Donnerstag, 7. Januar 2010

Der Blue Blazer


Laut den Meteorologen ist dieser Winter einer der härtesten der vergangenen Jahre. Die kalte Jahreszeit hält uns fest im Griff und wird uns so schnell nicht wieder loslassen. Wenn es nur irgendwie möglich ist sollte man daher die eigenen vier Wände nicht verlassen und sich lieber bei ruhiger Musik und einem warmen Getränk entspannen. Was würde in diesem Fall besser passen als eines der ältesten warmen Mischgetränke überhaupt? Jerry Thomas, Urvater der Bar, und der Erfinder dieses Drinks, machte sich mit Ihm einen Namen und nun erlebt dieses Getränk geradezu seine Renaissance. Gemeint ist nichts anderes als der blauzüngelnde und bernsteinfarbene Blue Blazer Cocktail.
Der Legende nach entstand dieser Drink als ein Goldgräber in Jerrys Bar kam und nach einem Drink verlangte welcher das „Höllenfeuer“ in im ausbrechen ließe. Jerry schickte den Mann weg und er solle in einer Stunde nochmals kommen. Bis dahin habe der Professor, wie Jerry auch genannt wird, einen Cocktail für ihn entworfen. Als dieser nach einer Stunde wieder in die Bar kam waren alle Leute schon auf das Ergebnis gespannt. Der Bartender vermischte heißes Wasser mit Scotch, entzündete die Mischung und warf sie brennend regelrecht zwischen zwei Bechern hin und her „whit a rapidity and dexterity that were well night unbelievable“, so die Geschichte. Alle Zuschauer waren hellauf begeistert und der Drink wurde alsbald überall bekannt… Ob man diese Geschichte nun glaubt oder nicht sei jedem selbst überlassen. Fakt ist auf jeden Fall das man diese Aktion durchaus als ersten Ansatz von Flairtending zählen lassen kann. Immerhin ist die Rezeptur für den Blue Blazer schon in Jerry Thomas´ 1862 erschienenen Cocktailbuch „The Bartenders Guide“ aufgeführt. Erfunden wurde der Blue Blazer schätzungsweise in den 1850ern und seine Popularität hielt bis in die 70er des selbigen Jahrhunderts an. Wie so viele Cocktailrezepte verlor sich auch dieses im Strudel der Zeit und wurde erst langsam wieder entdeckt. Immerhin schreckt auch die Zubereitung beim ersten Blick ab und ganz ungefährlich ist das Spiel mit dem Feuer auch nicht.
In der Originalrezeptur werden zunächst zwei Metallkrüge verlangt. Einen davon füllt man mit 6 cl Scotch Whisky sowie 6 cl kochendem Wasser und füge einen Teelöffel Zucker hinzu. Als nächstes wird die Flüssigkeit in Brand gesetzt und vier bis fünf Mal im hohen Bogen zwischen den Krügen hin und her geschüttet sodass ein Feuerstrahl entsteht. Gelöscht wird der Drink in einem Glas serviert, welches mit einer Zitronenschale dekoriert wird.
Ich für meinen teil bereite das Ganze ein wenig anderst zu: Zum einen ersetze ich die Krüge durch Mokkakänchen bzw. Milchaufschäumbecher (die heißen wirklich so!) aus rostfreien Stahl. Diese haben den Vorteil einen langen griff zu besitzen. Geht doch einmal ein Tropfen am Becher vorbei verbrennt man sich somit nicht gleich die Hand. Des Weiteren ersetze ich den Scotch durch Bourbon da mir dieser geschmacklich deutlich besser gefällt in diesem Cocktail. Dabei ist auf einem möglichst hohen Alkoholgehalt der Spirituose zu acht da diese sonst nicht brennen wird. Empfehlenswert sind zum Beispiel Blantons Gold Edition oder auch Booker´s Cask Strength. Bevor ich diesen aber brauche bereite ich das Gästeglas vor. In dieses gebe ich zunächst einen Teelöffel Puderzucker (da sich dieser später schneller auflöst), den Teelöffel sowie eine Limettenzeste. Nun befülle ich eines der Metallkännchen mit 6cl Whisky sowie 4cl kochendem Wasser. Die Wassertemperatur ist entscheiden dafür das sich das Gemisch entzünden lässt. Einige Male zwischen den Bechern hin und her gegossen lösche ich das Ganze ab und fülle den Drink in das vorbereitete Glas. Nochmals kurz umgerührt kann der Blue Blazer serviert werden.
Achtung: Es ist unabdingbar das Ihr beim Nachmixen das Umschütten zuvor mit kaltem Wasser übt. Nur all zu schnell verbrennt man sich bei dieser, zugegeben spektakulären Aktion, die Hände. Auch sollte man diesen Drink nach Möglichkeit über einem feuerfesten Boden zubereiten – nicht das ich die Tage eine Beschwerde wegen einem verbrannten Teppich bekomme…
Für mich ist der Blue Blazer der ultimative warme Cocktail. Er beeindruckt die Gäste, er ist ein echter Klassiker und er schmeckt auch noch höllisch gut! Dazu kommt noch die eigene Kreativität. Eine Orangenzeste anstelle der Limettenschale ergibt sofort ein ganz anderes Geschmacksbild. Ein Rum anstelle des Whiskys – warum nicht! Weniger Zucker und dafür einige Tropfen Orgeat könnte ich mir auch als sehr schmackhaft vorstellen. Zum veranschaulichen kann ich an dieser Stelle noch ein Video von David Wondrich empfehlen in dem man das geschriebene nochmals Revue passieren lassen kann.

Kommentare:

  1. Hi, ich wüsste gerne wo du die Kännchen her hast. Schöner Artikel übrigens!

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  2. Ich habe meine vom örtlichen WMF 10€/Stück ; Sollte man aber in jedem Haushaltswarenladen bekommen.

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  3. Meinst du Wild Turky Rye(50,5%) tut's auch?

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  4. Das klingt schon sehr gut! Kann ich es aber selber schaffen? Bin schon mal gespannt:)

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