Dienstag, 21. Juli 2009

La Floridita Daiquiri


Wer hat in den letzten Tagen nicht irgendetwas über den vierzigsten Jahrestag der Mondlandung gehört? Um dieses Ereignis auch in der Welt der Cocktails zu würdigen war es meine Absicht einen kurzen Bericht dazu vorzustellen und einen Drink, was ich gestern aus Zeitgründen nicht geschafft habe. Wie es der Zufall so will wurde die gleiche Idee bei der Trinklaune aufgegriffen und das sogar mit demselben Drink – Cheers! So ergibt es sich das ich nun über das nächste Jubiläum schreibe: Heute ist Ernest Hemingways 110. Geburtstag.
Der amerikanische Schriftsteller, welcher als einer der wichtigsten des 20. Jahrhundert gilt, ist vor allem durch sein Buch „Der alte Man und das Meer“ bekannt. Das Buch entstand im Jahre 1952 auf Kuba. Dort lebte Ernest zusammen mit seiner dritten Frau von 1939 bis kurz nach der Revolution im Jahre 1959. Hemingway liebte das Schreiben, die Jagd und das Fischen mindestens genau so viel wie den Alkohol. Diesen Pflegte der Schreiber oft in der kubanischen Bar Floridita zu sich zu nehmen in Form eines „Floridita Daiquiri“ Noch heute erinnert in der Bar eine lebensgroße Hemingway-Statue daran, welche sitzend am Tresen errichtet wurde. Dabei spielten zwei Punkte eine wichtige Rolle. Zum einen musste der Drink „Frozen“ sein und zum anderen zubereitet vom Barchef Constantino Ribalaigua.
Doch aus was besteht dieser Cocktail und wie wird er zubereitet? In Schumann´s Tropical Barbook findet sich eine Rezeptur die beispielsweise mit Grapefruitsaft geshaked und auf Crushed Ice serviert wird. In Trader Vics „Bartender´s Guide“ von 1947 findet sich der Floridita ganze vier Mal und das jeweils auf Zitronenbasis anstelle der üblichen Limetten beim Daiquiri. Wie Ted „Dr. Cocktail“ Haigh zu berichten weis handelt es sich dabei allerdings um einen Übersetzungsfehler. Trader Vic entnahm das Rezept aus einer Quelle in der das kubanische Wort für Limette (limon) als Zitrone (ebenfalls limon) angeben wurde. Das Problem lag in einer verkürzten Schreibform da die Limette korrekterweise „limon verde“ genannt wird. Weiterhin besteht dieses Rezept aus puertoricanischen Rum wird aber geblendet und nicht geshaked. Der Lime-Lemon-Fehler wurde in einer späteren Ausgabe des Buchs aus dem Jahre 1972 ausgebessert und es verschwanden drei der vier Rezepturen – dafür tauchte auch hier plötzlich Grapefruitsaft auf.
Kompliziert? – stimmt!. Aus diesem Grunde wurden die verschiedenen Rezepte einfach nummeriert. So kommt es das die Schuhmanns-Variante als No.4 aufgezählt wird unter Floridita Style Daiquiri. Das Ganze geht sogar soweit das ein Daiquiri ohne Rum gelistet ist! Und nun um die Verwirrung endgültig auf die Höhe zu treiben: Der geblendete Grapefruit-Daiquiri erhielt keiner Nummer da dieser plötzlich als „Ernest Hemingway Spezial“ durchgeht! Macht Sinn oder? Immerhin kann man davon ausgehen das diese, offiziell von der Floridita-Bar ausgehende, Namensänderung darauf deutet das es sich hierbei um den Drink handelt den Ernest zu sich nahm.

La Floridita Daiquiri

6 cl Rum (Havana Club 3)
3 cl Limettensaft
1 cl Zuckersirup
1 cl Maraschino

Alle Zutaten im Mixer auf möglichst kalten Crushed Ice blenden und anschließend in eine Cocktailschale geben. Mit einem Stück Limette und einer Cocktailkirsche garnieren. Für einen Ernest Hemingway Spezial muss lediglich die Hälfte des Limettensaftes durch Grapefruitsaft ersetzt werden.
Bei Drinks sind sehr leicht und extremst erfrischend. Leichter Rumgeschmack mit schön eingebetteten Maraschinonoten. Die Säfte sind geschmacklich kaum auszumachen und reduzieren lediglich die Süße des Likörs und des Sirups. Der Grapefruitsaft macht das Ganze etwas betonter. Happy Birthday Mr. Hemingway!

Kommentare:

  1. Das ist doch mal ein schön ausführlicher und wirklich informativer Artikel über einen Cocktail mit Hintergrund-Infos, sowas lese ich gerne

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  2. hey christian,
    schöner artikel, danke dafür.

    eine anmerkung zur Limette - Zitrone - Limon Verde Problematik.

    Die Info, die hier vermutlich zitiert wird, ist nach wie vor nicht ganz Korrekt.
    Deutsch - Spanisch:
    Zitrone (gelb) = limon
    Zitrone (grün)* = limon verde
    Limette = lima

    Es ist in spanisch sprachigen Ländern durchaus üblich, dass in Geschäften neben den gelben Zitronen auch die grünen Zitronen* verkauft werden. Alle drei Produkte trifft man nur bei Profi Händlern an, da je nach Gegend, die Produkte verkauft werden, die in unmittelbarer Umgebung (bzw. Gegend/Region) angebaut werden.

    *Stichwort: grüne Zitrone:
    Man besorge sich aus unterschiedlichen Ländern/Gegenden grüne Zitronen - der Geschmack wird nie der gleiche sein. Das rührt daher, das es sich teilweise um unreife/frühreife Zitronen handelt, aber auch um größere und weniger süße Limettensorten handelt.

    Ich bin der Ansicht, dass man die "Original Rezepturen", der in diesem Artikel aufgeführten klassischen Coktails nur unter sehr genauer Zugrundelage der Ingredienzien auf originale Weise replizieren kann - man müsste dazu schon fast die örtlichen Produkte der damiligen Zeit untersuchen, sprich sich mit den Obstbauern in Kuba besprechen...

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  3. Irgendwie komme ich mit den Maraschinovarianten des Daiquiri nicht ganz klar.
    Es sind auch super Drinks finde ich, jedoch unterliegen sie dem Orginal haushoch, finde ich.

    Gruß
    Jonas

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  4. Schöner Beitrag, danke! Über die feinen Unterschiede zwischen den erwähnten Rezepten habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen, aber nun ist der Zusammenhang endlich halbwegs klar :)

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