Mittwoch, 30. September 2009

Von Jägern und Sammlern

Soeben kehre ich zurück aus den Wäldern und Wiesen der Umgebung. Leise führte der Weg immer entlang an Waldrändern, vorbei an Viehweiden und über diverse Stacheldrahtzäune hinweg. Das Jagdglück sollte sich sehr in Grenzen halten – ein Opfer war nirgendwo in Sicht. Plötzlich erscheint hinter einer Kuppe eine alte verfallene Hütte, eingewachsen von dem was ich suche. Ich nähre mich und sehe sie auch gleich: Kräftige Schlehdornbüsche über und über gefüllt mit Früchten!
Hiermit kann ich verkünden das es dieses Jahr wieder meinen selbstangesetzten Sloegin geben wird (voraussichtlich Anfang Januar). Vor zwei Jahren hab ich den ersten Versuch dieser Spirituose gestartet mit großem Erfolg. Die Ernte stellte sich als reaktiv einfach heraus da sämtliche Schlehenpflanzen üppigst Früchte trugen. Nachdem ich keinen Sloegin mehr hatte musste natürlich für Nachschub gesorgt werden doch 2008 wurde eine Katastrophe! Die Schlehe ist eine Pflanze welche sehr früh im Jahr zu blühen beginnt und dann sehr kälteempfindlich ist. Letztes Jahr gab es keine einzige Frucht in der Region. Ein starker Frostschaden dürfte für diesen Ausfall verantwortlich gewesen sein. Dieses Jahr sieht es immerhin ein wenig besser aus. Zwar sind die meisten Schlehen nach wie vor ohne Früchte (wieder Frost), doch einige Büsche hatten Erfolg. Jene welche inmitten anderer Pflanzen geschützt stehen oder an einer Wand einer Hütte sind gut bestückt mit den kleinen blauen Beeren. Da diese Konstellation nicht all zu häufig ist, gibt es sie zwar nicht in Unmengen wie 2007 aber immerhin! Jetzt heißt es nur noch den ersten Frost abzuwarten. So schädlich er im Frühjahr ist umso nützlicher ist der nächtliche Kälteeinbruch im Herbst. Die Pflanzen wollen sich bei Frost schützen und ziehen ihre Säfte aus den Blättern und Früchten in ihr Inneres zurück, inklusive einiger Bitterstoffe. Das hat zu folge das die Früchte süßer und milder werden – der Sloegin muss hinterher weniger nachgezuckert werden. Beim ersten Versuch lag der Zuckeranteil bei gerade einmal 80g/L!
Somit heißt es jetzt nur noch warten bis die Temperaturen weit genug gesunken sind und das mir kein anderer Sammler zuvor kommt. 10 Liter Gin sind zumindest auf den Weg zu mir. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit mit einem Royal Sloe Gin Fizz. Moment mal! Ich hab ja gar keinen Sloegin mehr…

Kommentare:

  1. Super!
    Der Bedarf dürfte da sein! :)

    Gruß
    Sigurd

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  2. Feine Sache, ich reservier schonmal eine Phiole, wenn ich darf ;D

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  3. Na mensch Christian, das klingt doch gut!

    Ich nehme natürlich auch eine Flasche!

    Grüße
    Jonas

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