Bar-Awards deren Nominierungen bis jetzt ebenfalls noch nicht bekannt sind? (Herr Adam wir wollen Namen hören! ;-)
Die kommenden Wochen versprechen so einiges und der Terminkalender könnte kaum ausgefüllter sein. Es freut mich euch alle wieder zu treffen beziehungsweise neue Gesichter kennen zu lernen. Mit etwas Glück kann ich mich dieses Mal in Berlin auch zusammenreißen und es ist nicht (wieder) nötig ein gesondertes Paket zu verschicken, da das Volumen des Reisekoffers chancenlos zu klein ist…

Mittwoch, 9. September 2009

Was wirklich zählt...

Verehrte Blogleser, ist es nicht so das wir immer auf der Such nach dem bestmöglichen Cocktail sind? Ein Dash mehr von Diesem, ein Tropfen mehr von Jenem? Ganz zweifellos ist es auch das was uns zu den „Freaks“ macht die wir nun mal sind ;-) Durch einen Blogeintrag eines anderen Blogs und durch einige Erlebnisse der letzten Wochen ist mir verstärkt aufgefallen welche geheime Zutat immer nötig ist um Drinks besonders gut zu machen. Diese Zutat funktioniert sogar dann wenn die bestellten Cocktails nicht das Maß aller Dinge im Cocktail-Olymp darstellen. So unscheinbar dieser Punkt auch ist so unentbehrlich ist er doch: Der Kontakt mit Freunden, Verwandten und Bekannten in einer Bar.

Zumindest mir geht es so das ich nicht alleine in eine Bar gehen möchte, egal wie gut das restliche Zusammenspiel aller Komponenten auch sein mag. Ein Drink macht alleine nur annähernd soviel Spaß wie in einer geselligen Runde. Das macht in meinen Augen einen grossteil der Cocktail aus. Es ist eine Getränkekategorie die in einer Gruppe genossen enorm an Attraktivität gewinnt. Wirklich bewusst wurde mir das vor einigen Wochen bei einem perfekten Abend unter einfachsten und billigsten Longdrinks.
Während ich mir meine ersten Gedanken über diese Thematik gemacht habe schrieb interessanterweise der Glas und Inhalt Bloger über genau den gleichen Gedanken. Einen Punkt den ich im Gegensatz zu Ruben nicht anspreche ist der es Alkohols. Dieser spielt für mich keine Rolle in Drinks. Der Drink ist das Genussmittel – nicht seine alkoholische Stärke. Beachtenswert ist allerdings die These den einsamen Verzehr durch den Genuss zu rechtfertigen. Der Genuss ist in meinen Augen immer vorhanden sowie unumgänglich aber steht in keinerlei Verbindung mit dem gesellschaftlichen Trinken. Dies sind zwei verschiedene Punkte welche aber in bester Symbiose zueinander stehen. Ruben beschreibt dazu folgendes „…Aber wenn man sich die Wurzeln und den ursprünglichen Zweck auch anderer Genussmittel anschaut,steigt man dahinter,dass der gesellschaftliche Aspekt als Grundlage nicht überschritten werden sollte…d.h. Einsame Cocktails sind an sich tabu- es sei denn in Ausnahmesituationen:Herzschmerz etc.! “
Ich hingegen sehe das etwas anders. „Einsame Cocktails“ sind kein Problem und es spricht nichts dagegen. Zu oft packt mich selbst die Lust am Genuss und ich trinke einen Manhattan und schaue nebenbei irgendetwas im TV an. Ich möchte das in dieser Situation so und sehe darin kein Problem. Das bringt mich wieder zu den vorherigen Punkten: Im Zusammensein Mehrerer währe eine identische Situation um ein vielfaches gemütlicher und schöner- Ein kaltes Mischgetränk in der Hand und sich dabei mit Personen unterhalten deren Dasein man zu schätzen weis. Ich komme daher zu dem Schluss das der soziale Aspekt und der Genuss eines Cocktails gleichzusetzen sind. Und könnte man diesen Punkt besser unterstreichen als mit folgendem geradezu dafür geschaffenen Zitat:

Genuss ist nur ein Tropfen im Cocktail des Glücks, doch welch Würze verleiht er!
-Albert Memmi