Montag, 31. Januar 2011

Von New Makes und Overproofed Obstbränden

Der gestrige Tag in München sollte eigentlich ganz im Zeichen des Weines stehen. Robin Stein von der Trinklaune und die Cocktailwelten planten zusammen mit Klaus aus der goldenen Bar eine Flasche Rivesaltes aus dem Jahre 1929 zu verkosten! Die Berichterstattung darüber wird in den kommenden Tagen online gestellt... Wie dem auch sei endete das Ganze (als hätte man etwas anderes erwartet) in einem fantastischen Abend. Jeder brachte noch eine weiter Kleinigkeit mit so das am Ende noch ein schönes Premium Bier, Thomas Henry Sodas, ein Champagner von ´81, eine selektierte Käseplatte, eine sehr leckere Lammkeule, ein ganzer Kuchen und viele Spirituosenraritäten auf dem Programm standen. Diese sollen nun auch das eigentliche Thema sein.
Klaus besitzt eine ansehnliche Sammlung von unverdünnten Obstbränden sowie von New Make Whiskys verschiedenster Häuser. Unter einem "New Make" versteht man den noch ungelagerten und unverdünnten Whisky wie er direkt aus der Destillationsanlage fließt. Erst durch diverse Fasslagerungen, Filtrierungen und Verdünnungen entsteht nach Jahren der Arbeit ein Whisky wie man ihn kennt und überall findet. Doch warum gibt es die frischen Brände nicht zu erwerben? Riecht man an den einzelnen New Makes sind ganz deutlich schon die verschiedenen Stielrichtungen der einzelnen Häuser erkennbar. In unserem Beispiel waren das Talikser, Ardbeg und Laphroaig. Alle Proben wiesen eine feine Getreidenote auf die sehr gefällig erscheint und erstaunlicherweise an Fruchtbrände erinnert. Am Gaumen jedoch explodierten die Produkte regelrecht. Sie sind bei einem Alkoholanteil von 65-75% sehr scharf und unwahrscheinlich aromatisch. Getreide, Torf, leicht fruchtige Aromen und vieles mehr vereinen sich in einem wilden Durcheinander. So chaotisch dieser Eindruck auch sein mag hat das ganze einen gewissen Reiz und wir könnten uns vorstellen dass das vielen Leuten gefallen wird wenn der Alkohol auf ca. 50-60% reduziert wird um nicht zu brachial zu erscheinen. Damit ein Tropfen den Namen "Whisky" tragen darf müssen einige Anforderungen erfüllt werden wie zum Beispiel eine Mindestreifezeit. Das führt dazu das diese Destillate offiziell noch kein Whisky sind aber was spricht schon gegen eine neue Spirituosenkategorie der New Makes! Momentan bietet meines Wissens nach nur die kleine Hudson-Destillerie in den USA ein Produkt aus diesem ungewöhnlichen Segment an.
Ähnlich verhält es sich mit Obstbränden. Die im Handel erhältliche Produkte bewegen sich in der Regel im Bereich von 40 bis 45 Volumenprozent. Das Ergebnis ist ein angenehm fruchtiges und leicht scharfes Erzeugnis. Gestern kamen wir jedoch in den Genuss zweier unverdünnter Brände. Quasi ein "straight from the still" aus den Häusern Lantenhammer und Reisetbauer. Die Fruchtaromen im Glas sind bei der Williamsbirne sowie der Mirabelle atemberaubend! Ohne scharf zu riechen könnte man meinen eine frische Frucht vor sich liegen zu haben! Alleine bei dem Gedanken daran läuft mir noch jetzt das Wasser im Munde zusammen. Dieser Eindruck geht am Gaumen weiter: Massivste Frucht wie man sie kaum beschreiben kann. Nur vollreife Birnen und Mirabellen vom Obsthändler könnten intensiver sein. Der Williamsbrand mit 70% ist entsprechend scharf aber durchaus gut trinkbar. Die Alkoholwolke verfliegt innerhalb weniger Sekunden. Anders verhält es sich bei der Mirabelle mit brachialen 83,4% Alkohol. Das Mundgefühl ist sehr grenzwertig und raubt einem im wahrsten Sinne des Wortes dem Atem. Nichts desto trotz eine schöne Erkenntnis in der Welt der Spirituosen! Wir kamen auch hier zu dem Ergebnis das sich "overproofed" Obstbrände mit Sicherheit gut verkaufen lassen würden.
Betrachten wir das schon Geschriebene einmal von der wirtschaftlichen Seit: Sowohl bei den New Makes als auch bei den Obstbränden bedeutet eine höherer Alkoholanteil eine geringere Ausbeute für den Hersteller. Dementsprechend müsste man für diese Spezialitäten den Endpreis sehr hoch ansetzten um das zu kompensieren bzw. den Mengeninhalt der Flaschen drastisch reduzieren. Preise für New Makes müssten in Relation zu den Edelbränden allerdings niedriger sein da die Jahrelange Lagerung in Fässern entfällt. Ich könnte mir vorstellen in diesen beiden Segmenten Produkte zu kaufen. Die New Makes aufgrund interessanter Eigenschaften und zum Vergleich zu den fertigen Whiskys und die Obstbrände aufgrund einer grandiosen Qualitätssteigerung! Vielleicht können wir uns in Zukunft auf die eine oder andere Überraschung gefasst machen was die Entwicklung auf dem Spirituosenmarkt angeht. Immerhin ist die Industrie immer auf der Suche nach neuen Wegen und warum sollte man nicht auf Dinge zurückgreifen die im Prinzip schon existieren aber nicht vermarktet werden? Die Erfahrung hat gezeigt das sich gerade in der Bar immer wieder kleine Nischen zeigen die sich in Windeseile zu etwas Großen entwickeln können
...so wie der gestrige Abend den wir versuchen werden regelmäßig abzuhalten als eine Art Genuss-Stammtisch. Jeder bringt eine kulinarische Kleinigkeit mit die es wert erscheint mit anderen verkostet zu werden. Ich kann den nächsten Termin kaum erwarten! :-)

