Donnerstag, 12. Januar 2012

Jim Beam Liköre: Red Stag & Honey im Test

Mixology-Online schrieb jüngst eine Prognose über die vermuteten Bartrends für das Jahr 2012. In einem der Punkte hieß es dazu "Whiskyliköre sind im Anmarsch". Und in der Tat scheint sich dieser Punkt bereits jetzt zu erfüllen. Allen voran gibt aktuell die Bourbonmarke Jim Beam den Ton an. Bereits letzten Sommer brachte das flüssige Großunternehmen ein Produkt mit Kirscharomen auf den Markt. Nun folgt eine Honig-Variante. Beide Whiskyliköre basieren auf dem vierjährigen Standartwhisky des Hauses - dem White Label. Was sich hinter diesen Likören allerdings verbirgt soll ein kleiner Test zeigen. Dazu wurden den Cocktailwelten jeweils ein Muster zu Verfügung gestellt. Man darf gespannt sein.

Red Stag ist laut Beam Global der erfolgreichste US-Lauch im Whiskysegemnt der letzten fünf Jahre. Und auch von anderen Quellen habe ich gehört das sich dieser Likör dort wie warme Semmel verkaufen würde. Dies war mit Sicherheit auch der ausschlaggebende Punkt sich auf dem deutschen Markt zu versuchen. Red Stag wurde laut Etikett mit natürlichen Aromen der Schwarzkirsche versetzt. In einer Anzeige konnte ich dazu entnehmen das "in einem speziellen Herstellungsprozess die Kirschnote in kleinen Einheiten langsam in den Bourbon geblendet wird" - was auch immer man darunter versteht. Wie auch der Basiswhisky hat der Likör einen Alkoholanteil von 40% Vol.
Der Geruch erinnert in der Tat an Kirschen aber erscheint mir eher als ein künstliches Aroma. Immerhin ist auch überall nur die Rede von Kirscharomen und nicht von Kirschen. Ein durch den Alkohol erzeugtes Stechen in der Nase macht das Erlebnis auch nicht viel besser. Auf der Zunge merke ich bei der Verkostung vor allem eins: Zucker! Der Likör ist meiner Meinung nach geradezu unangenehm Süß. Dazu gesellt sich wieder das künstliche Kirscharoma. Vom Whisky ist in dem Gebräu nicht mehr übrig geblieben als der Alkohol. Das klebrige Gefühl verbleibt noch während des ganzen Abgangs am Gaumen. Mir ist es ein Rätsel warum sich dieses Produkt so gut verkauft - in meinen Augen ein Flop! Ein Whisky mit einem guten Cherry Brandy im Verhältnis 6:2 vermixt dürfte das bessere Ergebnis abliefern.

