Donnerstag, 31. März 2011

Peter Richter: Über das Trinken

Letzten Dienstag lief ich wie immer wenn ich in einer Bücherhandlung bin an den kulinarischen Regale vorbei. Zwischen all den bunten Bücherneuheiten stach eine deutlich hervor. Klassisch schlicht gehalten ziert lediglich ein kleiner, alter Sodasyphon das Cover über dem Titel "Über das Trinken". Die kurze Beschreibung auf dem Schutzumschlag reichte aus um mein Interesse zu wecken - bis dahin ahnte ich noch nicht das ich dieses 202 Seiten umfassende Werk am Stück durchlesen würde...
Der Autor Peter Richter veröffentlicht mit "Über das Trinken" sein drittes Buch nach "Blühende Landschaften" und "Deutsches Haus". Der Kunsthistoriker ist vielen vielleicht auch bekannt als Feuilittonautor bei der FAZ und aus seiner Internetkolumne "Richterspruch" oder aus der "Harald Schmidt Show". Und selbst wenn man Richter nicht kennt sollte nun jedem klar sein das es sich bei seinem neuen Buch nicht um eine weitere langweilige Rezeptesammlung handelt oder um ein weiteres anstrengendes Fachbuch zur Thematik. Das Buch ist eine Hommage an das Trinken selbst. So ist schon auf der Rückseite zu lesen: "Wer trinkt, hat ein Problem. Aber wer nicht trinkt, hat erst recht eins." In einer lockeren Mischung aus geschichtlichen, sozialen und witzigen Aspekten erklärt der Autor warum das Trinken aus unserer Gesellschaft bereits seit Jahrhunderten nicht wegzudenken ist und als Kulturgut geschützt werden muss. Für die meisten die diesen Blog verfolgen geht es meist nur um die Bar- und Cocktailkultur. Das aber die Alkopop trinkenden Jugendlichen an der Tanke auch zum großen Ganzen gehören wird meist übersehen und das wird beim lesen des Buches klar. Die trinkenden Jugendlichen werden nicht Kritisiert - ihre Rolle in dem Stück wird beschrieben.
Es ist auch immer wieder vom erreichen des Rausches die Rede und dessen Wichtigkeit aber auch von den Gefahren des Alkoholisum. Peter Richter vergleicht den Alkoholgenuß mit dem Surfen. Aufschwingen auf eine Welle und schließlich über eine möglichst lange Distanz trocken ans Ufer gleiten ohne abzustürzen. Es ist nicht entscheidend wie viel man trinken kann, sondern wie lange man eine gewollte Stimmung mit dem Trinken aufrecht erhalten kann - ich denke das dies der wohl erstrebenswerteste Aspekt in diesem Buch ist!
Unterteilt in 15 Kapitel wird immer ein anderer Punkt im Zusammenhang mit dem Genuß von Alkohol in der Gesellschaft aufgezeigt. So handelt beispielsweise das vierte Kapitel über das Autofahren mit Alkohol und das Neunte über Alkohol und seine Rolle in der Politik. Gesondert will ich auf den fantastischen Schluss des Buches eingehen mit dem Kapitel "Rettet den Rausch". Hier schreibt der Autor auf ein großartige Art und Weiße warum der Alkohol ein erhaltenswertes Mittel für die Menschheit ist und warum er aber auf kurz oder lang kein rosige Zukunft haben wird! Um diese Zusammenhänge aber zu verstehen ist es wichtig das Buch zu verstehen. Man sollte es nicht ernst nehmen - die Botschaft allerdings schon. So ist unter anderem zur Entstehung des Cocktails geschrieben das diese Mischgetränke nur von Amerikanern hätte erfunden werden können. Es standen auf der Reise in den Westen nur Spirituosen und kein Wein oder Bier zur Verfügung. Da das Volk allerdings ein puritanisches Problem mit dem Rausch habe aufgrund der Gesundheit und der Sünde müsse man harte Spirituosen schließlich mit bunten Fruchtsäften mischen, um sie dort zu verstecken...



