Sonntag, 14. Oktober 2012

Rumfest & Barconvent: Neue Tropfen für 2013


 
Das German Rum Festival und der Bar Convent Berlin sind für dieses Jahr Geschichte. Die Veranstalter haben wieder zwei erfolgreiche Events auf die Beine gestellt dies zusammen über 6000 Besucher in die Hauptstadt locken konnten. Die Berliner Bars haben dem Publikum knapp eine Woche lang gezeigt das sie zu Recht zu den besten des Landes gehören und waren stets gut gefüllt. Das Aufeinandertreffen der Besucher und das damit verbundene Networking sind für die Meisten der ausschlaggebende Punkt um sich auf den Weg nach Berlin zu  machen. Daneben locken selbstverständlich die neuesten Produkte der Bar- und Spirituosenindustrie von denen es dieses Jahr ungewöhnlich viele gab. Einige dieser Produkte auf welche man in den kommenden Monaten ein Auge werfen sollte möchte ich hier (in unbestimmter Reihenfolge) präsentieren:
 
Fee Brothers Orgeat & Falernum sind zwei Sirupe die noch nicht in Deutschland erhältlich sind aber es wird laut Herrn Fee persönlich daran gearbeitet. Das Orgeat ist nicht all zu süß und zeigt ein natürliches volles Mandelaroma. Das Falernum ist in Sirupform zwar alkoholfrei aber konnte neben einer balancierten Aromenmischung aus Nelke und Kardamom  auch mit einer frischen Note von Zitrusfrüchten punkten. Kombiniert mit einem Rum könnte man hieraus ein "richtiges" Faslernum bauen.
 
Fee Brothers Gin Barrel-Aged Orange Bitters sind der neueste Bitters aus dem Hause Fee. Dieser Bitters wurde zur Veredelung für eine gewisse Zeit in gebrauchte Old-Tom-Gin-Fässer gelagert. Das Produkt ist ausgewogen süß und bitter mit einem natürlich wirkendem Orangenbouquet. Geschmacklich ist er zwischen den Orangenbitters von The Bitter Truth und Angostura anzusiedeln. Wer einen Orangenbitters sucht sollte sich diese Neuheit einmal genauer ansehen.
 
The Bitter Truth Peach Bitters sind der neueste Streich der deutschen Bittersmanufaktur. Nur zurückhalten Bitter können diese Tropfen mit einem starken und vor allem natürlichen Pfirsicharoma überzeugen. Dieser Peach Bitters ist der beste welcher mir bekannt ist und wird so manchen Manhattan und Old Fashioned mit einer ungeahnt fruchtigen Note aufwerten. Des Weiteren wurden die Rezepturen von TBT Grapefruit und TBT Chocolate angepasst nach der kooperation mit Bittermens. Die Grapefruit ist nun fruchtiger während die Schokolade deutlich würziger und runder daher kommt.
 
Dzama Rhum Cuvee Noire Prestige ist ein dunkler Rum aus Madagaskar mit einem Alkoholanteil von 40%. Dieser ausbalancierte Brand hat die Eigenschaft das er als Spiced Rum durchgehen könnte obwohl er es nicht ist. Das Zuckerrohr welches den Rohstoff für diesen Rum bildet wächst inmitten von Vanille-Plantagen und nimmt aufgrund dieses besonderen Terroirs die typischen Aromen der gelben Orchidee über den Boden auf. Der Rum riecht und schmeckt als hätte man eine Vanilleschote darin eingelegt obwohl dies nicht der Fall ist - unglaublich! Eine  Erfahrung die jeder Rum- und Spirituosenliebhaber einmal erleben sollte.
 
Bristol Classics ist eine Reihe von Rums aus speziell ausgesuchten Einzelfassabfüllungen. Die Produkte werden vom äußerst sympatischen Firmenchef John Barrett selbst ausgesucht und entsprechend weiterverarbeitet. Die Serie ist in diesem Sinne zwar keine Neuheit aber erweitert sich stets. Es ist fantastisch einen Abfüller zu erleben der seine Produkte mit ganzem Herzen versteht und vertreibt. Jeder Rum hat seinen ganz speziellen Charakter und hat es verdient einmal genauer untersucht zu werden. Ein besonderes Augenmerk viel dabei auf einen Port Morant Demerara von 1999 sowie ein Caroni aus dem Jahre 1974.
 
Lions Vodka ist das zweite Destillat von den Machern des Duke Gins aus München. Der Vodka wird aus Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste destilliert. Der Brand mit 42% ist leicht süßlich und von milder Textur. Durch die ausgesuchte Getreidemischung erhält er daneben ein sehr feines Aroma von Hefe und Korn. Endlich gibts es wieder einmal einen Vodka auf dem Mark welcher nicht durch einen Vielzahl von Destillationsdurchgängen und Filtrationen zu einem Neutralalkohol herabproduziert wird.
 
Topanito Tequila gibt es in den Qualitäten Blanco und Reposado. Beide Sorten bestehen aus 100% Agave und werden in Deutschland von Perola vertrieben. Der Blanco konnte zuerst durch seine Fruchtigkeit überzeugen. Mild und rund im Aroma ist er ein guter Partner für Cocktails und andere Mischgetränke. Der Reposado ist etwas kantiger durch die zusätzlichen Faßaromen und scheint etwas schärfer zu sein. Absolut überzeugen kann das PLV. Ein Tequila mit dieser recht hohen Qualität und deutlich unter 20€ sollte der Konkurrenz das Leben schwer machen!
 
