Samstag, 17. April 2010

Glenmorangie Sonnalta PX


Zugegeben ist es hier in der letzten Zeit etwas ruhig geworden aber im gleichen Verhältnis wird es bei mir in der Arbeit stressiger. Das Ganze gipfelt nächste Woche in einer Geschäftsreise nach Spanien weshalb es auch in den nächsten Tagen hier nicht viel Neues zum lesen gibt... Aus diesem Grunde gönne ich mir nun noch ein ruhiges Wochenende auf der neu angelegten Terrasse mit einem feinen Tropfen im Glas wie den Glenmorangie Sonnalta PX - der erste Malt aus der limitierten "Private Collection". Mit dieser lässt Glenmorangie eine wunderbare Tradition wieder aufleben. Ab jetzt wird jedes Jahr ein neues Whisky Juwel in limitierter Auflage vorgestellt. Sonnalta PX ist der erste aus dieser Reihe und ist ab sofort, zu einem Preis von ca. 60 € erhältlich. Er stammt aus dem schottischen Hochland, wo er sorgsam hergestellt wird. Obwohl in den höchsten Brennblasen Schottlands destilliert ist ein Whisky aus dem Hause Glenmorangie nie eintönig im Geschmack, was wohl auf das aufwendige Reifungssystem zurückzuführen ist.
Der Name „Sonnalta“ bedeutet übersetzt aus dem Schottisch-Gälischen „großzügig“. PX kommt von Pedro Ximénez und entsprechend sind die Sherryfässer aus Jerez in Südspanien gekennzeichnet, in denen der Malt für kurze Zeit reifen darf. Es ist eine weite Reise, die ein Sherryfass vom Ursprungsort Jerez de la Frontera in Andalusien nach Tain im Norden Schottlands hinter sich hat – rund 3.000 km, aber die Reise lohnt sich definitiv! Doch bevor der Whisky sein spanisches Finish bekommt lagert dieser in Ex-Bourbon-Fässern, welche im auch seine goldgelbe Farbe verleihen. Der Alkoholgehalt liegt bei angenehmen 46%, die dieser Malt aufgrund seiner warmen Aromen auch dringend benötigt.
Bereis in der Nase entfalten sich Aromen von Rosinen und Schokolade. Eine deutliche Sherrynoten läst bereits einiges über den Geschmack erahnen. Dieser zeichnet sich zunächst durch eine leichte Honigsüße aus sowie Aromen von Trockenfrüchten und leichten Kaffee. Diese Geschmäcker werden schließlich harmonisch von einer mittelkräftigen, malzigen Note übertönt - ein tolles Spiel der Aromen. Der Malt verbleibt noch eine lange Zeit im Abgang mit deutlich Sherry und einer gewissen "Wachsigkeit".
Freunde von weichen und harmonischen Whiskys sollten sich den Glenmorangie Sonnalta PX einmal genauer anschauen. Selten findet man einen solchen runden Malt. Die beeindruckende Wucht der Pedro Ximénez Fässer könnte einen eingefleischten Whiskytrinker auch schnell zu viel werden. Diese sollten sich hier lieber an den, deutlich teureren, Glenmorangie Signet halten. Meinen Geschmack trifft der Sonnalta jedoch und so genieße ich mit diesem Tropfen die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Ein Jammer das dieser Whisky nur limitiert hergestellt wird...