Ich kann dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen der sich nur im geringsten mit der dort niedergeschriebenen Thematik beschäftigt. Wer das Buch Die Feine Art des Saufens mag wird "Über das Trinken" sehr zu schätzen wissen. Für mich jetzt schon das absolute Highlight der Bar-Bibliothek 2011! Für gerade einmal 13€ wird man auf das Ausführlichste über "die Gefahren der Nüchternheit" informiert und warum es im Prinzip unmöglich ist nichts zu trinken. In diesen Sinne: Cheers!

Sonntag, 27. März 2011

Pisco - Herkunft und Rohstoffe

Nachdem in der vergangenen Woche schon so einiges zur Namensherkunft des Piscos geschrieben wurde soll es nun zur Herkunft des Piscos selbst gehen sowie seine Rohstoffe. Dabei ist immer zu beachten das es einen deutlichen Unterschied zwischen Pisco aus Peru und aus Chile gibt! Sehen wir uns dazu erstmals den bedeutsameren Brand aus Peru an.

Dieser darf ausschließlich in bestimmten Gebieten des Landes, die so genannte Departments, hergestellt werden. Alle diese Regionen befinden sich direkt an der klimatisch bevorzugten Pazifikküste und sind benannt nach großen Städten in der Nähe. Diese "Zonas de denominación de origen de Pisco" sind von Nord nach Süd Lima, Ica, Arequipa, Moquegua und Tacna. Wird ein Traubenbrand in einem anderen Landstrich hergestellt darf sich dieser nicht Pisco nennen - solch eine geschützte Herkunftsbezeichnung kennt man unter anderem auch beim Cognac oder Portwein. Um diese Echtheit zu garantieren bedarf es die Untersuchung des Brandes durch spezielle dafür eingerichtete Labore - diese dienen auch gleichzeitig dem Verbraucherschutz durch eine ständige Kontrolle der Qualität.
Pisco aus Peru ist ein Traubenbrand der aus der vollen Traubenfrucht, nicht aus Traubenresten aus der Weinherstellung, hergestellt wird. Pisco ist also kein Nebenprodukt der Weinerzeugung, wie dies bei anderen Spirituosen wie dem Grappa der Fall ist. Die Trauben für Pisco werden ausschließlich zum Zweck der Piscoherstellung kultiviert. Diese besitzen alle einen sehr hohen Zuckeranteil welcher für die spätere Herstellung noch eine große Rolle spielen wird - darauf wird im nächsten Piscoeintrag genauer eingegangen. Damit dieses Kriterium erfüllt werden kann muss man die Trauben möglichst vollreif per Hand geerntet werden. Das geschieht in der Zeit zwischen Februar und März und dürfte somit für das Jahr 2011 schon so gut wie abgeschlossen sein. Die auslese von Hand sorgt darüber hinaus wiederum für eine Erhöhung der Qualität bereits bei den Rohstoffen.
Acht Traubensorten sind für die Herstellung der peruanischen Nationalspirituose zugelassen. Dabei lassen sich jeweils vier in die Gruppe der "Aromatischen Trauben" und der "Nicht aromatischen Trauben einordnen". Wie man sich denken kann ist die verwendete Sorte ausschlaggebend für den späteren Geschmack des Piscos - warum sollte es hier auch anders sein als beim Wein. Die aromatischen Trauben sind Italia, Torontel, Albilla uns Moscatel wobei Italia die Populärste darstellt. Sie zeichnet sich vor allem durch ihre Aromen von tropischen Früchten und floralen Tönen aus. Wenn jemand noch keine Piscoerfahrung hat kann man guten Gewissens zu einem "Pisco Italia" raten. Weshalb die Nicht-Aromatischen diesen Namen tragen kann ich nicht sagen den wie auch bei den Aromatischen hat jede dieser Trauben ihren charakteristischen Geschmack der den zukünftigen Pisco prägt. Die Reben mit den klangvollen Namen Uvina, Mollar, Negra Criolla und Quebranta entsprechen dieser Kategorie. Am Häufigsten ist der Quebranta (Bild oben), welcher zu nächst zurückhaltend erscheint aber später feine Frucht- und Toffeearomen freisetzt.

