Montag, 30. August 2010

Mixology Monday: Brown, Bitter and Stirred


Nach einer kurzen Pause soll es nun im August wieder einmal einen Beitrag zu einem Mixology Monday geben. Lindsey Johnson, die Autorin hinter dem Blog Brown, Bitter and Stirred würde diesen Namen gerne wörtlich nehmen und sucht deshalb nach diversen Brown, Bitter and Stirred Cocktails. Eigentlich sollte nichts leichter sein als das denn immerhin verbergen sich hinter dieser Beschreibung eine ganze Reihe an Cocktails die nicht erst seit gestern bekannt sind...
Doch genau dieser Vorteil ist auch ein Nachteil. Auch wenn ich schlagartig an einen Old Fashioned, Manhattan oder Sazerac dachte dürfte über diese Drinks bereits genug geschrieben worden sein. Auch die bekanntesten Variationen dieser Mischungen sollten hinlänglich bei den Lesern bekannt sein und bedürfen keine weitere Worte. Schlussendlich konnte ein Griff ins reichlich gefüllte Bücherregal Abhilfe schaffen. In einem der Schmöker musste sich einfach etwas Braunes, Bitteres und Gerührtes finden. Die Wahl viel dabei auf den Reprint des 1937 erschienenen "Famouse New Orleans Drinks & How To Mix Ém" Für gerade einmal acht Euro bietet dieses englischsprachige Werk eine Vielzahl von Rezepten und Hintergrundinformationen über den Cocktailgenuß im alten Big Easy. Auf Seite Neunzehn befindet sich eine unscheinbare Rezeptur namens Kentucky Cocktail welche zu je einem Teil Bourbon Whisky und Ananassaft besteht sowie einen Würfelzucker - eine fruchtige Mischung die sich bis jetzt noch nicht sehr aufregend anhört, geschweige denn das sie zu dem heutigen MxMo-Thema passt. Würde man dem Kentucky Cocktail noch einen Bitters hinzufügen käme man dem Ganzen schon ein großes Stück näher.

Kentucky Cocktail Variante
6 cl Bourbon
6 cl Ananassaft
1 cl Zuckersirup
2 dash Angostura

Alle Zutaten werden auf Eis im Gästeglas kalt gerührt und zügig serviert. Als Bourbon eignet sich hier eine starke und betonte Sorte wie der Elijah Craig 12 um nicht von dem Saft dominiert zu werden. Im Buch ist nachzulesen das auch der Einsatz von Rye Whisky möglich ist - damit verliere der Drink aber das Privileg sich "Kentucky" nennen zu dürfen. Die genaue Menge an Zuckersirup richtet sich danach ob der verwendete Saft schon gesüßt ist. Der extra hinzugefügte Bitters sorgt für eine sehr ausgewogene würzige Note. Das Ergebnis ist ein sehr frischer und fruchtiger Cocktail der einem den einen oder anderen warme Tag versüßen wird. Die würzigen Aromen des Angosturas binden sich grandios zwischen der Säure der Ananas und den Holztönen des Whiskys ein. Der Kentucky Cocktail ist für mich die Entdeckung des Jahres! Denkbar, aber noch nicht getestet, ist eine Version mit Rum anstelle des Bourbons. Damit dürfte das Getränk dem aktuellen Tiki-Trend entsprechen.

