Dienstag, 26. Januar 2010

Barkultour 2010 - Ein Résumé

Zurück aus Stuttgart und einigermaßen erholt von dieser 18-stündigen Tour dürfte ich fit genug sein um ein erstes kleines Résumé zu schreiben, auch wenn ich nur den ersten Messetag miterleben konnte. Pünktlich zur Eröffnung um zehn Uhr morgens konnte ich mich glücklich schätzen der erste Besucher dieser kleinen Messe zu sein – und das ist in mehreren Punkten wortwörtlich zu nehmen.

Es herrschten noch überall hektische Aufbauarbeiten und keine weiteren Besucher waren in Sichtweite. Dieser leere Zustand sollte sich erst gegen 14 Uhr ändern. Die kleine Ausstellungsfläche konnte in diesem Zeitraum genauestens in Augenschein genommen werden aber eine Umrundung währe selbst bei einem größeren Andrang in einer Minuten erledigt gewesen. Neben den üblichen Verdächtigen (Haromex, Borco, Diageo, Pernod Ricard) stellten vor allem kleinere Spirituosenhersteller ihre Produkte aus. Anbei gesellten sich noch diverse Anbieter der Gastronomie für Arbeitskleidung, Möbel und Küchenausstattung. Schade das auch so einige Stände vorhanden waren die ich nicht direkt in den Bereich einer Barmesse einordnen würde: Eine Werbeagentur, ein „Anbieter interaktiver Trommel-Events“, ein „Raumbeduftungssystem“ oder auch ein Radiosender.
Wie auch schon bei diversen anderen Barmessen setzt auch die Barkultour auf ein gemischtes Rahmenprogramm aus Vorträgen und Tastings neben der eigentlichen Ausstellung. Die Vorträge sind allerdings noch stark verbesserungswürdig. Hierbei handelte es sich vor allem um Werbebeiträge der einzelnen Redner zu ihrem Auftragsgeber. So erfuhr man unter dem viel versprechenden Thema „Genuss mit Verantwortung“ lediglich was ein Importeur in diesem Bereich so alles treibt oder bekam Infos wie toll es doch ist als Bartender auf einem bekannten Kreuzfahrtschiff zu arbeiten. Lediglich der Spirituosenvortrag von Jürgen Deibel scheint werbeneutral gewesen zu sein, welchen ich aber leider nicht beiwohnen konnte wegen eines Tastings.
Die Tastings hingegen konnte jeden Besucher überzeugen. Schade das der Tastingbereich oft vom Lärm der anderen Bereiche gestört wurde. Einige Vorhänge an den offenen Fenstern zum Ausstellerbereich hätte hier wunder gewirkt. Nichts desto trotz wurden die Verkostungen professionell von den jeweiligen Profis erläutert und von den Herstellern kommentiert. So wurden dem interessierten Besucher unter anderem die Produkte aus dem Hause Monin, Ron Zacapa oder Glenlivet näher gebracht. Letztere überraschten die Besucher mit einer Verkostungsreihen von Glenlivet-Wasser bis hin zur höchsten Altersstufe für ihren Whisky. Auch an dem heutigen Dienstag sei ein Besuch bei dem Tasting für Pisco und Suntory Whisky absolut empfehlenswert!
Neben den üblichen Produkten gab es auch die eine oder andere Neuerung zu erblicken. So konnte am Stand von Haromex ein neuer Rum namens Dictador verkostet werden. Nach einer 20-jährigen Reifezeit wird dieser kolumbianische Tropfen zum Verkauf abgefüllt und erinnert Geschmacklich an eine Mischung aus Ron Zacapa 23 und Ron Diplomático 12. Ein genaues Verkaufsdatum ist noch nicht bekannt. Erstmalig wurde auf der Barkultour auch ein neuer Gin aus Deutschland vorgestellt: Der Monkey 47. Die Destillerie setzt bei ihrem „Schwarzwald Dry Gin“ nebst den klassischen Botanicals auch einheimische Kräuter und Gewürze ein, welche typisch für ihre Region sind. So findet man in dem Brand aus 47 Zutaten und 47% Volumenalkohol unter anderem die Aromen von Schlehen, Fichtensprossen und Preiselbeeren. In der Nase zunächst fruchtig und frisch schlägt das Produkt mit einer fast aufdringlichen floralen Note und einer leichten Schärfe auf der Zunge ein. Seine Stärken zeigt dieser Gin erst im Zusammenspiel mit Tonicwater auf. Erhältlich ist der Brand voraussichtlich ab Anfang Mai. Eine ausführliche Verkostungsnotiz wird es dazu gesondert hier im Blog geben. Auch die beiden Münchner der Dukes Destillerie konnten ein neues Produkt vorstellen. „Max und Daniele´s Ingwer Liqueur“ ist eine Kombination aus einem selbst angesetzten Ingwermazerat, karibischen Rum, Zucker und Zuckercouleur. Die ausgewogene Süße harmonisiert elegant mit dem Geschmack der asiatischen Wurzel und deren unverwechselbaren Schärfe, welche von Anfang an präsent bis in den Abgang hineinreicht – für mich eines der schönsten Ingwerprodukte. Der Liqueur ist ab sofort im ausgesuchten Fachhandel erhältlich.
Aber wichtiger als all das bisher geschriebene an einer solchen Messe ist die Kommunikation zwischen den Besuchern und den Ausstellern. Vor allem Bartender aus dem südlichen Deutschland scheuten den Weg in die badenwürttenbergische Hauptstadt nicht. Schade das sich nur wenige Berliner und keine Hamburger sehen ließen – vielleicht beim nächsten Mal. Die Barkultour ist eine Messe auf den richtigen Pfaden. Nach kleineren Startschwierigkeiten und weiteren Dingen die bis zum nächsten Jahr einer Verbesserung bedürfen ist hier definitiv großes Potenzial vorhanden. Ich für meinen Teil werde die Chance auf den nächsten Besuch mit dem größten Vergnügen nutzen – es muss nicht immer London, Paris oder Berlin sein…

