Samstag, 30. November 2013

Ungava Gin aus Kanada im Test


Seit Jahren ist Gin die Spirituose deren Entwicklung kein Ende zu nehmen scheint. Selbst als Cocktailnerd verliert man hier schnell den Überblick und findet immer wieder Produkte die man noch nie verkostet, geschweige den jemals gesehen hat. Ein neuer Gin auf dem deutschen Markt, der allerdings schon aus optischen Gründen kaum zu übersehen ist, kommt aus dem hohen Norden und nennt sich Ungava Canadian Premium Gin.
Wie der Name unschwer erkennen lässt stammt dieses Destillat aus Kanada und hier ist auch der Namensursprung des Produktes zu finden. Die Ungava-Halbinsel besteht aus einem weiträumigen Gebiet an der nördlichen Spitze von Quebec, östlich der rauen Hudson Bay. Der Gin präsentiert sich in einer modernen, kantigen Flasche deren Etikett mit Schriftzeichen der kanadischen Inuit Ureinwohnern verziert ist. Der Gin weist einen Alkoholgehalt von angenehmen 43,1% auf und sticht durch seine leuchtend gelbe Farbe hervor - und wir reden hier wirklich von leuchtend Gelb! Diese ungewöhnliche Aufmachung schreckt zunächst ab und Skepsis  ist zunächst angebracht, unterscheidet sich das ganze doch schon deutlich von einem normalen Wacholderbrand.
Das Produkt basiert zunächst, wie jeder Gin, auf einem Neutralalkohol welcher mittels diversen Kräutern und Früchten mazeriert wird. Beim Ungava Gin kommen lediglich sechs solcher Botanicals zum Einsatz. Diese stammen ebenfalls allesamt aus der arktischen Tundra Nordkanadas. Neben dem klassischen Wacholder finden noch Hagebutte, Moltebeere, Krähenbeere, Arctic Blend und Grönländischer Porst Verwendung. Die letzten drei stammen alle aus der Familie der Heidekrautgewächse. Viel mehr wächst in dieser kargen Landschaft wahrscheinlich auch nicht. Nachdem nun dieser Kräuterauszug destilliert wurde wird das Ergebnis nochmals mazeriert um die außergewöhnliche Farbe zu erhalten. Wenn ich es richtig verstehen handelt es sich dabei nochmals um die selben Zutaten wie zuvor.
Immer noch skeptisch geht es weiter mit der Verkostung: In der Nase ist ein deutliches Wacholderaroma zu vernehmen. Weiterhin eine leicht süßliche Note, etwas floral, etwas citrus. Diese Eindrücke setzten sich am Gaumen fort nur in umgekehrter Reihenfolge. Zunächst schmeckt man eine markante blumige Note welche sobald vom Wacholder überdeckt wird. An dieser Stelle könnte der Ungava für mich schon einen Tick würziger sein. Diese Würzigkeit, welche ich bei einem Gin schätze, ist erst beim langen Abgang zu vernehmen ohne dabei scharf zu sein. Des Weiteren bilden sich noch Aromen aus die mich etwas an Fichtennadeln erinnern. Insgesamt ein sanfter Gin der sich dennoch nicht versteckt. Der Gin kann durchaus überzeugen.
Stellt sich nur noch die Frage was diese Spirituose hinter der Bar kann. Getestet wurde sie zunächst im Gin & Juice. Der Gin bildet hier eine schöne Kombination mit einem verwendeten Merlot-Traubensaft. Ein sanftes Mischgetränk dem lediglich ein wenig Kraft fehlt. Andere Gins können das besser. Hier sollte die verwendete Saftmenge nicht zu hoch sein um den Gin nicht zu sehr zu unterdrücken. Im Klassiker "Gin & Tonic" macht sich der Kanadier ganz gut zusammen mit Thomas Henry Tonic Water. Das Getränk erscheint rau und kantig in seiner Bitterkeit. Wacholder gibt hier den Ton an umspült von wenigen floralen Eindrücken. Bestimmt kein Gin & Tonic für jeden Tag aber Spaß macht das Ganze ohne Zweifel! Das Destillat stößt beim vermixen aber eindeutig auf Grenzen. Ich denke das der Ugava in allen Drinks gut funktionieren wird in denen der Gin eine tragende Rolle spielt. Gin & Tonic, Martini, Gin Fizz, Gimlet, ect. Zusammen mit anderen aromatischen Partnern geht der Nordländer relativ schnell unter aufgrund dessen das er einen Großteil seiner  Kraft wie in der Purverkostung erst im Abgang preisgibt.
Als ich das erste Mal die Flasche mit diesem, man verzeihe den Ausdruck, uringelben Inhalt sah war ich mehr als skeptisch was das eigentlich sein sollte. Doch der Gin entpuppte sich als ein schönes Produkt das sowohl pur als auch mit Einschränkungen in der Mixology zu gebrauchen ist. Ungava Gin kann durchaus überzeugen und ist für Liebhaber der Spirituosenwelt allemal einen Blick wert. Er ist ab sofort in Deutschland erhältlich. Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt allerdings noch zu nennen: Der Preis. Für ca. 30€ die Flasche ist das Produkt für einen Gin schon in den höheren Regionen angesiedelt. Eventuell schon etwas zu hoch wenn man das ganze mit der riesigen Konkurrenz aus aller Welt vergleicht.
 
