Mittwoch, 28. Juli 2010

Eine Bartour und eine Barbesetzung

Am vergangenen Freitag packte ich, zu einer unmenschlichen Uhrzeit, meinen Koffer und machte mich auf den Weg in das vier Stunden entfernte Fulda. Verteilt zwischen sämtlichen Kleidungsstücken und Handtüchern befanden sich Shaker, Jigger und Strainer um auf ihren Einsatz bei der ersten Cocktailwelten Barbesetzung genutzt zu werden...
Doch zunächst von Anfang an: Bereits im letzten Herbst wurde mit Connaisseurs-Kollege Achim, welcher nebenbei in einer kleinen Bar arbeitet, besprochen das ich einmal zum mixen vorbeikommen müsse. Gesagt- Getan. Bevor es am Samstag an die Arbeit ging stand zunächst ein Barcrawl durch das beschauliche Fulda auf dem Programm. Angetestet wurden lediglich drei Bars welche zu diesem Zeitpunkt gut besucht waren. Leider lies die Qualität dieser sowie der Getränke schwer zu wünschen übrig! Der warme Mojito zu Beginn sollte dabei noch das kleinste Übel des Tages sein. Nach Rücksprache mit Achim wurde die Bartour schließlich abgebrochen nachdem an unserem Tresenplatz in der dritten Bar ein Gin Fizz ohne Fizz gereicht wurde (aufgefüllt mit stillem Wasser)! Da half auch der Daiquiri mit dem Salzrand nicht mehr! Dafür wurde in diesem Drink nicht mit Triple Sec gespart... Die Flucht zu Achims Heimbar konnte nach einem ordentlichen Gin Tonic wenigstens den ersten Schock hinwegspülen. Als kleines Fazit für Fulda kann ich also nur sagen: Bleiben Sie beim Bier oder Apfelwein - das ist zumindest trinkbar. Am Abend des nächstens Tages sollte die Barbesetzung in der Cocktail-Lounge Lauterbach stattfinden. Eine kleine Bar von der noch kaum jemand gehört hat aufgrund eines sehr speziellen Konzeptes. Diese Bar ist lediglich am Samstag ab 18:00 Uhr geöffnet. Unter der Woche befinden sich in diesen Räumlichkeiten ein Cafe sowie ein Zeitschriftenladen. Die Bar wird von Achim aus purer Freude am Hobby betrieben. Die Gewinne des Abends gehen an die Ladenbesitzer, dafür werden die Räumlichkeiten jede Woche gestellt sowie einige benötigte Mittel - ein sehr netter Zug der Familie Berghäuser um einen leidenschaftlichen Connaisseur zu unterstützen! Die Gäste wissen diesen Service ebenfalls zu schätzen um kommen gerne immer wieder um sich den einen oder anderen guten Drink zu gönnen. Auf der Karte der Bar sind zum Großteil nur großvolumige und fruchtige Drinks zu finden aber mehr ist in dieser kleinen Stadt in der Regel nicht gängig . Empfehlungen der mixenden Bartender werden aber gerne und interessiert aufgenommen und auch geschätzt. So konnte ich an meinem Abend in dieser Bar auch Cocktails wie Blood and Sand, Manhattan, Gin Basil Smash und Daiquiris an den Mann (oder die Frau) bringen - so macht das shaken gleich doppelt Spaß! Es ist nur bedauerlich das sich am Tage der Barbesetzung nicht sehr viele Gäste in das Presse Cafe verirrt haben - ein Volksfest im benachbarten Fulda machte sich hier laut Aussage der stets gut gelaunten Servicekraft Britta deutlich bemerkbar. Aber was solls - in dieser speziellen Bar steht schlussendlich die pure Lust an der Freude im Vordergrund. Und obwohl die Türen zur Bar schon um 01:00 wieder geschlossen wurden war für uns die Nacht noch lange nicht vorbei!
Ich danke allen Beteiligten an der Cocktail-Lounge Lauterbach und deren Gäste für diesen sehr amüsanten Abend unter Gleichgesinnten. Eine Wiederholung des Ganzen ist bereits im Gespräch - ich freue mich darauf!