Montag, 25. Januar 2010

Mixology Monday: Tea


Wenn diesem Monat noch etwas fehlt dann ist es wohl der erste Mixology Monday des neuen Jahres. Der Januar steht dabei voll und ganz im Zeichen des Tees und wird dabei gehostet von der cocktail virgin slut. Tee ist eines der bekanntesten Getränke des Planeten und findet in der Bar kaum Beachtung. Dazu kommt noch der Missbrauch des Wortes „Tee“. Alles was nichts mit Kaffee am Hut hat und mit heißem Wasser übergossen wird nennt sich hierzulande Tee, auch wenn darin kein einziges Blättchen Tee zu finden ist. Diese Heißgetränke sollte eigentlich Aufgussgetränk heißen aber machen das im Prinzip nirgendwo. Doch was ist Tee überhaupt?
Die Pflanze welche die kostbaren Blätter liefert nennt sich Camellia thea und wird weiterhin unterteilt in die Gattungen thea sinensis und thea assamica. Diese aus China und Indien stammenden Pflanzen würden in der freien Natur, je nach Sorte, zu einem stattlichen Busch oder gar zu einem bis zu zwanzig Meter hohen Baum heranwachsen. Auf den Plantagen werden diese aber bewusst klein gehalten. Zum einen erleichtert das die Ernte, welche immer noch von Hand erledigt wird, und es zwingt die Pflanzen viele neue Triebe hervorzubringen da für gewöhnlich immer nur die ersten Blätter eines jeden Triebes für die Weiterverarbeitung genutzt werden. Nach Europa gelangte der Tee erst vor gut 400 Jahren. Es entstanden daraufhin die ersten großen Handelsrouten zwischen den Niederlanden mit Batavia und Japan sowie England mit China und Indien. Mit der Verbreitung des neuen exotischen Getränkes entstandnen um 1660 die ersten Teehäuser in Europa. Als England im Jahre 1780 ein Importverbot für niederländischen Tee ins eigene Land verhängte (um das konkurrierende Land finanziell damit auszubremsen) legten deren Schiffe kurzerhand in Deutschland an. Bremen, Hamburg und Emden profitierten davon und wuchsen zu den wichtigsten Handelsstädten des Kontinents heran. Die Nachfrage an Tee, welcher bis Dato noch wild wuchs, überstieg bei weitem die Produktion und so wurden in Indien im großen Rahmen Plantagen angelegt was dazu führte das Indien bis heute der größte Impoteur der getrockneten Blätter ist. Weitere technische Verbesserungen in den Manufakturen sorgten dafür das der Nachschub an Tee gesichert wurde bis in die heutige Zeit.
Ich erspare es mir mich weiter in diese Materie einzuarbeiten als es diese kurze Zusammenfassung hier zulässt. Tee ist ein Eigenständiges Fachgebiet welches dem der Spirituosen oder des Weines in nichts nahe steht. Es gibt Connaisseure und Sommeliers, Teesorten werden geblendet wie ein guter Whiskey und wie bei einem Drink ist die richtige Zubereitung entscheidend. Die genaue Aufbrühzeit, die richtige Teekanne und das richtige Glas sind hier entscheidend und ein Teeprofi trinkt diesen natürlich pur ohne Milch, Zitrone oder einem anderen Zusatz. Umso erstaunlicher ist das doch relativ bescheidene Ansehen dieses schönen Getränkes in der Öffentlichkeit. Es hat den ruf ein Oma-Getränk zu sein das man bevorzugt trinkt wenn man krank ist…
Ich persönlich trinke Tee sehr gerne und oute mich hier gleich als Banause. Meine Tees sind allesamt aus dem Supermarkt und auf die Schnelle fällt mir auch kein einziger Cocktail mit Tee ein, den ich hier vorstellen könnte aus Tee mit Rum. Dafür habe ich für mich eine sehr aromatische Variante des Teegenusses gefunden. Dazu wird ein Schwarztee zusammen mit einer Messerspitze von Schuhbecks Arabisches Kaffeegewürz aufgebrüht und mit etwas Milch und Zucker abgeschmeckt. Der Kardamom und das Muskat ergänzen die Aromen des Tees geradezu perfekt und ergeben ein harmonisches und exotisch anmutendes Gesamtbild. Zugegeben ist die Gewürzmischung nicht billig aber sie ist jeden Cent davon wert.
In diesem Sinne lehne ich mich jetzt mit meiner Tasse Gewürz-Tee zurück und bereite mich auf die fahrt zur Barkultour nach Stuttgart vor – Es heißt nicht umsonst abwarten und Tee trinken…

