Sonntag, 14. Oktober 2012

Rumfest & Barconvent: Neue Tropfen für 2013


 
Das German Rum Festival und der Bar Convent Berlin sind für dieses Jahr Geschichte. Die Veranstalter haben wieder zwei erfolgreiche Events auf die Beine gestellt dies zusammen über 6000 Besucher in die Hauptstadt locken konnten. Die Berliner Bars haben dem Publikum knapp eine Woche lang gezeigt das sie zu Recht zu den besten des Landes gehören und waren stets gut gefüllt. Das Aufeinandertreffen der Besucher und das damit verbundene Networking sind für die Meisten der ausschlaggebende Punkt um sich auf den Weg nach Berlin zu  machen. Daneben locken selbstverständlich die neuesten Produkte der Bar- und Spirituosenindustrie von denen es dieses Jahr ungewöhnlich viele gab. Einige dieser Produkte auf welche man in den kommenden Monaten ein Auge werfen sollte möchte ich hier (in unbestimmter Reihenfolge) präsentieren:
 
Fee Brothers Orgeat & Falernum sind zwei Sirupe die noch nicht in Deutschland erhältlich sind aber es wird laut Herrn Fee persönlich daran gearbeitet. Das Orgeat ist nicht all zu süß und zeigt ein natürliches volles Mandelaroma. Das Falernum ist in Sirupform zwar alkoholfrei aber konnte neben einer balancierten Aromenmischung aus Nelke und Kardamom  auch mit einer frischen Note von Zitrusfrüchten punkten. Kombiniert mit einem Rum könnte man hieraus ein "richtiges" Faslernum bauen.
 
Fee Brothers Gin Barrel-Aged Orange Bitters sind der neueste Bitters aus dem Hause Fee. Dieser Bitters wurde zur Veredelung für eine gewisse Zeit in gebrauchte Old-Tom-Gin-Fässer gelagert. Das Produkt ist ausgewogen süß und bitter mit einem natürlich wirkendem Orangenbouquet. Geschmacklich ist er zwischen den Orangenbitters von The Bitter Truth und Angostura anzusiedeln. Wer einen Orangenbitters sucht sollte sich diese Neuheit einmal genauer ansehen.
 
The Bitter Truth Peach Bitters sind der neueste Streich der deutschen Bittersmanufaktur. Nur zurückhalten Bitter können diese Tropfen mit einem starken und vor allem natürlichen Pfirsicharoma überzeugen. Dieser Peach Bitters ist der beste welcher mir bekannt ist und wird so manchen Manhattan und Old Fashioned mit einer ungeahnt fruchtigen Note aufwerten. Des Weiteren wurden die Rezepturen von TBT Grapefruit und TBT Chocolate angepasst nach der kooperation mit Bittermens. Die Grapefruit ist nun fruchtiger während die Schokolade deutlich würziger und runder daher kommt.
 
Dzama Rhum Cuvee Noire Prestige ist ein dunkler Rum aus Madagaskar mit einem Alkoholanteil von 40%. Dieser ausbalancierte Brand hat die Eigenschaft das er als Spiced Rum durchgehen könnte obwohl er es nicht ist. Das Zuckerrohr welches den Rohstoff für diesen Rum bildet wächst inmitten von Vanille-Plantagen und nimmt aufgrund dieses besonderen Terroirs die typischen Aromen der gelben Orchidee über den Boden auf. Der Rum riecht und schmeckt als hätte man eine Vanilleschote darin eingelegt obwohl dies nicht der Fall ist - unglaublich! Eine  Erfahrung die jeder Rum- und Spirituosenliebhaber einmal erleben sollte.
 