Plantation 3 Stars ist ein weißer Rum-Blend aus den Ländern Jamaika, Barbados und Trinidad. Das Produkt ist ein idealer Mixrum. Er ist weder alkoholisch noch zu charakteristisch. Eine feine Frucht wird umwoben von Karamell und Banane. Trotz eines recht hohen Anteil aus Jamaika ist noch eine dezente Süße wahrzunehmen sowie minimale Reifetöne. In einfachen Rezepturen wie einem Daiquiri wird dieser Zuckerbrand mit Sicherheit ein guter Spielpartner.
 
Kina Avion d´Or ist ein in der Schweiz hergestellter Weinaperetiv. Wein der Cortese Traube aus dem Piemont, wird mit einer Kräuterinfusion aus Chinarinde, Orangenschalen, Wermut und anderen exotischen Gewürzen versetzt. Das Produkt ist süß und wird untermalt von einer ausgewogenen und leichten Bitterkeit. Die Gewürzmischung kommt gut zur Geltung und wird von Zitrusaromen dominiert. Der Likör eignet sich sowohl Pur als auch in Kombination mit einem Schaumwein oder in Cocktails welche Quinquina verlangen wie der Corpse Reviver #2.
 
Mezcal, egal ob Blanco, Reposado oder Anejo, war auf dem BCB allgegenwärtig nachdem Mexico das offizielle Gastland der Messe war. Diese in Deutschland noch total unterschätzte Spirituose wird mit Sicherheit in den kommenden Jahren ihren Siegeszug antreten. Aufgrund der großen Vielfalt und den großen Unterschieden untereinander ist es kaum Möglich zu sagen welche Sorten den nun empfehlenswert sind. Hier sollte jeder selbst eine Verkostung durchführen. Und selbst dann gibt es noch hohe Differenzen zwischen verschiedenen Abfüllungen des selben Produktes was der Herstellungsweise zu verdanken ist. Bei einem Tasting konnte Mezcal San Cosme durch ein mildes Aroma punkten. San Cosme könnte man einfach als Tequila mit Rauchnote beschreiben. Andere Mezcals sind dagegen deutlich komplexer, würziger und fleischiger im Profil. Hier gefielen mir persönlich die Brände aus den Häusern Alipus, Del Maguey und Los Dazantos.

Mittwoch, 19. September 2012

Le Roc Produkte im Test


Limonaden sind für die Bar eine unverzichtbare Zutat. Meist bilden sie als sogenannter Filler den mengenmäßig größten Anteil eines Highballs oder werden anderweitig genutzt. In den letzten Jahren hat sich der Markt für diverse Limonaden gerade im Sektor Bar stark gewandelt. Fand man einst nur immer die selben Produkte ist das Angebot mittlerweile deutlich breit gefächerter. Seit kurzem gibt es eine neue Produktreihe von Warsteiner unter der Marke Le Roc. Diese Filler sind lediglich für die Gastronomie zu beziehen und sind in zwei Gebinden erhältlich - in 1L Pet-Flaschen sowie bartaugliche 0,2 Glas-Mehrwegflaschen. Ein Preis für die ab sofort erhältlichen Limonaden ist mir nicht bekannt aber dieser müsste sich zwingend im Bereich der stark vertretenen Konkurrenz befinden. Derzeit werden die Sorten Ginger Ale, Bitter Lemon und Tonic Water angeboten.
Laut Pressetext wurden die Limonaden zuvor von "150 Bartendern getestet" und mit "Bestnoten" versehen.  Auch ist auf den Flaschen der Schriftzug "Bartender´s Club Selection" zu lesen. Eine Aussage die ich persönlich genau so störend empfinde wie es schon vor wenigen Wochen auf Jrgmyr  zu lesen war. Eine Verkostung der Limonaden soll nun zeigen was Le Roc wirklich kann. Dazu wurden sie auf 5°C herabgekühlt und ohne Eis probiert.
 
Ginger Ale:  In die Nase steigt sofort ein sehr intensives Ingweraroma das ich bei einem Ginger Ale noch nie so ausgeprägt wahrgenommen habe. Beim Ausschank in ein Glas fällt auch sofort ein hoher Kohlensäureanteil auf da die Limo sehr stark aufschäumt. Die Ernüchterung kommt aber leider beim Geschmack. Der Ingwer ist vollkommen verschwunden. Dafür fällt sofort eine hohe, leicht künstliche, Süße auf die das gesamte Spektrum an Geschmäckern dominiert und auch dies nur sehr kurz. Insgesamt macht dieses Produkt einen relativ verwässerten Eindruck. Lediglich bei Raumtemperatur ist noch ein wenig Ingweraroma auszumachen was aber in der Bar völlig irrelevant ist- wer will schon warmes Ginger Ale? Bei einem Longdrinkversuch mit Makers Mark Bourbon ging der Filler sofort komplett unter. Auch der Versuch das Ganze  durch die Zugabe von Limettensaft zu retten war zum Scheitern verurteilt. Damit ist das grüne Le Roc schon einmal durchgefallen. Das machen andere Hersteller um Weiten besser.
 
