Freitag, 31. Juli 2009

TBT: Bittermens Grapefruit & Xocolatl Bitters


Es sind nun etwas mehr als sechs Wochen vergangen als ein Newsletter aus dem Hause The Bitter Truth die Gerüchteküche neu anheizte, als in diesem ein Bild von zwei unbekannten Bitters-Flaschen verschickt wurde. Es vergingen von diesem Zeitpunkt aus keine 24 Stunden bis die Frage nach deren Inhalt geklärt wurde: TBT füllt in Zusammenarbeit mit Bittermens Bitters einen Grapefruit- sowie einen Kakao-Bitters ab. Die Überraschung ist defenitiv gelungen!
Bittermens aus Massachusetts ist, genau wie The Bitter Truth in Deutschland, ein Betrieb aus zwei Personen mit viel liebe zu klassischen Cocktails, welche das auf de Markt erhältliche Bitters-Sortiment neu auflegen bzw. erweitern wollen. Janet Glassner und Avery Glassner sagen dazu selbst: „Bittermens, Inc. was formed to promote a positive cocktail culture…“ Leider hat dieser kleine Hersteller, nach meinem aktuellen Wissensstand, nach wie vor ein Problem bei der offiziellen Zulassung ihrer Produkte auf den US-Markt. Die jetzige Kooperation mit TBT umgeht diese Hürde und der internationale Verkauf ist seit letzter Woche möglich. Die Nachfrage scheint sich durch folgendes Statement von Stephan Berg zu bestätigen: „Christian, die Welt ist verrückt! Die Nachfrage ist im Vorfeld schon übermäßig.“
Die beiden Bitters sind abgefüllt in den typischen, braunen 150 ml TBT-Flaschen. Neu sind die Kunststoffetiketten anstelle der aus Papier. Somit lassen sich die Flaschen an der Bar besser reinigen ohne sie zu beschädigen. Ein besonderer Hingucker ist der Metallic-Effekt welcher die Flaschen, je nach Sorte, golden oder violett im Licht glänzen lässt. An die Zusammenarbeit zweier Firmen erinnert lediglich der dezente Schriftzug „Bittermens“ im Produktnamen. Beide Bitters besitzen dabei einen Alkoholgehalt von 44%
Der Grapefruit-Bitters ist der zweite seiner Art denn die Manufaktur der Fee-Brothers hat dieses Produkt ebenfalls in seinem Portfolio. Bereits der Geruch des Bittermens ist fantastisch. Der pure und natürliche Geruch von Grapefruits ist unverkennbar. Ritzt man die Schale dieser Frucht an und riecht an ihr ist das Empfinden identisch mit der Abfüllung. Schon in der Nase merkt man einen bitteren Ton welcher sich auf der Zunge fortführen wird. Die hohen Erwartungen werden hier ebenfalls auf der ganzen Linie erfüllt. Ein Biss in eine Grapefruitschale ist geschmacklich nicht von dem Bitter zu unterschieden. Die Natürlichkeit und Aromastärke überzeugen. Der Fee-Borther hingegen riecht deutlich leichter nach der Zitrusfrucht und süßlich. Auf der Zunge ist dieser kaum Bitter und im Vergleich Süß wie ein Gummibärchen bei gleichzeitig deutlich dezentern Geschmack. Die Frucht ist kaum vorhanden da das typische Fee-Glycerin viel zu dominant ist. Die Kaufentscheidung geht somit haushoch an die „bittere Wahrheit“.
Einzigartig ist der Kakao-Bitters mit dem Namen Xocolatl Mole. Bereits beim öffnen der Flasche entfaltet sich einen Geruch der mich sofort an eines erinnert: frischer Schoko-Lebkuchen in seiner reinsten Form. Zwar hat schon der Aromatic Bitters aus dem selben Haus den Ruf diesen Geruch zu verströmen aber im Vergleich ist das fast nicht mehr erkennbar. Beim Xocolatl ist neben der Kakao- und Gewürznote noch eine sehr feine Süße vorhanden. Am Gaumen entfaltet sich zunächst eine sehr starke Bitterkeit welche sofort in den Geschmack von Kakao übergeht mit nur leichten Anklängen an dunkle Schokolade. Insgesamt ist das Produkt überraschend dominant und stark. Geringste Mengen in einem Drink müssten zur Geschmacksentfaltung vollkommen ausreichen.
Während der Grapefruit-Bitters sich hervorragend machen wird in Kombination mit frischen Spirituosen wie Tequila blanco oder weißer Rum ist der Kakao-Bitters das genaue Gegenteil für gereifte Spirituosen. Bourbon, Rum und Cognac werden damit hervorragend zusammenspielen. Bereits jetzt gibt es eine Vielzahl von Rezepturen auf der Bittermens Homepage welche zum testen einladen. Getestet wurde von mir gestern Abend der Drink „Right Hand“, welcher genau zeigt wofür der Bitter einzusetzen ist – für mich ist der Cocktail einen Tick zu herb und etwas weniger Campari kann nicht schaden.
Beide Cocktailbitters können überzeugen und bekommen eine klare Kaufempfehlung. Sie sind vielseitig und kreativ einsetzbar in den verschiedensten Mixturen. Hier ist es nicht notwendig wie beim Celery Bitters erst den richtigen Dreh für die Nutzung herauszufinden. Mit den Bittermens mixt es sich relativ intuitiv. Dank dem Einfallsreichtum von Janet und Avery könnte ich mir einen Zuwachs in der Produktfamilie gut vorstellen. Immerhin gibt es noch die Reihe der inoffiziellen Abfüllungen: Elemakule Tiki Bitters (Piment, Kardamom Citrus), Squirrle Nut Bitters (Vanille, Haselnuß), Sweet Chocolate Bitters (Schokolade) und Boston Bittahs (Citrus, Basilikum, Kamille). Man wird sehen was die Zeit mit sich bringt. Bis dahin gibt es erstmals Xocolatl-Cocktails.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Trollinger 2.0 Contest- Die Gewinner


