Mittwoch, 2. Dezember 2009

Süß, Süßer, Stevia


Einer der wichtigsten Zutaten in der Bar stellt ganz klar der Zucker dar. Diesen kennen wir entweder in Form von dutzenden von Sirupsorten, seien es fruchtige Varianten oder nur einfache Zucker-Wassermischungen oder pure Zucker. Rübenzucker, Rohrzucker weiß, Rohrzucker braun. Muscovado, Kandis, u.s.w. Daneben versüßen wir unseren Gästen das leben auch gerne mit Agavendicksaft oder Honig. Weniger bekannt ist eine aus Asien stammende Pflanze die hierzulande kurzum als Stevia bekannt ist.
Wer das allerdings noch nie gehört hat wird es aber mit Sicherheit in der nahen Zukunft den hinter Stevia verbirgt sich eine Pflanze auf dem Erfolgskurs. Sie süßt mit einer enormen Stärke, hat keinen nennenswerten Eigengeschmack, ist kalorienfrei, leicht anzubauen und sogar für Diabetiker geeignet! Der Haken an der ganze Sache: In der EU ist der Wunderzucker (erhältlich als Pulver, Flüssigkeit oder in Tablettenform) nicht als Lebensmittelzusatz freigegeben. Einige Forscher sind noch nicht von der gesundheitlichen Unbedenklichkeit überzeugt, obwohl Stevia in den Anbauländern schon seit Jahrhunderten als Süßungsmittel eingesetzt wird. Bei einigen Versuchsreihen an Ratten wurde festgestellt das sich Stevia negativ auf deren Fruchtbarkeit auswirkte – beim Menschen konnte dies bis jetzt nicht nachgewiesen werden. Im kommenden Jahr wird erneut entschieden ob Stevia bei uns unter den Nahrungsmittel stehen wird. Wer jetzt auf der Suche nach dem Produkt ist wird in der kosmetischen Abteilung fündig. Hier ist das, auch Süßkraut genannte Stevia, als Badezusatz erhältlich. Bei einer großen deutschen Handelskette konnte ich entsprechende Produkte auch schon neben dem normalen Süßstoff finden. Ein Nachteil ist der relativ hohe preis so musste ich für ein 50ml Fläschchen beim örtlichen Händler stolze sieben Euro auf den Tisch legen. Im Internet gibt es das ganze deutlich billiger und in größeren Mengen.
Aber kommen wir zur Geschmacksprobe. In meinem Fläschchen befinden sich neben den Steviosiden (die Wirkstoffe des Süßkrautes) noch Glycerin und Wasser. Das Gemisch ist farb- und geruchlos und ist somit äußerlich nicht zu erkennen. Im Aroma entfaltet sich sofort eine brachiale Süße die schon bei kleinsten Mengen den ganzen Mundraum ausfüllt. Daneben findet sich ganz minimal der Geschmack von Glycerin (kennt man ja von den Fee Brothers Bitter) und ein leicht herber Abgang wie man es auch von einem normalem Süßstoff kennt. Stevia ist auf keinen Fall mit normalen Zucker(-sirup) zu vergleichen. Es ist eine andere Art von Süße wie auch ein Honig anders süßt wie Melasse. Das muss jeder selbst testen um einen Eindruck davon zu bekommen. In den weiten des www fand ich heraus das Stevia auf keinen Fall der Süßstoff schlechthin ist. Aufgrund ihres eigenen Süßverhaltens sind Stevioside somit nicht überall einsetzbar.
In wiefern Stevia in der bar zum Einsatz kommen wird, oder kann, wird auch hier die Zukunft zeigen. Persönlich bin ich davon noch kein bisschen überzeugt. Da man aber nichts unversucht lassen darf musste natürlich ein Cocktailversuch her und was würde sich hier besser eignen als ein Sour? Als nichts wie her mit dem Shaker und ran ans Werk an den ersten Stevia-Daiquiri. Normalerweise mixe ich diesen Drink im Verhältnis 6:3:2 ; Da Stevia deutlich stärker süßt als mein Zuckersirup reduzierte ich die Menge um mehr als die Hälfte auf 6:3:0,75. Optisch nicht vom Original zu unterscheiden ging es sofort an die Verkostung des Drinks. Um das Ergebnis mit einem Wort zu beschreiben: schrecklich! Es scheint als hätte sich die Süße nicht mit den anderen Zutaten verbunden. Im ersten Augenblick scheint alles wie gewohnt zu sein. Der Rum kombiniert mit der frische der Limette und einer leichten Süße doch bereits eine Sekunde später kommt die böse Überraschung. Eine alles überdeckende Süße vernichtet den kompletten Cocktail in seinen Geschmack. Hier heißt es also deutlich weniger Stevia anzuwenden aber ob der Drink dann noch funktioniert?

Kommentare:

  1. Danke für dein Wagniss. Stand auch schon 4 bis 5 Mal vor dem Bioladen Regal, das Fläschchen neugierig in der Hand wendend.

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  2. Hallo, happy blogging...!!!
    Wollte nur mal einen Gruß da lassen. War zu Besuch auf deinem Blog. Wünsch noch einen schönen Tag.

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  3. Also das mit dem Eigengeschmack stimmt nur halb.
    Die Pflanze an sich bzw. die Blätter haben definitiv einen Eigengeschmack, insbesondere wenn sie gekaut werden, schmeckt es irgendwie, jetzt nicht lachen, nach Ziege.
    Ich bin nicht der Einzige, der diesen Eindruck hat :)

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  4. Toller Bericht!!
    Ich hatte über Stevia in unserem Blog schon im September berichtet www.bartender-lab.com/2009/09/guter-zucker-aus-der-pflanze-stevia.html
    aber direkt rangetraut haben wir uns bis jetzt noch nicht.
    Großartig, dass Du dich getraut hast.
    Das Ergebnis spricht anscheinend aber für sich.
    Werde es auch mal probieren.
    Gruß aus Hamburg

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  5. Stevia hab ich bis jetzt noch nicht probiert, aber weil sie heutzutage scchon Trend ist, werde ich sie gerne probieren! Vielen Dank für den informativen Artikel!

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  6. die Süssungskraft von Stevia liegt-je nach Konzentration des Steviosids- bis zu 300Mal höher als Zucker(Sirup!), daher kommt es sehr auf die Dosierung darauf an.
    o,75 ist meiner Meinung nach definitiv zu viel des Guten.
    Bst Gr Adnan

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