Donnerstag, 21. Januar 2010

Barkultour 2010 in Stuttgart

Ich weis es ist ruhig geworden in den Cocktailwelten aber das ist auch so geplant. Einerseits geht in meinem Job bald die „Saison“ los und ich arbeite schon jeden Tag länger sowie an den Wochenende und andererseits bin ich der Meinung das ich eh schon zu viel Zeit vor dem Monitor verbringe. Nichts desto trotz gibt es noch viele andere Cocktailbezogene Dinge zu erledigen. Einige Mix-Beginner bekommen einen kleinen Einführungskurs und diverse private Cocktailpartys wollen geplant werden. Aber als nächstes führt mich der Weg zunächst in die schöne badenwürtenbergische Hauptstadt Stuttgart und die dort zum ersten Mal stattfindende Bar-Messe Barkultour 2010.
Am 25. und 26. Januar lädt der Veranstalter Dimitrios Lazaridis das geneigte Fachpuplikum in das Römerkastell ein um auf das neuste aus der Barwelt aufmerksam zu machen. Schon seit längerer Zeit ging vor dem Bekanntwerden der Messe ein Gerücht umher das eine solche stattfinden wird. Mit der Barkultour findet nun auch zum ersten Mal eine rein für die Bar geplante Ausstellung im Süden der Republik statt. Auf der offiziellen Seite ist dazu folgendes zu lesen: „Mit der Trend- und Erlebnismesse Barkultour wird die Idee der „American Bar“ wieder aufleben - Qualität statt Quantität! Neue Ideen, die die Sinne verwöhnen und mit Cocktail & Co. sicher Marken-botschaften transportieren – das ist unser Konzept! … Neben den neusten Markentrends werden auch grundlegende Geschäftsphilosophien und Konzepte zum Thema Dienstleistung vorgestellt. Auf 1.500 Quadratmeter Messefläche in charmantem Industrieambiente, mit modernen Glaskomponenten, schaffen wir eine Kommunika-tionsplattform für die Bar-/Club- und Szenegastronomie. Barmäßig soll auch der Umgang sein: Ansprechen Austauschen, Abwickeln. Die erfolgreichen Zutaten für diesen "Cocktail der Sinne" sind neben, Produktinnovationen und Neuheiten, Tastings, Shows, auch Fachvorträge von Profis für Profis.“
Damit geht man in Stuttgart den selben Weg der auch vom Barconvent Berlin beschritten wird. In einer Mischung aus Ausstellung, Vorträgen, Tastings und Kommunikation ist für jeden Interessierten etwas dabei. Neben den üblichen Großimporteuren für Spirituosen sind vor allem kleine Unternehmen sowie diverse Gastro-Aussstatter vor Ort. Wie auch Sascha vom Cocktails Old Fashioned Blog halte ich den Monkey 47 Gin der Blackwodd Destillerie als das interessanteste Produkt – man darf gespannt sein wie sich dieser GSA-Brand gegen den Duke Gin aus München schlagen wird…
Leider ist es mir nur möglich am Montag vor Ort zu sein. Wer die Chance hat sollte schon am Sonntag anreisen um an einer der Pre-Partys in den bars der Stadt teilzunehmen. Während sich, nach meinen Informationen, im Scholz diverse Münchner Bartender ein Stelldichein geben, (kann das jemand bestätigen?) mixen in der o.T. Bar bekannte Bargrößen aus Berlin, Dresden und Stuttgart was die Shaker hergeben. Und als bräuchte es noch einen Anreiz sich auf den Weg in das Römerkastell zu machen gibt es noch den freien Eintritt insofern man sich zuvor online anmeldet. Ich freu mich euch alle in Stuttgart zu treffen um Maultaschen und Spätzle durch Gin und Tonic zu ersetzen.

