Dienstag, 6. Juli 2010

Pierre Ferrand @ Barzirkel München


Was bewegt einen Connaisseur sich auf den Weg nach München zu machen wenn sich ein fußballfreier Tag einschleicht? Natürlich eine weiter Einladung für ein Tasting zusammen mit dem Münchner Barzirkel. (Aber natürlich wäre ich auch nach München gefahren selbst wenn das Endspiel der WM stattgefunden hätte). Immerhin gab es für alle Beteiligten Cognac aus dem Hause Pierre Ferrand. und vieles, vieles mehr.
Kaum im Padres angekommen begannen auch schon die Aufbauarbeiten. Eine Unmenge von mysteriösen Plastikbehältern wurden aufgebahrt, Gläser wurden verteilt und ein Beamer aufgestellt. Nachdem alle 20 Teilnehmer eingetroffen sind ging es nach der offiziellen Begrüßung sofort weiter nach dem mittlerweile obligatorischen Brunch. Passend zum Thema wurde frisches Baguette mit diversen französischen Terrinen und Käse gereicht - sehr angenehm! Im Anschluss stellte uns die charmante Ferrand Markenbotschafterin Claire Bruère die Marke vor und versorgte alle Teilnehmer mit allerhand Informationen zur Herstellung des französischen Weinbrandes. Von den verwendeten Traubensorten bis hin zur richtigen Lagerungen des Produktes blieben bei dem ausführlichen Lichtbildervortrag keine Fragen offen. Voller Spannung ging es nun in den Teil über auf den alle gewartet hatten: Das Tasting. Verkostet wurden fünf Qualitätsstufen welche ich hier nach meinem eigenen Geschmacksempfinden wiedergeben möchte.
Der zehn Jahre gelagerte "Ambre" ist ungewöhnlich sanft und verwöhnt den Gaumen mit einigen Vanillenoten und diversen floralen Einflüssen. Weiter ging es mit dem "Reserve" welcher von vielen Teilnehmern als Favorit der verkosteten Sorten galt. Wieder waren Vanillearomen zu erkennen aber dieses Mal wurden sie von einer starken Toffeenote fast erdrückt. Eine leichte Würzigkeit und Süße sorgt in dieser milden Spirituosen für eine gelungene Komposition. Ich denke das dieser Cognac alsbald Einzug in meine Heimbar finden wird. Die Mitte der Verkostung bildete der "Esprit Des Dieux". Leider sagte mir dieser Brand aufgrund seiner alkoholischen Schärfe und einer leichten Bitterkeit nicht zu. Aromen von Leder, Schwarztee und Tabak konnten darüber hinaus erschmeckt werden. Nach einer kurzen Pause ging es an die Aushängeschilder des Hauses Ferrand. Den Start bildete der 40 Jahre alte "Selection Des Anges". Ein Ausgezeichneter und weicher Cognac mit mehr Aromen als erwartet. Neben den reifungsbedingten Holztönen fanden sich noch Anklänge an Schokolade, Honig und Blüten. Für ein solch altes Produkt eine unerwartet aber sehr positive Erfahrung. In den offiziellen Verkostungsnotizen ist noch von Curry die Rede was man mit etwas Fantasie durchaus nachempfinden kann. Zum Schluss wurde noch eine Flasche "Ancestrale" geöffnet deren Inhalt mindestens 70 Jahre (!) alt ist. Von diesem Produkt werden jährlich nur 300 Flaschen abgefüllt und nach der Selection des Anges waren die Erwartungen hoch. Leider konnten diese (zumindest bei mir) nicht erfüllt werden. Hier traf nun das ein was ich schon bei der letzten Probe erwartet hatte: Holz ohne weitern Tiefgang. Dieser Cognac hatte seine besten Zeit schon hinter sich. Nicht verkostet wurde allerdings die "Cuvée Barzirkel" - ein eigens von Pierre Ferrand geblendeter Cognac für die Mitglieder der Münchner Runde. Dieser Tropfen bleibt diesen vorbehalten (siehe Bild). Der Schriftzug sowie das Logo sind in die Flasche eingraviert und mit goldener Farbe hinterlegt - so sieht ein geiler Auftritt aus!
Nach diesen interessanten Erfahrungen ging es auch gleich weiter im Programm: Ein Blend der verschiedensten Pierre Ferrand Brände bildete die Basis für den "Cognac Bitters". Die Teilnehmer besprachen dazu untereinander welche Botanicals aus "Captain Strainers" vielseitigen Apotheke in Frage kommen würden. So fanden unter anderem Angosturarinde, Kakaoschalen, Eukalyptus, Curacaoschalen, Pfefferkörner und weitere Gewürze den Weg in das Mazerationsglas. ( Noch ein Insinder: Curacaoschalen werden nicht gemahlen und eine Hack-Gewürzmischung wurde auch nicht benutzt ;-)
Um den überaus spaßigen Nachmittag gebührend zu beenden durfte jeder noch einen eigens für diese Veranstaltung, erstellten Drink mit Cognac präsenteren, eher sich die Runde wieder auflöste. Die Kreativität reichte hierbei wieder einmal in alle Richtungen - egal ob ein Kräuterlikör mit Latschenkieferauszug benutzt wurde oder karamellisierte frische Kirschen oder gar Schnittlauch! Leider musste ich etwas früher als sonst gehen und habe deshalb nicht mehr alle Rezepte gesehen. Es hat mich nichts desto trotz gefreut wieder einmal ein Teil dieser Gruppe zu sein - Merci und bis zum nächsten Mal!

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