Montag, 24. Januar 2011

Thomas Henry (Thomax) Grapefruit Lemonade

Für mich gibt es bei der Fülle der existierenden Longdrinks drei, die besonders herausstechen: Der Gin & Tonic mit - wer hätte es geahnt - Gin und Tonic Water, der Dark & Stormy mit dunklem, aromatischen Rum und Ginger Beer und den Paloma mit Tequila (häufig blanco für die Frische) und Grapefruitlimonade.
Die Auswahl an Spirituosen für diese Longdrinks ist riesig und auch die Auswahl an erhältlichen Tonic Watern ist in den letzten Jahren gestiegen. Ginger Beer ist auch relativ gut erhältlich, ich habe erst letztens in einem Asia-Laden in meiner Nähe 3 verschiedene Marken gefunden, hinzu kommen noch Fentimans und - wenn auch ziemlich rar - Fever Tree. Bei Grapefruitlimonade sieht es bisher allerdings Mau aus: Ting, das zum Teil in Asia-Läden erhältich ist, und die teure aber durch Qualität doch relativ preiswerte La Mortuacienne Pamplemousse stehen in Deutschland allein auf weiter Flur.

Seit letztem Jahr allerdings hat sich der deutsche Hersteller Thomas Henry der Aufgabe angenommen, flächendeckend Filler für die Gastronomie in Deutschland bereit zu stellen. Hiervon haben wir die zum Start veröffentlichte Range bereits hier auf den Cocktailwelten verkostet und vorgestellt. Nachdem mit den bisherigen Produkten ein nicht unerheblicher Teil der Filler Konkurrenz bekommen haben, hat die Marke Thomas Henry der Aufgabenstellung folgend zum Auftakt der Barkultour 2011 in der o.T. Bar eine Grapefruitlimonade vorgestellt. Dort bin ich in den Genuss dieser Limonade gekommen und möchte euch meine Eindrücke nicht vorenthalten:
Die blassgelbe, trübliche Grapefruitlimonade befindet sich in einer für Thomas Henry untypischen 250 ml fassenden Flasche - jedoch sprechen das im Logo befindliche TH und die 5 Sterne für Thomas Henry. Beim Einschenken in ein Glas lässt sich ein relativ hoher Kohlensäuregehalt erahnen. Das Aroma ist relativ frisch, leicht herb aber ziemlich dezent. Die Zunge bestätigt dies, die Limonade ist nicht zu süß, rund, aber für meinen Geschmack zu wenig Grapefruit, ich befürchte ein wenig, dass sie im Paloma gegen den Tequila den Kürzeren zieht und sich nicht behaupten kann. Gleich ausprobieren!

Paloma
5 cl Tequila Blanco (ich habe mangels Alternativen Patron Blanco genommen)
2 cl Limettensaft
Fill up Thomas Henry Grapefruit Lemonade
In der Nase verbinden sich die erdigen Töne des Tequilas gut mit der herb-frischen Note der Grapefruitlimonade, der Geschmack ist rund, ein sehr leichter, frischer Drink für den Sommer, allerdings bestätigt sich meine Vermutung: die Grapefruit geht ein wenig unter. Nichtsdestotrotz ein sehr angenehm zu trinkender Drink!