Bitter Lemon: In der typisch milchigen Farbe präsentiert sich dieser Mix-Klassiker mit einem säuerlichen Geruch von Limette und wieder sehr viel Kohlensäure. Am Gaumen dominiert zunächst wieder eine starke Süße welche dieses Mal allerdings von einer angenehmen Bitterkeit unterlegt ist. Das Le Roc ist dabei deutlich weniger bitter als vergleichbare Produkte. Dafür sind diese auch allesamt fruchtiger und frischer. Le Roc hinterlässt auch hier wieder einen wässrigen Eindruck und kaum wahrnehmbare weitere Geschmäcker. Bei einem Test als Longdrink wurde das Bitter Lemon mit Patron Silver Tequila vermischt. Das Ergebnis war nach den ersten Enttäuschungen ganz ordentlich. Die Mischung war leicht süß, rund und konnte durch die zusätzliche Zugabe von etwas frischem Limettensaft noch mit einer schönen Fruchtigkeit punkten - alleine ist das Bitter Lemon dazu sonst nicht in der Lage. Im großen und Ganzen bin ich aber der Meinung daß auch hier die Konkurrenz bessere Produkte bereitstellt.
 
Tonic Water: In der Nase fast neutral ist nur ein Hauch von Zitrone zu erahnen. Des Weiteren scheint mir das gelbe Le Roc weniger Kohlensäure zu besitzen als die anderen Sorten. Der Hauch von Zitrone setzt sich auch im Geschmack fort und wird dieses Mal nicht gleich von zu vielen Süßstoffen erschlagen. Süße und Bitterkeit sind sehr ausgewogen und wechseln sich dabei im Mundraum ab. Pur konnte mich dieses Tonic Water  durchaus überzeugen. Das Le Roc würde ich in einem Ranking teils höher bewerten als die Tonics anderer Marken. Im Zusammenspiel mit Tanqueray Gin erscheint die Limonade etwas bitterer als in der Purverkostung. Eine leichte Fruchtigkeit ist nicht zu leugnen aber insgesamt ist der Gin Tonic etwas unrund. Dies konnte durch einen Spirtzer frischer Limette, wie auch schon beim Bitter Lemon, bestens korrigiert werden. Ein Le Roc Gin & Tonic ist ein sehr brauchbares Getränk das ich nicht ablehnen würde. Hier hat Warsteiner etwas kreiert was sich durchaus sehen lassen kann.
 
Wie schon fast zu erwarten können die Produkte die versprochenen "Bestnoten" nicht einhalten. Ob es sich bei Le Roc um ein "Bartender´s Club Selection" handelt wage ich an dieser Stelle zumindest beim Ginger Ale stark zu bezweifeln und ich rate davon ab. Wenn das Bitter Lemon weniger süß und dafür fruchtiger wäre fände ich es deutlich besser. So bleibt es eine reine Geschmackssache und ich bewerte die Limo in der Zusammenfassung mit einer neutralen Note. Das Tonic hingegen konnte überzeugen und kann ohne schlechten Gewissens empfohlen werden. Schade das es für den normalen Endverbraucher nicht zu beziehen ist.
 
Anmerkung: Für diesen Artikel stellte die Warsteiner Brauerei Flaschen zum Verkosten zur Verfügung.