Sonntag, 11. April 2010

Shortnews

TV Tipp: Morgen ab 17:00 wird auf Pro Sieben "Sem - Der Clubretter" als Teil der Sendung "taff" seine Premiere feiern. In den nächsten Tagen wird jeweils eine 15-minütige Episode ausgestrahlt um einen schwächelnden Club wieder auf die Beine zu helfen.
Ungewöhnliche Zeiten: Wer sich bis dahin die Zeit vertreiben will kann dies beispielsweise auf dem Blog The Unusual Times. Diese von Hendricks Gin generierte Seite beschäftigt sich mit allen möglichen Kuriositäten, Sachen zum Lachen und Hendricks-Cocktails. Zudem werden in regelmäßigen Abständen Gewinnspiele veranstaltet bei denen es diverse Artikel von Hendricks zu gewinnen gibt.
Das Wankiki-Buch: Und wenn wir schon beim Thema Blogs sind: Kennt ihr schon Wankiki? Auf diesem Connaisseur-Blog läuft derzeit ein Projekt in dem in 80 Tagen ein Cocktailbuch entstehen soll. Ein jeder Interessierte meldet sich dabei einfach beim Autor der Webseite und schickt diesem Rezepte von seinen Lieblingsdrinks, Cocktailgeschichten, Bilder zum Thema ect. Daraufhin wird in dem Buch eine Seite mit diesen Informationen gestaltet und später in das zukünftige Buch übernommen. Bis jetzt war es schon Möglich internationale Bargrößen wie Robert Hess und Gerry Ragan für dieses ambitionierte Projekt zu gewinnen.
Bar-Radio: In jeder Bar ist gute Hintergrundmusik ein absolutes Muss. Das dachte sich auch das Starlet in Kempten (die Bar vor meiner Haustüre) in welcher vor allem House- und Loungemusik aufgelegt wird. Damit Jeder in den Genuß des Starlet-Sounds kommt wurde dieser nun in Form eines Internetradiosenders ins Netz eingespeist. Die Titel im Internet laufen parallel in der Bar. Weiterhin wird es in den kommenden Tagen für iPhone und iPod Touch Besitzer im AppStore eine passende Starlet-App geben damit man selbst unterwegs nicht auf die elektronischen Töne verzichten muss. Eine schöne Idee wie ich finde. Einfach reinhören!