Sascha (Cocktails Old Fashioned) teilte meine Meinung hierbei, dass die Limonade einen durchaus süffigen Paloma ergibt, aber eben ein wenig Grapefruit vermissen lässt und nächsten Sonntag werde ich noch die Meinungen von Christian, Robin (Trinklaune) und Klaus St. Rainer (Goldene Bar) einholen.

Mein Fazit bisher: Sollte diese Limonade ebenfalls das preisliche Niveau von Schweppes anstreben wie die anderen Limonaden von Thomas Henry, werde ich mir für den nächsten Sommer wohl einen Vorrat anlegen :)

Link auf die Herstellerseite (laut Etikett): http://grape-lemonade.de/

Freitag, 21. Januar 2011

DBU Juniorakademie: Vorausscheid auf der HOGA 2011

Vom 16. bis zum 19. Januar fand in Nürnberg wieder die alljährliche Hotel- und Gastronomie-Messe HOGA statt, auf der diesmal unter anderem die DBU mit einigen Firmen wie Pernod Ricard zusammen unter dem Motto „Cocktailarena“ eine Fläche gemietet hat. Ich selbst wurde durch Sascha Thieben (Bristol Hotel Frankfurt) auf den am Montag statt findenden Vorausscheid für die Juniorakademie hingewiesen, an dessen Programm ich als Besucher Teil haben durfte.
Leider war bereits die Teilnahme einiger DBU Sektionen ein Kritikpunkt, für den allerdings die Organisatoren nichts können: Angemeldet wurden von den einzelnen Sektionen insgesamt elf von möglichen 24 - also zwei pro Sektion. Nicht einmal 50% - hier besteht Nachholbedarf und ich hoffe, dass man nächstes mal auf mehr Teilnehmer treffen kann. Aus diesem Grund wurde aus dem Vorausscheid viel mehr ein frühzeitiges Punkte sammeln, denn die erreichten Punkte werden dem Punktekonto in Rostock im Mai zugerechnet wo jeder der elf hinfahren wird.
Die geplanten Tests für die Teilnehmer waren ein Speed-Wettbewerb und ein schriftlicher Test über das Wissen, dass sie sich im Laufe des Tages auf Vorträgen angeeignet haben.
Ziel des Speed-Wettbewerbs war dabei es, einen Bon von fünf Punkten abzuarbeiten. Die Teilnehmer hatten 3 Minuten Zeit, das mis en place für diese Aufgaben vorzubereiten, die ein breites Spektrum der verschiedenen Techniken bezüglich der (Zu-)Bereitung von Getränken abgedeckt hat. So musste ein Longdrink zubereitet, eine Spirituose in ein Nosing-Glas eingeschenkt, ein Softdrink mit Trinkhalm vorbereitet, ein Cocktail im Pousse-Cafe Stil geschichtet und einer gerührt werden. Die Aufgaben wurden den Teilnehmern jeweils kurz vor Ihrem Bühnenauftritt per Los zugeteilt, wobei es zwei Versionen gab, die sich minimal unterschieden haben.
Bewertet wurde dabei sowohl, wie lange die Kontrahenten für das Abarbeiten dieser 5 Aufgaben benötigten, als auch, wie die Technik dabei war. Für schlecht geschichtete Pousse-Cafe Cocktails z.B. gab es einen Zeitmalus, der der benötigten Zeit aufgerechnet wurde.

