Freitag, 5. März 2010

Filmriss


Sieht man sich einmal in der großen Film- und Fernsehlandschaft um fällt einem bestimmt der regelmäßige Konsum diverser Spirituosen und Cocktails auf der Leinwand auf. Das führt in regelmäßigen Abständen dazu das ein gewisses Cocktailinteresse in der breiten Bevölkerung geweckt wird. Ein Whisky on the Rocks fällt hier schon gar nicht mehr auf da dieses Getränk zu den Standards gehört wenn es um den schnellen alkoholischen Genuß geht. Als Beispiel sei an dieser Stelle der grandios Film Pulp Fiction von Quentin Tarantino erwähnt. Als Vincent Vega auf Mia Wallace warten musste griff dieser beherzt in der Hausbar zum Tumbler, zum Eis und zum Whisky als wäre dies das normalste der Welt um sich die zeit zu vertreiben. Quentin Tarantino, selbst leidenschaftlicher Bargänger, hegt in seinen Filmen im allgemeinen eine enge Beziehung zu Spirituosen. So ist im Hintergrund schon einmal eine deutliches Werbeplakat zu entdecken, ein Kräuterlikör wird namentlich genannt und aufs höchste gelobt oder ein Markenchampagner wird schärfer im Bild gezeigt als die Schauspieler. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmemachern vermute ich aber das es sich hier in erster Linie nicht um Marketing sondern wirklich um die Leidenschaft des Regisseurs handelt.
Interessant wird das Ganze wenn Drinks mit ins Spiel kommen. Die meisten Leute kennen keine Cocktails beim Namen und wenn dann ist das meist auf einen Film zurückzuführen. Der White Russian wird beispielsweise meist in Verbindung mit "The Dude" aus Joel Coens "The Big Lebowski" genannt. Wann immer möglich greift in diesem Film Jeff Bridges zum Kahlua und mischt sich sein Lieblingsgetränk. Das aktuellste Beispiel eines filmischen Cocktails dürfte aus der Serie "Sex and the City" stammen. Auch wenn ich den Namen des Cocktails noch nicht erwähnt habe dürfte jedem klar sein welcher gemeint ist - natürlich der Cosmopolitan. Ein kaum bekannter Drink wurde schlagartig zum Bestseller und stand plötzlich weltweit auf den Barmenüs. Und wer hat noch nie den Ausspruch "Geschüttelt, nicht gerührt." gehört und denkt sofort an Martinis und James Bond? Der britische Spion scheint zudem eine enorme Liebe zum alkoholischen Getränk entwickelt zu haben. Der geshakte Martini wird auch gerne einmal ersetzt durch Dom Perignon Champagner der besten Jahrgänge oder sonstige kostspielige Prestige-Getränke. In einem der Filme, ich kann nicht mehr sagen welcher das war, bekam 007 ein Glas eines Brandys serviert. Nach dem ersten Schluck vermochte es der Spion nebst Herkunft und Lagerdauer sogar das Destillationsjahr zu nennen - damit ist Bond der beste Connaisseur dieses Planeten.
Cocktails und Spirituosen in Filmen werden zudem gerne als Statussymbol benutzt. Reichtum und Luxus wird meist durch Champagner verkörpert während junge, aufstrebende Yuppie-Anwälte aus Großstädten nichts lieber trinken als einen ordentlichen Dry Martini. Dies ist durchaus förderlich für die Barkultur! Ohne fiktive Gestalten wie James Bond wäre ein Drink wie der Dry Martini niemals so erfolgreich, entspricht dieser doch in keinster Weise dem Geschmacksprofil der meisten Personen. Ob es mir nun passt oder nicht ist dieses Profil meist durch Mischgetränke geprägt wie man sie im Film "Cocktail" mit Tom Cruise finden kann - süß, bunt und mit einem kleinen Schirmchen verziert...
Unter diesen Umständen kann man nur hoffen das demnächst ein monumentales Meisterwerk der Filmgeschichte entsteht, in dem die Hauptdarsteller, die besten Szenen, mit einem Manhattan oder einem Pisco Sour in der Hand abdrehen. Bis es soweit ist zappe ich munter weiter durch das Tagesprogramm und kann der Handlung nicht folgen da ich lieber die gesichteten Spirituosen im Hintergrund in Augenschein nehme - wenn diese nur nicht immer so unscharf gezeigt würden - cut!

Kommentare:

  1. endlich mal jemand der die selben Probleme hat wie ich ;-)

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  2. Bemerkenswert beim White Russian finde ich außerdem, dass seit dem Film alle Welt davon ausgeht, dass "der White Russian" zu gleichen Teilen Vodka, Kahlua und Milch im Tumbler auf Eis zusammengeschüttet wird.
    Dass viele Rezepte vor dem Film vorsahen, Vodka und Kahlua auf Eis zu verrühren, ins Martiniglas abzuseihen und mit leicht aufgeschlagener Sahneschicht abzurunden, löste bei vielen Leuten, die den Drink "lediglich" aus dem Film kannten, Verwunderung oder sogar Ablehnung aus.

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  3. auch Bemerkenswert in seinem Film Kill Bill 2 hatten sie reichlich Margarithas im Mixer gemacht und aus riesigen Margarithagläser getrunken. Toller Film übrigens
    :-)

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  4. Der White Russian ist mein persönlicher Cocktailfavorit. Auch als Black Russian unwiderstehlich. Ein gelungener Filmabend "Big Lebowski" und 1, 2 ... White Russian dazu. Mit ungesüßter, handgeschlagener Sahne und etwas weniger Kahlua schmeckt er mir am besten, dazu noch etwas Kakaopulver auf den weißen Sahneberg und fertig ist das Meisterwerk.

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