Freitag, 20. Februar 2009

Ulf Neuhaus im Gespräch


Dresden ist wohl die deutsche Stadt welche sich im Bereich der Bar momentan am stärksten entwickelt. Eine der bekanntesten Ausschankbetriebe dieser Stadt ist die NewTown-Bar, die unter anderem von Ulf Neuhaus geführt wird. Neben diesem Projekt kümmert sich Ulf auch um die jährlich stattfindende Dresdner Cocktail Challenge. Dieser Wettbewerb findet dieses Jahr am 8. März während der „Kulinaria & Vinum“ statt. Des Weitern ist Ulf nicht nur der Vorsitzende der DBU Sachsen sondern auch erster Vizepräsident der gesamtdeutschen DBU. Durch viel Einsatz und liebe zum Beruf schafft es Ulf die deutsche Szene deutlich voran zu treiben. Es freut mich daher um so mehr das er dennoch die Zeit gefunden hat für ein kleines Interview auf den Cocktailwelten.

1. Über welche Wege hast du die Welt der Bars und Spirituosen gefunden und wo hast du in diesen Bereichen schon gearbeitet? Was machst du momentan?

Bevor ich meinen ersten Drink mixte, hatte ich klassische Ausbildung zum Koch. Meine Liebe galt aber schon immer der Bar. Als ich meine Lehre antrat, gab es keine Ausbildungsplätze für männliche Kellner, so dass ich auf Koch umschwenkte was sich später aber als Glücksgriff erwies. Bis 89’ arbeitete ich in mehreren Häusern von Dresden u.a. als Chefkoch bis ich mich mit meiner damaligen Restaurantleiterin und heutigen Geschäftspartnerin Reni Wild mich in die Selbstständigkeit wagte. Wir eröffneten 1990 in der Dresdner Neustadt eine Cafe/Bar und zogen 4 Jahre später in ein größeres Objekt Namens „NewTownBar“ wo man uns heut noch findet.

2. Wie würdest du den Begriff „Barkultur“ definieren?

Man nehme eine handvoll Bartender würzt sie reichlich mit Handwerk, Fachwissen, Persönlichkeit und Leidenschaft. Dazu nehmen wir zwei dutzend Gäste die auf der Suche nach Genuss und Lebensqualität sind und verpacken das ganze in ein stilvolles Ambiente und kommen so der Definition „Barkultur“ ein ganzes Stück näher.

3. Was macht für dich eine gute Bar aus?

Wenn man von einer guten Bar spricht ist meine Definition von der Barkultur erstmal Voraussetzung. Für mich ist es wichtig dass ich unterhalten werde in Form von Kommunikation, Musik und Atmosphäre. Ich möchte ein Zuhause haben in dem ich mich wohl fühlen und ich für einen Moment den Alltagsstress vergessen kann. Dazu zählt der perfekte Drink zum jeweiligen Anlass genauso wie das Licht welches mit zunehmender Dunkelheit gedimmt werden sollte. Oder, der Barkeeper der das Gespür mitbringt, ob ich reden oder lieber allein sein möchte. Genauso die persönliche Begrüßung und Verabschiedung. Das Ambiente einer Bar spielt nicht unbedingt eine große Rolle. Es sollte die Menschen in der Bar aber anregen sich selbst in Szene zu setzen. Es ist wie ein Gang über den roten Teppich. Der Gast ist König und wir geben Ihn die Plattform.

4. In welchen Bereich der Bar siehst du das momentan größte Potenzial?

Das größte Potenzial in einer Bar sehe ich im Bereich Service. Viele Bar’s bieten exzellente Drinks und gute Speisen in einem ausgewogenen Preis-Leistung Verhältnis an. Also wo findet der Unterschied statt? Noch eine größere Auswahl an Drinks, noch mehr Speisen oder noch eine Happy Hour ? Nein! Der Unterschied zu den Mitbewerbern sollte im Service liegen. Hier liegt meiner Meinung nach das größte Potenzial vieler Bars.

5. Die DBU wird immer wieder kritisiert das Sie ihrer Arbeit nicht gerecht wird. Was ist deine Meinung zu diesen Aussagen?