Wie erwähnt bezog sich der schriftliche Test auf die zum Teil interessanten und informativen Vorträge, die jeweils von „alten Hasen“ gehalten wurden.
Beim ersten Vortrag führte Uwe Voigt die Geschichte und Herstellung in Form eines Abrisses aus und ließ die Teilnehmer dabei diverse Piscos von Viñas de Oro verkosten. Abgeschlossen wurde dies mit einer Ausführung über die Zubereitung des Pisco-Sour. Hierbei hat sich ein Widerspruch mit den Ausführungen von Bernhard Schäfer, der den Pisco Workshop in der goldenen Bar gehalten hat, ergeben. Wurde in der goldenen Bar davon gesprochen, dass der historisch korrekte Pisco Sour Angostura Bitters auf der Schaumkrone beinhaltete, wohingegen auf der HOGA von Amargo Chuncho die Rede war. Wer hat hier weiterführende Informationen? Ich würde mich über Kommentare dazu sehr freuen!
Den zweiten Vortrag hielt Alexander Hauck von The Bitter Truth (TBT) über die Geschichte der Bitters, angefangen mit der Verwendung als Magenbitter über deren Untergang durch den „Pure Food and Drug Act“ bis hin zur Renaissance in der Neuzeit, immer wieder unterstrichen mit Proben der Bitters aus der Range von TBT.
Gefolgt wurde der Ausflug in die bittere Geschichte von einem Vortrag von Arnd Henning Heisen (Shochu Bar) und Oliver Kirschner (Gelbes Haus) über Inspiration für Cocktails, also wo man Ideen für Cocktailrezepte bekommen kann. Im Fokus standen dabei das Arbeiten mit Infusionen und „Fragrance-Cocktails“, also das Ableiten von Cocktailrezepten aus Parfümaromen mit deren Bedeutungen im Parfüm.
Um die Geschichte, Herstellung und Zubereitung von Tee sowie seiner Anwendung in Cocktails drehte sich der vierte Vortrag, gehalten von Franz Schmidauer (Bar Nürnberg) und dem Team vom Wurzelsepp, bei dem einige exklusive Teesorten vorgestellt und vermixt wurden. Der für die Teilnehmer der Juniorakademie letzten prüfungsrelevanten Vortrag drehte sich um Rum, genauer um Havanna Club. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass allgemeiner auf das Thema Rum eingegangen wäre als „nur“ auf eine bestimmte Marke. Dies wurde bei den Bitters und dem Pisco meiner Meinung nach besser gelöst.

