Montag, 14. März 2011

Pisco - Der Ursprung des Namens

Neben den bekannten Spirituosen wie Rum und Whisky gibt es eine Vielzahl von weniger bekannten Bränden. Das heißt allerdings nicht das diese nicht genau so spannend sind. Ganz im Gegenteil! Einer dieser Spirituosen ist der Pisco - ein Traubenbrand aus Südamerika. Dieses Getränk ist zu unrecht kaum bekannt und kann mit einer spannenden Herstellung und Sortenvielfalt beeindrucken. Nicht zuletzt überzeugt der Pisco natürlich durch seinen einzigartigen Geschmack. Aus diesem Grunde wird es in der nächsten Zeit in den Cocktailwelten vermehrt um diese bei uns kaum bekannte Traubenspirituose gehen.
Doch fangen wir beim Namen an: Woher die Spirituose ihren Namen hat kann, wie auch beim Rum, nicht mehr genau nachvollzogen werden. Sicher ist jedoch das die ersten Weinreben vor mehr als 400 Jahren über den Seeweg von Spanien nach Peru und Chile gelangten. Aus diesem Zeitraum müsste folglich auch der Name der klaren Spirituose stammen.
Der zoologische Ursprung gilt als erste Quelle oder Richtung des Wortes Pisco. In Quechua, welches von den Einwohnern dieser Zone seit präkolumbischen Zeiten gesprochen wird, bedeutet «pisku», «pisccu», «phishgo» oder «pichiu» Vogel. Noch heute findet man davon viele in der Küstenzone von Ica. Ángeles Caballero registrierte eine Serie von Zeugnissen von Chronisten und Lexikographen seit der Kolonialzeit bis heute, welche diesen Ursprung des Wortes bestätigen.
Es ist offensichtlich, dass vom zoologischen Ursprung ausgehend, sich das Wort «Pisco» in eine neue Richtung entwickelt: Zum Ortsnamen. Aufgrund der Fülle von Vögeln wurde diese geographische Zone unter den Einheimischen mit dem Namen «Pisco» bezeichnet. Diese Namenswahl vor der spanischen Eroberung wird auch nach der Ankunft der Spanier beibehalten. In verschiedenen Chroniken, Dokumenten und Karten wird das Gebiet mit diesem Namen bezeichnet. Die erste, uns bekannte Karte von Peru wurde in 1574 vom Geographen Diego Méndez erstellt. Trotz der Ungenauigkeit der Kartographie dieser Epoche identifiziert er schon damals klar den Hafen von Pisco südlich der Stadt der Könige in dem von ihm benannten «Golf von Lima». Vertraut man Wikipedia wurde an diesem Hafen der  aromatische Traubenbrand vor der Verladung auf die Handelsschiffe in Holzfässer gefüllt die dann mit "de Pisco", zu deutsch "aus Pisco", beschriftetet - ebenfalls eine plausible Theorie...
Der dritte Ursprung des Wortes «Pisco», den Ángeles Caballero identifiziert, ist ethnisch. Gemäß seinen Forschungen lebte seit der prähispanischen Zeit eine Menschengruppe in der Zone des heutigen Hafens Pisco. Diese Einheimischen stammten sowohl von der antiken Kultur Paracas – welche sich zwischen dem II. Jahrhundert vor Christus und dem III. Jahrhundert nach Christus entwickelte und sich durch hochwertige Kunstarbeiten wie die berühmten vielfarbigen Gewebe auszeichnete – als auch von der Kultur Nazca – welche in dieser Zone der Paracas-Kultur zwischen dem II. und XI. Jahrhundert nach Christus folgte – ab. Letztere zeichnete sich durch ihre wunderbare und vielfarbige Keramik und durch den Bau der "Nazca-Linien", enorme Geoglyphen, welche Menschen und tierähnliche Figuren und verschiedene geometrische Zeichnungen darstellen, aus. In dieser Menschengruppe, welche vom Inkareich unter der Herrschaft von Pachacútec (1438-1471) unterworfen wurde, existierte eine Sippe von Töpfern, welche die Piskos genannt wurden. Die Piskos fertigten vor allem Gefäße aus Ton an, die zur Aufbewahrung aller Arten von Flüssigkeiten, besonders von Chicha (Maisbranntwein) und anderen alkoholischen Getränken, welche aus Molle (Früchte des peruanischen Pfefferbaumes) oder cañigua (ein Getreide aus den Anden) zubereitet wurden, dienten. Gemäß dem Werk von Fernando Lecaros benutzten die Spanier die Piskos am Anfang der Kolonialzeit, um Gefäße oder Krüge in Form von griechischen Amphoren herzustellen. Diese wurden aus gebranntem Lehm angefertigt und auf der Innenseite mit Wachs von wilden Bienen überzogen. Sie wurden dazu benutzt, den Branntwein aus Trauben, der in der Region von Pisco erzeugt wurde, abzufüllen und zu transportieren. Schlussendlich ging aus all den vorhergehend genannten Ursprüngen ein vierter hervor, den Ángeles Caballero "industrielle Richtung" nennt. So geschah es, dass die von den Töpfern Piskos produzierten Amphoren auch Piscos genannt wurden. In diesen Gefäßen fing man an, den in der Zone hergestellten Branntwein aus Trauben zu lagern. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass dieser Name schnell von Kontinent zu Kontinent weitergegeben wurde, so dass mit Pisco nicht nur das Gefäß, in dem der hochgeschätzte Branntwein aufbewahrt wurde, sondern auch das Getränk selbst gemeint waren, welches unter diesem Namen bekannt wurde.