Sonntag, 10. Januar 2010

Web-News

Wer sich im Internet auf die Suche nach alkoholischen Seiten macht wird immer schneller und leichter fündig. Gerade im deutschsprachigen Raum steigt die Zahl der Schreiberlinge und Interessierten Jahr für Jahr beachtlich an. Bartender und Connaisseure lassen uns regelmäßig an ihren Erfahrungen und Erlebnissen teilnehmen, damit wir nichts verpassen.
An erster Position sei immer noch das Sozialnetzwerk Facebook genannt. Es gibt kaum jemanden aus dem Barbereich der sich hier noch nicht registriert hat. Die Möglichkeit aktuelle Geschehnisse in Sekundenschnelle zu erfahren oder weiterzugeben sind ein Grund für diese Entwicklung. Dazu kommen noch die leichte Bedienbarkeit sowie eine unüberschaubare Anzahl von Sonderfunktionen wie Fotoalben, Umfragen oder Videofunktionen.
Aber auch Blogs sind nach wie vor ein beliebtes Medium zum Austausch von Informationen. Der neuste Vertreter dieser Art ist der Tasting-Blog von Tim Reuber. Seit einiger Zeit ist es im Cocktailforum möglich an diversen Online-Tastings teilzunehmen. Der Veranstalter kauft dabei die nötigen Spirituosen, füllt diese in Probefläschchen um und versendet sie an interessierte Tester. Diese Bewerten nun die Proben mit Punkten und schicken sie an die leitende Person zurück. Die beste Spirituose aus dem Tasting kann nun ermittelt werden. Im Tasting-Blog wird das Ganze auf die Spitze getrieben mit über 20 einzelnen Likörverkostungen mit jeweils 5-10 Proben. Alleine die Auswertung dieser Daten wird voraussichtlich die nächsten sieben Monate in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse werden im besagten Blog aufgelistet sowie an die Industrie und die Sponsoren geschickt, welche ein Tasting in diesem Ausmaß, durch Rabatte und Gratisflaschen, erst ermöglicht haben. Ebenfalls neu ist der Webauftritt des Münchner Barzirkels – ein Zusammenschluss von mehreren Bartendern aus verschiednen Bars der Stadt. Auch hier wird regelmäßig über Neuigkeiten aus der Barwelt geschrieben sowie Tastings organisiert. Nicht zu vergessen sei natürlich der Lantenhammer Cocktail-Cup, welcher ebenfalls von der Münchner Runde organisiert wird. Es ist großartig das sich in immer mehr Städten die Bartender untereinander vernetzen um ihren Beruf und ihrer Leidenschaft nachzugehen. Ein fast unbekannter Blog ist Mija.ch. Diese schweizer Connaisseurseite ist ebenfalls ein Abkömmling aus dem C&D-Forum und berichtet in regelmäßigen Abständen über interessante Themen aus dem kleinen Land in den Alpen.
Eine nicht mehr wegzudenkende Institution ist das Cocktailforum von Cocktails & Dreams, welches alleine in diesem Beitrag nun schon zum dritten Mal erwähnt wird. Das Urgestein der deutschen Barforen ist in die Jahre gekommen und wird aufgrund seines Erfolges in den kommenden Monaten generalüberholt. Eine neue Forensoftware sorgt für einen stabileren und einfacheren Ablauf und neue Funktionen wie ein Chat werden voraussichtlich integriert. Auch die Stammseite C&D bekommt ein neues Layout, die Datenbank wird überarbeitet und ein News- und Blogsystem auf der Startseite könnte bald Wirklichkeit werden. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Alexander Tropmann und dem Onlineshop Barfish als Sponsor dieser Seiten. Ohne diese würde es viele Connaisseure, werdende Bartender und Blogs nicht geben – einschließlich der Cocktailwelten…

