Donnerstag, 1. Oktober 2009

Die Bar im Zeitalter des Web 2.0

Diese Email von publicis-consultants, welche mich vor wenigen Stunden erreichte, will ich niemanden vorenthalten. Sie beschreibt die Lage des aktuellen Bar-Netzwerkes in den Weiten des Internets. Sehr informativ!

Am 5. und 6. Oktober findet der Bar Convent Berlin statt, der wichtigste Netzwerk- und Ausstellertermin der deutschen Barindustrie. An zwei Tagen trifft sich hier jährlich das Who-Is-Who der deutschen Bar- und Beveragebranche, um neue Kontakte zu knüpfen, sich über Produkt-Innovationen zu informieren und in Seminaren weiterzubilden. Wir haben vor Beginn der Messe eine Umfrage unter Top Bartendern in Deutschland durchgeführt zum Thema "Bartending im Zeitalter von Web 2.0". Die Ergebnisse überraschen und zeigen, dass die Barbranche im Hinblick moderner Kommunikation zu den fortschrittlichsten überhaupt gehört.
Sie gehören zu den besten Bartendern in Deutschland und mixen ihren Gästen Abend für Abend perfekte Drinks. Doch was nur wenige außerhalb der Barszene wissen: Auch im Web 2.0 gehören sie zu den „Movers and Shakers“. Wie eine Umfrage unter Top Barkeepern ergeben hat, ist die Branche über soziale Netzwerke weltweit vernetzt und nutzt Social Media im Alltag zum Austausch von Neuigkeiten und Trends. Durch den permanenten Dialog im Internet und speziell im Web 2.0 hat sich die Qualität der Arbeit der hiesigen Bartender gesteigert, so der Tenor. Die zahlreichen Bartender-Blogs, die in den letzten Jahren in Deutschland wie Pilze aus dem Boden schossen, stoßen allerdings auf ein geteiltes Echo.
Als dominierendes Kommunikationsmedium hat sich Facebook durchgesetzt. In dem sozialen Netzwerk sind alle befragten Bartender aktiv. Der Grund: Hier trifft sich die komplette nationale und internationale Branche zum Netzwerken, Austauschen von Trends und Events, Chatten und Posten von Branchenneuigkeiten. Thomas Bley, Geschäftsführer von Barmotion und 2. Vorsitzender der Deutschen Barkeeper Union (DBU) Hessen, hat zuletzt für die Organisation von Veranstaltungen der DBU ausschließlich über Facebook kommuniziert. „Dafür habe ich nicht einmal mehr zum Telefon gegriffen.“ Mehr als 500 Kontakte zählt sein – bereits bereinigtes – Netzwerk. Getoppt wird das von Jörg Meyer, Barchef der Le Lion Bar in Hamburg, die als eine der besten Bars weltweit gilt. Meyer hat 1300 Facebook-Kontakte primär aus der Barwelt und ist in Deutschland einer der Protagonisten im Web 2.0. Sein Barbaublog, in dem er alle Aspekte behandelte, die für den Aufbau und Betrieb einer guten Bar wichtig sind, und der Bitters Blog, den er zusammen mit Stephan Berg führte, zählten zu den meistgelesenen und einflussreichsten Branchenblogs in Deutschland. Zurzeit bloggt er sporadischer unter seinem Kürzel Jrgmyr, was daran liegt, dass sich seine Präferenzen geändert haben: „Inzwischen beziehe ich meine Informationen vor allem über Verlinkungen auf Portalen wie Facebook und Twitter von Personen, denen ich vertraue, und kommuniziere über mein iPhone, was das Verfassen von längeren Texten kaum nötig macht. Eine Tageszeitung als Informationsquelle habe ich seit drei Jahren nicht mehr gebraucht.“
Ist Facebook mit Abstand die wichtigste Informations- und Vernetzungsplattform der Branche, so landet Xing auf dem zweiten Platz. Immerhin 72 Prozent der befragten Bartender haben dort einen Account. Allerdings verwalten sie auf Xing eher ihre Geschäftskontakte, die aktive Kommunikation findet auf Facebook statt oder bereits auf Twitter. 45 Prozent haben schon einen Account beim Microbloggingdienst, der teilweise aktiv, teilweise auch nur passiv (Lesen von Tweets) genutzt wird. Die Bartender, die Twitter nicht nutzen, geben am häufigsten „fehlende Zeit“ als Grund an.
Branchenblogs von Bartendern für Bartender gibt es in Deutschland zahlreiche, über die Qualität herrscht jedoch bei den Top Bartendern Zweifel. Viele der Befragten kritisieren die Kleinkriege, Geschwätzigkeit und vor allem die mangelnde Fundiertheit, die in vielen Blogs vorherrschen. Bastian Heuser, Drinks Director des Branchenmagazins Mixology: „Nur ein kleiner Teil der Blogs, die sich mit barrelevanten Themen beschäftigen, ist meiner Meinung nach wirklich informativ und unterhaltsam. Manche unterschätzen die regelmäßige Pflege, die ein Blog bedarf und nach anfänglichem "Eintrags-Feuerwerk" werden diese immer spärlicher und vor allem dünner im Inhalt. Da muss man sich dann fragen, ob man für das Lesen dieser Blogs tatsächlich seine kostbare Zeit aufwenden soll.“ Stefan Gabanyi, Barchef im Münchner Schumanns, sieht das ähnlich: „In den Blogs wird mir oft zuviel geschwafelt, da wirkt sich die fehlende Platzbeschränkung negativ aus.“ Das sei aber keine Kritik am Medium selbst, im Gegenteil, Gabanyi spielt mit dem Gedanken, demnächst selbst einen Blog zu eröffnen.
Trotz der Kritik: Branchenblogs sind weiterhin wichtig: 72 Prozent der befragten Bartender lesen Blogs, um sich zu informieren. Die drei am häufigsten genannten sind der Mixology Blog, Das Bartender Labor und Jörg Meyers Blog.
Die befragten Bartender sind sich fast einhellig einig: Die Vernetzung der Bartenderszene, der globale Austausch und das stetig steigende Niveau ist dem Internet zu verdanken und durch soziale Netzwerke wie Facebook ist der Austausch noch einfacher geworden. Die Bartender loben die schnellen Kommunikationswege - den Gewinner eines Mix-Wettbewerbs erfahren sie jetzt noch am gleichen Abend und nicht mehr zwei Wochen später aus dem Branchenmagazin. Auch kann der geschickte Einsatz von Web 2.0 zum Aufbau eines Images und Steigerung der Bekanntheit genutzt werden – national wie international. Genau das wird aber auch kritisiert: Einige der befragten Barkeeper betonen die negativen Aspekte der neuen Kommunikationsformen - wenn Schnelligkeit zu Schnelllebigkeit wird, verbreitete Falschinformationen zu Reputationsverlusten führen und soziale Netzwerke zu Werbeplattformen (ob Eigenwerbung von Bartendern oder Unternehmen) verkommen, dann laufe es in die falsche Richtung. Jörg Meyer: „Die Kommunikation in einem sozialen Netzwerk ist ein Balanceakt. Natürlich kann das ein oder andere auch nerven. Mit sozialen Netzwerken ist es wie mit Alkohol: Man muss wissen, wie man damit umgeht.“

1 Kommentar:

  1. Ich fühle mich schuldig, denn für Glas und Inhalt trifft die "Schwafelei" wohl zu, da es lediglich ein Hobbymixer Blog von zwei noch recht grünohrigen Hobbymixern ist.

    Naja... dann werde ich meine Facebookaktivitäten wohl mal hochschrauben :)

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