Soeben endete das Finale des Trollinger 2.0 Cocktailwettbewerbs in Stuttgart. Die Württembergischen Weingärtnergenossenschaften suchten in Zusammenarbeit mit Mixology erstmalig einen Drink auf Weinbasis. Die zehn besten Rezepte aus unglaublichen 142 Trollinger-Einsendungen traten in den vergangenen Stunden live vor einer Fachjury an um sich das Preisgeld in einer Gesamthöhe von 6000 € zu ermixen. Dieser Wettbewerb ist der dritte unter dem Logo des „Open Cocktail Contest“, kurz OCC. Das heißt bei diesem Wettbewerb durften sowohl Bartender wie auch Connaisseure, Hobby-Bartender die nicht in der Gastronomie beschäftigt sind, teilnehmen. Um so erfreulicher ist es das es einer dieser Hobbymixer in das Finale geschafft hat. Leider konnte sich Achim keinen der begehrten Plätze des Siegertreppchens sichern.
Den dritten Platz sicherte sich dagegen Thomas Jakschas aus dem Rubinrot, Köln mit seinem fruchtigen „Pferdle & Äffle Cobbler“. Der zweiten Platz geht ebenfalls in eine Kölner Bar: Stephan Hinz aus dem Shepheard zauberte mit seiner Rezeptur „Trobbler“ eine frisch-würzige Mixtur welche die Jury überzeugen konnte. Der erste Platz geht ins bayrische Nürnberg und damit an Alexander Hildebrand vom Baranova Event Barcatering mit dem intersanten Cocktail „Herbal Experience“ – Herzlichen Glückwunsch!

Pferdle & Äffle Cobbler, Tom Jakschas
6 cl Trollinger
2 cl Chambord
1 cl Monin Vanille
1 cl frischer Zitronensaft
1 dash Angostura

Alle Zutaten miteinander shaken und per finestrain auf Crushed Ice abseihen. Mit Brombeeren, Himbeeren, rote Trauben und einer Zitronenscheibe dekorieren.

Trobbler, Stephan Hinz
7 cl Trollinger
1,5 cl Himbeer-Zitronenmelisse-Sirup
4cl frisch gepresster Apfelsaft
1.5 cl Calvados
1 kleine Messerspitze Zimt

Alle Zutaten werden in einem Tumbler auf Crushed Ice gerührt. Mit Himbeeren, Blaubeeren und Brombeeren dekorieren.

