Dienstag, 3. März 2009

Blindverkostungen: Eine gute Idee?


In der aktuellen Ausgabe des „Der Feinschmecker“ ist ein kurzer Artikel zum Thema Blindverkostung zu finden. Dieser bezieht sich zwar ausschließlich auf Wein aber ich denke das Geschriebene lässt sich auch größtenteils auf Spirituosen anwenden. Die „stumme“ Verkostung wird dazu beschreiben als eine Degustation bei der man das Produkt im Glas sieht aber nicht die Flasche oder gar das Etikett. Man erfährt lediglich Art des Produktes. Mit dieser Methode soll Seriosität und Unparteilichkeit sichergestellt werden. Ich selbst bin von dieser Tasting-Art überzeugt! In schon einigen Fällen wurden zuvor missachtetet Produkte an die Spitze gehoben und Favoriten in Grund und Boden bewertet. Nun stellt sich im Feinschmecker die Frage: „…ist es möglich … blind zu beurteilen?“
Der Weinjournalist Gian Luca Mazzella verneint das. Er kritisiert dabei das man bei einem Tasting zwar Typus und sogar das genau Anbaugebiet der Weine kennt, um sie überhaupt einordnen zu können, aber dabei den Stil außer Acht lässt. Ein Vorschlag ist hier die Unterteilung in Untergruppen z.B. Herstellung modern oder traditionell. Hier ist der Experte zunächst derselben Meinung wie ich: Kompliziert und ineffizient. Mazzella kann es sich dennoch vorstellen da ein Vergleich somit besser zur Geltung kommt.. Ich aber widerspreche der Unterteilung in verschiednen Untergruppen total. Wenn ich ein Blind-Tasting vorbereite und die Spirituosen, Weine etc. auf das penibelste Unterteile geht der Sinn eines Vergleiches zu sehr verloren. Als Beispiel nehme ich mein Tequila-Tasting. Hier wurde der Typus des Reposados getestet nach der Methode Jeder gegen Jeden, blind, ohne eine weitere Unterteilung. Wäre diese Verkostung nicht blind gewesen hätte der qualitativ hochwertige und teure El Tesoro mit Sicherheit deutlich besser abgeschnitten. Das Ergebnis ist somit ehrlicher. Jetzt noch zusätzlich die Tequilas mit traditioneller Herstellung von den Anderen zu trennen geht zu weit. Sie sind zwar leicht unterschiedlich im Geschmack aber sollen schließlich verglichen werden mit anderen Bränden, die aber dennoch zur gleichen Sparte gehören. Somit ist gewährleistet das jeder seinen persönlichen Geschmack zum Ausdruck bringt – bin ich ein Fan von traditionellen Bränden oder nicht? Die Unterteilung könnte man schließlich auch soweit übertreiben das jeweils nur ein Hersteller pro Sparte übrig bleibt. Gäbe es keine Unterschiede müsste man keine Tastings veranstalten.
Weiterhin kritisiert der Weinprofi Mazzella das echte Kenner auch blind wissen was sie im Glas vor sich haben. Erkennen Sie ein Top-Produkt wird dies auch entsprechend Bewertet. Das ist in der Tat ein Problem. So erging es mir in einem Gin-Tasting in dem ich mehrere Brände sofort zuordnen konnte. Solche Erlebnisse sind nicht ideal aber dennoch ist für mich ein Blindtasting die beste und fairste Methode für einen Spirituosenvergleich. Das nächste Blind-Tasting im Rahmen des Cocktailforum-Treffens 09 in wenigen Wochen wird dem Brandy gewidmet sein – ohne Untergruppen.

Kommentare:

  1. Kein Vorteil ohne Nachteil - sich nichtsahnend einem Produkt zu nähern, stellt es auf jeden Fall hüllenlos dar. Und bringt nicht selten unerwartetes zutage. Zwei Dinge, die meiner Meinung nach dagegen sprechen. Erstens fördert es doch die Schulung des Gaumens, wenn man weiß, was man erschmecken soll. Zweiter, nicht zu unterschätzender Aspekt ist die emotionale Komponente. Weiß ich über die Zusammensetzung oder kenne die Geschichte eines Fluoids, gibt der Kopf dem Gaumen gegenüber den Ton an.
    Nur selten kann ich behaupten, in G&T zum Beispiel mit dominantem Schweppes Unterschiede zu schmecken, doch ziehe ich gern ein mit Liebe hergestelltes Handwerksprodukt einer Industriemassenware vor.

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  2. Da fällt mir noch folgende Anekdote ein: Nachdem bei einer Dinner-in-the-dark-Blindverkostung ein vermeintlicher Weißwein als Rosé aufgelöst wurde, war ich derart verunsichert, dass ich dem darauffolgend in das Rotweinglas eingeschenkten Gesöff (gemeinerweise ein sehr junger und säurebetonter Franke) kein bisschen mehr über den Weg traute!

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  3. Ich bin ein großer Fan von Blindverkostungen. Nichts ist so ehrlich wie ein Blindtasting. Ich finde, es geht gerade nicht darum, das zu schmecken, was man shcmecken sollte/was andere schmecken, sondern nur der eigenen Zunge zu vertrauen!

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