Samstag, 25. August 2012

Mixology Bar Awards 2013: Long List in der Kategorie „Bar des Jahres“


Die Cocktailwelten melden sich zurück aus einer zugegeben sehr langen Sommerpause. Das sich diese Jahreszeit aber schon wieder dem Ende zuneigt dürfte zumindest viele Bartendern und Connaisseure freuen denn dann kann es nicht mehr lange dauern bis der Barconvent in Berlin zum wiederholten male seine Pforten öffnet. Obligatorisch findet zu diesem Event auch die jährlichen Vergabe der Mixology Bar Awards statt.
Beim ersten BCB fand diese kleine Zeremonie noch auf der Hauptbühne der noch kleinen und unbedeutenden Barmesse statt. Doch schon hier zeigte sich das Potenzial eines solchen Projekts welches bis dato im deutschsprachigen Raum noch nicht vorhanden war. Schon ein Jahr später sollten die Awards eine eigene Veranstaltung bilden die bis jetzt immer am Abend des zweiten Messetage stattfand. Was sich jedoch stetig geändert hat war das Umfeld um den begehrten Preis. Die Orte der Verleihung wuchsen mit der Anzahl der Besucher und der steigenden Aufmerksamkeit. Es wurden Trophäen in neuen Kategorien hinzugefügt und auch wieder entfernt so zum Beispiel der Antipreis "Die gefüllte Olive des Jahres" - quasi die "Die goldene Himbeere" der Barindustrie. Auch das Rahmenprogramm wurde von Jahr zu Jahr ausgearbeitet. Ging es am Anfang nur um die reine Ehrung der Gewinner standen bald Reden, Showeinlagen, Musik und unzählige Sponsoren-Bars auf der Tagesordnung. Aus den Mixology Bar Awards wurde eine Bartender-Party. Dazu gesellten sich noch weitere Änderungen und Verbesserungen wie der Jurybeirat, der City-Awards als Wanderpokal oder schlichtweg auch nur die wachsende Bedeutung der preise auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes.
In diesem Jahr entschlossen sich die Macher des Projekts neue Wege zu gehen. Zum ersten mal findet die Veranstaltung im festlichen Rahmen bei einem Dinner zeitlich getrennt vom Barconvent statt (ein Tag davor). Tickets können ab sofort im Cocktailianshop erworben werden. Dabei wird auch die vorher angesprochene Party sozusagen ausgelagert. Per Liveübertragung wird die Preisübergabe im Amano Hotel  auf Leinwänden zu sehen sein. Eine Eintrittskarte ist hier nicht notwendig - der Zugang ist kostenlos. Dieses Aufsplitten kommt der Seriösität des Ganzen sehr zu Gute und ist in meine Augen die beste Veränderung seit Anbeginn der MBA!
Welchen Stellenwert die Awards mittlerweile haben ist am besten im Netzwerk Facebook zu sehen. Mit Spannung werden momentan die einzelnen Nominierungen der mittlerweile zehn Kategorien erwartet. Die Listen werden mit rasanter Geschwindigkeit weitergegeben und jede fünfte Meldung ist  eine Glückwunschbekundigung an die Auserwählten. Von Neid und Missgunst ist hier anscheinend keine Spur zu sehen. Die Szene freut sich gemeinsam auf die Awards und die grandiose Barwoche in Berlin a.k.a. Bartenders Chritsmas um die gemeinsamen Interessen weiterhin auszubauen und voranzutreiben. Um die Ungeduld mancher Bartender nicht weiter zu strapazieren (an dieser Stelle ein Gruß an Herrn Wolff in Berlin ;-) freue ich mich die nächsten Nominierungen nennen zu dürfen.
 
Gemeinsam mit Mixology, Magazin für Barkultur und verschiedenen Bar- und Cocktailblogs präsentieren die Cocktailwelten die Nominierte der Long List in der Kategorie „Bar des Jahres 2013“.
 
Kriterium
Die Bar des Jahres besticht in erster Linie durch ein außergewöhnliches Konzept und dessen konsequente Umsetzung. Sie besitzt durch ihre individuelle Klasse einen wahrnehmbaren Markenkern und sticht aus der Masse raus. Barkarte, Drinkauswahl und Ingredienzien sind Qualitätsmerkmale und illustrieren den Charakter der Bar. Leistung, Service und Angebot sind stimmig und stabil in Qualität und Ausübung. Basics wie beispielsweise eine regelmäßige Frequentierung des Gastes und ein gepflegtes Umfeld sind professionelle Routine.

Die Nominierten

Albertina Passage, Wien

Capri Lounge, Köln

Die Goldene Bar, München

Eberhardt‘s, Hamburg

Immertreu, Berlin

Lebensstern, Berlin

Reichenbach, München

Rote Bar, Frankfurt

Spirits, Köln

Würgeengel, Berlin
 
 
Die Cocktailwelten gratulieren allen Nominierten und wünschen viel Glück! Sämtliche Nominierungen der Longlist und deren präsentierenden Blogs sind hier auf Mixology einsehbar.

Donnerstag, 8. März 2012

Thomas Henry Elderflower Tonic Competition

Soeben wurde auf Facebook der Gewinner des Thomas Henry Elderflower-Tonic Contests ermittelt. Neben einem Longdrink mit der neuen Brause des Berliner Limonadenherstellers galt es ein passendes Video zum Drink zu drehen um diesen ins richtige Licht zu rücken. Nach einer langen Verkostung der über dreißig Einsendungen ermittelte die Fachjury den Gewinner welcher sich nun auf den Hauptgewinn, eine Reise nach New York, freuen darf!
Jochen Hirschfeld konnte das Rennen mit "The Henry" für sich entscheiden und zeigt somit eindrucksvoll das es nur wenige unkomplizierte Zutaten für einen guten Drink braucht. Dieser Highball hat für mich das Zeug zum Sommerdrink 2012.


Alle anderen prickelnde Rezept-Videos der Teilnehmer hat Thomas Henry auf seinem Youtube-Kanal gesammelt. Weitere Informationen zum Elderflower Tonic gibt es hier.