Für Informationen rund um diesen Artikel bedanken sich die Cocktailwelten herzlichst bei Frau Ana Rosa Trelles Santana de Elflein von Pisco de Oro e.K.
Der Artikel enthält weiterhin wesentlicher Auszüge des Artikels "Der Pisco und sein Name" von Gonzalo Gutiérrez. Der Artikel ist auf Deutsch erschienen im kulturellen Blatt "CHASQUI - Der Postbote von Peru", verlegt vom peruanischen Außenministerium, Ausgabe vom Juli 2003. Weiter Auszüge von G. Gutiérrez aus dem Buch El Pisco/ Apuntes para la Defensa Internacional de la Denominación de Origen Peruano.

Kommentare:

  1. Hatte zwei mal das Vergnügen von Jürgen Deibel in Seminaren mehr über Pisco zu erfahren. War wirklich Top. Eine hier zu Lande leider vernachlässigte Spirituose. Schön hier mal wieder was darüber zu lesen.
    Gruß Olaf
    www.bartender-lab.de/

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  2. Hallo Christian,

    beim Erstellen unserer Webseite www.barsolpisco.eu bin ich auf Deinen Blog-Artikel über peruanischen Pisco aufmerksam geworden.

    Dein Artikel gefällt mir sehr gut und ich habe mir erlaubt, ihn auf der deutschen BARSOL Seite zu verlinken (Du findest den Link unter Pisco).

    Ich würde mich freuen, wenn wir es schaffen, eine Art Community für Pisco aufzubauen. Ich finde es ist eine sehr spannende Spirituose, die noch einen weiten Weg vor sich hat.

    Falls Ihr mal ein Event mit Pisco oder ein Tasting durchführen wollt, könnt Ihr gerne auf uns zu kommen.
    Beste Grüße
    Joachim

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  3. Pisco schmeckt echt lecker!
    Danke für die Info.
    Ich als Cocktailliebhaber suche immer nach etwas neuem und das war wirklich mal etwas anderes.
    Noch besser wurde es mit diesen sogenannten Pepper Drops.
    Falls jemand nicht weiß was das ist, hier ein kleiner Link:http://www.arfiyato-feinkost.de/pepper-drops/

    Haut einen echt um.
    Muss man unbedingt ausprobiert haben.


    Euer Rüdiger
    (Cocktailliebhaber)

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  4. http://www.arfiyato-feinkost.de/pepper-drops/

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