Mittwoch, 12. Januar 2011

Ein kleines Gedankenspiel: Ist noch Roggen da?

Seit der großen Cocktailrenaissance vor einigen Jahren gab es mehrere Spirituosen die stark davon profitierten. Vergessene Tropfen wie Apple Jack oder auch Rye Whisky konnten sich aufgrund einer verstärkten Nachfrage erneut in den Regalen der privaten und gastronomischen Bars etablieren. Gerade beim Rye scheint dieser Vorgang allerdings schneller von statten zu gehen wie geplant den die Reihen des amerikanische Roggen-Erzeugnis scheine sich in den letzten Monaten geradezu dramatisch zu lichten!
Sieht man sich in den großen deutschen Spirituosenshops einmal um wird einem der Rückgang von vielen Herstellern oder Qualitäten nicht entgehen. Sämtliche "einfache" und vor allem "billige" Whiskys wie zum Beispiel der Wild Turkey Rye oder der Sazerac Rye sind nirgends mehr aufzutreiben. Lediglich das Produkt aus dem Hause Jim Beam scheint noch in großen Mengen in den Lagerhallen auf Vorrat zu stehen. Was bis jetzt aber noch keine große Probleme bereitet ist das Organisieren von hochwertigen und alten Roggenbränden. Produkte wie Thomas H. Handy, Vintage Rye 23, Rittenhouse 23/25 oder auch Willet Rye sind noch in einigen Shops gelistet. Dies mag allerdings an dem stolzen Preisgefüge von 100-200 Euro pro Flasche liegen. Hinzu kommt das diese Premiumspirituosen nicht für Drinks geeignet sind - es ist einfach zu schade. Und auch pur sind sie nur etwas für echte Liebhaber des aroma- und alkoholstarken Tropfens. Nachdem ich einige Personen aus dem Verkaufsbereich auf diese Situation angesprochen habe kam jedes Mal die selbe ernüchternde Antwort: Die Produkte sind zur Zeit einfach nicht erhältlich. Also was soll man nun machen? Reste bunkern? Ersatz suchen? Selber brennen?...
Interessant sind nun vor allem die Gründe für diesen Engpass. Ohne jetzt recherchiert zu haben würde ich einfach einmal eine Theorie aufstellen. Roggen-Whisky ist trotz seiner Beliebtheit ein Nischenprodukt welches schon kurz vor dem endgültigen Aus stand. Roggen wird im Verhältnis zu anderen Getreidesorten nicht in extremen Mengen angebaut und er wird in den Staaten auch nicht in solchen Mengen zur Alkoholherstellung genutzt wie beispielsweise der Mais. (Ignorieren wir an dieser Stelle einmal die Tatsache das Roggen auch in andere amerikanischen Whiskys enthalten ist aber mit deutlich kleineren Anteil - Bei Rye müssen das mindestens 51% sein) Jetzt geschah es allerdings das die Nachfrage innerhalb von wenigen Jahren um ein vielfaches anstieg. Die Destillen im Land reagieren natürlich darauf und begannen vermehrt mit der Herstellung der vergessenen Spirituose. Wie für Whisky üblich muss dieser vor der Abfüllung zunächst viele Jahre in Eichenfässern reifen um seine typischen Aromen ausbauen zu können. Während dieser Wartezeit leerten sich die Bestände in den Lagern bis zu einem Punkt den wir wahrscheinlich jetzt erreicht haben. Der Export wird gezwungenermaßen eingestellt um noch den heimischen Markt bedienen zu können.
Was sind die Konsequenzen falls meine Theorie zutrifft: Wir müssen mit dem zurechtkommen was noch verfügbar ist und auf die neuen Chargen von den Destillen warten. Das ist für die Bars und Connaisseure zwar Ärgerlich aber nicht zu vermeiden. Viel schlimmer finde ich es allerdings das die zukünftigen Lieferungen und die stetig wachsende Nachfrage auf jeden Fall mit einer deutlichen Preissteigerung einhergehen werden - bei einer Spirituose die ohnehin schon in einem relativ hohen Preissegment angesiedelt ist. Ich wünsche mir gerade nichts mehr wie die Tatsache das ich komplett auf dem Holzweg bin mit meiner Prognose nachdem ich selbst nur noch zwei halbgefüllte Flaschen in der Vitrine stehen habe. Bleibt einem wohl nichts anderes übrig als Abwarten und Rye trinken - oder besser doch nicht?

Kommentare:

  1. Nunja, Theorie hin oder her, über kurz oder lang wird der Rye natürlich teurer werden, wenn die Nachfrage steigt. Das hat mir zumindest neulich der Herr Mankiew gesagt. Die einzige Hoffnung, die man haben kann ist, dass in 15 Jahren dann wieder ein Überangebot an qulitativ hochwertigem Rye verfügbar ist und die Preise fallen. Aber kurzfristig kann der Markt nicht anders reagieren als mit Preiserhöhungen.

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  2. Nun, ich glaube (zu wissen) das dies ein künstliches Vakuum ist. Ein sehr bekannter Großhändler (beliefert Dutyfree und Co) importiert nahezu alle Ryes nach Deutschland da dies noch ziemlich nische ist. Die derzeitige Verknappung wird definitive in einer merkbaren Preiserhöhung enden, allerdings ist der Einkaufpreis nicht wirklich gestiegen, einige Rare "alte" mal ausgenommen. aber alter Rye ist eh quatsch

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  3. Warum den in die Ferne schweifen. Vielleicht gibt es ja hier eine Alternative. www.roggenhof.at

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  4. Ich hab noch eine andere Theorie in den Raum zu werfen, von der ich gehört habe, deren Relevanz ich allerdings nicht bezeugen kann, nämlich daß aufgrund der ideologischen Paranoia Europas vor Gentechnik amerikanischer (zu einem signifikanten Teil gentechnisch modifizierter) Roggen und dessen Produkte nicht mehr in die EU eingeführt werden dürfen, weswegen von vielen Herstellern nur noch die alten Bestände verkauft werden können und das momentan Gebrannte gar nicht erst bei uns auf den Markt kommt.

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  5. @ Olaf: Naja... - siehe http://whatadrink.blogspot.com/2011/05/rye-whisky-aus-osterreich.html

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