Insgesamt wurden zu jedem Vortrag vier Fragen gestellt, die zum Teil auch auf das Detailwissen der gehaltenen Vorträge eingeht, z.B. wurde gefragt zum Vortrag über Bitters gefragt, in welchem Jahr der „Pure Food and Drug Act“ (s.o.) umgesetzt wurde.
Alle Prüfungen hinter sich gebracht, ein wenig matt aber gut gelaunt, ging es für die Teilnehmer danach in die Bar Nürnberg, in der einige Gastbartender die Schüttelbecher geschwungen haben - ein schöner Abschluss, danke an Peppi und sein Team dafür! Insgesamt macht die Juniorakademie auf mich den Eindruck, dass die Priorität viel mehr auf der Weiter-/Ausbildung der Teilnehmer Wert als auf dem Wettbewerb liegt, was ich sehr begrüße. Durch den schriftlichen Test werden die Teilnehmer quasi dazu gezwungen, den Vorträgen aufmerksam zu folgen und sich darüber Gedanken zu machen, was die wichtigen Daten des Gehörten sind. Sollte beim Speed-Wettbewerb die Zeitmali so ausgelegt sein, dass sauberes, korrektes Arbeiten wichtiger als reine Geschwindigkeit ist, finde ich auch diese Prüfung angemessen als kleinen Abriss der technischen Fertigkeiten des Bartenders - aber eben nur ein Abriss, was allerdings die Auslegung der Vorausscheidung vollkommen rechtfertigt, wie finde. Hierbei bin ich schon gespannt, welche Prüfungen und Hürden die Teilnehmer in der eigentlichen fünftägigen Juniorakademie in Rostock im Mai erwartet, hierbei sollen diese ganzheitlich als Bartender bewertet werden. Ich bin gespannt!

Mittwoch, 12. Januar 2011

Ein kleines Gedankenspiel: Ist noch Roggen da?

Seit der großen Cocktailrenaissance vor einigen Jahren gab es mehrere Spirituosen die stark davon profitierten. Vergessene Tropfen wie Apple Jack oder auch Rye Whisky konnten sich aufgrund einer verstärkten Nachfrage erneut in den Regalen der privaten und gastronomischen Bars etablieren. Gerade beim Rye scheint dieser Vorgang allerdings schneller von statten zu gehen wie geplant den die Reihen des amerikanische Roggen-Erzeugnis scheine sich in den letzten Monaten geradezu dramatisch zu lichten!
Sieht man sich in den großen deutschen Spirituosenshops einmal um wird einem der Rückgang von vielen Herstellern oder Qualitäten nicht entgehen. Sämtliche "einfache" und vor allem "billige" Whiskys wie zum Beispiel der Wild Turkey Rye oder der Sazerac Rye sind nirgends mehr aufzutreiben. Lediglich das Produkt aus dem Hause Jim Beam scheint noch in großen Mengen in den Lagerhallen auf Vorrat zu stehen. Was bis jetzt aber noch keine große Probleme bereitet ist das Organisieren von hochwertigen und alten Roggenbränden. Produkte wie Thomas H. Handy, Vintage Rye 23, Rittenhouse 23/25 oder auch Willet Rye sind noch in einigen Shops gelistet. Dies mag allerdings an dem stolzen Preisgefüge von 100-200 Euro pro Flasche liegen. Hinzu kommt das diese Premiumspirituosen nicht für Drinks geeignet sind - es ist einfach zu schade. Und auch pur sind sie nur etwas für echte Liebhaber des aroma- und alkoholstarken Tropfens. Nachdem ich einige Personen aus dem Verkaufsbereich auf diese Situation angesprochen habe kam jedes Mal die selbe ernüchternde Antwort: Die Produkte sind zur Zeit einfach nicht erhältlich. Also was soll man nun machen? Reste bunkern? Ersatz suchen? Selber brennen?...
Interessant sind nun vor allem die Gründe für diesen Engpass. Ohne jetzt recherchiert zu haben würde ich einfach einmal eine Theorie aufstellen. Roggen-Whisky ist trotz seiner Beliebtheit ein Nischenprodukt welches schon kurz vor dem endgültigen Aus stand. Roggen wird im Verhältnis zu anderen Getreidesorten nicht in extremen Mengen angebaut und er wird in den Staaten auch nicht in solchen Mengen zur Alkoholherstellung genutzt wie beispielsweise der Mais. (Ignorieren wir an dieser Stelle einmal die Tatsache das Roggen auch in andere amerikanischen Whiskys enthalten ist aber mit deutlich kleineren Anteil - Bei Rye müssen das mindestens 51% sein) Jetzt geschah es allerdings das die Nachfrage innerhalb von wenigen Jahren um ein vielfaches anstieg. Die Destillen im Land reagieren natürlich darauf und begannen vermehrt mit der Herstellung der vergessenen Spirituose. Wie für Whisky üblich muss dieser vor der Abfüllung zunächst viele Jahre in Eichenfässern reifen um seine typischen Aromen ausbauen zu können. Während dieser Wartezeit leerten sich die Bestände in den Lagern bis zu einem Punkt den wir wahrscheinlich jetzt erreicht haben. Der Export wird gezwungenermaßen eingestellt um noch den heimischen Markt bedienen zu können.
Was sind die Konsequenzen falls meine Theorie zutrifft: Wir müssen mit dem zurechtkommen was noch verfügbar ist und auf die neuen Chargen von den Destillen warten. Das ist für die Bars und Connaisseure zwar Ärgerlich aber nicht zu vermeiden. Viel schlimmer finde ich es allerdings das die zukünftigen Lieferungen und die stetig wachsende Nachfrage auf jeden Fall mit einer deutlichen Preissteigerung einhergehen werden - bei einer Spirituose die ohnehin schon in einem relativ hohen Preissegment angesiedelt ist. Ich wünsche mir gerade nichts mehr wie die Tatsache das ich komplett auf dem Holzweg bin mit meiner Prognose nachdem ich selbst nur noch zwei halbgefüllte Flaschen in der Vitrine stehen habe. Bleibt einem wohl nichts anderes übrig als Abwarten und Rye trinken - oder besser doch nicht?