Donnerstag, 7. Januar 2010

Der Blue Blazer


Laut den Meteorologen ist dieser Winter einer der härtesten der vergangenen Jahre. Die kalte Jahreszeit hält uns fest im Griff und wird uns so schnell nicht wieder loslassen. Wenn es nur irgendwie möglich ist sollte man daher die eigenen vier Wände nicht verlassen und sich lieber bei ruhiger Musik und einem warmen Getränk entspannen. Was würde in diesem Fall besser passen als eines der ältesten warmen Mischgetränke überhaupt? Jerry Thomas, Urvater der Bar, und der Erfinder dieses Drinks, machte sich mit Ihm einen Namen und nun erlebt dieses Getränk geradezu seine Renaissance. Gemeint ist nichts anderes als der blauzüngelnde und bernsteinfarbene Blue Blazer Cocktail.
Der Legende nach entstand dieser Drink als ein Goldgräber in Jerrys Bar kam und nach einem Drink verlangte welcher das „Höllenfeuer“ in im ausbrechen ließe. Jerry schickte den Mann weg und er solle in einer Stunde nochmals kommen. Bis dahin habe der Professor, wie Jerry auch genannt wird, einen Cocktail für ihn entworfen. Als dieser nach einer Stunde wieder in die Bar kam waren alle Leute schon auf das Ergebnis gespannt. Der Bartender vermischte heißes Wasser mit Scotch, entzündete die Mischung und warf sie brennend regelrecht zwischen zwei Bechern hin und her „whit a rapidity and dexterity that were well night unbelievable“, so die Geschichte. Alle Zuschauer waren hellauf begeistert und der Drink wurde alsbald überall bekannt… Ob man diese Geschichte nun glaubt oder nicht sei jedem selbst überlassen. Fakt ist auf jeden Fall das man diese Aktion durchaus als ersten Ansatz von Flairtending zählen lassen kann. Immerhin ist die Rezeptur für den Blue Blazer schon in Jerry Thomas´ 1862 erschienenen Cocktailbuch „The Bartenders Guide“ aufgeführt. Erfunden wurde der Blue Blazer schätzungsweise in den 1850ern und seine Popularität hielt bis in die 70er des selbigen Jahrhunderts an. Wie so viele Cocktailrezepte verlor sich auch dieses im Strudel der Zeit und wurde erst langsam wieder entdeckt. Immerhin schreckt auch die Zubereitung beim ersten Blick ab und ganz ungefährlich ist das Spiel mit dem Feuer auch nicht.
In der Originalrezeptur werden zunächst zwei Metallkrüge verlangt. Einen davon füllt man mit 6 cl Scotch Whisky sowie 6 cl kochendem Wasser und füge einen Teelöffel Zucker hinzu. Als nächstes wird die Flüssigkeit in Brand gesetzt und vier bis fünf Mal im hohen Bogen zwischen den Krügen hin und her geschüttet sodass ein Feuerstrahl entsteht. Gelöscht wird der Drink in einem Glas serviert, welches mit einer Zitronenschale dekoriert wird.
