Samstag, 28. März 2009

The Bitter Truth Liköre im Test


Wie ein Lauffeuer verbreitete sich letzte Woche die Nachricht von drei Likören aus dem Hause The Bitter Truth. Die kleine (Ex-)Bitters-Manufaktur aus Bayern entwickelt sich bestens und hat neben seinem Bitterssortiment noch einen Sloegin und einen fantastischen Whiskey im Angebot. Die Erweiterung des Likörsortiments überrascht in diesem Zusammenhang da man insgeheim mit einem Vermouth als nächstes Produkt gerechnet hat. Überzeugt von der hohen Güte der Produkte lies ich es mir natürlich nicht nehmen die Liköre sogleich zu bestellen und zu testen.
Die 0,5L Flaschen sehen super aus und auch die Label sind wie jedes Mal ein wahrer Augenschmaus. Sie unterscheiden sich dabei lediglich in ihrer Grundfarbe, welche die des Likörs widerspiegelt. Preislich liegen die Liköre bei jeweils ca. 15 € was sie somit etwas teurer macht als die der Konkurrenz – verständlich da hier die Mengen deutlich geringer Ausfallen und auf andere Dinge Wert gelegt wird. So bekommt man hier nicht nur irgendein ordinäres Zuckerwasser sondern schwer zu beschaffende Dinge aus der klassischen Bar (vom Apricot Brandy einmal abgesehen).

Apricot Brandy
Dieser bekannte Likör besteht wie der Name schon sagt zu einem Großenteil aus Aprikosen (die in Österreich übrigens Marillen genannt werden). Der Namenszusatz „Brandy“ sagt weiterhin aus das auf 100 Liter des fertigen Erzeugnisses mindestens 5 Liter Obstbrand zu 40% Alkoholanteil aus der namensgebenden Frucht enthalten sein muss. Seltener werden bei der Herstellung Weinbrände und Mandeln und Bittermandeln verwendet. (Bei der Bittermandel handelt es sich um den Kern der Aprikose)
Bei dem TBT Produkt fällt sofort die geringere Süße auf die bei anderen Herstellern meist als erstes wahrgenommen wird. Auch findet man nur ganz dezente Marzipantöne, welche die Aprikose nur leicht untermalen. Ein insgesamt toller Apricot Brandy der ein wenig anders ist als der von Bols, De Kuyper und Co. Diese Konkurrenz müssen die Münchner nicht fürchten.

Creme de Violette
Ein Veilchenlikör mag im ersten Moment sehr außergewöhnlich klingen aber das ist es gar nicht. Diese in Vergessenheit geratene Zutat ist bis jetzt bei uns kaum erhältlich gewesen aber bereits in alten Cocktailbüchern zu finden. Hier fehlt mir jetzt das passende Vergleichsprodukt zum TBT und als ich das letzte mal eine Creme de Violette probiert habe (von Rothmann & Winter) ist schon einige Zeit vergangen. Ein ähnlicher Blumen-Likör ist Parfait Amour der aber noch deutliche Vanille und Zitrusanteile aufweist und deshalb kein richtiger vergleich währe.
Etwas fruchtig in der Nase präsentiert sich die süße „bittere Wahrheit“ in einem bläulich-grauen Farbton im Glas. Auf der Zunge sind leichte, nicht näher bestimmbare, florale Aromen zu vernehmen mit einem leicht süßen Touch. Creme de Violette ist ein Likör den man nicht wirklich braucht. Seine stärken zeigt er zum Beispiel im Aviation Cocktail. Die Aromen der Veilchen kommen schön und dezent im Abgang zu tragen was den Cocktail sehr aufwertet.

Pimento Dram
Ein Likör auf Rumbasis dessen Aromen vor allem durch Piment erzeugt wurde mittels Mazeration. Die ursprüngliche Herkunft ist die Karibik. Ein starkes Nelken und leicht pfeffriger Geschmack sollte zu erwarten sein. Auch dieser Likör war bei uns bis jetzt nicht erhältlich es sei den man importiert direkt aus Jamaika oder versucht sich an der Do-It-Yourself-Methode, mit dem ich auch einen vergleich anstrebe. Dazu sollte ich noch erwähnen das meine Variation so stark im Aroma ist das ich diese hinterher noch mit Rum aufgegossen habe um sie geschmeidiger zu machen.
Die Rumbasis ist nicht zu verstecken und bereits beim öffnen der Flasche bemerkt man typische, kräftige Rumaromen. Diese werden aber sofort überdeckt von Nelke, Muskatnuss, Nelke und Nelke. Das setzt sich im Geschmack fort. Zuerst minimale Rumanklänge gefolgt von der brachialen Gewalt des Piments durch Nelken und etwas Muskat was die Zuge schon fast unangenehm überfordert. Im (sehr) langen Abgang ist weißer Pfeffer zu schmecken. Das gleiche Ergebnis liefert mein Pimento Dram auch. Diese Zutat ist mit Vorsicht zu genießen und einzusetzen wie ein Bitter: Weniger ist mehr. Im Tropical Variation Cocktail zeigt dieser Likör was er kann. Allerdings würde ich das 1 cl Pimento durch 0,5 ersetzten und hinterher dem persönlichen Geschmack noch anpassen falls es mehr sein sollte.

Die Herrn um The Bitter Truth haben es wieder einmal geschafft qualitative und ausgefallene Produkte auf dem Markt zu bringen. Der Creme de Violette sowie der Pimetno sind auf jeden Fall empfehlenswert. Den Apricot Brandy würde ich empfehlen wenn die heimische Flasche leer ist und man einen guten Ersatz braucht. Erhältlich ist das Ganze wie immer bei Drinkology.de. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten was man als nächstes aus dem Hause Berg & Hauk erwarten kann. Doch noch der Vermouth?

Kommentare:

  1. Hi

    Schöner Bericht, hochgerechnet auf handelsübliche 0,7 Liter Flaschen ist der Preis mit über 20 Euro über der Konkurrenz.

    Welches Rezept von Tropical Variation meinst du? - Selbst cocktaildb.com gibt zwei komplett unterschiedliche Varianten an.

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  2. Kleine Korrektur: bei der Bittermandel handelt es sich keineswegs um den Kern der Aprikose, sondern um eine "echte" Mandel. Siehe auch -> http://de.wikipedia.org/wiki/Bittermandel

    Die Beschreibung der drei Produkte ist aber in der Tat gelungen :-)

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  3. @Anonym:

    Aber nur in einer der beiden Rezepturen wird Pimento Dram als Ersatz für Pastis genannt... ;-)

    Für genau diese Variante haben wir uns im GSA-Blog entschieden

    http://www.foerderung-der-gsa-barkultur.com/2009/03/die-tbt-likore-im-praxistest-teil-33.html

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