Montag, 10. Januar 2011

Thomas Henry Produkte im Test

Einer der wichtigsten Zutaten für Longdrinks sind die Filler. Dieser mengenmäßig größter Anteil dieser Getränke kann sowohl ein Saft sein wie beim Tequila Sunrise als auch eine Limonade wie beim Cuba Libre sein. Mit dem wachsenden Angebot an Zutaten wächst auch die Anzahl und die Kombinationsmöglichkeit von Fillern. Einige Drinks erfordern dabei ganz spezielle Limonaden welche auf dem deutschen Markt entweder nur schwer oder in keiner ausreichenden Qualität verfügbar sind. Dem stellt sich die eigens dafür gegründete Marke Thomas Henry welche sich nach einem englischen Apotheker benannt hat der bereits in der letzten Hälfte des 17. Jahrhundert diverse Sodas herstellte.
Die Sodas des Berliner Herstellers sind seit kurzem auf dem deutschen Markt erhältlich und ergänzen die Händler nun mit einer Serie von fünf verschiedenen Produkten. Die Cocktailwelten ließen es sich nicht entgehen das Ganze ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen und die Produkte zusammen mit Klaus St. Rainer aus der Goldnen Bar in München zu verkosten. Thomas Henry füllt seine Limonaden sowohl in 1L-Pet-Flaschen ab als auch in praktischen 0,2L Glasflaschen. Laut einem Interview des Barmagazines Mixology wird der Preis für die Getränke auf den Niveau des Branchenführenden Schweppes liegen. Dies scheint auch sinnvoll zu sein bei einem Versuch in deren speziellen Bereich einzudringen. Die einfach gestalteten Etiketten der Flaschen unterscheiden sich jeweils nur an ihrer Farbe und sind eine gelungene Mischung aus Retro und Moderne. Ich denke das dieses schlichte aber dennoch markante Design gut bei den Verbrauchern ankommen wird. Für weitere Informationen über die Marke und deren Entstehung empfehle ich den ausführlichen Bericht auf Mixology zu lesen. Ausschlaggebend für einen Erfolg ist letztendlich der Geschmack und die Mixabillity der Sodas - sind diese doch speziell für den Bar- und Clubbereich entwickelt worden.

