Mittwoch, 17. Juni 2009

Der Teekanneneffekt


Wer kennt das nervende Phänomen nicht? Man benötigt noch einen kleinen Schuss einer Spirituose in einem Drink. Man kippt die Flasche vorsichtig Richtung Glas doch anstatt in das Glas fließt alles am Flaschenrand entlang und gezielt daneben. Dieses Ergebnis ist die Auswirkung des so genannten Teekannen-Effekts.
Wieso ist das so? Jetzt wird’s physikalisch: Die Flaschen werden zum Hals hin in der Regel dünner. Der Inhalt fließt an der Engstelle entlang, der Durchmesser des Strahls wird enger und die Flüssigkeit beginnt sich zu beschleunigen. Zu vergleiche ist das mit einem ruhigen Bach der seine Wassergeschwindigkeit in einer Klamm extremst beschleunigt. Das ist der erste Teil des Phänomens. Der zweite Teil handelt ganz im Sinne der Hydrodynamik nach dem schweizer Mathematiker Daniel Bernouilli. Eine beschleunigte Flüssigkeit, in diesem Fall eine Spirituose, ist im Vergleich zu ihrer Umgebung der Sitz einer leichten Depresion – eine leichte Druckdifferenz. Wenn die Geschwindigkeit der Spirituose wächst sinkt ihr Druck (und umgekehrt). Ergo ist der Luftdruck der Umgebung höher als der Druck der Flüssigkeit.
Verbindet man nun diese beiden Erscheinungen ergibt sich folgendes Ergebnis: Die Spirituose wird von den Molekülen der Luft gegen die Flaschenwand gedrückt und läuft dort entlang anstatt ordentlich aus der Flasche. Dazu kommt noch die Wirkung von Punkt drei: Die Schwerkraft. Die am Flaschenhals „festgedrückte“ Flüssigkeit wird von der Schwerkraft nun an dieser entlang nach unten Bewegt und beschleunigt abermals, was ja wiederum den Druck erneut verringert – ein kleiner Teufelskreis wenn man so will. Schließlich bleibt die Flüssigkeit an der Flasche hängen und tropft nun am Glas vorbei.
Um diesen Effekt zu verhindern muss man nur etwas schneller ausgießen aber ist das nicht im Widerspruch zu dem oben genannten? Im Prinzip schon aber bewegt man die Flüssigkeit mit genug Schwung nimmt diese genügen Bewegungsenergie auf um sich vom Rand des Flaschenhalses, in Form eines Strahls, zu entfernen. Die druckbedingten Adhäsionskräfte werden überwunden und sind dann zu schwach um eine Sauerei anzurichten.
Also wenn man das nächste Mal genervt eine solche Pfütze am Tresen aufwischen muss kann man dem Gast gegenüber behaupten das war Absicht und eine physikalisch aufwendige Versuchsreihe aus der Hydrodynamik ;-)

Kommentare:

  1. Ich könnte das wahrscheinlich auch einfach googeln, aber warum heißt es denn Teekannen Effekt?

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  2. Achja noch was. Ich stimme zwar immer fleißig ab bei der Cocktailarena, allerdings fehlt mir im Moment der Überblick. In welcher Runde befinden wir uns denn, hast du eine Tabelle dazu?

    Grüße

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