Dienstag, 26. Januar 2010

Barkultour 2010 - Ein Résumé

Zurück aus Stuttgart und einigermaßen erholt von dieser 18-stündigen Tour dürfte ich fit genug sein um ein erstes kleines Résumé zu schreiben, auch wenn ich nur den ersten Messetag miterleben konnte. Pünktlich zur Eröffnung um zehn Uhr morgens konnte ich mich glücklich schätzen der erste Besucher dieser kleinen Messe zu sein – und das ist in mehreren Punkten wortwörtlich zu nehmen.

Es herrschten noch überall hektische Aufbauarbeiten und keine weiteren Besucher waren in Sichtweite. Dieser leere Zustand sollte sich erst gegen 14 Uhr ändern. Die kleine Ausstellungsfläche konnte in diesem Zeitraum genauestens in Augenschein genommen werden aber eine Umrundung währe selbst bei einem größeren Andrang in einer Minuten erledigt gewesen. Neben den üblichen Verdächtigen (Haromex, Borco, Diageo, Pernod Ricard) stellten vor allem kleinere Spirituosenhersteller ihre Produkte aus. Anbei gesellten sich noch diverse Anbieter der Gastronomie für Arbeitskleidung, Möbel und Küchenausstattung. Schade das auch so einige Stände vorhanden waren die ich nicht direkt in den Bereich einer Barmesse einordnen würde: Eine Werbeagentur, ein „Anbieter interaktiver Trommel-Events“, ein „Raumbeduftungssystem“ oder auch ein Radiosender.
Wie auch schon bei diversen anderen Barmessen setzt auch die Barkultour auf ein gemischtes Rahmenprogramm aus Vorträgen und Tastings neben der eigentlichen Ausstellung. Die Vorträge sind allerdings noch stark verbesserungswürdig. Hierbei handelte es sich vor allem um Werbebeiträge der einzelnen Redner zu ihrem Auftragsgeber. So erfuhr man unter dem viel versprechenden Thema „Genuss mit Verantwortung“ lediglich was ein Importeur in diesem Bereich so alles treibt oder bekam Infos wie toll es doch ist als Bartender auf einem bekannten Kreuzfahrtschiff zu arbeiten. Lediglich der Spirituosenvortrag von Jürgen Deibel scheint werbeneutral gewesen zu sein, welchen ich aber leider nicht beiwohnen konnte wegen eines Tastings.
Die Tastings hingegen konnte jeden Besucher überzeugen. Schade das der Tastingbereich oft vom Lärm der anderen Bereiche gestört wurde. Einige Vorhänge an den offenen Fenstern zum Ausstellerbereich hätte hier wunder gewirkt. Nichts desto trotz wurden die Verkostungen professionell von den jeweiligen Profis erläutert und von den Herstellern kommentiert. So wurden dem interessierten Besucher unter anderem die Produkte aus dem Hause Monin, Ron Zacapa oder Glenlivet näher gebracht. Letztere überraschten die Besucher mit einer Verkostungsreihen von Glenlivet-Wasser bis hin zur höchsten Altersstufe für ihren Whisky. Auch an dem heutigen Dienstag sei ein Besuch bei dem Tasting für Pisco und Suntory Whisky absolut empfehlenswert!
Neben den üblichen Produkten gab es auch die eine oder andere Neuerung zu erblicken. So konnte am Stand von Haromex ein neuer Rum namens Dictador verkostet werden. Nach einer 20-jährigen Reifezeit wird dieser kolumbianische Tropfen zum Verkauf abgefüllt und erinnert Geschmacklich an eine Mischung aus Ron Zacapa 23 und Ron Diplomático 12. Ein genaues Verkaufsdatum ist noch nicht bekannt. Erstmalig wurde auf der Barkultour auch ein neuer Gin aus Deutschland vorgestellt: Der Monkey 47. Die Destillerie setzt bei ihrem „Schwarzwald Dry Gin“ nebst den klassischen Botanicals auch einheimische Kräuter und Gewürze ein, welche typisch für ihre Region sind. So findet man in dem Brand aus 47 Zutaten und 47% Volumenalkohol unter anderem die Aromen von Schlehen, Fichtensprossen und Preiselbeeren. In der Nase zunächst fruchtig und frisch schlägt das Produkt mit einer fast aufdringlichen floralen Note und einer leichten Schärfe auf der Zunge ein. Seine Stärken zeigt dieser Gin erst im Zusammenspiel mit Tonicwater auf. Erhältlich ist der Brand voraussichtlich ab Anfang Mai. Eine ausführliche Verkostungsnotiz wird es dazu gesondert hier im Blog geben. Auch die beiden Münchner der Dukes Destillerie konnten ein neues Produkt vorstellen. „Max und Daniele´s Ingwer Liqueur“ ist eine Kombination aus einem selbst angesetzten Ingwermazerat, karibischen Rum, Zucker und Zuckercouleur. Die ausgewogene Süße harmonisiert elegant mit dem Geschmack der asiatischen Wurzel und deren unverwechselbaren Schärfe, welche von Anfang an präsent bis in den Abgang hineinreicht – für mich eines der schönsten Ingwerprodukte. Der Liqueur ist ab sofort im ausgesuchten Fachhandel erhältlich.
Aber wichtiger als all das bisher geschriebene an einer solchen Messe ist die Kommunikation zwischen den Besuchern und den Ausstellern. Vor allem Bartender aus dem südlichen Deutschland scheuten den Weg in die badenwürttenbergische Hauptstadt nicht. Schade das sich nur wenige Berliner und keine Hamburger sehen ließen – vielleicht beim nächsten Mal. Die Barkultour ist eine Messe auf den richtigen Pfaden. Nach kleineren Startschwierigkeiten und weiteren Dingen die bis zum nächsten Jahr einer Verbesserung bedürfen ist hier definitiv großes Potenzial vorhanden. Ich für meinen Teil werde die Chance auf den nächsten Besuch mit dem größten Vergnügen nutzen – es muss nicht immer London, Paris oder Berlin sein…