Anmerkung: Den Cocktailwelten wurde für diesen Artikel eine Flasche Ungava Gin als Muster zur Verfügung gestellt.

Montag, 11. November 2013

Rob Roy - Der Bruder des Manhattan


Fragt man nach alten und klassischen Cocktailrezepten wird man immer wieder den Manhattan als Antwort bekommen. Dieses simple, dennoch komplexe, Mischgetränk ist so bekannt das selbst Laien mit diesem Namen etwas Anfangen können ohne jemals die Kombination aus Rye-Whisky, roten Wermut und Bitters gekostet zu haben. Kein Wunder bedenkt man das die Rezeptur für einen Manhattan schon im "Jerry Thomas Bartender´s Guide" von 1862 zu finden ist - dem ältesten Cocktailbuch. In diesem Beitrag soll es jedoch um den nächsten Verwandten des Manhattans gehen: Der Rob Roy.
Der Rob Roy entspricht der selben Rezeptur wie der Manhattan jedoch findet anstelle eines amerikanischen Rye´s ein Scotch Whisky Verwendung. Entstanden ist dieses Getränk vermutlich 1894 im berühmten New Yorker Waldorf-Astoria Hotel. Laut Internet verdankt der Rob Roy Cocktail seine Entstehung einerseits der Einführung von Dewar's Scotch Whisky in den Staaten, andererseits der im selben Jahr stattfindenden Premiere der gleichnamigen Operette von Reginald De Koven und Harry B. Smith. Benannt ist das Getränk nach einem schottischen Volkshelden, Robert Roy MacGregor, ein Rinderdieb welcher seinen Nachbarn wiederum Schutz vor Rinderdieben verkaufte - die Mafia lässt grüßen...
Natürlich stellt sich bei der Zubereitung die Frage welcher Scotch zu verwenden ist. Alleine die Aromenvielfalt dieser Spirituose ist so groß wie der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Da der Manhattan ein komplexer und dominanter Drink ist empfehle ich diese Eigenschaften auch im Rob Roy einzubringen. In diesem Fall bietet es sich an den charaktervollen Roggenwhisky durch einen ebenso eigensinnigen Singel Malt aus Islay zu ersetzen. Welcher Islay-Tropfen es schließlich genau wird muss jeder für sich selber entscheiden. Alleine durch diese Auswahl entsteht jedes Mal  ein komplett anderes Trinkvergnügen. Die typischen Rauch- und Torf-Aromen geben dem Cocktail sein besonderes Etwas. Gehen wir davon aus das im Waldorf-Astoria Bar Book von A. S. Crockett aus dem Jahre 1935 das Originalrezept stammt, immerhin scheint hier der Cocktail erfunden zu sein, benötigt es Whisky und italienischen Wermut zu gleichen Teilen, mit einem Dash Orangen Bitters verrührt. Das Deckt sich bestens mit dem Manhattan-Rezept dieser Zeit. Allerdings werden darin noch einige Spritzer Triple Sec Curacao hinzugegeben (laut Jerry Thomas).
Interessant ist eine Mischung die ich in dem Buch "Cocktails - How to mix them" von Robert Jenkins gefunden habe. Das Buch weist zwar keine Jahreszahl auf aber in meinem Exemplar befindet sich ein Stempel eines Pariser Buchhändlers mit dem Datum 03. Jan 1928. Obwohl dieses Cocktailbuch also deutlich jünger ist als das des Hotels ist eine andere Rezeptur niedergeschrieben. Hier finden sich neben Whisky und Wermut auch die 2-3 Dashes Curacao des Manhattans wieder - ein interessanter Zusammenhang ergibt sich. Dafür wird hier anstelle des italienischen Wermutweines ein Französischer verwendet - quasi ein "Dry Rob Roy". Getestet habe ich diese Kombination nicht aber ich vermute das hier der starke Islay-Whisky sehr dominieren wird. Ein Scotch aus den Highlands dürfte eine bessere Entscheidung sein sollte es jemand probieren wollen.
Was die Dekoration bzw. die Zugabe einer Zitruszeste angeht findet man in diversen Quellen verschiedenste Angaben. Mit und ohne Cocktailkirsche, mit Zitronenzeste oder mit einer Orangenzeste. Hier entscheidet der persönliche Geschmack. Zitrone verleiht dem Ganzen eine leichte frische Note hingegen die Orange das Getränk fein abzurunden vermag. Ich habe für mich entschlossen das eine Kombination aus den hier erwähnten Rezepturen einen wunderbaren Cocktail für die Herbst- und Wintermonate ergeben. Die Zugabe des Tripel Sec Curacao ist für mich ein absolutes Muss. Der Likör sorgt für eine milde Süße und Fruchtigkeit welche fantastisch im Rob Roy harmoniert. Auch ändere ich das klassische Verhältnis der beiden Hauptzutaten von 1:1 in das heutzutage gebräuchlichere 2:1 um. Das ist hauptsächlich der hohen Qualität der neuen Whiskys zu verdanken wie auch die Tatsache das dieser als Hauptzutat des Cocktails schließlich auch die Hauptrolle übernehmen darf.
 
Rob Roy
6 cl Islay Scotch
3 cl roter Wermut
3 dash Triple Sec
2 dash Orangenbitters

Alle Zutaten auf Eis verrühren und in ein gekühltes Cocktailglas abseihen. Den Drink wahlweise mit einer Zitronen- oder Orangenzeste abspritzen.