Jim Beam Honey wird noch diesen Monat global als erstes auf den deutschen Markt eingeführt. Vorerst ist man aber noch etwas zögerlich und belässt es für den Anfang auf einer limitierten Auflage. Den Etiketten auf der Flasche ist wieder zu entnehmen das die zu erwarteten Honigaromen von echtem Honig abstammen der dem Whisky zugegeben wurde. Was mir sofort ins Auge gesprungen ist war der Veränderte Alkoholgehalt auf 35%. Davon ausgehend das der Honig als Verdünner fungiert kann man grob daraus schließen das sich in einer Literflasche geschätzte 8 cl Honig befinden. Ich vermute aber das dieser noch mit Wasser verdünnt wurde aufgrund besserer Verarbeitung. Als Cocktailtrinker weiß man wie schwer sich Honig ansonst in kalten Flüssigkeiten auflöst.
In der Nase ist der Honig nur schwer auszumachen da seine dezenten Aromen vom Alkohol überlagert wird. Nur recht dezent sind die typischen schweren Honigtöne vorhanden. Vielmehr erinnert das Bouquet an Karamellbonbons. Der Geschmack des Likörs überrascht hingegen. Deutlich Süß, aber nicht so stark wie erwartet, breitet sich daneben der Alkohol mit einer gewissen Schärfe aus. Aber gerade das verleiht dem Ganzen einen gewissen Charakter und lässt den Likör nicht all zu eintönig schmecken. Aromen von Karamell und Vanille stehen an vorderster Front. Der Whisky an sich wird keinesfalls zu sehr überlagert und steuert Fassaromen bei. Der Honig an sich ist auch hier wieder nur dezent im Hintergrund. Im Abgang verbleibt das Bienenprodukt etwas ausgeprägter.
Wie es der Zufall so will steht mir zum Vergleich noch ein  zweiter Whisky-Honig-Likör zur Verfügung. Es handelt sich um den Slyrs Liqueur (30% Vol.) welcher aber noch zusätzlich mit Vanille aromatisiert wurde. Bereits in der Nase verströmt das bayrische Produkt eine sehr starkes Honigaroma. Bei einer annähernd gleichen Süße wie beim Jim Beam tritt hier keine alkoholische Schärfe auf und der Honig ist sofort präsent. Hier ist die Whiskybasis weniger zu erahnen aber insgesamt ist der Slyrs das deutlich bessere Produkt. Dabei muss man allerdings beachten das der Bayer auch das Doppelte Kostet als der Amerikaner. Für 15€ ist der Jim Beam Honey ein recht solides Produkt das seinen Ansprüchen durchaus gerecht wird - er wird seine Abnehmer finden.

Wie man sieht liegt gut und schlecht manchmal gar nicht so weit  auseinander. In wiefern sich diese (oder auch andere) Whiskyliköre durchsetzen werden wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Diese Produkte sind auch ganz klar an den Endkonsumenten gerichtet und weniger an die Bars. Wie der werte Blog-Kollege von Eye for Spirits in Erfahrung brachte plant Beam Global auch schon die Einführung zweier weiterer Whiskyliköre. Red Stag Honey Tea sowie Red Stag Cinnamon. Seiner Aussage "Ziel ist es ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Dabei wird gesüßt und aromatisiert, um in erster Linie Spirituosen-Unerfahrene und jüngere Altersgruppen für die eigenen Produkte zu begeistern." kann ich nur zustimmen. Aus wirtschaftlicher Sicht macht das durchaus Sinn. Als Spirituosenliebhaber bin ich weniger begeistert. Das Jim Beam auch ganz anders kann und erstklassige Produkte produziert zeigen sie sehr eindrucksvoll mit ihrer Small-Batch-Reihe die u.a. die Whiskys Baker´s, Booker´s und Basil Hayden beinhalten.

Kommentare:

  1. Als leichtlöslichen Honig für die Bar kann ich nur wärmstens den Bärenjäger empfehlen. Der hat ein klares, sehr intensives, würziges Honigaroma. Im Cocktail gibt er eine wunderbar abrundende Süße.
    Gruß

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  2. Das liegt lecker, habe selbst noch nie einen Cocktail mit Honig probiert, aber werde es bald einmal tun denke ich.

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  3. ich liebe Honig ja eh schon und schmiere es mir gern aufs Brot oder gebs in warme Milch, aber auf den neuen Jim Beam mit Honig bin ich ja echt gespannt. Der Red Stag war jetzt eher nicht so meins, aber der mit Honig verspricht einiges.

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  4. Hallo , finde es auch eine nette Idee und der Geschmack von Honig "entschärft" Whiskey, sodass die Leute die sonst sagen Sie mögen keinen Whisky auch mal einen Whisky lieben lernen.
    Und zum mixen, natürlich absolut eine Sache mit der man viel experementiren kann.

    Solong Hartmut

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  5. Hallo, weiss jemand wo man die Gläser herbekommt? Also wo passend dazu "honey" drauf steht?

    LG

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  6. Der Red Stag ist doch auch total Lecker. Am besten mit Ginger Ale

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