Herbal Experience, Alexander Hildebrand
8 cl Trollinger
2 cl Orangenmarmelade
0,5 cl Agavendicksaft
1/2 Zweig Rosmarin
2 cl Schwarz-Grünteeaufguss

Alle Zutaten miteinander shaken und per finestrain in einen Tumbler abseihen. Dekoriert wird das Glas mit einer Zitronenspalte und einem Rosmarinzweig

Dienstag, 28. Juli 2009

Tiki-Time


Der vorherrschende Tiki-Kult hat seine Ursprünge in den verneigten Staaten, welche das Ganze mehr oder weniger (eher weniger) aus den polynesischen Inselwelten abgeleitet haben. Ursprünglich bezeichnet der begriff „Tiki“ den ersten Mensch aus der neuseeländischen Mythology, vergleichlich des christliche Adam. Im Cocktail-Kontext stammt Tiki allerdings von den aus Stein oder Holz geschnitzten Ahnenfiguren ab, welche man vielerorts in der Südsee findet. Inspiriert von diesen Figuren ist auch die Form der bekannten Cocktailbecher (tiki mugs), welche sich mittlerweile als echte Sammlerobjekte herausstellen. Einzug in die USA fand der Kult in den 50iger Jahren als Soldaten ,im Pazifikkrieg gegen Japan, mit diesem verstärkt in Kontakt gerierten. Zunächst vor allem an der Westküste der USA dehnte sich das Phänomen später über die ganze Welt aus.
Der Tiki-Style entsteht und verbreitet sich in Form einer Modewelle. Es war „Inn“ etwas Exotisches in seinen eigenen vier Wänden zu haben auch wenn es nur kitschig von der Südsee inspiriert ist. Möbel, Kleidung, Tätowierungen flossen in diese Bereiche ein. Noch heute sind Strandfackeln und Möbel aus Schilf und Bambus ein synonym für den Tikikult. Und wer kennt nicht die bunten, mit Mustern versehenen Hawaii-Hemden?
Dieser Trend ging natürlich nicht ohne Auswirkungen an den Drinks vorbei. Fruchtig und frisch mussten diese sein mit dem exotischen etwas. Südfrüchte wie Ananas und Maracuja fanden reißenden Absatz hinter den (Bambus)-Theken. Dazu noch ein abenteuerlicher Name und das Ding läuft. Als Beispiel hierfür sei der „Blood of the Kapu Tiki“ oder „Pahoehoe“ genannt. Nicht zu vergessen ist auch „Beachbum Berry“ Jeff Berry, welcher mit seinen Büchern Grog Log und Intoxica eine neue Tiki-Renaissance anbrechen lies. Heute schreibt der Autor erfolgreich an seinem Beachbum-Blog.
Der bekannteste Bartender dieser Zeit dürfte „Don the Beachcomber“ Ernest Raymond Beaumont-Gannt sein, Erfinder des bekanntesten Tiki-Drinks: Der Zombie. Auch „Trader Vic“ Victor Bergeron sollte jedem Cocktail-Connaisseur ein Begriff sein als Erfinder des Mai Tai im Jahre 1944. Weiter Drinks aus dieser Tiki-Ära sind Klassiker wie der Suffering Bastard, Big Bamboo, Hurricane oder Painkiller.
Ich schreibe diesen kurzen Beitrag übrigends aus einem ganz bestimmten Grund: Kommt es mir nur so vor oder gibt es in den Bar´s gerade eine gewisse Bewegung in Richtung der Tiki-Drinks? Hier und da werden Tiki-Abende veranstaltet und einige der oben genannten Drinks werden verstärkt angeboten oder neue und entdeckte Rezepte finden sich auf Tages- und Wochenkarten. Vielleicht wird man ja demnächst mit einem freundlichen Aloha empfangen wen man eine Bar betritt. Es wäre zumindest eine willkommene und nette Abwechslung ;-)

Donnerstag, 23. Juli 2009

Glas und Inhalt

Wer hat sich nicht schon einmal Gedanken darüber gemacht warum rohre Eier in Drinks eine knifflige Angelegenheit sind und weshalb es viele abschreckt? Auch ist der Unterschied (oder auch die Gemeinsamkeiten) zwischen Küche und Bar es wert einmal einen kurzen Blick darauf zu werfen. Solche und andere Gedanken sind bisweilen zu finden auf dem neuesten Vertreter der flüssigen Connaisseur-Blogs Glas und Inhalt.
Ich wünsche Ruben a.k.a. Averax viel Spaß beim bloggen, mixen und genießen sowie ein stets mit Inhalt gefülltes Glas!