Mittwoch, 25. August 2010

Sweet dreams are made of these


Es gibt eine Zutat hinter dem Tresen ohne die fast kein Cocktail möglich wäre und dennoch wird diesem unumgänglichen Wundermittel keinerlei Beachtung geschenkt. Einst eine wertvolle Ingredienz wird der gesuchte Stoff heute geradezu verschachert oder nach Möglichkeit komplett ersetzt. Die Rede ist von Zucker. Welcher Drink, egal aus welcher Epoche er stammt, ist ohne ein entsprechendes Süßungsmittel denkbar?
Die Bar spielt hier eine besonderer Rolle. Wo sonst gibt es so viele verschiedene Süßungsmittel? Als erstes denkt man als Otto-Normal-Verbraucher natürlich an die "trockenen" Varianten wie Kristallzucker, Puderzucker, Rohrzucker braun, Demarara-Zucker oder Kandis braun/weiß. Aufgrund einer besseren Löslichkeit in Flüssigkeiten ist in der Bar der Einsatz von Zuckersirupen ein Muss. Doch ein Sirup ist weit mehr als nur ein Gemisch aus Zucker und Wasser. Bedenkt man zusätzlich den Einsatz verschiedene Mischungsverhältnisse (1:1, 1:2, 1:3) ergeben sich alleine aus den bereits genannten Zuckerarten so viele Varianten des Zuckerwasser das bereits die halbe Bar damit gefüllt sein müsste. Neben diesen Sirupsorten gesellen sich nun auch noch hunderte von aromatisierten Sorten die in ihrer Kreativität keine Ende nehmen wollen. Den Gipfel des Unnötigen stellt hier in meinen Augen die Firma Monin her. Ich schätze eine Vielzahl ihrer Produkte sehr doch in letzter Zeit scheint es die Hauptaufgabe der Monin Entwicklungsabteilung zu sein jeden nur auffindbaren Stoff in einen Sirup zu bannen. Ginsirup, Tequilasirup, Rumsirup?! Oder was um alles in der Welt soll ich den mit einem Zitronenkuchen-, Basilikum-, oder Gurkensirup anfangen?! Aber es kommt noch besser. Monin hat es sogar geschafft einen Zuckersirup mit Zuckergeschmack herzustellen: Den Zuckerwatte-Sirup! - Gratulation!
Verehrte Monin Produktenwickler: Lasst es gut sein! Ich wage es zu behaupten das dieses Zeug doch nicht wirklich verkauft wird oder? - Zumindest nicht in solche Mengen das es wirklich nötig wäre. Mit einem einfachen Zuckersirup, Mandelsirup, Kokossirup, Erdbeersirup und einer Grenadine dürfte eine Bar die wichtigsten Sorten abgedeckt haben. Lediglich Sorten wie Haselnuss scheinen mir noch praktikabel zum verfeinern von diversen Kaffeevarianten.
Was bis jetzt noch gar nicht angesprochen wurde sind die Sonderformen welche auch in der Bar rege Verwendung finden: Honige und Ahornsirup sind fast allgegenwärtig. Hierzulande selten aber ebenfalls auffindbar sind Melasse oder sogar frischer Rohrzuckersaft. Auch Birnen- oder Agavendicksaft sind denkbar und keine Seltenheit mehr. Soll es ein Süßungsmittel mit Röstaromen sein? - keine Problem - es nennt sich Karamell und entsteht indem man ordinären Kristallzucker in einer Pfanne schmilzt.
Man sollte es nicht glauben aber es scheint so zu sein das es deutlich mehr Süße gibt als man auf den ersten Blickt sieht. Schaut dazu einfach einmal zu den Flaschen in euren Regalen und Barschränken. Wodka, Rum, Tequila, Whisky und wie alle diese schönen Dinge auch heißen mögen haben alle etwas gemeinsam. Der Alkohol unserer schönen Spirituosen entstand einst als ein Nebenprodukt von Zucker, welcher durch spezielle Hefen und/oder Bakterien umgewandelt wurde. Was sollte man zum Abschluss noch anderes sagen als "Cocktails - die süßeste Verführung seit es Zucker gibt". Sweet dreams are made of these...

