Samstag, 16. Oktober 2010

"Echtes" Orgeat selbst gemacht

Tiki ist momentan wieder total angesagt. Wenn hier von Tiki gesprochen wird sind auf keinen Fall große, saftverseuchte, bunte Drinks mit viel Obst und Schirmchen gemeint. Ich spreche von stark rumlastigen Cocktails mit den Aromen von exotischen Früchten und Gewürzen. Um eine großen Teil dieser Rezepte zu mixen bedarf es einer ganzen Reihe von Sirupsorten: Maracuja, Vanille, Ananas, Zimt, ect. Wie man einen Gewürz- oder Frucht-Sirup selbst herstellt dürfte den meisten geläufig sein doch wie sieht es aus wenn man Orgeat für einen Mai Tai benötigt? Orgeat ist ein Mandelsirup welcher oft noch durch die Zugabe von diversen Blütenwasser verfeinert wird. Wie man daraus folgern kann handelt es sich also um einen nussig-floralen Sirup der durchaus einen exotischen Touch aufweist. Schon seit längerer Zeit bin ich es satt einen einfachen Mandelsirup von der Industrie für den Mai Tai zu vermixen. Diese so genannten "Mandelsirupe" sind allesamt extrem süß und schmecken nicht nach Mandeln sondern lediglich künstlich und aufdringlich nach Marzipan. Da Orgeat ein Produkt ist das man nicht überall käuflich erwerben kann, es aber einige Rezepte in Büchern dafür gibt, entschloss ich mich diese nach eigenen Gesichtspunkten zu modifizieren und es selbst einmal zu testen.

Mai Tai Orgeat
400 g ganze Mandeln
600 ml Wasser
10 cl weißer Rum
1.5 cl Orangenblütenwasser
0.5 cl Rosenwasser
4 Tropfen Bittermandelaroma
Zucker

Zunächst gilt es den Mandeln die Haut abzuziehen. Diese würde den fertigen Sirup nur bitter und unansehnlich machen. Dazu werden die Mandeln für 1 bis 2 Minuten in kochendes Wasser gegeben. Nun sollte sich die braune Hülle der Mandelkerne einfach abziehen lassen. Die fertig gehäuteten Kerne werden in der Zwischenzeit in einen weiteren Topf mit 600 ml Wasser zum einweichen gegeben.. Ist dieser Schritt vollbracht werden die Mandeln abgesiebt und in einem Blender zu einer körnigen Masse zerkleinert. Wird das ganze zu Fein habt ihr später mehr Schwebstoffe in den Drinks also aufpassen!
Die Mandelmasse kommt nun zurück in den Topf mit dem Wasser und wird kurz erhitzt und umgerührt. Das Ganze darf nun ruhen bis es wieder Zimmertemperatur erreicht hat. Schon jetzt sieht man eine deutliche Weißfärbung durch die Inhaltsstoffe der Mandelkerne welche sich nun freisetzen. Als nächstes wird die Mandelmilch durch ein Küchentuch in einen weitern Topf gegeben. Versucht anschließend mit so viel Kraft wie möglich jegliche Flüssigkeit aus der im Tuch befindlichen Mandelmasse herauszudrücken (bei mir ca. 500 ml).
Die Basis für den Orgeat ist geschafft. Zu der Mandelmilch kommt nun die selbe Menge Zucker, in meinem Beispiel also 500g, die unter leichter Hitzeeinwirkung komplett aufgelöst wird. Nun wird der fast fertige Sirup noch mit den Blütenwasser und dem Bittermandelaroma nach belieben abgeschmeckt. Es ist bestimmt auch möglich bei der Herstellung der Mandelmilch einige frische Bittermandeln beizufügen aber diese standen mir leider nicht zur Verfügung. Um das Aroma weiter auszubauen und die Haltbarkeit des Orgeats zu erhöhen gab ich noch weißen Rum hinzu. Die Kakao-Noten des Matusalem Platino sollten sich hier als passend erweisen.
Das Ergebnis nach all der Mühe ist ein floraler Sirup mit echtem Mandelgeschmack und nur wenig Marzipan! Wichtig ist es den Sirup vor gebrauch gut zu schütteln da sich die Fette und Öle der Mandeln an der Oberfläche des Orgeats absetzen. Der erste Versuch in einem Mai Tai sollte die Mixtauglichkeit unter Beweis stellen. Als Basis des Drinks wurden je 3 cl Appleton Extra und 3 cl Trois Riviéres Réserve Spécial genutzt. Die weiteren Ingredienzien sind 3 cl Limettensaft, 2 cl Triple Sec und 2cl Orgeat. Der Cocktail verströmt einen sanften Geruch nach Mandeln und Zitrusfrüchten. Auf der Zunge ist zunächst der Rum präsent bevor sich dessen Aromen mit denen von Nüssen vereint. Im Abgang entstehen zusätzlich leichte Eindrücke von Orangen, Zitronen und Marzipan.
Fazit: Wie bei fast allen Sirupsorten rentiert sich die Arbeit des Selberkochens auch beim Orgeat. Für den ersten Versuch hat der Sirup meine Erwartungen in fast allen Bereichen übertroffen. Sowohl Pur verkostet wie auch im Drink punktet das eigene Produkt schon jetzt gegenüber der Industrieware. Lediglich das Mandelaroma könnte noch einen kleinen Tick ausgeprägter sein. Vielleicht hilft hier wirklich die Zugabe von frischen Bittermandeln während der Herstellung anstelle des Backaromas. Vielleicht kann es ja der eine oder andere Leser selbst testen und seine Erfahrungen hier in die Kommentare schreiben. Bis dahin genieße ich weiterhin den einen oder anderen leckeren Mai Tai in den eigenen vier Wänden...

Kommentare:

  1. Hab es letztens selbst ausprobiert und bin mehr als begeistert! Kannst du mir noch verraten wie es mit der Haltbarkeit des Produktes ausschaut? Vielen Dank!!!

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  2. Freut mich das es ankommt :-) Ich lagere das Orgeat in einer Glasflasche im Kühlschrank. Hier sollte es sich Monate lang halten. Auch ungekühlt denke ich das eine lange Haltbarkeit garantiert ist. eine genau angabe kann ich leider nicht machen - einfach ausprobieren

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  3. Gibt's schon neue Infos zur Haltbarkeit.. oder habt ihr eh schon alles ausgesoffen ;)?

    Wo bekommt man denn am besten die Wässerchens her?

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  4. So, ich hab mir nun die Wässerchen beim Reformhaus organisiert und das Rezept gleich ausprobiert. Ich muss sagen, das ist schon eine ziemliche Prozedur, die viel aufwändiger war als erwartet. Das Schälen der einzelnen Mandeln, das Rumbröseln und Auswringen des Küchentuchs - hübsche Sauerei hatte ich in der Küche ;)

    Aber die Mühe hat sich gelohnt. Kurz mit dem Barsirup von Riemerschmid verglichen. Wow, unfassbar. Während der gekaufte Sirup zwar deutlich intensiver riecht und auch ausgeprägter schmeckt, ist die selbstgemachte Variante einfach viel viel weicher und letztlich aromatischer. Da merkt man erst, wie künstlich das Industrieprodukt schmeckt.

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  5. Hmm, benutzt Ihr geröstete oder ungeröstete Mandeln?
    Und falls nicht wäre das eventuell bestimmt noch eine Steigerung.

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