Dienstag, 21. Juli 2009

La Floridita Daiquiri


Wer hat in den letzten Tagen nicht irgendetwas über den vierzigsten Jahrestag der Mondlandung gehört? Um dieses Ereignis auch in der Welt der Cocktails zu würdigen war es meine Absicht einen kurzen Bericht dazu vorzustellen und einen Drink, was ich gestern aus Zeitgründen nicht geschafft habe. Wie es der Zufall so will wurde die gleiche Idee bei der Trinklaune aufgegriffen und das sogar mit demselben Drink – Cheers! So ergibt es sich das ich nun über das nächste Jubiläum schreibe: Heute ist Ernest Hemingways 110. Geburtstag.
Der amerikanische Schriftsteller, welcher als einer der wichtigsten des 20. Jahrhundert gilt, ist vor allem durch sein Buch „Der alte Man und das Meer“ bekannt. Das Buch entstand im Jahre 1952 auf Kuba. Dort lebte Ernest zusammen mit seiner dritten Frau von 1939 bis kurz nach der Revolution im Jahre 1959. Hemingway liebte das Schreiben, die Jagd und das Fischen mindestens genau so viel wie den Alkohol. Diesen Pflegte der Schreiber oft in der kubanischen Bar Floridita zu sich zu nehmen in Form eines „Floridita Daiquiri“ Noch heute erinnert in der Bar eine lebensgroße Hemingway-Statue daran, welche sitzend am Tresen errichtet wurde. Dabei spielten zwei Punkte eine wichtige Rolle. Zum einen musste der Drink „Frozen“ sein und zum anderen zubereitet vom Barchef Constantino Ribalaigua.
Doch aus was besteht dieser Cocktail und wie wird er zubereitet? In Schumann´s Tropical Barbook findet sich eine Rezeptur die beispielsweise mit Grapefruitsaft geshaked und auf Crushed Ice serviert wird. In Trader Vics „Bartender´s Guide“ von 1947 findet sich der Floridita ganze vier Mal und das jeweils auf Zitronenbasis anstelle der üblichen Limetten beim Daiquiri. Wie Ted „Dr. Cocktail“ Haigh zu berichten weis handelt es sich dabei allerdings um einen Übersetzungsfehler. Trader Vic entnahm das Rezept aus einer Quelle in der das kubanische Wort für Limette (limon) als Zitrone (ebenfalls limon) angeben wurde. Das Problem lag in einer verkürzten Schreibform da die Limette korrekterweise „limon verde“ genannt wird. Weiterhin besteht dieses Rezept aus puertoricanischen Rum wird aber geblendet und nicht geshaked. Der Lime-Lemon-Fehler wurde in einer späteren Ausgabe des Buchs aus dem Jahre 1972 ausgebessert und es verschwanden drei der vier Rezepturen – dafür tauchte auch hier plötzlich Grapefruitsaft auf.
Kompliziert? – stimmt!. Aus diesem Grunde wurden die verschiedenen Rezepte einfach nummeriert. So kommt es das die Schuhmanns-Variante als No.4 aufgezählt wird unter Floridita Style Daiquiri. Das Ganze geht sogar soweit das ein Daiquiri ohne Rum gelistet ist! Und nun um die Verwirrung endgültig auf die Höhe zu treiben: Der geblendete Grapefruit-Daiquiri erhielt keiner Nummer da dieser plötzlich als „Ernest Hemingway Spezial“ durchgeht! Macht Sinn oder? Immerhin kann man davon ausgehen das diese, offiziell von der Floridita-Bar ausgehende, Namensänderung darauf deutet das es sich hierbei um den Drink handelt den Ernest zu sich nahm.

La Floridita Daiquiri

6 cl Rum (Havana Club 3)
3 cl Limettensaft
1 cl Zuckersirup
1 cl Maraschino

Alle Zutaten im Mixer auf möglichst kalten Crushed Ice blenden und anschließend in eine Cocktailschale geben. Mit einem Stück Limette und einer Cocktailkirsche garnieren. Für einen Ernest Hemingway Spezial muss lediglich die Hälfte des Limettensaftes durch Grapefruitsaft ersetzt werden.
Bei Drinks sind sehr leicht und extremst erfrischend. Leichter Rumgeschmack mit schön eingebetteten Maraschinonoten. Die Säfte sind geschmacklich kaum auszumachen und reduzieren lediglich die Süße des Likörs und des Sirups. Der Grapefruitsaft macht das Ganze etwas betonter. Happy Birthday Mr. Hemingway!