Dienstag, 17. August 2010

Barroom - München

München ist immer wieder eine Empfehlung für eine Bartour wert. In dieser Stadt konzentrieren sich gute Bars auf einem relativ kleinen Raum so das die einzelnen Stationen jederzeit bequem zu Fuß zu erreichen sind. So trug es sich vor zwei Wochen zu das ich es endlich auch wieder einmal in den kleinsten Raum innerhalb des kleinen Raumes geschafft habe... Münchens kleinste Bar: Emanuele Ingusci´s Barroom.
Das Wort "Raum" ist hier wörtlich zu nehmen. Betritt man die Bar mit nur einem Schritt steht man bereits inmitten der wenigen Quadratmeter. Der Blick fällt zunächst auf den dunkeln Holztresen mit den zwei Sitzplätzen. Daneben befinden sich lediglich drei weitere Tische in der Bar für je vier Gäste. Von jedem Platz aus ist es möglich dem Chef bei der Arbeit zuzusehen während man entspannt der ruhigen Jazzmusik lauscht welche aus den Lautsprechern ertönt. Das gedämpfte Licht das sanft von einer Reihe antiker Barutensilien reflektiert wird lässt den Gast binnen kürzester Zeit in eine andere Zeit versetzen. Durch die Nähe zu allem ist man hier ganz und gar in die Bar eingebunden. Das Backboard bietet eine feine Auswahl von guten Spirituosen jeglicher Art. Kenner werden sofort sehen das sie hier bestens aufgehoben sind! Neben den Standards und den gehobenen Zutaten sind auch noch einige Raritäten zu Kuriositäten zu begutachten. So seinen an dieser stelle Rumsorten genannt die in Europa nicht erhältlich sind oder gar ein kubanischer Rum aus einem 200ml-Tetrapack. Selbst angesetzte Tinkturen ergänzen das Sortiment. Weniger exotisch geht es bei den Drinks zu. Diese orientieren sich an den alten Klassikern die perfekt zur Atmosphäre passen Auf Anfrage wird ein Blick in eine Cocktailkarte gewährt aber eine Empfehlung von Herrn Ingusci scheint mir in diesem Kleinod der Barkultur die angenehmerer Variante zu sein. So viel die Wahl auf einen Dry Manhattan den man nicht hätte besser zubereiten können. Nachdem die Wahl des Whiskys getroffen wurde und dieser verrührt mit Nolly Prat Dry im gekühlten Gästeglas landete wurde jeder Tropfen Angostura einzeln mit dem Barlöffel in den Drink gegeben wie ein Uhrmacher der die kleinsten Bauteile montiert - grandios! Diesen Cocktail konnte man nur mit allen Sinnen genießen. Bei dem Ordnern eines Gin Tonics fiel die Wahl auf den neuen Monkey 47 Gin. Bei dem Tonic wurde man erneut positiv Überrascht durch ein italienisches Produkt das hierzulande nicht erhältlich ist und wie geschaffen für den Schwarzwald-Gin scheint durch seine milde süße und geringem Chininanteil. Zumindest habe ich zuvor noch nie von Acqua Brillante gehört. Die Preise für die einzelnen Getränke befinden sich, wie für München typisch. in einem Bereich zwischen 8 und 10 Euro. Eine weiterer Cocktailtipp im Barroom ist der "Rüscherl Old Fashioned". Es sei nur so viel verraten: Eine Rum Old Fashioned Variante mit Cola ist nicht so schräg wie es sich anhören mag :-)
Wenn man sich in München befindet sollte man sich unbedingt auf den direkten Weg in den Barroom begehen. Ich kenne nur wenige Bars die solch einen Charme versprühen wie das Reich von Emanuele. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch und auf das was mich dort Neues und Interessantes erwarten wird. So kleine diese Bar auch ist so groß wird hier die Barkultur ausgelebt!

Mittwoch, 11. August 2010

Eben Freeman: Martinez

Der Martinez ist nicht nur einer der ältesten bekannten Cocktailrezepturen sondern auch einer meiner absoluten All-time-Favourits. In dem Video seht ihr den New Yorker Bartender Eben Freeman bei der Zubereitung des klassischen Drinks bei dem ich nicht nein sagen würde. Für alle Cocktail-Liebhaber empfiehlt es sich auch die übrigen Videos von Eban anzusehen. Clip ab:

