Montag, 28. Dezember 2009

Eine Frage des Geschmacks


Ich denke ich melde mich auch wieder einmal zu Worte nach einer etwas längeren Pause. Eigentlich hatte ich vor nur für eine Woche nichts zu schreiben aber ich konnte mich dann nicht mehr dazu bewegen wieder anzufangen. Nachdem ich diese Woche nun zusätzlich Urlaub habe steht genügend Zeit zur Verfügung um das Eine oder Andere niederzuschreiben. Zum Beispiel eine typische Situation wie sie mir in regelmäßigen Abständen begegnet: Vor kurzem begab es sich zur Weihnachtsfeier meines Betriebes das sich eine kleinere Gruppe abseilte um die Bars der Stadt ein wenig unsicher zu machen, wenn man diese Läden überhaupt als eine solche bezeichnen kann. Da unser Chef die Spendierhosen anhatte und uns alles bezahlte schaute er in die Cocktailkarte und fragte mich als „Whiskymixer“ was ich empfehlen könne. Wie ich diese Frage hasse! Jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack und einen Drink für acht Personen zu finden den jeder mag ist nicht ganz so leicht. Wenn ich dann nach einer ungefähren Geschmacksrichtung frage wie zum Beispiel süß, sauer, cremig, ect. stößt man sehr schnell auf verwunderte Blicke. Es ist eigentlich erstaunlich das viele Leute selbst nicht wissen was sie überhaupt zu trinken wollen. Meine Lieblingsantwort auf die Geschmacksrichtung ist im Übrigen die Aussage „Irgendwas das halt gut schmeckt“…
Nichts desto trotzt wird eine Antwort erwartet und meine Blicke gehen in Richtung der Cocktailkarte und dessen Inhalt der sich in meiner Region meist zischen „Long Island Iced Tea“ und „Sex On The Beach“ bewegt, zubereitet mit dem guten Spirituosen vom Discounter. Dies führt natürlich zu einem weitern Konflikt meinerseits. Eine Empfehlung aus einer solchen Karte kann ich einfach nicht machen und so verweise ich meist auf ein normales Bier. Meine Arbeitskollegen blickten mich daraufhin wieder verwundert an mit der Frage „Ich dachte du kennst dich mit dem Zeug aus?“
Was soll ich also in einer solchen Situation machen? Ich würde gerne Drinks empfehlen aber die Karte entspricht nicht meinem gewohnten Niveau. Ich würde gerne einen guten Drink bestellen der nicht auf der Karte steht aber es mangelt entweder an der Qualität der Spirituosen oder an den Spirituosen selbst. Dazu kommt meine Leidenschaft für einfache und klassische Rezepturen. Wenn sich ab und zu doch die Gelegenheit bietet jemanden etwas Interessantes zu empfehlen was sollte das dann sein? Einem Cocktailneuling der nur Pina Colada und Caipi kennt kann ich unmöglich sofort an einen Old Fashioned heranführen. Meist sind Sours ein gelungener Einstieg und so weise ich meist auf den Daiquiri hin. Interessant ist der Fall eines Arbeitskollegen welcher dank mir fast jedes Wochenende einen Pisco Sour trinkt aber den Daiquiri nicht ausstehen kann, was wiederum zum erstgenannten Punkt des persönlichen Geschmackes führt.
Nach kurzer Überlegung kam ich doch noch auf die Antwort nach einem zu empfehlenden Cocktail: Trink was dir schmeckt oder probier einfach etwas Neues aus, dann ist man zumindest eine Erfahrung reicher! Nichts ist besser als sich auf den eigenen Geschmack zu verlassen im Sinne von „Learning by doing!“ Geschmack ist ein Prozess der mit jeder Speise und mit jedem Getränk wächst und gedeiht. Nur weil ich keine Pina Colada trinke oder empfehle heißt es nicht das dieser Drink nicht gut ist oder keine Daseinsberechtigung besitzt. Daraus lässt sich wiederum schlussfolgern das eine Empfehlung zu einem bestimmten Drink keine große Aussage besitzt, ergo „Über Geschmack lässt sich nicht streiten.“

Kommentare:

  1. A. Bauer
    Oh, ja wie du mir mit diesen Zeilen aus der Seele sprichst. Ich glaube so geht es vielen unserer Zunft wenn Sie mal mit Freunden in eine "Bar" gehen.

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