Mittwoch, 31. August 2011

Whisky zum Frühstück

Vielleicht erinnert sich der Eine oder Andere noch an den teils katastrophalen Winter des letzten Jahres. Bei arktischen Temperaturen und dichten Schneetreiben fiel der Flugverkehr teils für Tage aus und damit auch ein teil des deutschen Schienenverkehrs. Und so geschah es das auch ich (eigentlich auf dem Weg nach Hamburg) für einige Stunden in Frankfurt gestrandet bin. Zum Glück hatte Sascha Thieben, Bartender der Bristol Bar, Mitleid und lud unsere kleine Gruppe von Cocktailnerds in die Bar ein. Dort entdeckten wir kleine unscheinbare Marmeladengläser - Whiskykonfitüre!
Seit 1991 stellt der kleine Familienbetrieb um Stephan Franz feine Marmeladen und Saucen nach klassischen Rezepten her. Darunter befindet sich auch die so genannte Whisky Collection. Diese Fruchtaufstriche werden wie sämtliche Produkte von Hand hergestellt aber kurz vor der Abfüllung in 150g oder 350g Gläser mit diversen schottischen Singel Malt Whiskies veredelt. Derzeit finden sich nicht weniger als 26 Varianten der klebrigen Köstlichkeit im Programm! Dazu kommen immer wieder wechselnde Sonder- und Saissonabfüllungen. Laut dem Hersteller bewegt sich der Whiskyanteil in den Gläschen im Bereich um die 5%. Die in der Bristolbar verkostete Sorte machte Lust auf mehr. Und obwohl ich schon lange vorhatte einige Gläser zu ordern und zu testen dauerte es jetzt doch ein ganze Weile das Vorhaben in die Tat umzusetzen - doch es hat sich schlussendlich gelohnt vier weitere Sorten unter die Lupe zu nehmen.

Aprikose/Bruichladdich 15: In der Nase steigt ein süßes und dominantes Aprikosenaroma auf. Schöne Konsistenz und Mundgefühl. Der vermixte Whisky ist hier jedoch nur schwer zu erahnen. Wenn man es nicht wüsste würde man den Malt übersehen. Aber wäre der Whisky nicht vorhanden fehlt der Marmelade wiederum etwas - schwer zu beschreiben...
Orange/Glenfarclas 21: Der Geruch bietet ein feines Orangenaroma und eine sehr dezente Rauchigkeit. Am Gaumen verbinden sich Orange und Malt äußerst harmonisch. Zunächst merkt man nur die Frucht welche dann aber den leichten Whiskyaromen den Vorrang gibt. Beide Komponenten sind wie bei einem guten Cocktail wunderbar ausbalanciert.
Erdbeere/Ballechin: In der Nase ist wieder die Frucht dominant doch der Whisky ist hier schon sehr gut zu erahnen. Die Erdbeeren scheinen bereits hier als ob sie im Moor gewachsen sind. Auf der Zunge entfalten sich die beiden Geschmackspartner explosionsartig. Der Whisky ist sofort präsent und spielt seine Stärken auf. Die Frucht ist hier etwas im Hintergrund versteckt aber bindet sich dennoch gelungen ins Gesamtbild ein. Genau das stelle ich mir unter einer Whiskymarmelade vor! Sehr fein!
Himbeere/Smokehead: Nach dem öffnen des Glases liegt eine deutliche Torfnote in der Luft. Der Whisky scheint die Himbeere deutlich zu dominieren. Im Geschmackstest sind wiederum beide Komponenten super ausbalanciert. Die fruchtigen Beeren und der Brand aus Islay geben ein tolles Ganzes ab. Die über alles dominierende Torfigkeit ist in diesem Zusammenspiel sowohl ungewöhnlich als auch spannend. Tolles Produkt!

Wer nun auch Lust auf eine Kostprobe bekommen hat kann sich das komplette Sortiment unter marmeladenmacher.de erwerben. Mit fast sechs Euro pro Glas sind die Fruchtaufstriche mit Sicherheit keine Schnäppchen aber sie sind es wert! Warum nicht einmal einen Whisky zum Frühstück ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Endlich hat es einmal eine Manufaktur geschafft eine Spirituose wirklich auf hohem Niveau in ihre Produkte einzubinden. Aber nicht nur auf Brot machen die süßen Verführer einen guten Eindruck. Ich könnte mir sehr gut vorstellen damit auch diverse Cocktails zu mixen. Ein Whisky Sour mit der Islay-Himbeere ist mit Sicherheit eine sehr spannende Geschichte. Vielleicht ist mit dem Orangengelee auch eine feine Old Fashioned Variante möglich. Wer hätte gedacht das gesüßte Scotch Whiskys so eine gute Figur machen können - auch wenn sie bestimmt nicht gut für die Figur sind...