Freitag, 17. Juli 2009

Muskat


Was wären Drinks, wie der klassische Alexander, ohne einen Hauch von Muskatnuss on top. Meist findet sich diese kleine Finesse in Kombination mit sahne- oder milchhaltigen Mischgetränken wieder. Aber es geht auch in anderen Mixturen wie den Painkiller der nie ohne frisch gerieben Muskatnuss serviert werden sollte. Muskat ist ein Gewürz welches in der Bar in laufe der Zeit fast in Vergessenheit geraten ist. Durchstöbert man manch alte Cocktailbücher sieht man allerdings den regelmäßigen gebrauch der Baumfrucht.
Der Muskatbaum gehört zur Untergruppe der Magnolienartigen Pflanzen welche mit ca. 500 Arten gelistet ist. Den Weg nach Europa fand die Frucht bereits im 11 Jahrhundert durch arabische Händler. Das Verbreitungsgebiet der meisten Arten befindet sich in Südamerika und in Afrika. Der Muskatbaum (Myristica fragrans) gedeiht wunderbar in Indonesien und den kleinen Antillen. Die immergrünen Pflanzen können dabei bis zu 20m groß werden und geschlechtlich getrennt d.h. es gibt sowohl weibliche als auch männliche Bäume. Um den Ertrag einer Plantage gezielt zu erhöhen ist es also wichtig möglichst viele weibliche mit so viel männlichen Bäumen wie nötig anzulegen. Einen guten Ertrag werden diese Plantagen allerdings erst nach ca. 10 Jahren haben wenn die Bäume groß genug sind. Jeweils ein bis drei Nüsse wachsen schließlich in einer Frucht heran welche aufplatzt wenn ihre Samen reif sind (ähnlich einer Kastanie). Die Jahresproduktion liegt dabei bei geschätzten 11.000 Tonnen.
Die Nüsse sind dabei von einem knallroten Mantel umgeben welcher den Samen schützt. Dieser wird von der Muskatnuss getrennt und getrocknet ebenfalls als Gewürz verwendet. Bekannt ist dieses unter dem Namen Macis oder auch fälschlicherweise als Muskatblüte.
Wie bei vielen anderen Gewürzen gilt es auch hier möglichst frische Ware als ganzes Produkt zu kaufen und nicht als fertig gemahlenes Pulver. Dieses verliert zu schnell an Aromen und frische. Muskat besteht dabei größtenteils aus Pflanzenöl, Stärke und 5-13% ätherischem Öl. Aufgrund des hohen Fettanteils ist es möglich ein Muskatöl zu pressen welches in unseren Längengraden allerdings nicht sehr verbreitet ist. Frisch gemahlen verströmt sich der typische würzige und leichtbittere Geruch und Geschmack. Angewendet wird das Gewürz nur in kleinen Mengen aufgrund seiner Stärke und seinen ansonsten ungesunden Nebenwirkungen. Die ätherischen Öle haben teils krebserregende und halozinogene Eigenschaften.
Durch letztere ist es auch möglich die Würzpflanze als Droge zu missbrauchen welche einen meskalin-ähnlichen Rausch hervorrufen kann. Als Droge setzt sich das Ganze allerdings nicht durch da dies nur funktioniert wenn der Konsument genetisch in der Lage ist den Stoff Myristicin in die eigentliche Droge umzuwandeln (das ist bei den wenigsten Menschen der Fall). Auf einen Versuch sollte man es nicht ankommen lassen da die ersten Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit und Kopfschmerzen werden bereits ab einer Menge von 4 Gramm auftreten, was für ein Kleinkind sogar schon tödlich sein kann! Großen Mengen ab 20 Gramm können darüber hinaus zu tagelangen Delirien führen!
Nichts desto trotz gehört die Muskatnuss zu einen meiner Lieblingsgewürzen in der Bar (nebst Zimt und Vanille) und sollte nicht fehlen. Wie schon zu beginn geschrieben sind die Aromen eine perfekte Ergänzung in Cream-Drinks. Erst durch eine Prise Muskat wird ein Milk-Punch trinkenswert. Ebenfalls nicht zu verachten ist das Gewürz in Kombination mit gereiften Spirituosen wie Rum und Brandy. Entwickelt man ein neues Cocktailrezept und sucht noch einen kleinen Kick könnte die Nuss des Muskatbaum genau das richtige sein.

