Samstag, 19. September 2009

Neisson L´Esprit aus Martinique


Wer mich kennt weis dss mein Schwerpunkt, seit Anbeginn meiner alkoholischen Interessensvertretungen, auf den Zuckerbränden liegt. Angefangen mit Drinks wie den Cuba Libre oder den Mai Tai hat mich die Faszination des karibischen Goldes nicht mehr losgelassen wie so viele Andere auch. Immer wieder fallen Landesnamen wie Jamaika, Cuba und die Dominikanische Republik, doch was ist mit den vielen kleine Inseln wie Martinique? Von dort stammt immerhin einer meiner favorisierten weißen Rums: Der Neisson L´Esprit. Doch zunächst einmal zurück zur Insel:
Wie für einen Rum aus den französischen Antillen üblich wird hier die Spirituose meist aus frischem Zuckerrohrsaft zubereitet. Martinique ist seit Jahrhunderten eine der bedeutensten Herstellerinseln. Im Jahre 1880 beheimatete das vom Dschungel überwachsene Land 500 Destillerien – und dies waren nur die genehmigten Brennereien! Das Geschäft boomte im laufe der Zeit immer mehr. Das ferne Heimatland Frankreich verschaffte sich ihren Zucker im Laufe der Zeit mittels Zuckerrüben und nicht mit dem aufwendig exportierten Rohrzucker. Folglich standen mehr Rohstoffe für die Rumproduzenten zur Verfügung. Dennoch ging ihre Zahl stetig zurück. Noch heute ist Rum das wichtigste Exportgut des kleinen Eilandes. In den folgende Jahrzehnten verhalf ein kleines und verhasstes Tier dem Rum zu einem weiteren Hoch: Die Reblaus. Die Weinberge in Frankreich waren in früheren Zeiten schwer betroffen und die Weine Mangelware. Um diesen Engpass zu überwinden kam nur Rhum Agricole aus der eigenen Kolonie in Frage. Dies änderte sich jedoch schnell nach den beiden Weltkriegen: Die bis dahin verbliebenen (ca.) 120 Destillerien mussten mit argen Problemen beschäftigen wie einer Einfuhrquote ins Heimatland um dort die zerstörte Wirtschaft besser ankurbeln zu können. Überlebt haben bis in die Gegenwart nur neun Brennereinen (Neisson, Depaz, JM, Saint James, Dillon, La Favorite, Simon, Trois Riviérs und La Mauny) welche 17 Marken herstellen.
Wie schon zu beginn erwähnt möchte ich noch etwas näher auf den Neisson L´Esprit eingehen da über diesen erstklassigen Rum kaum ein Wort verloren wird. Dieser Rhum Agricole ist mit seinen 70% Alkoholgehalt ein echtes Schwergewicht und spart nicht mit seinen Aromen. Bevor an die Verkostung geht muss die Flasche erstmals geöffnet werden was sich dank des wachsüberzogenen Schraubverschlusses leichter anhört als es ist… Kurze Zeit im Eichenfass gereift ist dieser Tropfen unwahrscheinlich kraftvoll und intensiv.
In der Nase entfaltet sich ein enormes Bouquet von floralen und zitruslastigen Aromen. Untermauert werden diese durch einen sanften Kakao- und Tabakgeruch. Nicht kaschieren lässt sich der hohe Anteil an Alkohol, welcher auch am Gaumen sehr prägnant ist. Daneben entfalten sich Aromen von Limette, Blumen und etwas Banane auf der Zunge. Der mittellange Abgang verbleibt mit einem an Bitterschokolade erinnerten Geschmack. Um den starken Charakter des Rums ein wenig zu zügeln empfiehlt es sich diesen mit der Zugabe von etwas Wasser zu bändigen.
Dieser Rum ist ausgezeichnet geeignet für einen Ti Punch nach klassischem Rezept oder für den Jasper´s Rum Punch wie schon an anderer Stelle erwähnt. Eine handelsübliche Flasche mit 70cl Inhalt schlägt mit einem Preis von ca. 50 € zu buche, was mit Sicherheit kein Schnäppchen mehr ist. Dennoch scheint mir der Preis für diesen weißen Ausnahme-Rum durchaus fair und gerechtfertigt. Rumliebhaber sollten ein Auge auf die unscheinbare Flasche aus Milchglas werfen…

Kommentare:

  1. ...ist auch einer meriner Ti Punch-Favoriten!

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  2. Aber 50€ ist schon ein sehr stattlicher Preis.

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