Samstag, 28. November 2009

The Bitter Truth Elixier


Eigentlich sollte meine geplante Bergtour für dieses Wochenende noch bis morgen andauern aber aufgrund von Schneefall wurde der Rückweg schon früher angetreten als geplant. Erfreulicher und vielversprechender ist dafür eine Email in meinem Postfach, welche das neueste Produkt aus dem mittlerweile namhaften Hause „The Bitter Truth“ ankündigt. In dieser Mail wird das Produkt folgendermaßen beschrieben:
„Bei der Kreation ihrer modernen Klassiker orientieren sich Stephan Berg und Alexander Hauck von der Deutschen Spirituosenmanufaktur »The Bitter Truth« stets am verloren geglaubten Wissen ihrer Vorväter. Den Spuren alter Alchemisten folgend, erscheint nun Ihr »Elixier«, ein Digestif-Likör, der zwar fest in der Tradition alpiner Kräuterliköre verwurzelt ist, jedoch noch viel mehr zu bieten vermag. Genießen Sie Elixier gleich einem süßen Wermut in Aperitif-Cocktails wie dem Manhattan und Negroni oder erleben Sie seine angenehm verdauungsfördernden Eigenschaften nach einem opulenten Mahl. Handverlesene Kräuter und Gewürze verleihen ihm seinen exzellenten Geschmack. Pur, auf Eis oder in Cocktails – die Vielfältigkeit dieses Tonikums ist einfach erstaunlich.“
Damit erweitert TBT sein bisher bestehendes Likörsortiment um eine echte Überraschung. Wer hätte schon gedacht das es ein Kräuterlikör werden wird? Die Vermutung hätte wohl eher auf einen Vermouth gelegen als auf einen Amaro. Typisch edel präsentiert sich Elixier in einer 0,5L-Flasche zu einem Preis von 15 €. Für einen Kräuterlikör befindet sich diese Spirituose in der gehobeneren Preisklasse, was sich aber aufgrund der relativ kleinen Auflage erklären lässt. Ein zu vergleichender Likör dürfte Borkmann sein, welcher noch einen Tick teurer ist. Da von einer hohen Qualität auszugehen ist und es aus kleiner, einheimischen Herstellung stammt spielt der Preis auch nicht die entscheidende Rolle.
Interessant find ich allerdings die Anwendung in einem Manhattan – das Ergebnis müsste ein sehr schmackhafter Digestif sein. Dieser Cocktail kommt auf jeden Fall auf die persönliche „Auf-Jeden-Fall-Probieren-Liste“ In der Email zu Elixier wird dessen Aroma weiterhin mit „…eine wundervoll samtig weiche Textur. Sein Charakter ist sehr komplex mit Kräuternoten von Minze, Myrrhe, und Enzian, aber auch Fruchtaromen wie Zitrone und Rhabarber. Er vereint die karamellige Süße eines Port mit den bitteren Aromen eines klassischen Amaro.“ beschrieben.
Während des Barconvent in Berlin war es mir möglich eine kleine Probe des TBT Elixiers zu probieren. Da dies schon eine Weile her ist wage ich es nicht eine genaue Geschmacksbeschreibung abzugeben aber die erwähnte Samtigkeit und Karamellsüße blieb mir in Erinnerung. Wie andere Amaros bildet eine große Vielzahl von Kräuter ein komplexes Gesamtbild, welches ich nach meinem Geschmacksempfinden in Richtung Averna in Gedanken eingeordnet habe. Aber wie erwähnt sind diese Angaben ohne Gewähr. Ob man das Elixier braucht sein dahingestellt bei den Massen an anderen Kräuterlikören. …aber andererseits haben wir in unseren Bars auch Zuckerrohrbrände ohne Ende stehen und würden auch mit zwei Sorten Rum auskommen…

Freitag, 20. November 2009

Slovak Bar Awards 09 & Europa

Da ich gerade nicht die Zeit finde etwas zu bloggen hier zumindest das aktuellste von unseren Nachbarn aus dem Osten. Gestern wurden in Bratislava die „Slovak Bar Awards 2009“ verliehen mit folgenden Kategorien und Gewinnern.