Anders sieht es im Nachbarland Chile aus. Hier werden vor allem die Traubensorten Muscat d´ Alexandrie und Pedro Ximénez verwendet die man auch von der Brandyherstellung in Spanien kennt. Weitere Arten sind Moscatel Rosada, Torrontés Riojano und Torrontés Sanjuanino. Das Hauptanbaugebiet ist das chilenische Elqui-Tal um die Stadt La Union welche bereits im Jahre 1936 in Pisco-Elquil umbenannt wurde - sehr passend! Weiter Anbaugebiete sind Atacama sowie Coquimbo. Ob es auch in Chile eine geschützte Herkunftsbezeichnung gibt konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Insgesamt ist es leider relativ schwer Informationen über chilenischen Pisco zu erhalten was wohl daran liegen mag das der Peruanische Traubenbrand deutlich populärer ist.

Für Informationen rund um diesen Artikel bedanken sich die Cocktailwelten herzlichst bei Frau Ana Rosa Trelles Santana de Elflein von Pisco de Oro e.K.

Sonntag, 20. März 2011

A guy walks into a bar...

Ihr erinnert euch bestimmt noch an die Clip-Reihe The Bartender Hates You auf Youtube, welche mittlerweile aus über 30 Episoden besteht. Neu in den weiten des Internets ist die Mini-Serie A Guy Walks Into A Bar die nicht weniger lustig ist- viel Spaß beim schauen ;-)


