Montag, 22. November 2010

Mixology Monday: Forgotten Cocktails

Nachdem der Oktober im allgemeinen ausgefallen ist mit einem Mixology Monday soll es im November wieder wie gewohnt weiter gehen. Der Gastgeber dieser Runde ist Dennis vom sehr lesenswerten Blog Rock & Rye in dem es peimär um klassische Cocktails aller Art geht. Um das Ganze weiterhin auszubauen lautet das Thema in dieser Runde Forgotten Cocktails. Aufgabe ist es einen (alten) Drink vorzustellen welcher in Vergessenheit geriet und nun wieder ins rechte Licht gesetzt werden soll. Wenn ich mich nun um 180 Grad umdrehe, und in Richtung des Bücherregals sehe, bin ich davon überzeugt das sich irgendwo in den dutzenden antiken Büchern ein Rezept finden wird welches den Ansprüchen genügt.
Das Rezept das ich heute vorstellen möchte dürfte wohl eines der ältesten Cocktailrezepte weltweit sein und nennt sich "The Widow´s Kiss". Erstmals erschien die Mixtur in einem Buch von 1895, genauer gesagt im Modern American Drinks von George Kappeler. Fünf Jahre später sollte es auch in der 1900er Version von Harry Johnsons Bartenders Manual zu finden sein. Der Drink scheint sich zur damaligen Zeit einer gewissen Beliebtheit erfreut zu haben da seine Zusammensetzung selbst 30 Jahre später wieder in Harry Craddocks Savoy Cocktail Book zu finden ist. Von dort aus verlieren sich die Spuren im Sand der Zeit und es sollten weitere 75 Jahre vergehen bis dieser Drink wieder in der einen oder anderen Quelle in Erscheinung trat.


The Widow´s Kiss
5 cl Calvados
2 cl Chartreuse
2 cl Benedictine
2 dashes Angostura

Alle Zutaten werden im Shaker auf Eis geshüttelt und in ein Cocktailglas geseiht. Dekoriert wird dieser Drink stielecht mit einer Cocktailkirsche - oder auch zwei ;-) Was beim Anblick dieser Rezeptur sehr auffällig ist die Kombination verschiedenster Kräuterliköre und Bitters. In diesem Drink dürfte sich die Abstammung aus der Apotheke kaum verbergen lassen. Alleine die beiden großen französischen Klosterliköre Benedictine und Chartreuse sprechen hier Bände. Allerdings ist nicht ganz klar ob der Chartreuse in der gelben oder grünen Variante genutzt wurde. In meiner Variante entschied ich mich für den leichteren "Jaune" obwohl man davon ausgehen kann das im Original der stärkere "Verte" eingesetzt wurde.
Das Ergebnis ist ein feinwürizges Getränk das wie geschaffen ist für solche düsteren Herbsttage wie wir sie gerade erleben. Die Zutaten harmonieren nicht nur exzellent miteinander, sie ergeben ein sehr komplexes Gesamtergebnis das sehr gefällig ist. Der Calvados als Basis sorgt für einige fruchtige Nuancen zwischen den vielschichtigen Kräuteraromen. Für meinen Geschmack ist die Mischung nur einen Tick zu süß. Meine Empfehlung lautet daher die Likörmengen etwas zu reduzieren bzw. die Calvadosmenge zu erhöhen. Ein Ausgleich mit etwas Zitrussäure würde dem Drink wohl schaden. Mit einer kleinen Feinabstimmung entpuppt sich im Widow´s Kiss als ein sehr aromatischer Cocktail mit potenzial. Sehr zum Wohle!

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