Montag, 19. Juli 2010

Der wohl älteste Champagner der Welt


Der Champagner ist ohne jeden Zweifel der König der Perlweine. Seine schlichte Eleganz und Anmut machten ihn zu einem Statussymbol auf der ganzen Welt. Nun sei es Jedem selbst überlassen ob man einen Champagner "frisch" öffnet oder ob man der Flasche noch genug Reifezeit gibt damit sich deren Inhalt entwickeln kann. Ich persönlich schätze das Letztere, wobei mein ältester Champagner aus dem Jahre 1982 stammt.
Gestern jedoch wurde ein wirklich alter Tropfen aus seiner Lagerstätte geborgen. Vor der finnischen Küste stieß der Taucher Christian Ekström in einem Schiffswrack auf Rund 30 Flaschen des französischen Weines. 55 Meter unter der Wasseroberfläche und bei konstanten 4°C lagerte der Wein unter besten Bedingungen gute 200 Jahre unter einer dünnen Schlammschicht. Vermutlich handelt es sich bei den Flaschen um ein Geschenk des französischen Königs Ludwig XVI an den russischen Zaren. Die aus den 1780er Jahren stammenden Flaschen werden nach ersten Vermutungen dem Hause Veuve Cliquot zugeschrieben. Momentan wird der Wein in einem französischen Speziellabor auf Echtheit und Herkunft geprüft. Sollten sich alle Vermutungen um den spektakulären Fund als richtig herausstellen dürfte jede Flasche einen geschätzten Marktwert von 50000 € besitzen. Am erstaunlichsten dürfte allerdings die Tatsache sein das der Wein anscheinend noch eine Perlage besitzt! Die erste geborgene Flasche wurde vom glücklichen Finder bereits verkostet und mit "fantastisch" beschrieben. Die Farbe des Champagners soll golden sein bei leichten Tabakaromen.
Der bisher älteste Champagner der Welt ist eine ebenfalls aus dem Meer geborgene Flasche Perrier Jouet aus dem Jahre 1825. Da sich das Meer als idealer Lagerplatz für Champagner herausstellt versuchen bereits erste Hersteller das zu nutzen. Luis Roederer lies vor einem guten Jahr bereits einige Falschen gezielt in der 15 Meter tiefen Bucht von Mont Saint-Michel versenken um die Wirkung auf den Flascheninhalt zu erforschen. Da dieser Versuch für ein Jahr laufen sollte müsste man hier demnächst mit ersten Ergebnissen rechnen können.
Wer gerade nicht das passende Kleingeld zur Hand hat um sich eine Flasche bei Christian Ekström zu kaufen dem kann übrigens auch geholfen werden: Im Jahre 1916 versenkte das deutsche U-Boot U-22 den Schoner "Jönköping" kurz vor seinem Ziel. An Bord befanden sich einige Kisten Heidsieck & C. Monopole "Goút Américan Vintage 1907", welche zusammen mit dem Schiff 1998 geborgen wurden. Diese, ebenfalls für den russischen Zaren gedachte Flaschen, stehen heute noch zum Verkauf. Eine der 0,75l-Einheiten ist beispielsweise im Berliner Nobelkaufhaus KaDeWe für schlappe 4500 € zu erwerben.

Dienstag, 13. Juli 2010

Wir haben einen Gewinner!

Zugegeben, ich bin in der letzten Zeit etwas schreibfaul geworden. Ich schiebe das jetzt einfach auf das gute Wetter und das übliche Sommerloch. Leider bin ich nicht der einzige der wenig schreibt. Vor zwei Wochen erfolgte der Aufruf eines kleinen Gewinnspiels bei den Cocktailwelten aufgrund des dreijährigen Bestehens der Seite. Trotzt mehrer Aufrufe auf diversen Netzwerken gingen tatsächlich nur ganze zwei (!) Mails bei mir ein - Leute ihr macht mich fertig ;-)
Doch wie heißt es so schön: Des Einen Freud ist des Anderen Leid! Aus diesem Grunde gehen die drei Preise nun an die einsamen Teilnehmer: Daniel Klingenbrunn darf sich über eine Flasche Ardbeg Corryvreckan freuen während der Southern Comfort zusammen mit einer Flasche TBT Creole Bitters bei Marius Kleiner ein neues Zuhause findet - herzlichen Glückwunsch euch beiden!
Vielleicht finden sich beim nächsten Mal mehr Teilnehmer als in dieser Runde. Also keine Sorge: Das Fünfjährige befindet sich auch nicht mehr all zu weit in der Zukunft und bis dahin wird es noch viel zu schreiben geben. Weiterhin viel Spaß auf den Cocktailwelten!