Ich glaube wir müssen unterscheiden zwischen Kritik aus den eigenen Reihen und der kritischen Meinung der Öffentlichkeit. Die Frage die sich hier stellt ist: In welchem Bereich wird die DBU Ihrer Arbeit nicht gerecht?
Die DBU hat sich u.a. zur Aufgabe gestellt die kontinuierliche Weiterbildung Ihrer Mitglieder, den Austausch von fachlichen Themen zwischen nationalen und internationalen Barkeepern und zusammen mit der Industrie als Partner die Barkultur zu fördern und voran zu treiben. In all diesen Bereichen wird sie ihrer Arbeit voll und ganz gerecht.
Ein Problem was sich, wie in fast jedem Verein, darstellt ist die unterschiedliche Auffassung zu der Arbeit im Verband zwischen den Generationen. Jung mit Alt-Neues mit Tradition in Einklang zu bringen. Darüber hinaus ist der Verein an seine Satzung gebunden dessen Strukturen man nicht einfach umgehen kann. Wenn wir es schaffen, mehr Mitglieder zu motivieren um aktiv an der Vereinsarbeit teilzunehmen und die bestehenden Vorurteile abzubauen bin ich überzeugt, dass die DBU in den nächsten Wochen und Monaten ihren Erneuerungskurs erfolgreich fortsetzen wird.

6. Auch wurden die letzten Deutschen Meisterschaften sehr kritisch gesehen? Wird es Änderungen beim nächsten Mal geben?

Wer die letzte Deutsche Cocktailmeisterschaft in Berlin miterlebt hat, wird festgestellt haben, dass Veränderungen stattgefunden haben. Zum Einem vom dem gesamten Ablauf der Meisterschaft her zum Anderen das sich öffnen der DBU gegenüber allen interessierten Gästen und Besuchern dieser Veranstaltung. Kritik gab Seitens vieler Berufskollegen am Siegerdrink von Daniel Günter. Die Maracuja Himmbeer Liaison gab viel Gesprächsstoff für die darauf folgenden Wochen in den Cocktailblogs der Republik. Sicher besteht auch hier Aufklärungsbedarf in Sachen „Maracuja“ für Teilnehmer und Jury gleichermaßen.

7. In welchen Bereichen arbeitet die DBU momentan verstärkt?

Verstärkt engagiert sich die DBU vor allem im Bereich Jugendarbeit. 2007 wurde unter Leitung von Alexander Kreft die DBU Junior Akademie gegründet. Diese Akademie ist ein Intensiv-Training für junge Barkeeper bis 30 Jahre. Unter anderen muss der Teilnehmer ein 15minütiges Fachreferat über eine Spirituose halten. Weitere Inhalte sind Tests im Pouring und Nosing. Außerdem findet ein Cocktail-Wettbewerb statt und Referenten aus verschiedenen Bereichen halten Fachvorträge. Am Ende folgt ein schriftlicher Test.
Natürlich nicht zu vergessen die Vorbereitung zur diesjährigen Cocktail Weltmeisterschaft in Berlin in Verbindung mit der Deutschen Cocktail-Meisterschaft und der 100 Jahrfeier der DBU.

8. Wird es deiner Meinung nach irgendwann doch noch passieren das der Bartender ein eigenständiger Lehrberuf wird?

Wer letztes Jahr die Diskussionsrunde beim BCB mit verfolgt hat, weiß wie schwierig dieses Thema ist. Ich persönlich glaube fest daran, dass der Beruf Bartender in den nächsten Jahren ein Lehrberuf wird. Man nehme nur die letzten 10 Jahre. Wie rasant hat sich die Barszene in Deutschland entwickelt. Barmessen, Barschulen, Fachjournale und jede Menge Bar-Blogs entstanden in kürzester Zeit. Diesen Lauf sollte man nutzen um sich an einen Tisch zu setzen. Hiermit sind die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sowie die IHK und die DBU gleichermaßen gefordert.

9. Verrätst du den Lesern des Blogs schon etwas über die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der DBU?

Nur soviel sei verraten. Die Feierlichkeiten zu 100 Jahre DBU werden in zwei Städten veranstaltet. Zum einem in Köln wo die DBU vor 100 Jahren gegründet wurde und zum anderen im August in Berlin wo wir mit 800 Gästen aus der ganzen Welt dieses Jubiläum feiern werden.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

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