Ich für meinen teil bereite das Ganze ein wenig anderst zu: Zum einen ersetze ich die Krüge durch Mokkakänchen bzw. Milchaufschäumbecher (die heißen wirklich so!) aus rostfreien Stahl. Diese haben den Vorteil einen langen griff zu besitzen. Geht doch einmal ein Tropfen am Becher vorbei verbrennt man sich somit nicht gleich die Hand. Des Weiteren ersetze ich den Scotch durch Bourbon da mir dieser geschmacklich deutlich besser gefällt in diesem Cocktail. Dabei ist auf einem möglichst hohen Alkoholgehalt der Spirituose zu acht da diese sonst nicht brennen wird. Empfehlenswert sind zum Beispiel Blantons Gold Edition oder auch Booker´s Cask Strength. Bevor ich diesen aber brauche bereite ich das Gästeglas vor. In dieses gebe ich zunächst einen Teelöffel Puderzucker (da sich dieser später schneller auflöst), den Teelöffel sowie eine Limettenzeste. Nun befülle ich eines der Metallkännchen mit 6cl Whisky sowie 4cl kochendem Wasser. Die Wassertemperatur ist entscheiden dafür das sich das Gemisch entzünden lässt. Einige Male zwischen den Bechern hin und her gegossen lösche ich das Ganze ab und fülle den Drink in das vorbereitete Glas. Nochmals kurz umgerührt kann der Blue Blazer serviert werden.
Achtung: Es ist unabdingbar das Ihr beim Nachmixen das Umschütten zuvor mit kaltem Wasser übt. Nur all zu schnell verbrennt man sich bei dieser, zugegeben spektakulären Aktion, die Hände. Auch sollte man diesen Drink nach Möglichkeit über einem feuerfesten Boden zubereiten – nicht das ich die Tage eine Beschwerde wegen einem verbrannten Teppich bekomme…
Für mich ist der Blue Blazer der ultimative warme Cocktail. Er beeindruckt die Gäste, er ist ein echter Klassiker und er schmeckt auch noch höllisch gut! Dazu kommt noch die eigene Kreativität. Eine Orangenzeste anstelle der Limettenschale ergibt sofort ein ganz anderes Geschmacksbild. Ein Rum anstelle des Whiskys – warum nicht! Weniger Zucker und dafür einige Tropfen Orgeat könnte ich mir auch als sehr schmackhaft vorstellen. Zum veranschaulichen kann ich an dieser Stelle noch ein Video von David Wondrich empfehlen in dem man das geschriebene nochmals Revue passieren lassen kann.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Mauro´s Negroni Club

Das neue Jahr fängt bereits vielversprechend an. Die ersten Termine rund um das Thema Bar stehen fest und sind teilweise schon in greifbare Nähe gerückt. Neue Wettbewerbe stehen an und eine erste neue Bar wird ab nächster Woche seine Pforten offiziell öffnen. Die Rede ist von Mauro´s Negroni Club in München, welcher sich momentan in der so genannten Soft-Opening-Phase befindet.