Dienstag, 14. Juli 2009

Rum-Chat mit Ian Burrell


Rum gehört unbestritten zu einer der beliebtesten Zutaten hinter der Bar. Das ist auch kein Wunder bei einer Spirituose deren Geschichte mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit reicht. Rum gehört zur karibischen Kultur wie Bier zu Bayern. Von den höchsten Gebieten Guatemalas bis hin zum kleinsten Dorf in Trinidad ist diese Alkoholika zu finden. Doch wo findet man wirklich authentischen Rum aus der Karibik wie er war und ist? Dieser Frage stellt sich Ian Burell, Mixologist, Rum Ambassador und Veranstalter des UK Rum Festivals an dem morgigen Mittwoch. „Mr. Rum“ wird in einem Live-Videochat Fragen zum flüssigen Lebensgefühl der Südsee entgegennehmen und beantworten.
Wer eine Frage zum Thema Rum hat kann diese noch bis morgen Mittag hier eintrage. Ian beantwortet diese ab 14:00 Uhr Ortszeit live auf dem gleichen Link. Sehr schade das dafür nur eine halbe Stunde eingeplant ist (und ich zur dieser Zeit selbige nicht habe).
Präsentiert wird der Chat von truerum – ein Projekt diverser karibischer Rumerzeuger um ausgewählte Produkte zu präsentieren.

Freitag, 10. Juli 2009

Das Phänomen Sammlung


Es heißt eine Sammlung muss man nicht erklären – das macht man einfach. Der Sinn und Zweck davon bleibt einem Selbst meist verschlossen und jeder hat schon einmal irgendetwas gesammelt. Aus diesem Grunde halte ich niemanden für bekloppt selbst wenn er etwas noch so Sinnloses zusammenträgt wie Kugelschreiber, Teebeutel, Handtaschen, Panzer oder Schrauben (oder Barbücher, oder Shaker , oder Gläser, oder... ;-)
Ich kann mich selbst nicht mehr daran erinnern wie damals meine Havana Club Sammlung angefangen hat. Es muss zur selben Zeit gewesen sein als ich meine Billigst-Spirituosen durch die nächste Stufe ausgetauscht habe und ich eine Leidenschaft für Rum entwickelt habe (also vor langer, langer Zeit – ich glaub ich werde alt) Die Sammlung beschränkte sich dabei lediglich auf gefüllte, und natürlich verschlossene, Flaschen mit alten Etiketten. Täglich wurden Auktionshäuser durchstöbert, immer auf der Suche nach einem HC-Label das sich nur wenig von einem anderen Unterscheidend aber dennoch nicht das Selbe ist.
Erstaunlich ist das ich nicht der Einzige bin. Sammlungen von alten Spirituosen sind nicht außergewöhnlich aber Havana Club ist eine mysteriöse Sparte für sich. Bei Ebay ist es möglich alte und seltene Spirituosen teils für wenige € zu erhalten während eine ältere Flasche des Kubaners rasant in dreistellige Bereiche schießt. Ich kann es mir absolut nicht erklären aber es ist einfach so – immerhin hab ich selbst jahrelang den Preis mit in die Höhe getrieben. Doch irgendwann kam das Ende der Sammlung: Es gab keine Flaschenform zu erstehen die ich noch nicht hatte und wenn doch sind die Preise endgültig zu hoch geworden. Aktuelle liegen diese zwischen 120€ und 180€. Die Sammelleidenschaft für diese Spirituose lies langsam nach und so beschloss ich mich von meinen knappen 50 angehäuften Objekten zu trennen. Dank den schon erwähnten anderen Verrückten bei Ebay stellte sich das als kein großes Problem dar und meine einst vierstellige Ausgabe für die Sammlung kam mit leichtem Gewinn wieder zurück. Umso mehr freut es mich das knapp die Hälfte an einen einzigen Bieter gegangen ist. Ich denke hier sind die Spirituosen gut aufgehoben. Ich wahr mir dem allerdings immer bewusst das ich die Sammlung jederzeit ohne Verlust verkaufen könnte, ansonsten hätte ich nie das Geld investiert – ich sah es als Investition.
Jetzt nachdem die letzten beiden Flaschen zum Verkauf anstehen sind noch drei Weitere vorhanden von denen ich mich doch nicht trennen kann. Zu sehr hab ich mich gefreut wirkliche Raritäten wie den Havana Club Exquisito zu besitzen (ein kubanischer Rum aus frischen Zuckerrohrsaft!)
Man könnte zusammenfassend sagen ich habe mein Geld gegen Rum getauscht um ihn anschließend wieder zu Geld zu machen. Und nun das glorreiche Ende der Geschichte: Ratet mal was ich mit den Einnahmen der Verkäufe gekauft habe? Um das Ganze mit einem Zitat von Oliver Steffens (Trinklaune) zum Thema abzuschließen: „Wir sind schon Wahnsinnige, oder ?“