Bristol Classics ist eine Reihe von Rums aus speziell ausgesuchten Einzelfassabfüllungen. Die Produkte werden vom äußerst sympatischen Firmenchef John Barrett selbst ausgesucht und entsprechend weiterverarbeitet. Die Serie ist in diesem Sinne zwar keine Neuheit aber erweitert sich stets. Es ist fantastisch einen Abfüller zu erleben der seine Produkte mit ganzem Herzen versteht und vertreibt. Jeder Rum hat seinen ganz speziellen Charakter und hat es verdient einmal genauer untersucht zu werden. Ein besonderes Augenmerk viel dabei auf einen Port Morant Demerara von 1999 sowie ein Caroni aus dem Jahre 1974.
 
Lions Vodka ist das zweite Destillat von den Machern des Duke Gins aus München. Der Vodka wird aus Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste destilliert. Der Brand mit 42% ist leicht süßlich und von milder Textur. Durch die ausgesuchte Getreidemischung erhält er daneben ein sehr feines Aroma von Hefe und Korn. Endlich gibts es wieder einmal einen Vodka auf dem Mark welcher nicht durch einen Vielzahl von Destillationsdurchgängen und Filtrationen zu einem Neutralalkohol herabproduziert wird.
 
Topanito Tequila gibt es in den Qualitäten Blanco und Reposado. Beide Sorten bestehen aus 100% Agave und werden in Deutschland von Perola vertrieben. Der Blanco konnte zuerst durch seine Fruchtigkeit überzeugen. Mild und rund im Aroma ist er ein guter Partner für Cocktails und andere Mischgetränke. Der Reposado ist etwas kantiger durch die zusätzlichen Faßaromen und scheint etwas schärfer zu sein. Absolut überzeugen kann das PLV. Ein Tequila mit dieser recht hohen Qualität und deutlich unter 20€ sollte der Konkurrenz das Leben schwer machen!
 
Plantation 3 Stars ist ein weißer Rum-Blend aus den Ländern Jamaika, Barbados und Trinidad. Das Produkt ist ein idealer Mixrum. Er ist weder alkoholisch noch zu charakteristisch. Eine feine Frucht wird umwoben von Karamell und Banane. Trotz eines recht hohen Anteil aus Jamaika ist noch eine dezente Süße wahrzunehmen sowie minimale Reifetöne. In einfachen Rezepturen wie einem Daiquiri wird dieser Zuckerbrand mit Sicherheit ein guter Spielpartner.
 
Kina Avion d´Or ist ein in der Schweiz hergestellter Weinaperetiv. Wein der Cortese Traube aus dem Piemont, wird mit einer Kräuterinfusion aus Chinarinde, Orangenschalen, Wermut und anderen exotischen Gewürzen versetzt. Das Produkt ist süß und wird untermalt von einer ausgewogenen und leichten Bitterkeit. Die Gewürzmischung kommt gut zur Geltung und wird von Zitrusaromen dominiert. Der Likör eignet sich sowohl Pur als auch in Kombination mit einem Schaumwein oder in Cocktails welche Quinquina verlangen wie der Corpse Reviver #2.
 
Mezcal, egal ob Blanco, Reposado oder Anejo, war auf dem BCB allgegenwärtig nachdem Mexico das offizielle Gastland der Messe war. Diese in Deutschland noch total unterschätzte Spirituose wird mit Sicherheit in den kommenden Jahren ihren Siegeszug antreten. Aufgrund der großen Vielfalt und den großen Unterschieden untereinander ist es kaum Möglich zu sagen welche Sorten den nun empfehlenswert sind. Hier sollte jeder selbst eine Verkostung durchführen. Und selbst dann gibt es noch hohe Differenzen zwischen verschiedenen Abfüllungen des selben Produktes was der Herstellungsweise zu verdanken ist. Bei einem Tasting konnte Mezcal San Cosme durch ein mildes Aroma punkten. San Cosme könnte man einfach als Tequila mit Rauchnote beschreiben. Andere Mezcals sind dagegen deutlich komplexer, würziger und fleischiger im Profil. Hier gefielen mir persönlich die Brände aus den Häusern Alipus, Del Maguey und Los Dazantos.