Best Bartender: Franky Benian, Shake The World, Rambla
Best Bar: Paparazzi, Bratislava
Best Pub: Prazdroj Mostová ul, Bratislava
Best Café: Choco Arden, Bratislava
Best Bar Team: Steps, Trenčín
Best Bar Design: Paladium Nitra
Best Achievement: facebook
Best Night Bar: Fashion Club, Bratislava
Best Bar Manager: Viliam Masný, Jerry's Žilina
Best Bar Menu: Upside down, Bratislava

Immer wieder finden sich solche Nachrichten den Weg in unsere Gefilde doch ansonsten hört man von der dortigen Barszene nicht viel. Es ist fast immer nur die Rede von GSA (Germany, Switzerland, Austria) und England. Doch wo ist der Rest von Europa? Was mixt man in Kroatien oder was füllt man in portugiesische Gläser? Die Barszene wächst und wächst und jeder kann sehen was in den letzten Jahren passiert ist doch geht der Blick nicht all zu weit über den Tellerrand wie mir scheint. Bars und Cocktails sind zumindest überall in Europa anzutreffen doch über die Mixkultur in den meisten Ländern ist so gut wie gar nichts bekannt. Erstklassike Bars in den USA oder Rührtechniken aus Japan hingegen haben ihren Platz in der „alten Welt“ gefunden. Ist es an einer Form von Ignoranz von unserer Seite aus oder geben die anderen nur nichts von sich Preis? Mit Sicherheit gibt es so einiges Interessantes bei unseren Kontinentalpartnern was die Barkultur angeht. Dank dem Medium Internet müsste eine großflächigere Vernetzung ohne größere Probleme machbar sein. Nicht umsonst wurde in den Slovak Bar Awards das Sozialnetzwerk Facebook für seine Leistungen ausgezeichnet, gilt es doch als das Sprachrohr der Bartender international. Vielleicht sollte man unsere Miteuropäer einfach einmal ansprechen und dabei ein gut gekühltes Getränk zu sich nehmen. Hier sind zumindest die passenden Floskeln in den verschiedenen Sprachen…

Sonntag, 15. November 2009

Kleiner Blick in die Zukunft


Geht es euch genau so wie mir? Gerade noch war es der 31.12.1999 und ihr habt ins Millennium hinein gefeiert und nur ein Augenzwinkern später stehen wir nun hier am 15.11.2009. Die Zeit vergeht wie im Fluge und so einiges ist in den letzten Jahren dieses neuen Jahrtausends geschehen – und das nicht nur im Bereich der Bar. Was sich in diesem Kleinod des Genusses in den letzten Jahren getan hat dürfte jedem bekannt sein und muss nicht mehr erwähnt werden. Nun wagt es allerdings ein Mixologe aus Hamburg…, pardon!... ich meinte natürlich ein Bartender aus Hamburg einen Blick in die Zukunft zu werfen bzw. jeder sollte sich seine privaten Gedanken zu diesem spannenden Thema machen. Warum eigentlich nicht?! In Zeiten der Krise ist es nicht immer leicht nach vorne zu schauen (Stichwort: Die Zukunft ist auch nicht das was sie mal wahr) aber ich bin nach wie vor optimistisch eingestellt.
Ein Phänomen, welches sich hoffentlich noch eine Weile halten wird, ist der Drag der Menschen hin zur Qualität und Weg vom Junck Food und miesen Produkten. Frische Zutaten sind gefragter denn je und selbst der höhere Preis von beispielsweise Bioware schreckt kaum noch jemanden ab. Anstelle von zwei Chessburgern für 2 € darf es auch gerne einmal ein gutes Steak für 20€ sein. So auch in der Bar. Anstelle des traurigen 5€-1Liter-Saftcocktails rücken die 12€-Top-Drinks. Diese zwar nicht so oft aber mit mehr Genuss. Es wird Bars geben die sich vermehrt darauf spezialisieren und einen gepflegten Gästekreis haben werden. Im Idealfall dient das alles natürlich auch dem Berufsbild des Bartenders. Und wer weiß ob es nicht doch noch irgendwann ein eigenständiger und unabhängiger Lehrberuf wird wie schon seit so vielen Jahren gefordert. Material gibt es genug um eine Lehre von drei Jahren durchzuführen angefangen bei den diversen Obstsorten bis hin zum richtigen Umgang mit dem Gast. Immerhin wird nächstes Jahr auch der „Buchhändler“ ein Lehrberuf! Wichtiger ist allerdings das man nicht wie in vielen Berufsbereichen durch eine Maschine ersetzt wird. Hier muss man sich meiner Meinung nach aber keine Sorgen machen. Cocktailautomaten wird es zwar geben aber bestimmt nicht in den Bars die sich nur etwas um den Namen „Bar“ kümmern.
Was die Arbeit an sich angeht wird wohl niemand einen Blick in die Zukunft wagen können. Es gibt schon so vieles und dennoch erscheit aus dem nichts heraus immer wieder neues Werkzeug und Techniken. Ich denke hier nur einmal an den Finestrainer oder an den Hard Shake. Vor nur wenigen Jahren hätte unter diesen Begriffen niemand gewusst um was es geht – heute (fast) eine Selbstverständlichkeit. Genau nach demselben Schema dürften neue Zutaten in der Bar zu behandeln sein. Es scheint als gäbe es bereits alles doch dann wird man wieder eines Bessren belehrt. Beispiele hierfür seien St. Germain, Mozart Dry, oder Carpano Antica Formula. Letzterer bildet wiederum eine Sonderform: Das Wiederentdeckte. Dies wird in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch eine nicht unbedeutende Rolle spielen, gerade in der Wiederentdeckung klassischer Rezepturen. Spontan fallen mir Spirituosen ein wie Herkules, Forbidden Fruit Liquer oder Bokers Bitters. Ich wette das Eine oder Andere ist gerade in den Versuchslaboren der Hersteller im Gange.
Aber was hilft schon all die Weissagerei. Machen wir das Beste aus den Zeiten die kommen mögen und lasst uns das Leben einfach genießen wie wir es mit einem anständigen Cocktail machen würden. Das Vergangene ist geschehen aber das was noch vor uns liegt gilt es bewusst zu erleben. In diesem Sinne: "Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen." - Antoine de Saint-Exupéry