Kommentare:

  1. Christian,

    wie schon an anderer Stelle geschrieben: Das Programm, leider erst extrem kurzfristig bereitgestellt, ließ keine "Richtung" der Messe erkennen. Vorträge von PR Mitarbeitern, Radiosendern etc sowie reine Brand Tastings gaben von den Veranstaltern her kein eindeutiges Signal und noch weniger den Anreiz, die Zeit und Kosten zu investieren.

    Ein Zusammentreffen vieler Kollegen allein ist natürlich oft eine Reise wert. Allerdings, wie du selber schreibst: Es gibt mittlerweile nicht mehr nur eine Messe, sondern stetig mehr - sodas es mittlerweile in meinen Augen keinen Sinn mehr macht, alle zu besuchen. Ich persönliche bevorzuge bei knapper Zeit derzeit durchaus London, Paris und auch den BCB (die Barzone ist nicht mein Fall...) da diese Messen derzeit mit einem fantastischem Programm aufwarten.

    Das war in Stuttgart anscheinend in diesem Jahr nicht nicht gegeben. Und sollte das im nächsten Jahr anders sein, mag man sich angesprochen fühlen.

    Am Ende des Tages entscheiden die von Dir erwähnten Üblichen Verdächtigen über das nächste mal. Denn nur wenn die bekannten Großen erneut Geld in die Hand nehemn und eine weitere Messe finanzieren, denke ich ist eine solche Veranstaltung erst machbar. Ob die wirklich bereit sind, die Kosten einer dritten Messe ins jährliche Budget wird sich zeigen. Man darf gespannt sein. Was der Messe komplett fehlt, ist eine Positionierung und eine Aussage. Aber was ja noch nicht ist, kann ja noch werden...

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  2. Ich fand den Barconvent wirklich gut dies Jahr!

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  3. Na ja der Barconvent war schon ganz interessant aber hätte natürlich auch besser sein können!

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