Donnerstag, 8. April 2010

The Bitter Truth Creole Bitters


The Bitter Truth hat wieder einmal zugeschlagen und erweitert ihr bisheriges Portfolio an Cocktail-Bitters um ein weiteres Produkt. Nachdem sämtliche Standartbitters wie Orange und Aromatic schon durch außergewöhnliche Produkte wie Sellerie oder Schokolade ergänzt wurden (von den Sondereditionen ganz zu schweigen) geht die Richtung nun wieder zu den klassischen Aromen. Seit einigen Wochen ist dieses Produkt nun bekannt, aber erst seit wenigen Tagen ist es offiziell in Europa erhältlich: Der Creole Bitters. Wie der Name schön verrät orientiert sich das Cocktailgewürz an die karibisch-amerikanische Küche oder besser gesagt an deren Aromen. Was sich auf den ersten Blick wieder sehr kreativ anhört ist aber ein alter Hut. Vor ca. 180 Jahren kreierte der (kreolische) Apotheker Antoine Amédée Peychaud einen gleichnamigen Bitter den wir noch heute unter diesen Namen kennen. Und in der Tat ist der Creole Bitters nichts anderes als ein Angriff auf diesen alten Klassiker. Ob der König vom Thron gestoßen werden kann gilt es herauszufinden.
Das Etikett im typischen TBT-Design ist mit Blumen und Ornamenten verziert wie man sie simpler auch auf der Peychaud-Flasche findet. Selbst der rote Farbton der Label ist bei beiden Bitters fast identisch. Die neue 200ml-Flasche von TBT ist dafür deutlich hübscher anzusehen als die 148ml des Peychauds. Dieser ist dafür auch in einer günstigeren 296ml-Flasche erhältlich. Da Peychauds (ca. 85€/L) aber dennoch erst importiert werden muss geht der Preispunkt definitiv an die beiden Münchner (ca. 65€/L). Doch wichtiger als das äußere Erscheinungsbild der Flasche und deren geringer Preisunterschied sind die inneren Werte.
Das auffälligste Merkmal beider Bitters ist die bonbonrote Farbe die, wie nicht anders zu erwarten, annähernd identisch ist. Erste Unterschiede ergeben sich erst beim Geruch. Peychauds wird untermalt von einer schweren Süße hingegen sich TBT durch eine feine Fenchelnote auszeichnet. Diese Eindrücke sollten sich im Geschmack bestätigen. Während sich der "bittersweet" New Orleans Bitters feinwürzig, fruchtig und floral am Gaumen verteilt schlägt der Münchner gnadenlos zu: Leichte Süße und Fruchtigkeit, stark Bitter, Kräuternoten von Anis, Kümmel und Thymian, erinnert an Hustensaft. Es fällt mir schwer an diesem Punkt noch einen Vergleich der beiden Produkte durchzuführen da es hier zu merklichen Unterschieden kommt.
Ob es noch möglich ist die Bitters Gegenseitig auszutauschen soll der Praxistest beweisen. Hier kommt natürlich nur der Sazerac-Cocktail in Frage. Um die Bitters hervorzuheben verrührte ich für die Drinks 5cl Bourbon und Rye mit ca. 1 cl Zuckersirup. Diese Mischung wurde in zwei mit Eis gefüllten Gläsern verteilt. Anschließend wurden je Glas drei Dash des entsprechenden Bitters beigefügt und alles nochmals verrührt. Der Standart-Drink mit Peychauds konnte mit einer gewissen Frische und Kirscharomen punkten. Im Abgang sind schwache Blumen- und Kräuternoten wahrnehmbar. Der selbe Drink mit Creole Bitters wirkte dagegen deutlich kantiger. Auffallend ist die markante Anisnote in Nase und am Gaumen. Weitere Kräuter wie Kümmel, Thymian und Dill sind zu erschmecken aber dennoch sind auch hier leichte Fruchttöne auszumachen. Der Creole Bitters sollte mit bedacht und deutlich spärlicher eingesetzt werden wie sein Konkurrent. In meiner Sazerac-Variante hätte ein einzelner Dash womöglich schon ausgereicht um den Drink angenehm zu parfümieren. Ich konnte es mir nicht verkneifen auch noch den Pendennis Cocktail zu testen dessen Rezept auf der Rückseite der TBT-Flasche aufgedruckt ist. Auch hier reichen zwei kleine Dashes aus um den Drink eine angenehme Würze zu verleihen ohne jedoch zu aufdringlich zu wirken.
Ich muss zugeben als ich das erste Mal von dem neuen Produkt aus dem Hause Hauk & Berg hörte war ich mehr als skeptisch und blieb dies auch bis zu dem Moment als der Bitters vermixt wurde. Er ist nicht direkt mit dem Peychauds vergleichbar aber eine ernstzunehmender Rivale. Das Produkt konnte mich in den getestet Drinks auf der ganzen Linie überzeugen und bildete in meinen Augen sogar einen besseren Sazerac als der klassische Bitter! Mit der Creole ist ein weiteres tolles Produkt auf den deutschen Markt gekommen das in keiner Bar fehlen sollte! So geteilt man der Meinung sein kann ob man nun Zutaten wie einen Celery-Bitter ect. braucht - dieser Bitter ist ein Must Have und bekommt eine klare Kaufempfehlung! Immerhin bin ich nicht der Einzige mit dieser Meinung. Googelt man ein wenig nach diesem Produkt wird man auf einigen englischsprachigen Seiten schnell fündig. Und heute Abend gibt es nach dem Feierabend als erstes einen Creole-Seelbach-Cocktail...

Dienstag, 6. April 2010

"Cocktail" - 10 Theorien


Nachdem ich im letzten Beitrag versucht habe die Ausbreitung des Wortes "Cocktail" in der deutschen Sprache herauszufinden wurde damit eigentlich der zweite vor dem ersten Schritt abgehandelt. Der erste Schritt wäre eigentlich die Suche nach der Herkunft des Wortes an sich gewesen. Das stellt sich allerdings als ein größeres Problem dar da es zur Wortherkunft mehrere Theorien und Geschichten gibt. In über 200 Jahren des gemischten Getränkes ging diese Information langsam verloren und so ergibt es sich das nur eine der folgenden zehn Möglichkeiten die richtige ist ...welche man für richtig hält sei jedem Leser selbst überlasen.

1. Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges fing eine Patriotin namens Betsy Flanagan im Jahre 1779 einen Hahn mit bunten Schwanzfedern. Der Besitzer des teires wohnte gleich nebenan. Da der besagte Nachbar aber ein königstreuer Engländer war wurde der Hahn von Betsy kurzerhand geschlachtet und einer Gruppe amerikanischer Offiziere vorgesetzt. Da zur Zeit kein Wein zur Verfügung stand wurden einfach einige Spirituosen miteinander vermischt und die Gläser mit den Federn des gemeuchelten Federviehs geschmückt. Von einem der Offiziere viel daraufhin der Trinkspruch "Viva le cock´s tail" - "Es lebe der Hahnenschwanz" 2. Es ist üblich einem nicht rassereinen Rennpferd den Schwanz zu kürzen. Der verbleibende friesierte Stummel wird auch als Hahnenschwanz bezeichnet bzw. cocktail in der englischen Sprache.
3. In vergangenen Zeiten durfte Alkohol nur zu bestimmten Zeiten verkauft werden. Kurz vor den Sperrzeiten kippten die Wirte Flaschenreste in einem Krug zusammen um diese noch auf die schnelle billig verkaufen zu können. Dieser Vorgang wurde als cock-tailings bezeichnet.
4. Am Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges kam es zu Friedensverhandlungen zwischen dem englischen König und einem General. Ein junges Mädchen brachte den Anführern dabei ein Getränk aber es gab nur ein Trinkgefäß. Da man sich nicht einigen konnte wer das Getränk bekommen sollte, und das Kriegsende damit auf dem Spiel stand, trank das Mädchen den Inhalt kurzerhand selbst aus. Es handelte sich dabei um die Tochter des Königs Namens Coctel... Der Erzähler dieser Geschichte glaubt sie allerdings selbst nicht...
5. Der ganze Stolz eines Wirtes aus Neuengland waren seine geliebte Tochter und ein Preisgekrönter Hahn mit prachtvollen Federn. Als der Hahn eines Tages verschwand versprach der Wirt demjenigen die Hand seiner Tochter der ihm das Tier wieder brachte. Als dies geschah mischte die zukünftige Braut einige bunte Getränke zusammen. Getrunken wurde auf den wertvollen Hahn und seinen bunten Federn da ihm nichts schlimmes geschehen ist...
6. Als der Hahnenkampf noch ein gängiger Zeitvertreib war, wurde stets am Ende eines Kampfes auf das Siegertier getrunken. Dabei wurden immer so viele alkoholische Bestandteile miteinander vermischt wie der Sieger noch Schwanzfedern besaß. Geschmückt wurde das Glas dabei oft mit dem Federn des Verlierers.
7. Cocktail leitet sich vom französischen Wort "coquetier" ab was soviel wie "Eierbecher" bedeutet. Der in der Karibik lebende französische Apotheker Antoine Peychauds servierte seinen Kunden zur Stärkung der Gesundheit oft ein Getränk aus Wasser Zucker Cognac und einer geheimem Zutat in einem solchen Coquetier. Aus diesem Drink sollte sich einmal der Sazerac entwickeln und aus der geheime Zutat der populäre Peychauds Bitters.
8. Im Weingebiet um Bordeaux gab es einst ein Weinmischgetränk welches unter dem Namen Coquetel bekannt wurde. Im amerikanischen Unabhänigkeitskrieg brachten französische Soldaten das Gemisch in die neue Welt wo es von den Patrioten in Cocktail umbenannt wurde.
9. Auch in Verdacht der Wortherkunft steht das englische "cock-ale". Dabei handelt es sich um einen Hauptgericht bei dem ein Hahn vor dem braten in einer Mischung aus Bier (Ale), Nelken, Muskat und anderen Gewürzen eingelegt wird. In den Gründerstaaten wurde aus cock-ale im Laufe der Zeit cock-tail
10. Eine weiter Ableitung von cock-ale steht wieder in einer Verbindung mit dem Hahnenkampf. Um die Kampfhähne vor ihrem großen Auftritt zu stärken bekamen sie ein kräftigendes Spezialfutter namens cock-bread-ale. Dieses bestand unter anderem aus Brot, Wurzeln, Kräutern und Bier. Die Kampfrichter hatten ein Auge auf dieses Gemisch und führten als eine art Dopingtest eine Kostprobe des Futters durch - es scheint geschmeckt zu haben...