Mit diesem Objekt erfüllte sich der Barbesitzer Mauro Mahjoub den Traum seine eigene Bar in die Tat umzusetzen. Nur wenige Meter von seinem vorherigen Arbeitsplatz (dem Negroni) entfernt ist der Negroni Club bequem über den Ostbahnhof mit der S-Bahn zu erreichen. Nach wenigen Gehminuten steht man unter dem großen, nicht zu übersehenden Schild über dem Eingang. Im Inneren überrascht zunächst die Größe der beiden Gasträume. Trotz der hohen Anzahl der Sitzplätze und Tische kommt man sich niemals beengt vor. Die Wände sind allesamt auf halber Höhe holzvertäfelt und teils mit einer Vielzahl von Bildern und alten Shakern aus Mauros legendärer Sammlung dekoriert. Die dunklen und modernen Möbel ergänzen sich bestens mit den hellen, verzierten Säulen und den Wandleuchtern im Art-Deco-Design, welche die Räume in ein gemütliches Licht tauchen. Der Tresen und der alte Barschrank mit den Spiegeln tragen ihren Teil zum Ambiente bei.
Wie nicht anders zu erwarten ist selbiger natürlich mit einer großen Auswahl an Spirituosen bestückt. Sowohl die Auswahl wie auch die Qualität dieser lässt kaum einen Wunsch offen. Selbiges gilt auch bei der Barkarte. Diese ist unglaublich umfangreich (die Anzahl der Drinks dürfte dreistellig sein) und bietet von jedem etwas. Wer hier keinen passenden Drink findet ist selber schuld. Wie der Name der Bar schon verrät ist der Negroni der Signatur-Drink dieser Bar. Aus diesem Grunde taucht dieser auch in mindestens 15 verschieden Variationen auf! Die restlichen Drinks sind übersichtlich in vielen Kategorien aufgeteilt wie zum Beispiel Pre Dinner, Cuisine Style oder Vintage Cocktails. Der Nachteil dieses enormen Menüs ist allerdings die Übersichtlichkeit. Es bedarf schon seine Zeit um sich alle Kreationen durchzulesen und dann noch eine Entscheidung zu treffen, welcher Drink es denn nun sein darf. Der Preis für ein Mixgetränk liegt im Negroni Club bei acht bis zehn Euro und entspricht dem für München typischen Preisgefüge.

An den getesteten Mai Tai, Basil Daiquiri und der Tommy´s Margarita gab es nichts auszusetzen. Beim Old Fashioned und beim Mint Julep hat mir persönlich jeweils noch ein dash Zucker gefehlt ansonsten konnten auch diese Mischungen überzeugen. Interessant ist der angebotene Brandy Crusta welcher zwar ohne der typischen Zitronenschale serviert wird aber unheimlich lecker ist! Ein Tipp ist auf jeden Fall der „Negroni Club“ Cocktail: Vodka Citron, Campari, Dry Vermouth, Chambord und Ginger Beer ergeben ein Getränk das sehr zu gefallen weis.
Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an die Bartender und dem sympathischen Servicepersonal der Bar. Stets freundlich und aufmerksam erlebt man hier Gastgebertum auf höchstem Niveau! Die Getränke wurden schnell zubereitet und ebenso schnell serviert. Während des gesamten Aufenthaltes wurden Schälchen mit Oliven und Crackern gereicht, welche sofort ausgetauscht wurden sobald diese zu Ende gingen. Verließen oder betraten Gäste die Bar wurde Diesen nach Möglichkeit selbst die Eingangstür mit einem Lächeln geöffnet! Hier geht der Negroni Club vorbildlich mit gutem Beispiel voran.
Zusammengefasst kann man mit Fug und Recht behaupten das München um eine gastronomische Perle reicher geworden ist. Mauros Negroni Club kann man schon jetzt zu einer der großen Anlaufstellen der deutschen Barkultur nennen. Das die Bar kurz nach der Eröffnung schon reichhaltig Besucht wird zeugt davon. Ich für meinen Teil werde für die nächste Münchner Bartour eine weiter Station einplanen müssen…