Mittwoch, 4. August 2010

Die Hausbar im Jahr 2010


Die private Hausbar - man muss kein Cocktailfreak sein um eine zu besitzen. In fast jedem Haushalt versteckt sich hinter einer Schranktür ein Regal welches mit verschiedensten Likören, Spirituosen und Weinen gefüllt ist. Meist sind die Flaschen ein bunter Mix aus Geschenken, Spontaneinkäufen oder uralten Beständen aus der Jugendzeit. In Zeiten in denen nun der gute und feine Geschmack wieder gefragt ist rückt auch die Hausbar wieder näher ins Rampenlicht.
Es gab Zeiten in denen es als besonders chic und "En Vogue " galt eine eigene kleine Bar zu besitzen. In einer sonst leeren Ecke stand ein kleiner Schrank mit ausgesuchten Zutaten und einem Shaker zur Zubereitung einiger zeitgemäßer Drinks. Cocktailpartys fanden statt wie sie es heute nicht mehr gibt: Man traf sich nach der Arbeit auf ein Gläschen oder Zwei, redete mit Freunden über das aktuelle Tagesgeschehen und verabschiedete sich nach seinem Drink(s) wieder. Doch Zeiten ändern sich und so auch die Hausbar. Nach Jahren des Trinkgenußes geriet die heimische Mixstation nicht nur in Vergessenheit sondern auch in Verruf. Alkohol war plötzlich nicht mehr der gesellschaftliche Grund sich zu treffen oder ihn einfach nur zu genießen. Alkohol war plötzlich nur noch etwas für Säufer oder für Leute deren Leben nicht in die richtige Richtung lief - Alkohol Auslöser und Helfer vieler Probleme. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten änderte sich dieses Verhalten (zu unserem Glück) wieder drastisch.
Heutzutage, wo Qualität wieder im Vordergrund steht und geschätzt wird, darf auch ein gutes Tröpfchen im Haushalt nicht fehlen. In den letzten Monaten konnten diverse Beiträge zum Thema in namhaften Zeitungen und Zeitschriften gefunden werden deren Inhalt teilweise mehr als nur stümperhaft zusammengefasst wurde. Ich erinnere dabei nur an einen Satz der im Zusammenhang mit dem Umgang eines Shakers gefallen ist, welcher ungefähr folgendermaßen lautete: "Nachdem die Zutaten in den Metallbecher gegeben wurden setzt man ein Barsieb (Strainer) darauf und schüttelt kräftig." - Unglaublich! Ich muss allerdings zugeben das ich das Ganze sehr gerne einmal sehen würde ;-)
Von den Arbeitsschritten einmal abgesehen stellt sich zunächst die Frage welches Niveau eine Heimbar haben sollte. Wodka von der Tanke auf der anderen Straßenseite und ein paar Energydrinks können schließlich nicht das Ende der Fahnenstange sein. Qualitativ gute Zutaten müssen nicht viel kosten um zu überzeugen! Mit einer geringen Anzahl von Zutaten lässt sich schon einiges schönes anstellen, egal ob es sich um einen Cocktail handelt oder um ein Gläschen puren Geschmackserlebnises. Welche Spirituosen hier in Frage kommen sind dann eine Frage des persönlichen Geschmacks. Im digitalen Zeitalter sollte es kein Problem darstellen sich darüber in diversen Foren zu informieren. Wer sich die Grundtechniken und die wichtigsten Zutaten aneignet kann Freunde und Verwandte glücklich machen - etwas Gastgebertum vorausgesetzt.
Aus diesem Grund würde ich gerne die Meinung der verehrten Leserschaft mit einbeziehen. Welches Niveau sollte eine einigermaßen ordentliche Heimbar vorweisen können? Sollte ein Gastgeber grundlegendes jederzeit vorweisen können wie zum Beispiel die Zubereitung eines Gin & Tonic oder eines Whisky Sour? Wie sollte für euch die Renaissance der Hausbar aussehen? Wo ist die Grenze zwischen dem, was „man da haben sollte“ und wo es über die „moderne Jedermann-Bar“ hinausgeht und zum echten Hobby wird?
Die letzte Frage ist für mich immerhin schnell beantwortet da ich diese Grenze mit Sicherheit schon um Lichtjahre übertreten habe...