Donnerstag, 8. April 2010

The Bitter Truth Creole Bitters


The Bitter Truth hat wieder einmal zugeschlagen und erweitert ihr bisheriges Portfolio an Cocktail-Bitters um ein weiteres Produkt. Nachdem sämtliche Standartbitters wie Orange und Aromatic schon durch außergewöhnliche Produkte wie Sellerie oder Schokolade ergänzt wurden (von den Sondereditionen ganz zu schweigen) geht die Richtung nun wieder zu den klassischen Aromen. Seit einigen Wochen ist dieses Produkt nun bekannt, aber erst seit wenigen Tagen ist es offiziell in Europa erhältlich: Der Creole Bitters. Wie der Name schön verrät orientiert sich das Cocktailgewürz an die karibisch-amerikanische Küche oder besser gesagt an deren Aromen. Was sich auf den ersten Blick wieder sehr kreativ anhört ist aber ein alter Hut. Vor ca. 180 Jahren kreierte der (kreolische) Apotheker Antoine Amédée Peychaud einen gleichnamigen Bitter den wir noch heute unter diesen Namen kennen. Und in der Tat ist der Creole Bitters nichts anderes als ein Angriff auf diesen alten Klassiker. Ob der König vom Thron gestoßen werden kann gilt es herauszufinden.
Das Etikett im typischen TBT-Design ist mit Blumen und Ornamenten verziert wie man sie simpler auch auf der Peychaud-Flasche findet. Selbst der rote Farbton der Label ist bei beiden Bitters fast identisch. Die neue 200ml-Flasche von TBT ist dafür deutlich hübscher anzusehen als die 148ml des Peychauds. Dieser ist dafür auch in einer günstigeren 296ml-Flasche erhältlich. Da Peychauds (ca. 85€/L) aber dennoch erst importiert werden muss geht der Preispunkt definitiv an die beiden Münchner (ca. 65€/L). Doch wichtiger als das äußere Erscheinungsbild der Flasche und deren geringer Preisunterschied sind die inneren Werte.
Das auffälligste Merkmal beider Bitters ist die bonbonrote Farbe die, wie nicht anders zu erwarten, annähernd identisch ist. Erste Unterschiede ergeben sich erst beim Geruch. Peychauds wird untermalt von einer schweren Süße hingegen sich TBT durch eine feine Fenchelnote auszeichnet. Diese Eindrücke sollten sich im Geschmack bestätigen. Während sich der "bittersweet" New Orleans Bitters feinwürzig, fruchtig und floral am Gaumen verteilt schlägt der Münchner gnadenlos zu: Leichte Süße und Fruchtigkeit, stark Bitter, Kräuternoten von Anis, Kümmel und Thymian, erinnert an Hustensaft. Es fällt mir schwer an diesem Punkt noch einen Vergleich der beiden Produkte durchzuführen da es hier zu merklichen Unterschieden kommt.
Ob es noch möglich ist die Bitters Gegenseitig auszutauschen soll der Praxistest beweisen. Hier kommt natürlich nur der Sazerac-Cocktail in Frage. Um die Bitters hervorzuheben verrührte ich für die Drinks 5cl Bourbon und Rye mit ca. 1 cl Zuckersirup. Diese Mischung wurde in zwei mit Eis gefüllten Gläsern verteilt. Anschließend wurden je Glas drei Dash des entsprechenden Bitters beigefügt und alles nochmals verrührt. Der Standart-Drink mit Peychauds konnte mit einer gewissen Frische und Kirscharomen punkten. Im Abgang sind schwache Blumen- und Kräuternoten wahrnehmbar. Der selbe Drink mit Creole Bitters wirkte dagegen deutlich kantiger. Auffallend ist die markante Anisnote in Nase und am Gaumen. Weitere Kräuter wie Kümmel, Thymian und Dill sind zu erschmecken aber dennoch sind auch hier leichte Fruchttöne auszumachen. Der Creole Bitters sollte mit bedacht und deutlich spärlicher eingesetzt werden wie sein Konkurrent. In meiner Sazerac-Variante hätte ein einzelner Dash womöglich schon ausgereicht um den Drink angenehm zu parfümieren. Ich konnte es mir nicht verkneifen auch noch den Pendennis Cocktail zu testen dessen Rezept auf der Rückseite der TBT-Flasche aufgedruckt ist. Auch hier reichen zwei kleine Dashes aus um den Drink eine angenehme Würze zu verleihen ohne jedoch zu aufdringlich zu wirken.
Ich muss zugeben als ich das erste Mal von dem neuen Produkt aus dem Hause Hauk & Berg hörte war ich mehr als skeptisch und blieb dies auch bis zu dem Moment als der Bitters vermixt wurde. Er ist nicht direkt mit dem Peychauds vergleichbar aber eine ernstzunehmender Rivale. Das Produkt konnte mich in den getestet Drinks auf der ganzen Linie überzeugen und bildete in meinen Augen sogar einen besseren Sazerac als der klassische Bitter! Mit der Creole ist ein weiteres tolles Produkt auf den deutschen Markt gekommen das in keiner Bar fehlen sollte! So geteilt man der Meinung sein kann ob man nun Zutaten wie einen Celery-Bitter ect. braucht - dieser Bitter ist ein Must Have und bekommt eine klare Kaufempfehlung! Immerhin bin ich nicht der Einzige mit dieser Meinung. Googelt man ein wenig nach diesem Produkt wird man auf einigen englischsprachigen Seiten schnell fündig. Und heute Abend gibt es nach dem Feierabend als erstes einen Creole-Seelbach-Cocktail...

1 Kommentar:

  1. sehr interessante geschichte. übrigens gefällt mir dein blog sehr gut. hier kann man immer was interessantes finden.

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