Mittwoch, 11. November 2009

Cocktailwelten - Das Original


Wenn ihr diesen Beitrag lest gehe ich davon aus das ihr auf dem Cocktailwelten-Blog seid um das Eine oder Andere aus der Bar zu erfahren. Der Name des Blogs war am Anfang des Projektes sehr schnell gefunden und er schien mir einleuchtend und es kam noch niemand auf diese Idee. Doch nun, über 2,5 Jahre später, kamen tatsächlich irgendwelche Saftpanscher auf die Idee einer Seite ins Netz zu stellen deren Name „ganz zufällig“ fast identisch ist. Bevor ich jetzt fortfahre mit dem Thema und dem Link: Keiner klickt mir irgendetwas auf der dubiosen Seite an um sich jeglichen Ärger zu ersparen!
Helmut Adam machte mich heute auf einen Link aufmerksam unter dem Namen www .cocktails-welten.de. Dahinter steckt nichts anderes als eine Fangseite deren Benutzung bares Geld kosten soll. Klickt man auf diesem Portal etwas an wird man zur Anmeldung gebeten was entsprechende Kosten nach sich zieht. Diverse Fälle dieser Seite sind mittlerweile im Netz bekannt. Umso ärgerlicher ist es das in dem gutefrage.net-Eintrag von den Cocktail-Welten die Rede ist, was wieder auf mich zurückführbar ist aufgrund einer noch stärkeren Ähnlichkeit im Namen. Um eines klarzustellen: Mit den cocktails-welten habe ich absolut nichts am Hut! Zum einen klingt alleine der Name schrecklich und wer mich kennt weis auch das deren „Cocktails Top 10“ nicht von mir sein kann. Wenn es einmal soweit kommt das ich den Long Island Ice Tea zu meinen Favoriten zähle muss mir jemand die Lizenz zum Shaken entziehen. Viel schöner ist zudem die Tatsache das diese Typen nicht zum ersten Mal auffallen! Bereits vor über einem Jahr gab es die gleiche Masche wie einst Mixology berichtete! Sollte irgendjemand Post von den cocktails-welten bekomme mit der frechen Aufforderung deren Nutzungsendgeld zu bezahlen: Auf keinen Fall! Den Brief einfach ignorieren. Es ist unglaublich wie lange es diese betrügerische Art der Geldmacherei in den Weiten des Internets schon gibt. Es scheint sich ja zu rentieren sonst würde es diese Seiten nicht geben.
Auch in Zukunft heißt es also aufpassen worauf man klickt. Dennoch viel Spaß im Netz wünschen euch die Cocktailwelten.- Das Original, ohne „s“ und Bindestrich im Namen und wie immer kostenlos.

Freitag, 6. November 2009

Markenrivalität

Welch freche Werbung gegenüber einem Konkurenzprodukt ;-)



