Freitag, 6. Januar 2012

Vergangenheit und Gegenwart

Althistoriker Steffen Hubert ist freudig-suchender Forscher nach den neuesten Entwicklungen der Barkultur und ist unter anderem als Autor für Mixology tätig. In einem letzten Eintrag versuchte sich Steffen an der hohen Kunst der Weissagung und prophezeit zehn Trends für das kommende Jahr. Ob aus einer Kristallkugel oder aus Karten "gelesen" wurde ist an dieser Stelle nicht bekannt. Ich schließe mich dieser Liste, bis auf den Mezcal-Punkt an, und möchte mich als Connaisseur zu zwei Punkten äußern die mir besonders am Herzen liegen.
Das wäre zunächst einmal Numeri Quartus "Die Barkultur und der Mainstream". Der Titel bezieht sich dabei auf die gleichnamige Podiumsdiskussion welche im vergangenen Jahr auf dem BCB geführt wurde. Leider wurde am eigentlichen Gedanken dieses Gespräches vorbeigeredet. Aber eines ist klar. Die Spirituosen- und Barwelt such den Kontakt zu den Endkonsumenten. In vielen Zeitschriften sind nun Werbekampagnen für die verschiedensten Getränke zu finden und das nicht nur in Koch- und Fachmagazinen. Vor allem im Printbereich des Lifestyles haben sich diese Marketinganzeigen ganz gezielt etabliert. Modern und Hipp will man seine Marke präsentieren- am besten noch kombiniert mit einem Lächeln eines bekannten Hollywoodstars. Wer trinkt ist dabei! Vor wenigen Jahren fand man in der flüssigen Fernsehwerbung fast nur Werbung für Bier. Heute konkurrieren ein Duzend Spirituosen um die Gunst des Konsumenten. Dabei beschränken sich die meisten Kampagnen aber nicht nur um den Verkauf ihrer Ware sondern auch um den richtigen Genuss derselben. Trinken ja aber bitte mit Style - man will ja nicht zum gemeinen Pöbel gehören. Der Zielkunde wird daraufhin manipuliert und wird sich auch entsprechende Trinkstätten aufsuchen. Man geht lieber in eine schön Bar oder Club als in die Bierkneipe von Nebenan. Gemischte Getränke rücken automatisch in den Vordergrund. Man lernt die Mischungen zu schätzen insofern diese gefallen und probiert vielleicht wirklich auch das Mixen zu Hause aus. Der Aperol Fizz ist ein Paradebeispiel für eine solche Entwicklung. "Barkultur wird nicht zum Mainstream, aber der Mainstream wird 2012 barkultivierter." heißt es in der Mixology-Redaktion. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Ich hoffe das sich dieser Trend noch eine ganze Weile halten kann. Die direkte Barkultur ist der breiten Maße kaum zu vermitteln, aber in kleinen Stücken kann man sich ihr problemlos nähern.

Das führt mich direkt zur Weissagung Nr. 6: "Der Kluge Mann von Nebenan". Von Nerds und Connaisseuren ist die Rede. Von jenen merkwürdigen Personen die sich verstärkt auf das Genusstrinken spezialisieren und sich aktiv damit beschäftigen. Unter uns sollen sie sein und es werden immer mehr! Als Beteiligter freute mich dieser Punkt sehr! Es ist schön das man mittlerweile Anklang gefunden hat. So ist beispielsweise das oben erwähnte BCB-Thema "Die Barkultur und der Mainstream" auf Vorschlag eines Connaisseurs entstanden. Viele dieser Personen arbeiten Nebenbei hinter eine Tresen um das Hobby verstärkt auszuleben. Kennengelernt über das Internet trifft man sich mittlerweile regelmäßig zum Fachsimpeln in der privaten, teils aberwitzigen Heimbars oder in einer Stadt zu einer gepflegten Bartour. Und ab und an schließt sich solch einer Gruppe auch der eine oder andere Bartender an. Auf Messen und Veranstaltungen sind immer mehr dieser Barliebhaber zu sehen und auch erwünscht. Man hat erkannt das sie die Informationen der Barkultur weit verbreiten können.
Die ersten Cocktailwettbewerbe wurden von den Cocktailnerds gewonnen oder sie schafften es immerhin auf das Siegertreppchen. Ich erinnere mich zurück an eine hitzige Diskussion die vor ziemlich genau drei Jahren hier auf den Cocktailwelten und auf der Mixology-Website geführt wurde. Ich habe in einem Beitrag bemängelt das Connaisseure meist bei Wettbewerben kategorisch ausgeschlossen werden. Damals das Hauptthema in der Szene. Als Betroffener durfte man sich noch solche Dinge anhören wie "Mischt euch nicht bei den Profis ein" oder "Geht wieder dahin wo ihr hergekommen seid" Hier wurden regelrecht Keile zischen die Lager geschlagen. Zum Glück haben sich solche Situationen zum Positiven gewendet und jeder profitiert vom anderen. Diese Symbiose führte aktuell soweit das ein ausschließlich von Nerds (wir haben übrigens nichts gegen diesen Ausdruck und verwenden ihn selbst) durchgeführtes Tasting zu einer landesweiten Markteinführung von zwei neuen Spirituosen ausschlaggebend war! Nicht zu vergessen sind natürlich alle diejenigen welche daneben noch Foren, Homepages und Blogs zum Thema schreiben. Auch wenn vor 1-2 Jahren insgesamt mehr geschrieben wurde vergeht doch kaum ein Tag an dem es nicht irgendwo die neuesten Nachrichten zu erfahren gibt.
Übrigens möchte auch ich mich dem Blog wieder mehr widmen nachdem mich eine Mischung aus "keine Zeit" und "keine Lust" übermannt hat. Wünschenswert wäre in dieser Hinsicht auch wieder eine Verstärkung der Kommentarkultur zum Informationsaustausch auf allen Plattformen. Diese lässt in letzter Zeit leider sehr zu Wünschen übrig (ja, ich bin auch nicht besser). Es würde zumindest die weiter Kommunikation wieder ein Stück verbessern. In diesem Sinne bitte ich euch laut Mixology "2013 sollte man wieder mit Steffen Hubert sprechen… …im Zweifel nimmt er dann alles zurück und behauptet das Gegenteil." Da haben wir ja Glück das die Welt im Dezember sowieso wieder einmal untergehen soll! Ich erhebe das Glas auf die bis dato wachsende Barkultur!

Kommentare:

  1. Finde ich auch, Christian.
    Barblogging "at his best"...

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  2. Chapeau! Gut geschrieben und auf den Punkt gebracht! Dann schauen wir doch einmal, was wir für das 2012 bringen können. In diesem Sinne wünsche ich ein gutes Jahr 2012. ;-))

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  3. Toller Bericht. Danke spricht mir aus der Seele

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