Sonntag, 26. Februar 2012

Disaronno Mixing Star 2012

Was hat Italien und Indien außer der selben Namensendung gemeinsam? Wahrscheinlich nicht viel aber zumindest ein Cocktailwettbewerb überspannt die Kontinente und schafft so eine flüssige Brücke zwischen den Ländern. Erneut lädt Campari mit seinem italienischen Mandellikör Disaronno Amaretto sämtliche professionelle Bartender ein sich als echter Mixing Star zu beweisen.
Dieser Contest startete letztes Jahr zum ersten Mal und wurde zugleich ein voller Erfolg. Bartender aus 9 Ländern kreierten sage und schreibe 650 Disaronno-Drinks welche in 18 lokalen Städten ausgemixt wurden. George Bagos aus Griechenland konnte damals mit seinem Cocktail aus Amaretto, Jasmintee, Yuzu und frischem Limettensaft überzeugen und gewann einen Trip nach Hollywood sowie einen Gastauftritt in der Erfolgssendung "How I Met Your Mother". Wer dieses Jahr ein Rezept einreicht hat neben einigen Sachpreisen auch die Chance in die größte Filmschmiede der Welt zu reisen. Es geht in das ferne Indien nach "Bollywood" Mumbai. Dort lockt ein fantastischer Urlaub sowie eine Gastrolle in einem  Bollywood-Film - vielleicht sollte der Gewinner zuvor auch Tanzstunden nehmen und nicht zu kitsch-empfindlich sein ;-) Doch davor gilt es sich in den nationalen Ausscheidungen zu beweisen. Diese finden am 14. Mai in Hamburg sowie am 21. Mai in München statt. Wer hier als Sieger hervorgeht zieht ins Finale des Wettbewerbs ein welches dieses Jahr praktischerweise in Berlin stattfindet. Begleitet werden die in Deutschland stattfindenden Kapitle des "Mixing Star" vom Disaronno Markenbotschafter Emanuele Ingusci aus München-  der sympatischsten Gastgeber den ich mir vorstellen könnte!
Wer nun Lust bekommen hat und eine gute Idee mit Disaronno im Petto hat kann sich von jetzt bis mitte April unter folgender Seite bewerben:  http://www.themixingstar.com/context/DE/de

Donnerstag, 12. Januar 2012

Jim Beam Liköre: Red Stag & Honey im Test

Mixology-Online schrieb jüngst eine Prognose über die vermuteten Bartrends für das Jahr 2012. In einem der Punkte hieß es dazu "Whiskyliköre sind im Anmarsch". Und in der Tat scheint sich dieser Punkt bereits jetzt zu erfüllen. Allen voran gibt aktuell die Bourbonmarke Jim Beam den Ton an. Bereits letzten Sommer brachte das flüssige Großunternehmen ein Produkt mit Kirscharomen auf den Markt. Nun folgt eine Honig-Variante. Beide Whiskyliköre basieren auf dem vierjährigen Standartwhisky des Hauses - dem White Label. Was sich hinter diesen Likören allerdings verbirgt soll ein kleiner Test zeigen. Dazu wurden den Cocktailwelten jeweils ein Muster zu Verfügung gestellt. Man darf gespannt sein.

Red Stag ist laut Beam Global der erfolgreichste US-Lauch im Whiskysegemnt der letzten fünf Jahre. Und auch von anderen Quellen habe ich gehört das sich dieser Likör dort wie warme Semmel verkaufen würde. Dies war mit Sicherheit auch der ausschlaggebende Punkt sich auf dem deutschen Markt zu versuchen. Red Stag wurde laut Etikett mit natürlichen Aromen der Schwarzkirsche versetzt. In einer Anzeige konnte ich dazu entnehmen das "in einem speziellen Herstellungsprozess die Kirschnote in kleinen Einheiten langsam in den Bourbon geblendet wird" - was auch immer man darunter versteht. Wie auch der Basiswhisky hat der Likör einen Alkoholanteil von 40% Vol.
Der Geruch erinnert in der Tat an Kirschen aber erscheint mir eher als ein künstliches Aroma. Immerhin ist auch überall nur die Rede von Kirscharomen und nicht von Kirschen. Ein durch den Alkohol erzeugtes Stechen in der Nase macht das Erlebnis auch nicht viel besser. Auf der Zunge merke ich bei der Verkostung vor allem eins: Zucker! Der Likör ist meiner Meinung nach geradezu unangenehm Süß. Dazu gesellt sich wieder das künstliche Kirscharoma. Vom Whisky ist in dem Gebräu nicht mehr übrig geblieben als der Alkohol. Das klebrige Gefühl verbleibt noch während des ganzen Abgangs am Gaumen. Mir ist es ein Rätsel warum sich dieses Produkt so gut verkauft - in meinen Augen ein Flop! Ein Whisky mit einem guten Cherry Brandy im Verhältnis 6:2 vermixt dürfte das bessere Ergebnis abliefern.