Soda Water: Diese ist das einzige Produkt aus der Reihe das uns nicht zur Verfügung stand. Nachdem es sich bei Soda Water aber schließlich "nur" um Wasser mit Kohlensäure handelt hätte man hier eh nicht zu viele Worte verlieren können: Es blubbert halt...
Bitter Lemon: In einer blas grünen Farbe präsentiert sich diese Limonade mit einem sanften Limettenaroma. Die Säure, die Süße und die Spritzigkeit sind sehr ausgeglichen und werden von einer angenehmen, nicht künstlich wirkenden, Bitterkeit umhüllt welche an Zitruszesten erinnert. Ein sehr rundes Produkt das alle Tester auf der ganzen Linie begeistern konnte! Auf einen Longdrink mit Wodka wurde allerdings verzichtet da ein gutes Resultat zu erwarten sein dürfte. Das Bitter Lemon konnte spontan überzeugen und stellte sich somit als die Überraschung des Abends heraus.
Tonic Water: Viel Zitronenaromen und wieder eine ausgeglichene Süße. Ein hoher Chininanteil sorgt für eine überdurchschnittliche Bitterkeit die aber keinesfalls als störend empfunden wird. Getestet wurde das Tonic zusammen mit Tanqueray Gin auf Eis. Hier lässt die Bitternote ein wenig nach und das Tonic geht eine harmonische Bindung mit der Spirituose ein - ein schöner leichter G&T für den Nachmittag. Ein parallel verkosteter Drink mit Schweppes konnte mit einer höheren Spritzigkeit aufwerten und einem aufdringlicheren Chiningeschmack. Als das Eis die Drinks verwässerte wurde die Version mit Thomas Henry zu flach während Schweppes noch deutlich fruchtiger empfunden wurde. Bei der Wahl eines Favoriten schieden sich die Geister der Tester - hier entscheidet der persönliche Geschmack. Mir persönlich gefiel das TH pur und vermischt sehr.
Ginger Ale: In der Nase ein deutliches Ingweraroma. Am Gaumen weniger Ingwer aber eine leichte schärfe ist wahrzunehmen. Sehr viel Kohlensäure umgibt eine starke Süße und einen unangenehmen Süßstoffgeschmack. Insgesamt erscheint das Ginger Ale zu wild und konnte nicht richtig überzeugen. Mit der Zugabe von etwas Zitrone konnte das Ganze abgerundet werden. Das Ginger Ale stellte sich als das Schwächste aller Produkte heraus aber wird im Gegensatz zum Marktführer seinem Namen noch gerecht!
Ginger Beer: Mit seiner trüben Färbung verbreitet das Ginger Beer ein tolles Ingeweraroma. Beim trinken ist ein dezenter Anteil an Kohlensäure auszumachen und erneut eine hohe Süße aber deutlich regulierter wie beim Ginger Ale. Die Schärfe des Ingwers tritt nun deutlich hervor und weis zu gefallen. Getestet im Dark & Stormy kommt das Ginger Beer gut zur Geltung. Da das Produkt dennoch allen Testern zu Süß war wurde auch hier ein Hauch Zitronensaft beigefügt und sowohl pur als auch im Drink entstand ein rundes und balanciertes Getränk. Eine gelungene Limonade die endlich eine Marktlücke in Deutschland schließt! Bleibt nur zu hoffen das sich eine leichte Verfügbarkeit ergeben wird um den Engpass an dieser exotischen Getränkekategorie endlich zu schließen.

Anmerkung: Wir danken Thomas Henry für die Verfügungstellung einer Mischkiste sowie Klaus für die Benutzung der goldenen Räumlichkeiten und einigen Spirituosen!