Dienstag, 2. August 2011

Absolut Legacy - Marketing kreativ

Die legendäre Form der Flasche ist das Wahrzeichen von Absolut Vodka. Kein Wunder, steht sie auch in der Werbung im Mittelpunkt. Nicht zuletzt macht dieses geschickte Marketing die große Bekanntheit des schwedischen Vodkas aus. In diesem Zusammenhang sind vor allem die Werbeplakate gemeint welche die Silhouette der Flasche in vielerlei Varianten zeigt. Betätigt man die Google-Bildersuche findet man auf Anhieb über 700.000 Ergebnis. Da verwundert es nicht das es auch Sammler und richtige Fanclubs dieser Werbung gibt die einen Großteil ihrer Zeit damit verbringen möglichst seltene Postern zu ergattern.
Nach und nach wurden auch bekannte Künstler dazu aufgerufen sich kreativ an der Vodkaflasche zu betätigen. In der langen Geschichte dieser Zusammenarbeit zwischen Absolut und Kreativen war Andi Warhol der erste Künstler. 1985 malte er die legendäre Flasche wie hier auf dem Bild zu sehen. Was zunächst als Kunst für die Büroräumlichkeiten des Herstellers vorgesehen war, wurde schnell zur Kultwerbung.  Auf Warhol folgte Keith Haring, damals ein unbekannter Graffiti-Künstler. Die Zusammenarbeit mit Absolut verhalf ihm zum Durchbruch. Und der Grundstein für die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit von Absolut und Künstlern wie Damien Hirst, Kenny Scharf, Louise Bourgeois etc. war gelegt.
Eine Reihe dieser Werbung begann damit große Städte einzubinden wie zum Beispiel NewYork. Aus dieser Serie entwickelten sich später auch die dazugehörigen Spezial Edition Wodkas die ebenfalls nach Städten benannt sind - natürlich wurden auch hier wieder Künstler engagiert um diesen Flaschen ein passendes Design zu spendieren... Der erste dieser Brände war im Jahre 2007 der Absolut New Orleans, aromatisiert mit Mango und Pfeffer. Des Weiteren veröffentlicht Absolut mittlerweile jedes Jahr eine Flasche mit einer speziellen Verpackung. Als Beispiel sei die "Absolut Disco" genannt - die Flasche im aussehen einer Diskokugel die in wenigen Wochen bei Sammlern heiß begehrt war und die Preise dafür in den Himmel jagten. Ich selbst staunte eines Tages nicht schlecht was eine Flasche "Absolut Chrome" brachte die ich einst bei Ebay verkauft habe.
In den 90er-Jahren wurde die Zusammenarbeit mit Künstler auf Mode, Design, Literatur, Film und Musik ausgeweitet. Ich persönlich kann mich noch an eine Kunstausstellung in München erinnern zu dem Thema "In An Absolut World" - hier wurde zwar das Motto von Absolut vorgegeben und die Vernissage wurde gesponsert aber sonst gab es keine Verbindung zum Produkt - "passives" Marketing für echte Kultur. Die neuesten Werke sind beispielsweise eine musikalische Kooperation mit Kanye West oder der Kurzfilm"I´m Here" vom Regisseur Spike Jonze. Erst vor wenigen Tagen wurde ein weiteres Video auf Youtube hochgeladen welches einen Einblick in das Schaffen des Sänger Cee Lo Green zeigt. Absolut ist ein grandioses Beispiel dafür wie man Marketing auch auf verschiedenen Ebenen präsentieren kann - es muss sich nicht immer nur um den puren Kundenfang handeln...
Zum 30-jährigen Bestehen der Kampagnen bracht der Spirituosenproduzent ein limitiertes Buch unter den Titel "Absolut Legacy" heraus. Darin enthalten sind sämtliche Werke von namhaften Künstlern und eine Beschreibung wie dieses Bild zustande kam. Weiterhin werden die bekanntesten der "normalen" Poster gezeigt und erläutert. Das und vieles Andere erwartet den Leser. Leider hat die Geschichte einen Hacken: Das Buch ist nicht im Handel erhältlich. Aber ihr habt Glück! Eines der begehrten Exemplare steht den Cocktailwelten zur Verfügung und wird die nächste Woche verlost. Beantwortet einfach die folgende Frage: In welcher Stadt wird Absolut Vodka hergestellt und seit wann? Die Antwort schickt ihr bitte mit eurer aktuellen Anschrift bis zum Sonntag den 07.08.2011 per Mail an cocktailwelten@yahoo.com - Viel Glück! Kleiner Tipp: Habt ihr euch schon einmal eine Flasche Absolut genauer angesehen?