Jim Beam Honey wird noch diesen Monat global als erstes auf den deutschen Markt eingeführt. Vorerst ist man aber noch etwas zögerlich und belässt es für den Anfang auf einer limitierten Auflage. Den Etiketten auf der Flasche ist wieder zu entnehmen das die zu erwarteten Honigaromen von echtem Honig abstammen der dem Whisky zugegeben wurde. Was mir sofort ins Auge gesprungen ist war der Veränderte Alkoholgehalt auf 35%. Davon ausgehend das der Honig als Verdünner fungiert kann man grob daraus schließen das sich in einer Literflasche geschätzte 8 cl Honig befinden. Ich vermute aber das dieser noch mit Wasser verdünnt wurde aufgrund besserer Verarbeitung. Als Cocktailtrinker weiß man wie schwer sich Honig ansonst in kalten Flüssigkeiten auflöst.
In der Nase ist der Honig nur schwer auszumachen da seine dezenten Aromen vom Alkohol überlagert wird. Nur recht dezent sind die typischen schweren Honigtöne vorhanden. Vielmehr erinnert das Bouquet an Karamellbonbons. Der Geschmack des Likörs überrascht hingegen. Deutlich Süß, aber nicht so stark wie erwartet, breitet sich daneben der Alkohol mit einer gewissen Schärfe aus. Aber gerade das verleiht dem Ganzen einen gewissen Charakter und lässt den Likör nicht all zu eintönig schmecken. Aromen von Karamell und Vanille stehen an vorderster Front. Der Whisky an sich wird keinesfalls zu sehr überlagert und steuert Fassaromen bei. Der Honig an sich ist auch hier wieder nur dezent im Hintergrund. Im Abgang verbleibt das Bienenprodukt etwas ausgeprägter.
Wie es der Zufall so will steht mir zum Vergleich noch ein  zweiter Whisky-Honig-Likör zur Verfügung. Es handelt sich um den Slyrs Liqueur (30% Vol.) welcher aber noch zusätzlich mit Vanille aromatisiert wurde. Bereits in der Nase verströmt das bayrische Produkt eine sehr starkes Honigaroma. Bei einer annähernd gleichen Süße wie beim Jim Beam tritt hier keine alkoholische Schärfe auf und der Honig ist sofort präsent. Hier ist die Whiskybasis weniger zu erahnen aber insgesamt ist der Slyrs das deutlich bessere Produkt. Dabei muss man allerdings beachten das der Bayer auch das Doppelte Kostet als der Amerikaner. Für 15€ ist der Jim Beam Honey ein recht solides Produkt das seinen Ansprüchen durchaus gerecht wird - er wird seine Abnehmer finden.

Wie man sieht liegt gut und schlecht manchmal gar nicht so weit  auseinander. In wiefern sich diese (oder auch andere) Whiskyliköre durchsetzen werden wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Diese Produkte sind auch ganz klar an den Endkonsumenten gerichtet und weniger an die Bars. Wie der werte Blog-Kollege von Eye for Spirits in Erfahrung brachte plant Beam Global auch schon die Einführung zweier weiterer Whiskyliköre. Red Stag Honey Tea sowie Red Stag Cinnamon. Seiner Aussage "Ziel ist es ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Dabei wird gesüßt und aromatisiert, um in erster Linie Spirituosen-Unerfahrene und jüngere Altersgruppen für die eigenen Produkte zu begeistern." kann ich nur zustimmen. Aus wirtschaftlicher Sicht macht das durchaus Sinn. Als Spirituosenliebhaber bin ich weniger begeistert. Das Jim Beam auch ganz anders kann und erstklassige Produkte produziert zeigen sie sehr eindrucksvoll mit ihrer Small-Batch-Reihe die u.a. die Whiskys Baker´s, Booker´s und Basil Hayden beinhalten.

Montag, 9. Januar 2012

Mindful Bartending by Garry "Gaz" Regan

Garry Regan, Cocktail-Kolumnist für den San Francisco Chronical und Autor diverser Barbüchern, widmet seine Zeit neuerdings einem Video-Blog. In der kommenden Serie "Mindful Bartending" erklärt uns der kauzige Bartender in gewohnt lockerer Manier wie man den Gast respektiert und behandelt als wäre er ein enges Familienmitglied. Wer Gaz bereits live bei einem Vortrag oder im persönlichen Gespräch erleben durfte weis das dies für Ihn der wichtigste Aspekt des Bartendings ist. Man darf gespannt sein was uns Garry aus seiner 45-jährigen Barerfahrung alles zu erzählen hat!

Freitag, 6. Januar 2012

Vergangenheit und Gegenwart

Althistoriker Steffen Hubert ist freudig-suchender Forscher nach den neuesten Entwicklungen der Barkultur und ist unter anderem als Autor für Mixology tätig. In einem letzten Eintrag versuchte sich Steffen an der hohen Kunst der Weissagung und prophezeit zehn Trends für das kommende Jahr. Ob aus einer Kristallkugel oder aus Karten "gelesen" wurde ist an dieser Stelle nicht bekannt. Ich schließe mich dieser Liste, bis auf den Mezcal-Punkt an, und möchte mich als Connaisseur zu zwei Punkten äußern die mir besonders am Herzen liegen.
Das wäre zunächst einmal Numeri Quartus "Die Barkultur und der Mainstream". Der Titel bezieht sich dabei auf die gleichnamige Podiumsdiskussion welche im vergangenen Jahr auf dem BCB geführt wurde. Leider wurde am eigentlichen Gedanken dieses Gespräches vorbeigeredet. Aber eines ist klar. Die Spirituosen- und Barwelt such den Kontakt zu den Endkonsumenten. In vielen Zeitschriften sind nun Werbekampagnen für die verschiedensten Getränke zu finden und das nicht nur in Koch- und Fachmagazinen. Vor allem im Printbereich des Lifestyles haben sich diese Marketinganzeigen ganz gezielt etabliert. Modern und Hipp will man seine Marke präsentieren- am besten noch kombiniert mit einem Lächeln eines bekannten Hollywoodstars. Wer trinkt ist dabei! Vor wenigen Jahren fand man in der flüssigen Fernsehwerbung fast nur Werbung für Bier. Heute konkurrieren ein Duzend Spirituosen um die Gunst des Konsumenten. Dabei beschränken sich die meisten Kampagnen aber nicht nur um den Verkauf ihrer Ware sondern auch um den richtigen Genuss derselben. Trinken ja aber bitte mit Style - man will ja nicht zum gemeinen Pöbel gehören. Der Zielkunde wird daraufhin manipuliert und wird sich auch entsprechende Trinkstätten aufsuchen. Man geht lieber in eine schön Bar oder Club als in die Bierkneipe von Nebenan. Gemischte Getränke rücken automatisch in den Vordergrund. Man lernt die Mischungen zu schätzen insofern diese gefallen und probiert vielleicht wirklich auch das Mixen zu Hause aus. Der Aperol Fizz ist ein Paradebeispiel für eine solche Entwicklung. "Barkultur wird nicht zum Mainstream, aber der Mainstream wird 2012 barkultivierter." heißt es in der Mixology-Redaktion. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Ich hoffe das sich dieser Trend noch eine ganze Weile halten kann. Die direkte Barkultur ist der breiten Maße kaum zu vermitteln, aber in kleinen Stücken kann man sich ihr problemlos nähern.