Dienstag, 7. Juli 2009

Vintage Spirits - Neuauflage


Das Buch „vintage spirits & forgotten cocktails“ dürft zu den besten Cocktailbüchern der letzten Jahre zählen. Alte Rezepte wurden „wieder entdeckt“, etwas angepasst und in diem Werk veröffentlicht mit der jeweiligen Geschichte hinter dem Drink. Das führte dazu, dass das Buch innerhalb relativ kurzer Zeit komplett vergriffen war und teils horrende Preise bei ebay & Co dafür verlangt wurden. Die allgemeine Freude war groß als eine Neuauflage erwähnt wurde. Deren Erscheinungstermin verschob sich immer wieder nach hinten so das meine Vorreservierung bei Amazon nun schon seit Monaten vorherrscht.
Die letzten Tage erreichte mich nun die Erlösende Email: Das Buch ist in den nächsten Wochen versandfertig! Grund zur Freude sind die erweiterten Texte im Buch und die neu hinzugefügten Rezepte. Vor einem guten Monat lies mir der Autor Ted „Dr. Cocktail“ Haigh folgende Mail zukommen in der weiter Informationen zum Buch zu finden sind.

Friends, history buffs, cocktail enthusiasts, creative thinkers...it has been half a decade since Vintage Spirits & Forgotten Cocktails was released, to more fanfare than I could ever have imagined. In two weeks, Vintage Spirits & Forgotten Cocktails, the deluxe, revised & expanded edition, will hit the shelves.
This is a sincere avowal of my belief that the new edition is better than the first. Here are some reasons I think so: There are fully 25% more forgotten recipes to try. The book is over twice as long. (Why 25% more recipes but twice the pages? I'll explain...)
The problem was...the book also had a deadline. While I was very proud of it (and thrilled by the response to it) I was aware - even before it was released - that some of the history was incomplete and less clear than I wished. Cocktails were included for which there was no time to ponder and supply the explanatory text they surely deserved. And, I admit it, there were errors. The book did look good but, as a longtime graphic designer, I knew where its every visual weakness lay. And it was paperback. It would not open and lie flat. This meant copies were quickly trashed attempting to actually use them behind the bar.
I agreed to do this new deluxe edition because I was assured a vast degree of creative control that many authors can only dream of. The result, as I said, is a book twice as long with lots more history and drink explanations (for both the original drinks and the many newly revealed ones as well) but that's only the tip of the Kold-Draft ice cube. This new book is hardcover. The cover is water resistant. The result of a clever binding trick, the book opens to any page and lies flat. The substantial historical research yielded photographs, discoveries, and insights, much of which will be newly revealed.
Time moves on. Thus far, everything I've mentioned is a revision, an extension, and enhancement. The cocktail world has expanded and bloomed into full flower around the globe. The changes over the last critical five years have been extraordinary - and it's all chronicled in the deluxe edition. The resource appendix was entirely rewritten with expanded, up-to-date resources. Most importantly, there is a completely new section of the book looking at the Internet and the effect it has had on the cocktail renaissance we now enjoy. I name the twenty-five most influential online cocktail pioneers, interview them about it, and share their thoughts. There you have it. This is the book I always wanted to do; the best Vintage Spirits & Forgotten Cocktails I am capable of.

Ich kann es kaum erwarten das Werk in meinen Händen zu halten und die neuen Rezepte zu testen. Vintage Spirits ist das erste Buch bei dem ich es geschafft habe jedes Rezept zu mixen. Dieses Buch ist ein absolutes Muss für jeden Cocktailliebhaber!