Dienstag, 3. November 2009

Die Geschichte vom Glas


Viele Dinge wurden in den letzten Jahren besprochen was das Bartending angeht. Von alten Spirituosen über noch ältere Cocktailrezepturen bis hin zur Eisherstellung im Laufe der Zeit wurde schon vieles Erwähnt und Besprochen. Dennoch gibt es ein Thema, welches noch nie im Bereich der Bar wirklich erwähnt wurde, obwohl jeder tagtäglich damit hantiert. Die Rede ist von den transparenten Material in dem sich unsere flüssigen Schätze befinden und später das fertige Mischgetränk. Seit mehreren Jahrtausenden kennen wir Glas und nicht nur in der Bar ist die Menschheit heutzutage absolut Abhängig von dieser mysteriösen Keramik.
Wenn man so will entstand das erste Glas des Planeten bereits vor geschätzten 30 Millionen Jahren. Ein Meteorit schlug in eine Wüste ein und schmolz den dortigen Quarzsand zu Glas. Weitere natürlich vorkommende Gläser sind Fulgurit (wenn ein Blitz in Sand einschlägt) sowie Obsidian, das Glas aus den Vulkanen. Eine weitere Rarität ist Trinitit, Glas das beim zünden von Atombomben entstehen kann.
Doch zurück zur Geschichte des Glases: Vor geschätzten 4000 Jahren geschah es im damaligen Mesopotamien einige Männer ein Feuer auf Sand entfachten und dieses mit salzhaltigen Pflanzen am brennen hielten. Diese verbrannten zu natriumkarbonathaltiger (sodahaltiger) Asche und verbanden sich mit dem heißen Siliziumdioxid des Quarzsandes. Werden diese Stoffe erwähnt bricht zunächst die Kristallstruktur des Quarzes auf und das Soda verhindert eine erneute kristalline Ausrichtung nach der Abkühlung. Es entsteht Glas! Dies ist aber noch nicht mit dem heutigen Material zu vergleichen. So ist dieses antike Glas beispielsweise nicht transparent. Die Menschen von damals erkannten den Einsatz diese merkwürdigen Material und verfeinerten die Technik zur Herstellung. Diese verbreitet sich in den nächsten Jahrhunderten über Ägypten nach Griechenland bis hin nach Italien wo es zu einer enormen Weiterentwicklung kam. Römische Glasmacher schufen nicht nur zum ersten Mal durchsichtiges Glas sondern entwickeln auch die Technik der Glasbläserei. Plötzlich konnte man das Material in allen möglichen Formen bearbeiten. Fensterscheiben, Vasen und Trinkgefäße sind es schlussendlich die den Siegeszug des neuen Materials vorantreiben. Farben entstehen durch die Beigabe diverser Metalle, so sorgt Kupfer zum Beispiel für ein grünes Glas. Dieser Glasboom sorgte im mittelalterlichen Europa auch für die Abholzung riesiger Wälder, da mit dem Holz zum einen Soda produziert, zum andern die Brennöfen beheizt wurden.
Doch das Herz dieser Industrie blieb immer in Italien auch wenn dies von Rom nach Venedig wanderte. Noch heute ist die Insel Murano bekannt für seine Glaswaren. Während der Renaissance um das Jahr 1450 entstand hier das beste Glas weltweit. Dort lebten die besten Glasbläser, es entstand ein Glas so rein wie wir es heute kennen, große Scheiben waren nun möglich indem ein geblasenes Rohr einfach aufgeschnitten und aufgeklappt wurde und die ersten Spiegel wurden hergestellt mittels einer feinen Metallschicht. Fast 150 Jahre später wurde Glas auch für die Wissenschaft interessant durch das gezielte schleifen von Linsen. Optische Werkzeuge entstanden, sei es für den Blick in die Ferne mit Teleskopen oder der Blick in das kleine mit Mikroskopen. Wo währe die Menschheit heute nur ohne dieses großartige Material? Und ich denke selbst jetzt lesen viele diesen Bericht von der Scheibe eines Monitors ab, welcher zuvor über eine Glasfaserleitung von mir zu euch gelangt ist, welches vielleicht durch ein gläsernes Solarpanel mit Energie versorgt wird… Im Idealfall habt ihr dabei natürlich einen kalten Drink in einem Trinkglas vor euch stehen, dessen Grundidee noch aus der Römerzeit stammt. Als das Glas transparent wurde kamen Weingläser in Mode das es nun möglich war die Farbe des Getränkes zu sehen. Der älteste Becher aus Glas ist jedoch bedeutend älter und stammt aus der Zeit von Pharao Thutmosis III aus Ägypten welcher vor knapp 3500 Jahren sein Land regierte. Ihm haben wir auch die erste Verbreitung des Glases zu verdanken da er das Wissen um die kunstvolle Herstellung im Krieg erbeuten konnte.
In Bar ist Glas natürlich ebenfalls unentbehrbar und sei es nur in Form von Flaschen und Trinkgefäßen. Immer wieder taucht die Frage auf nach den richtigen Gläsern hinter der Bar. Welche Formen braucht man und welche nicht und vor allem wie viele? Das soll aber das Thema in einem zukünftigern Beitrag werden. Bis dahin heißt es Gläser füllen, putzen und polieren.