Das führt mich direkt zur Weissagung Nr. 6: "Der Kluge Mann von Nebenan". Von Nerds und Connaisseuren ist die Rede. Von jenen merkwürdigen Personen die sich verstärkt auf das Genusstrinken spezialisieren und sich aktiv damit beschäftigen. Unter uns sollen sie sein und es werden immer mehr! Als Beteiligter freute mich dieser Punkt sehr! Es ist schön das man mittlerweile Anklang gefunden hat. So ist beispielsweise das oben erwähnte BCB-Thema "Die Barkultur und der Mainstream" auf Vorschlag eines Connaisseurs entstanden. Viele dieser Personen arbeiten Nebenbei hinter eine Tresen um das Hobby verstärkt auszuleben. Kennengelernt über das Internet trifft man sich mittlerweile regelmäßig zum Fachsimpeln in der privaten, teils aberwitzigen Heimbars oder in einer Stadt zu einer gepflegten Bartour. Und ab und an schließt sich solch einer Gruppe auch der eine oder andere Bartender an. Auf Messen und Veranstaltungen sind immer mehr dieser Barliebhaber zu sehen und auch erwünscht. Man hat erkannt das sie die Informationen der Barkultur weit verbreiten können.
Die ersten Cocktailwettbewerbe wurden von den Cocktailnerds gewonnen oder sie schafften es immerhin auf das Siegertreppchen. Ich erinnere mich zurück an eine hitzige Diskussion die vor ziemlich genau drei Jahren hier auf den Cocktailwelten und auf der Mixology-Website geführt wurde. Ich habe in einem Beitrag bemängelt das Connaisseure meist bei Wettbewerben kategorisch ausgeschlossen werden. Damals das Hauptthema in der Szene. Als Betroffener durfte man sich noch solche Dinge anhören wie "Mischt euch nicht bei den Profis ein" oder "Geht wieder dahin wo ihr hergekommen seid" Hier wurden regelrecht Keile zischen die Lager geschlagen. Zum Glück haben sich solche Situationen zum Positiven gewendet und jeder profitiert vom anderen. Diese Symbiose führte aktuell soweit das ein ausschließlich von Nerds (wir haben übrigens nichts gegen diesen Ausdruck und verwenden ihn selbst) durchgeführtes Tasting zu einer landesweiten Markteinführung von zwei neuen Spirituosen ausschlaggebend war! Nicht zu vergessen sind natürlich alle diejenigen welche daneben noch Foren, Homepages und Blogs zum Thema schreiben. Auch wenn vor 1-2 Jahren insgesamt mehr geschrieben wurde vergeht doch kaum ein Tag an dem es nicht irgendwo die neuesten Nachrichten zu erfahren gibt.
Übrigens möchte auch ich mich dem Blog wieder mehr widmen nachdem mich eine Mischung aus "keine Zeit" und "keine Lust" übermannt hat. Wünschenswert wäre in dieser Hinsicht auch wieder eine Verstärkung der Kommentarkultur zum Informationsaustausch auf allen Plattformen. Diese lässt in letzter Zeit leider sehr zu Wünschen übrig (ja, ich bin auch nicht besser). Es würde zumindest die weiter Kommunikation wieder ein Stück verbessern. In diesem Sinne bitte ich euch laut Mixology "2013 sollte man wieder mit Steffen Hubert sprechen… …im Zweifel nimmt er dann alles zurück und behauptet das Gegenteil." Da haben wir ja Glück das die Welt im Dezember sowieso wieder einmal untergehen soll! Ich erhebe das Glas auf die bis dato wachsende Barkultur!