Freitag, 3. Juli 2009

Licor 43 - Gewinnerrezepte 2009

Hier sind wie versprochen die Gewinnerrezepte der 10. Licor 43 Competition 2009

Gewinner der Hauptkategorie:
Golden Delicious von Markus Heinze

3 cl Licor 43
2 cl Swedish Punch (Forgotten Flavours)
1 cl Calcados (Papidoux XO)
1 BL Goldwasser
1 Selleristange 12cm

Den Sellerie im Shakerglas kräftig muddeln und anschließend mit den restlichen Zutaten auf Eiswürfel shaken. Per doubel strain in einen gekühltes Cocktailspitz abseihen.

Gewinner des "Sonderpreis mit Milch":
Mr. Brown von Michael Heimberg

5 cl Likor 43
1 cl Mozart Black
8 cl Milch
3 Zweige gelber Zitronenthymian á 5 cm
1 gehäufter Bl rote Zwetschgenmarmelade

Den Thymian im Shaker leicht muddeln. Die Restlichen Zutaten hinzugeben und alles kräftig auf Würfeleis shaken. In ein mit Crushed Ice gefülltes Longdrinkglas doubelstrainen und einmal umrühren.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Der Mix mit dem Bier

Die kommenden Tage versprechen dem Sommer alle Ehre zu machen. Temperaturen von über 30 Grad sind für das gesamte Land angekündigt, lediglich von einigen kleinen Gewittern unterbrochen. Die daraus resultierende, hohe Luftfeuchte trägt ihren teil dazu bei das wir mächtig ins Schwitzen kommen. Es bietet sich unter diesen Umständen geradezu an diese Abende und Nächte mit einem Drink im Freien zu verbringen. Doch was ist eine kalte und gemixte Alternative an den heißen Nachmittagen? Cocktails sind meist zu klein und zu stark um hier getrunken zu werden (mit Ausnahme des Gin Tonic- der geht immer!)
Die Antwort auf diese Frage lautet: Biermischgetränke – kalt, leicht alkoholisch, erfrischend und großvolumig. Einige der beliebtesten Varianten möchte ich hier kurz vorstellen. Als Urbayer fallen mir spontan einige Variationen dazu ein.
Ganz vorne in der Liste steh natürlich der Radler (für die Norddeutsche: Alsterwasser). Wer kennt nicht die Mischung aus Bier und Zitronenlimo im Verhältnis 1:1. Dieses Getränk passt fast immer und schon längst ist es fertig im Handel erhältlich. Mein Tipp ist hierbei (jetzt festhalten) das Produkt des Discounters Lidl aus der Kunststoffflasche. Eigentlich als absolutes no-go verbirgt sich hinter dem Polyethylen ein gutes Radler mit unschlagbarem Preis- Leistungsverhältnis.
Ebenfalls beliebt ist die Mischung aus Zitronenlimo und Weißbier, welche ungefähr 1:3 gemischt wird. In meiner Region ist dieses Getränk auch als „Russ“ bekannt. Ähnelt dem Radler ist aber deutlich leichter. Im selben Mischverhältnis entsteht auch der allseits beliebte Cola-Weizen. Eine Kombination die etwas herber aber sehr gefällig daher kommt. Diese Getränkekombination gibt es noch in einer Variante mit Pils anstelle des Weißbieres.
Eine sehr spezielle Biervariante stellt die „Gaiß“ dar – einer meiner Favoriten auch wenn es sich im ersten Augenblick sehr merkwürdig anhört. Man fülle ein 0,5er Bierglas 1/3 mit Cola 2/3 mit Bier und gebe ca. 4cl Kirschlikör hinzu. Es entsteht ein Getränk welches nur schwer zu beschreiben ist. Das Bier wird relativ stark überdeckt und erhält eine ungewöhnliche Fruchtigkeit und Frische. Eine sehr süffige Mischung die zu gefallen weis. Die Gaiß gibt es nebst einer Kirschvariante auch als Cognacvariante, die mich persönlich allerdings nicht überzeugt.
Mischt man nicht selber und setzt auf fertige Produkte heißt es testen. Der Markt ist derart überflutet das einem die Wahl schwer fällt. Als empfehlenswert halte ich Schöfferhofer Grapefruit und Becks Lemon . Gewarnt sei allerdings vor Dingen wie Becks Ice – der Gipfel des schlechten Biermischgetränkes. Die Form der Flasche ist das einzige welches noch an eine Biermischung erinnert. Bevor es soweit kommt ist doch ein normaler Cocktail vorzuziehen.