Dienstag, 3. November 2009

Die Geschichte vom Glas


Viele Dinge wurden in den letzten Jahren besprochen was das Bartending angeht. Von alten Spirituosen über noch ältere Cocktailrezepturen bis hin zur Eisherstellung im Laufe der Zeit wurde schon vieles Erwähnt und Besprochen. Dennoch gibt es ein Thema, welches noch nie im Bereich der Bar wirklich erwähnt wurde, obwohl jeder tagtäglich damit hantiert. Die Rede ist von den transparenten Material in dem sich unsere flüssigen Schätze befinden und später das fertige Mischgetränk. Seit mehreren Jahrtausenden kennen wir Glas und nicht nur in der Bar ist die Menschheit heutzutage absolut Abhängig von dieser mysteriösen Keramik.
Wenn man so will entstand das erste Glas des Planeten bereits vor geschätzten 30 Millionen Jahren. Ein Meteorit schlug in eine Wüste ein und schmolz den dortigen Quarzsand zu Glas. Weitere natürlich vorkommende Gläser sind Fulgurit (wenn ein Blitz in Sand einschlägt) sowie Obsidian, das Glas aus den Vulkanen. Eine weitere Rarität ist Trinitit, Glas das beim zünden von Atombomben entstehen kann.
Doch zurück zur Geschichte des Glases: Vor geschätzten 4000 Jahren geschah es im damaligen Mesopotamien einige Männer ein Feuer auf Sand entfachten und dieses mit salzhaltigen Pflanzen am brennen hielten. Diese verbrannten zu natriumkarbonathaltiger (sodahaltiger) Asche und verbanden sich mit dem heißen Siliziumdioxid des Quarzsandes. Werden diese Stoffe erwähnt bricht zunächst die Kristallstruktur des Quarzes auf und das Soda verhindert eine erneute kristalline Ausrichtung nach der Abkühlung. Es entsteht Glas! Dies ist aber noch nicht mit dem heutigen Material zu vergleichen. So ist dieses antike Glas beispielsweise nicht transparent. Die Menschen von damals erkannten den Einsatz diese merkwürdigen Material und verfeinerten die Technik zur Herstellung. Diese verbreitet sich in den nächsten Jahrhunderten über Ägypten nach Griechenland bis hin nach Italien wo es zu einer enormen Weiterentwicklung kam. Römische Glasmacher schufen nicht nur zum ersten Mal durchsichtiges Glas sondern entwickeln auch die Technik der Glasbläserei. Plötzlich konnte man das Material in allen möglichen Formen bearbeiten. Fensterscheiben, Vasen und Trinkgefäße sind es schlussendlich die den Siegeszug des neuen Materials vorantreiben. Farben entstehen durch die Beigabe diverser Metalle, so sorgt Kupfer zum Beispiel für ein grünes Glas. Dieser Glasboom sorgte im mittelalterlichen Europa auch für die Abholzung riesiger Wälder, da mit dem Holz zum einen Soda produziert, zum andern die Brennöfen beheizt wurden.
Doch das Herz dieser Industrie blieb immer in Italien auch wenn dies von Rom nach Venedig wanderte. Noch heute ist die Insel Murano bekannt für seine Glaswaren. Während der Renaissance um das Jahr 1450 entstand hier das beste Glas weltweit. Dort lebten die besten Glasbläser, es entstand ein Glas so rein wie wir es heute kennen, große Scheiben waren nun möglich indem ein geblasenes Rohr einfach aufgeschnitten und aufgeklappt wurde und die ersten Spiegel wurden hergestellt mittels einer feinen Metallschicht. Fast 150 Jahre später wurde Glas auch für die Wissenschaft interessant durch das gezielte schleifen von Linsen. Optische Werkzeuge entstanden, sei es für den Blick in die Ferne mit Teleskopen oder der Blick in das kleine mit Mikroskopen. Wo währe die Menschheit heute nur ohne dieses großartige Material? Und ich denke selbst jetzt lesen viele diesen Bericht von der Scheibe eines Monitors ab, welcher zuvor über eine Glasfaserleitung von mir zu euch gelangt ist, welches vielleicht durch ein gläsernes Solarpanel mit Energie versorgt wird… Im Idealfall habt ihr dabei natürlich einen kalten Drink in einem Trinkglas vor euch stehen, dessen Grundidee noch aus der Römerzeit stammt. Als das Glas transparent wurde kamen Weingläser in Mode das es nun möglich war die Farbe des Getränkes zu sehen. Der älteste Becher aus Glas ist jedoch bedeutend älter und stammt aus der Zeit von Pharao Thutmosis III aus Ägypten welcher vor knapp 3500 Jahren sein Land regierte. Ihm haben wir auch die erste Verbreitung des Glases zu verdanken da er das Wissen um die kunstvolle Herstellung im Krieg erbeuten konnte.
In Bar ist Glas natürlich ebenfalls unentbehrbar und sei es nur in Form von Flaschen und Trinkgefäßen. Immer wieder taucht die Frage auf nach den richtigen Gläsern hinter der Bar. Welche Formen braucht man und welche nicht und vor allem wie viele? Das soll aber das Thema in einem zukünftigern Beitrag werden. Bis dahin heißt es Gläser füllen, putzen und polieren.

1 Kommentar:

  1. Sorry, das mit den 30 Millionen Jahren für das erste Glas ist falsch.
    Meteoriteneinschläge gibt es seit es die Erde gibt, und sobald die Oberfläche halbwegs abgekühlt war, wurden bei größeren Einschlägen Teile des Meteoriten oder der Erdoberfläche geschmolzen, und wenn sie sehr schnell wieder abkühlten, wurden sie zu Glas. An die 30 kann man also gut gerundet zwei Nullen dranhängen.
    Darüberhinaus entstehen natürliche Gläser auch ohne Meteorite immer wenn Gesteinsschmelze zu rasch abkühlt, um auszukristallisieren. Bekannte Beispiele: Obsidian und Bims.
    Gruß, Roland

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