Dienstag, 3. Januar 2012

Pisco Barsol-Sortiment im Blindtasting

Neues Jahr, neues Glück, neue Piscos! Es ist jetzt knapp drei Monate her seitdem ich zusammen mit dem Cocktailforum ein kleines Piscotasting abgehalten habe. Damals war es mir wichtig vor allem in Deutschland gut erhältliche Sorten zu verkosten. Genau an dem Tag als es zu spät war an dem Tasting noch Änderungen vorzunehmen schrieb mich die Nürnberger Perola GmbH an das sie einen neuen Pisco auf den Markt bringen und sie würden ihn gerne mit in das Tasting schicken. Da die ersten Tastingpakete schon zu den Teilnehmern unterwegs waren war das allerdings unmöglich. Arno Schmid-Egger und Joachim Klein, die Geschätsführer von Perola, ließen zum Glück aber nicht locker und machten uns Cocktailnerds ein Angebot das man nicht ablehnen konnte. Ein zweites Tasting wurde organisiert in dem nur Piscos aus dem Hause Barsol an den Start gingen.
Der neue Pisco mit den Nazca-Linien auf der Flasche wurde noch während den Vorbereitungen zum Tasting auf dem BCB vorgestellt. Dort zeigten sich schon viele positive Resonanzen der dort vorgestellten Traubenbrände. Gute Qualität und ein guter Preis machen eben schnell auf sich aufmerksam. Die Verkostung über die Cocktailwelten und das Cocktailforum umfasst jedoch nicht nur die drei bisher bekannten Sorten sondern alle sieben Brände welche die Destillerie um Barsol herstellt. Des Weiteren gab es bei den teilnehmenden Connaisseuren noch die Möglichkeit eine von drei Flaschen Barsol zu gewinnen.
An dieser Stelle möchte ich kurz einige kurze Eindrücke von den Bränden schildern. Über die Qualitäten Quebranta, Acholado sowie Mosto Verde Italia wurde bereits geschrieben. Letztere setze sich auch im Tasting als Sieger durch und wurde mit den meisten Punkten bewertet. Die anderen erhältlichen Sorten bildeten dagegen die Schlußlichter. Ein erstaunliches Ergebnis da, wie bereits erwähnt, alle drei Sorten auf dem Barconvent punkten konnten. Aufgefallen ist mir bei der Verkostung aller Produkte zudem eine relativ hohe Restsüße. Diese kann ich in einer so hohen Dosierung bei anderen Piscos nicht ausmachen. Dies ist keinesfalls negativ zu bewerten aber erklärt es doch warum Barsol relativ mild ist - der Alkohol versteckt sich etwas hinter dem Restzucker. Im Mittelfeld der Bewertungen konnten sich die beiden nicht erhältlichen Mosto Verde Quebranta und Mosto Verde Torontel platzieren. Beide Sorten sind sich ziemlich ähnlich und fallen durch eine feine Fruchtigkeit auf welche allerdings nicht sehr stark ausgebaut ist. In Cocktails könnten diese Traubenbrände untergehen.
Auf Platz zwei der Verkostungsauswertung befindet sich wieder ein Italia. Diese aromatische Traubensorte schafft es immer wieder sich gegen den Standart Quebranta durchzusetzen und erhielt, ohne einen Ausreißer nach unten, durchwegs gute Noten. Mit einer angenehmen Schärfe im Abgang präsentiert sich das Produkt ausgesprochen Rund und enthüllt Aromen von Pfirsich, Bananen und Blüten. Barsol Italia ist ein heißer Kandidat für einen gelungenen Pisco Sour oder Pisco Punch. Auch pur als lockerer Digestif dürfte nichts gegen diese Spirituose sprechen. Auf der vierten Position konnte sich ein "nicht grüner" Torontel beweisen.  Von allen sieben Sorten polarisierte dieser am meisten. Von mageren zwei Punkten bis zur Höchstnote Zehn war alles vertreten. In der Nase leicht muffig setzt sich auf der Zunge eine gewisse Bitterkeit ab. Trotz der aromatischen Traubensorte ist das Bukett in meinen Augen ehr verhalten und schwer zu beschreiben. Erinnert mich eher an einen etwas fruchtigeren Quebranta. Positiv empfinde ich die etwas raue, aber nicht dominierende, alkoholische Schärfe im Abgang. Dieser Pisco möchte präsent sein und könnte in diversen Drinks gut funktionieren. Eine Pisco-Margarita oder ähnlcies wäre definitiv einen Versuch wert. Herr Schmid-Egger sagte dazu: "Die Leute im Forum haben genauso gegensätzliche Meinungen wie die Barkeeper, die ihn schon probieren durften, also einfach ein spannendes Produkt."
Ich möchte mich herzlichst bei Perola bedanken welche dieses sehr aufschlussreiche Blindtasting ermöglicht haben und uns ein super Support zu ihren Produkten liefern konnten. Es ermöglichte uns einen weiteren Einblick in die breite Welt des Piscos. Nicht zuletzt sieht man diesen Außenseiter unter den Spirituosen auch immer öfters in diversen Bars was für ihre Qualität und Mixability spricht. Nach weiterem Emails mit dem Importeuren konnten diese mir folgende fantastische Information geben: "...Wir haben uns mit den Ergebnissen inzwischen auch intensiv auseinander gesetzt und uns entschieden dass wir in Zukunft zusätzlich Barsol Italia und Barsol Torontel anbieten werden (...) Die neuen Sorten sollten wir im Frühjahr 2012 dann anbieten können. Voraussichtlich nicht früher als März und nicht später als Mai..." Wenn das keine guten Nachrichten sind! Wer hätte schon gedacht das die Cocktailverrückten irgendwann solche wichtigen Entscheidungen mitbestimmen können! Darauf einen Pisco-Tonic!