Montag, 14. März 2011

Pisco - Der Ursprung des Namens

Neben den bekannten Spirituosen wie Rum und Whisky gibt es eine Vielzahl von weniger bekannten Bränden. Das heißt allerdings nicht das diese nicht genau so spannend sind. Ganz im Gegenteil! Einer dieser Spirituosen ist der Pisco - ein Traubenbrand aus Südamerika. Dieses Getränk ist zu unrecht kaum bekannt und kann mit einer spannenden Herstellung und Sortenvielfalt beeindrucken. Nicht zuletzt überzeugt der Pisco natürlich durch seinen einzigartigen Geschmack. Aus diesem Grunde wird es in der nächsten Zeit in den Cocktailwelten vermehrt um diese bei uns kaum bekannte Traubenspirituose gehen.
Doch fangen wir beim Namen an: Woher die Spirituose ihren Namen hat kann, wie auch beim Rum, nicht mehr genau nachvollzogen werden. Sicher ist jedoch das die ersten Weinreben vor mehr als 400 Jahren über den Seeweg von Spanien nach Peru und Chile gelangten. Aus diesem Zeitraum müsste folglich auch der Name der klaren Spirituose stammen.
Der zoologische Ursprung gilt als erste Quelle oder Richtung des Wortes Pisco. In Quechua, welches von den Einwohnern dieser Zone seit präkolumbischen Zeiten gesprochen wird, bedeutet «pisku», «pisccu», «phishgo» oder «pichiu» Vogel. Noch heute findet man davon viele in der Küstenzone von Ica. Ángeles Caballero registrierte eine Serie von Zeugnissen von Chronisten und Lexikographen seit der Kolonialzeit bis heute, welche diesen Ursprung des Wortes bestätigen.
Es ist offensichtlich, dass vom zoologischen Ursprung ausgehend, sich das Wort «Pisco» in eine neue Richtung entwickelt: Zum Ortsnamen. Aufgrund der Fülle von Vögeln wurde diese geographische Zone unter den Einheimischen mit dem Namen «Pisco» bezeichnet. Diese Namenswahl vor der spanischen Eroberung wird auch nach der Ankunft der Spanier beibehalten. In verschiedenen Chroniken, Dokumenten und Karten wird das Gebiet mit diesem Namen bezeichnet. Die erste, uns bekannte Karte von Peru wurde in 1574 vom Geographen Diego Méndez erstellt. Trotz der Ungenauigkeit der Kartographie dieser Epoche identifiziert er schon damals klar den Hafen von Pisco südlich der Stadt der Könige in dem von ihm benannten «Golf von Lima». Vertraut man Wikipedia wurde an diesem Hafen der  aromatische Traubenbrand vor der Verladung auf die Handelsschiffe in Holzfässer gefüllt die dann mit "de Pisco", zu deutsch "aus Pisco", beschriftetet - ebenfalls eine plausible Theorie...
Der dritte Ursprung des Wortes «Pisco», den Ángeles Caballero identifiziert, ist ethnisch. Gemäß seinen Forschungen lebte seit der prähispanischen Zeit eine Menschengruppe in der Zone des heutigen Hafens Pisco. Diese Einheimischen stammten sowohl von der antiken Kultur Paracas – welche sich zwischen dem II. Jahrhundert vor Christus und dem III. Jahrhundert nach Christus entwickelte und sich durch hochwertige Kunstarbeiten wie die berühmten vielfarbigen Gewebe auszeichnete – als auch von der Kultur Nazca – welche in dieser Zone der Paracas-Kultur zwischen dem II. und XI. Jahrhundert nach Christus folgte – ab. Letztere zeichnete sich durch ihre wunderbare und vielfarbige Keramik und durch den Bau der "Nazca-Linien", enorme Geoglyphen, welche Menschen und tierähnliche Figuren und verschiedene geometrische Zeichnungen darstellen, aus. In dieser Menschengruppe, welche vom Inkareich unter der Herrschaft von Pachacútec (1438-1471) unterworfen wurde, existierte eine Sippe von Töpfern, welche die Piskos genannt wurden. Die Piskos fertigten vor allem Gefäße aus Ton an, die zur Aufbewahrung aller Arten von Flüssigkeiten, besonders von Chicha (Maisbranntwein) und anderen alkoholischen Getränken, welche aus Molle (Früchte des peruanischen Pfefferbaumes) oder cañigua (ein Getreide aus den Anden) zubereitet wurden, dienten. Gemäß dem Werk von Fernando Lecaros benutzten die Spanier die Piskos am Anfang der Kolonialzeit, um Gefäße oder Krüge in Form von griechischen Amphoren herzustellen. Diese wurden aus gebranntem Lehm angefertigt und auf der Innenseite mit Wachs von wilden Bienen überzogen. Sie wurden dazu benutzt, den Branntwein aus Trauben, der in der Region von Pisco erzeugt wurde, abzufüllen und zu transportieren. Schlussendlich ging aus all den vorhergehend genannten Ursprüngen ein vierter hervor, den Ángeles Caballero "industrielle Richtung" nennt. So geschah es, dass die von den Töpfern Piskos produzierten Amphoren auch Piscos genannt wurden. In diesen Gefäßen fing man an, den in der Zone hergestellten Branntwein aus Trauben zu lagern. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass dieser Name schnell von Kontinent zu Kontinent weitergegeben wurde, so dass mit Pisco nicht nur das Gefäß, in dem der hochgeschätzte Branntwein aufbewahrt wurde, sondern auch das Getränk selbst gemeint waren, welches unter diesem Namen bekannt wurde.

Für Informationen rund um diesen Artikel bedanken sich die Cocktailwelten herzlichst bei Frau Ana Rosa Trelles Santana de Elflein von Pisco de Oro e.K.
Der Artikel enthält weiterhin wesentlicher Auszüge des Artikels "Der Pisco und sein Name" von Gonzalo Gutiérrez. Der Artikel ist auf Deutsch erschienen im kulturellen Blatt "CHASQUI - Der Postbote von Peru", verlegt vom peruanischen Außenministerium, Ausgabe vom Juli 2003. Weiter Auszüge von G. Gutiérrez aus dem Buch El Pisco/ Apuntes para la Defensa Internacional de la Denominación de Origen Peruano.