Dienstag, 6. Juli 2010

Pierre Ferrand @ Barzirkel München


Was bewegt einen Connaisseur sich auf den Weg nach München zu machen wenn sich ein fußballfreier Tag einschleicht? Natürlich eine weiter Einladung für ein Tasting zusammen mit dem Münchner Barzirkel. (Aber natürlich wäre ich auch nach München gefahren selbst wenn das Endspiel der WM stattgefunden hätte). Immerhin gab es für alle Beteiligten Cognac aus dem Hause Pierre Ferrand. und vieles, vieles mehr.
Kaum im Padres angekommen begannen auch schon die Aufbauarbeiten. Eine Unmenge von mysteriösen Plastikbehältern wurden aufgebahrt, Gläser wurden verteilt und ein Beamer aufgestellt. Nachdem alle 20 Teilnehmer eingetroffen sind ging es nach der offiziellen Begrüßung sofort weiter nach dem mittlerweile obligatorischen Brunch. Passend zum Thema wurde frisches Baguette mit diversen französischen Terrinen und Käse gereicht - sehr angenehm! Im Anschluss stellte uns die charmante Ferrand Markenbotschafterin Claire Bruère die Marke vor und versorgte alle Teilnehmer mit allerhand Informationen zur Herstellung des französischen Weinbrandes. Von den verwendeten Traubensorten bis hin zur richtigen Lagerungen des Produktes blieben bei dem ausführlichen Lichtbildervortrag keine Fragen offen. Voller Spannung ging es nun in den Teil über auf den alle gewartet hatten: Das Tasting. Verkostet wurden fünf Qualitätsstufen welche ich hier nach meinem eigenen Geschmacksempfinden wiedergeben möchte.
Der zehn Jahre gelagerte "Ambre" ist ungewöhnlich sanft und verwöhnt den Gaumen mit einigen Vanillenoten und diversen floralen Einflüssen. Weiter ging es mit dem "Reserve" welcher von vielen Teilnehmern als Favorit der verkosteten Sorten galt. Wieder waren Vanillearomen zu erkennen aber dieses Mal wurden sie von einer starken Toffeenote fast erdrückt. Eine leichte Würzigkeit und Süße sorgt in dieser milden Spirituosen für eine gelungene Komposition. Ich denke das dieser Cognac alsbald Einzug in meine Heimbar finden wird. Die Mitte der Verkostung bildete der "Esprit Des Dieux". Leider sagte mir dieser Brand aufgrund seiner alkoholischen Schärfe und einer leichten Bitterkeit nicht zu. Aromen von Leder, Schwarztee und Tabak konnten darüber hinaus erschmeckt werden. Nach einer kurzen Pause ging es an die Aushängeschilder des Hauses Ferrand. Den Start bildete der 40 Jahre alte "Selection Des Anges". Ein Ausgezeichneter und weicher Cognac mit mehr Aromen als erwartet. Neben den reifungsbedingten Holztönen fanden sich noch Anklänge an Schokolade, Honig und Blüten. Für ein solch altes Produkt eine unerwartet aber sehr positive Erfahrung. In den offiziellen Verkostungsnotizen ist noch von Curry die Rede was man mit etwas Fantasie durchaus nachempfinden kann. Zum Schluss wurde noch eine Flasche "Ancestrale" geöffnet deren Inhalt mindestens 70 Jahre (!) alt ist. Von diesem Produkt werden jährlich nur 300 Flaschen abgefüllt und nach der Selection des Anges waren die Erwartungen hoch. Leider konnten diese (zumindest bei mir) nicht erfüllt werden. Hier traf nun das ein was ich schon bei der letzten Probe erwartet hatte: Holz ohne weitern Tiefgang. Dieser Cognac hatte seine besten Zeit schon hinter sich. Nicht verkostet wurde allerdings die "Cuvée Barzirkel" - ein eigens von Pierre Ferrand geblendeter Cognac für die Mitglieder der Münchner Runde. Dieser Tropfen bleibt diesen vorbehalten (siehe Bild). Der Schriftzug sowie das Logo sind in die Flasche eingraviert und mit goldener Farbe hinterlegt - so sieht ein geiler Auftritt aus!
Nach diesen interessanten Erfahrungen ging es auch gleich weiter im Programm: Ein Blend der verschiedensten Pierre Ferrand Brände bildete die Basis für den "Cognac Bitters". Die Teilnehmer besprachen dazu untereinander welche Botanicals aus "Captain Strainers" vielseitigen Apotheke in Frage kommen würden. So fanden unter anderem Angosturarinde, Kakaoschalen, Eukalyptus, Curacaoschalen, Pfefferkörner und weitere Gewürze den Weg in das Mazerationsglas. ( Noch ein Insinder: Curacaoschalen werden nicht gemahlen und eine Hack-Gewürzmischung wurde auch nicht benutzt ;-)
Um den überaus spaßigen Nachmittag gebührend zu beenden durfte jeder noch einen eigens für diese Veranstaltung, erstellten Drink mit Cognac präsenteren, eher sich die Runde wieder auflöste. Die Kreativität reichte hierbei wieder einmal in alle Richtungen - egal ob ein Kräuterlikör mit Latschenkieferauszug benutzt wurde oder karamellisierte frische Kirschen oder gar Schnittlauch! Leider musste ich etwas früher als sonst gehen und habe deshalb nicht mehr alle Rezepte gesehen. Es hat mich nichts desto trotz gefreut wieder einmal ein Teil dieser Gruppe zu sein - Merci und bis zum nächsten Mal!